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Zum Blauen Bock


Seriendaten
OriginaltitelZum Blauen Bock
ProduktionslandBundesrepublik Deutschland
OriginalspracheDeutsch
Jahr(e)1957–1987
Produktions-
unternehmen
Hessischer Rundfunk
Länge90 Minuten
Episoden208
ProduktionMartin Jente (1957–1966)
Lia Wöhr (1967–1987)
Moderation
Erstausstrahlung3. August 1957 auf Deutsches Fernsehen

Zum Blauen Bock war eine Unterhaltungsshow des Hessischen Rundfunks im Deutschen Fernsehen, von der zwischen 1957 und 1987 insgesamt 208 Folgen produziert wurden. Otto Höpfner leitete sie bis Ende 1965, anschließend Heinz Schenk und Lia Wöhr.

Mit Otto Höpfner

Funkausstellung 1957

Die Show Zum Blauen Bock ist für die Funkausstellung 1957 in Frankfurt am Main konzipiert worden. Der Vorschlag, eine Äppelwoi-Gaststätte nachzubilden, kam dabei vom Intendanten des Hessischen Rundfunks Eberhard Beckmann. Der Name der Sendung leitete sich von existierenden Gaststätten mit ähnlichem Namen, etwa Zum Schwarzen Bock ab, Blau als Farbe wählte man im Hinblick auf den Alkoholgenuss. Die erste Sendung lief am 3. August 1957, weitere insgesamt acht Sendungen an den folgenden Tagen der Ausstellung. Ab dem 9. November 1957 wurde die Show dann sehr erfolgreich etwa alle sechs Wochen samstagnachmittags im regulären Programm ausgestrahlt.

Konzept

Den Eindruck einer Schankwirtschaft erzeugten Tische mit Sitzbänken, auf denen die Gäste saßen, und drumherum angeordnete, etwa 2 m hohe Kulissen, welche Fachwerkhäuser darstellten. In der Sendung spielte das Tanzorchester Hans Schepior und seine Solisten, welches sämtliche eingeladenen Künstler begleitete. Neben der Musik nahmen Wortbeiträge einen nahezu ebensogroßen Raum ein. Dazu gehörten Sketche, bei denen auch schon Heinz Schenk mitwirkte, und Gespräche mit den Gästen, wobei stets der Bürgermeister und die bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt zu Wort kamen.

Eine Besonderheit der Sendung war, dass die Produktion der Sendung nicht auf einen festen Standort beschränkt wurde. Die Sendung wurde überwiegend in verschiedenen hessischen Städten produziert. Gelegentlich wurden Sendungen auch außerhalb Hessens, zum Teil auch im Ausland produziert. Innerhalb Hessens besuchte man dabei nicht nur die großen, sondern auch kleine Städte. Dies war noch ungewöhnlich und sorgte in der jeweiligen Stadt für enormes Aufsehen. Voraussetzung für einen Besuch war es allerdings, dass eine geeignete Stadt- oder Sporthalle zur Verfügung stand. Das Publikum bestand jeweils aus den Einwohnern der gastgebenden Stadt.

Jedes Jahr wurde an Weiberfastnacht eine besondere Fastnachts-/Karnevalssendung ausgestrahlt. Diese war aufwändiger als die reguläre Samstagssendung und wurde in größeren Hallen produziert. Während der langen Laufzeit der Sendung griffen die Produzenten immer wieder (häufiger ab den 1970er/1980er Jahren) aktuelle Themen (wie z.B. Aerobic, Waldsterben) auf, die mit Tanzeinlagen, Sketchen oder Liedern thematisiert wurden. So gab es beispielsweise 1974 einen Einspieler, in dem die damals erfolgreiche Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise persifliert wurde (Heinz Schenk als Captain Kirk und Reno Nonsens als Spock).[1]

Weitere Eigenarten stellten die Bembel und der Beginn einer jeden Sendung dar, er bestand nämlich aus einem Einspielfilm, in dem Otto Höpfner in eine Figur, etwa einen Handwerker, schlüpfte. Die Bembel bekamen die Gäste nach ihrer Darbietung zum Dank und als Erinnerung überreicht.

