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Zwille


Dieser Artikel erläutert die Schleuderwaffe. Zum 1973 erschienenen Roman von Ernst Jünger siehe Die Zwille, zu den gabelartigen Enden eines Bocksattels siehe Zwiesel (Sattel).

Die Zwille (auch Zwackel, Zwuschel, Flitsche, Fletsche, Zwistel, Zwiesel, Katapult, Kartzi, Katschi, "Schlatsche", Kreuzbergschleuder, Spatzenschießer, Zwockel, Gambel, Schlatte, Steinschleuder oder einfach Schleuder[1]) ist eine archaische Waffe.

Die Zwille wird oft als Schleuder bezeichnet, aber sie ist nicht identisch mit der echten Schleuder, einer antiken Waffe, welche nicht gespannt wird, sondern durch schnelle Drehbewegungen ein Geschoss beschleunigt. Nach biblischen Überlieferungen besiegte David den Riesen Goliat mit einer Schleuder, nicht mit einer Zwille.

Selbstbau

Bis heute ist es unter Kindern und Jugendlichen sehr beliebt, sich Zwillen selbst zu bauen. Hauptstück ist eine möglichst symmetrische Astgabel. Am besten stehen die Äste in einem Winkel zwischen 40° und 60° zueinander. Besonders geeignet sind Astgabeln des Haselstrauches, der Rotbuche und der Eiche, denn das Holz dieser Pflanzen ist fest, aber nicht spröde.

Zwischen den beiden Ästen wird elastisches Material befestigt, für einfache Zwillen sind dafür zum Beispiel alte Fahrradschläuche und Einkochglasgummis geeignet, weil sie einerseits dehnbar und reißfest und andererseits leicht erhältlich sind. Materialien, die sich um das 6- bis 8fache dehnen lassen, liefern jedoch weit bessere Resultate (etwa Spanngummis, wie sie im Flugmodellbau Verwendung finden). In der Mitte des Gummis wird ein Stück härteres Material eingesetzt (etwa ein Stück reißfestes Leder), um die Munition zu halten und den Gummi besser spannen zu können.

Mitte bis Ende der 1970er Jahre kamen kommerzielle, aus Stahl gefertigte Zwillen mit deutlich stärkeren Gummizügen auf.

Als Munition können verschiedene Materialien in der richtigen Größe verwendet werden, bspw. Steine, Metall, Glas und Ähnliches.

Die Primitivform einer Zwille besteht aus einem einfachen Gummiband, das über zwei Fingerspitzen gespannt wird und mit dem man Papierkrampen verschießt, also eng zusammengerollte Papierzettel, welche zu einem Winkel geknickt wurden.

Sportgerät

Die Zwille wird, ähnlich wie der Bogen, im Sport verwendet. Hier kommen allerdings keine Konstruktionen aus Astgabeln und Fahrradschläuchen zum Einsatz, sondern handwerklich hergestellte Zwillen aus Leichtmetall oder Kunststoff. Die Gummis sind meistens in Schlauchform oder auch aus Flachgummi. Moderne Sportschleudern können über Armstützen und Stabilisatoren in Antennenform verfügen, die in Deutschland aber verboten sind. In Deutschland gibt es keine Meisterschaften, doch in anderen Ländern, z. B. Spanien und Amerika, ist das Schleuderschießen eine beliebte Sportart mit Meisterschaften und Vereinen.

Beim Angeln kann die Zwille ihren Zweck beim Anfüttern an weit entfernten Angelpunkten erfüllen (insbesondere mit Kartoffeln oder Boilies). Ein ähnliches Gerät wird als Madenschleuder bezeichnet. Diese wird in der Sportfischerei verwendet und ähnelt vom Aufbau her einer Zwille mit einer körbchenförmigen Erweiterung im Schleudergummi. Sie wird dazu verwendet, um Maden zur Anfütterung von Fischen über ein Gewässer zu schleudern. In einigen Ländern zählt die Madenschleuder wie die Zwille zu Waffen. Der Erwerb ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Als Munition werden beim Sport keine Steine verwendet. Geschosse aus Kunststoff, Keramik und Metall sind hier verbreitet. Ein typisches Stahlgeschoss hat einen Durchmesser zwischen 8 und 14 mm.

Arbeitsgerät

Die Zwille ist eine Methode für Baumkletterer (die Baumpflegearbeiten vornehmen oder Tannenzapfen ernten), um ein erstes Seil über einen Tragast in einem Baum zu schießen, um an diesem Seil in den Baum zu kommen.[2]

Flugzeugmodellbau

Zwillen können auch zum Start von Flugmodellen verwendet werden (Katapultstart). Eine weitere, eher spielerische Anwendung ist das Verschießen von Pfeilen, welche mit Leuchtdioden ausgestattet sind und nach vollbrachtem Flug nach dem Prinzip der Autorotation landen. Solche Pfeile werden zweckmäßigerweise senkrecht abgeschossen.

Physikalische Grundlagen

Die kinetische Energie der mit einer Zwille geschleuderten Teile und damit deren Aufprallkraft und ballistische Flugweite hängen besonders von der beim Ziehdehnen ausgeübten Kraft und dem Elastizitätsfaktor (Schnellkraft) des Schleudersträngematerials sowie von der Größe, dem spezifischen Gewicht und dem Oberflächenwiderstandsbeiwert des Schleuderteilmaterials ab.

Aktuelle Rechtslage

Mit einiger Übung wird die Zwille zu einer zielsicheren und sehr gefährlichen Waffe, mit der weitaus schwerere Verletzungen hervorgerufen werden können als etwa mit Luftgewehren.

Nach dem Waffengesetz in Deutschland sind Schleudern mit Armstützen und vergleichbaren Vorrichtungen verboten. Selbst Schleudern, bei denen eine Montage einer Armstütze nur vorgesehen ist (Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.3.7 in Verbindung mit Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.3), zählen zu den verbotenen Gegenständen.

Im aktuellen Waffengesetz (11. Oktober 2002, Änderungen 19. Dezember 2002 und 10. September 2004, Berichtigung 19. September 2003) wird die zuvor enthaltene Begrenzung auf 23 Joule nicht mehr erwähnt (ebenfalls Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.3.7 in Verbindung mit Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.3), damit gibt es keine Leistungsbegrenzung (Begrenzung der Spannenergie) mehr für Schleudern in Deutschland.

Von anderen Staaten sind bisher keine gesetzlichen Regelungen bekannt.

Sonstiges

Eine zentrale Rolle spielt die Waffe in Ernst Jüngers Roman Die Zwille (1973). Eine Hauptfigur in den Comics von Gerhard Seyfried trägt den Namen Zwille.

Weblinks

 Commons: Zwillen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Zwille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Atlas zur deutschen Alltagssprache (AdA): Steinschleuder , Umfrageergebnisse vom 26. Januar 2012, abgerufen am 16. Januar 2014
  2. Baumklettern mit Zwillenhilfe (englisch)
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Kategorien: Sportgerät | Spielzeugwaffe | Schleuderwaffe

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Zwille (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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