Wesentliche Merkmale dieser Sendungskonzeption wurden in den 1980er Jahren vom ORF für die damals neue Unterhaltungssendung Musikantenstadl übernommen, so dass etliche Parallelen sichtbar sind.

Fortgang Höpfners

Wegen eines Gagenstreits mit dem HR wechselte Höpfner zum Jahresanfang 1966 erst zum WDR und dann zum ZDF, um dort dann eine ähnliche Sendung zu präsentieren. Der Programmdirektor des Hessischen Rundfunks, Hans-Otto Grünefeldt, vertrat den Standpunkt, wenn er wechseln wolle, müsse man ihn gehen lassen und überreichte ihm in der letzten Sendung persönlich einen Bembel zur Verabschiedung.

Mit Heinz Schenk und Lia Wöhr

Übergang

Heinz Schenk erfuhr im Funkhaus von seiner neuen Tätigkeit, als er die Treppe hinunterging und ihm der Programmdirektor entgegenkam. Schenk erbat eine Bedenkzeit, da es ihm problematisch erschien, eine erfolgreiche Sendung von jemandem zu übernehmen. Am nächsten Morgen konnte er aber bereits in der Abendpost/Nachtausgabe vom Personalwechsel lesen. Beim anschließenden Telefonat teilte ihm Hans-Otto Grünefeldt mit, er könne dementieren, aber es mache keinen guten Eindruck.

Von einer Übernahme riet auch der Regisseur der Sendung, Ekkehard Böhmer, ab, woraufhin Heinz Schenk sich überlegte, nicht als Wirt zu erscheinen, um nicht in die Fußstapfen Otto Höpfners treten zu müssen. Er fragte Lia Wöhr, ob sie als Sketchpartnerin zur Verfügung stünde, und ersann folgende Konstellation: Lia tritt als Wirtin auf, er selbst und Reno Nonsens als Oberkellner. In dem Einspielfilm zur ersten Sendung reisten dann Schenk und Nonsens im Zug zur Sendung.

Während Otto Höpfner recht rustikal aufgetreten war und auch schon einmal einem Gast auf die Schulter klopfte, legte Heinz Schenk viel Wert auf Perfektion. Dies galt auch für die Zusammenarbeit mit Reno Nonsens, mit dem er schon zuvor viele gemeinsame Auftritte hatte.

1968 wurde Heinz Schenk dann von Lia Wöhr zum Geschäftsführer ernannt, fortan trat er nicht mehr mit einer weißen Jacke, sondern im Trachtenanzug auf.

Produzent blieb zunächst Martin Jente, den dann aber Lia Wöhr ablöste.

Bembel

Heinz Schenk nutzte die Bembel-Übergabe als Zeichen dafür, das Gespräch mit dem Gast zu beenden. Er hatte dazu mit Lia Wöhr abgesprochen, dass sie 20 Sekunden vor dem geplanten Ende mit den Bembeln erscheinen solle. Später gravierte man die Autogramme von Heinz Schenk und Lia Wöhr in den Bembel, um den Verkauf der vorher marken- und musterrechtlich nicht geschützten Blaue-Bock-Bembel verhindern zu können. Schenk trank stets Apfelsaft anstatt Äppelwoi, um unbeeinträchtigt durch die Sendung führen zu können.

Musik

Heinz Schenk arbeitete lange Zeit mit Franz Grothe zusammen, dessen musikalische Fähigkeiten er sehr achtete, er sprach ihn stets mit „Sie“ und „Meister“ an. Musikalisch legten die beiden großen Wert darauf, bedeutende Operetten- und Opernsänger in die Sendung zu bekommen, was einen erheblichen Teil ihres Erfolges ausmachte. Der bisherige Dirigent Hans Schepior blieb dabei der Sendung erhalten, er spielte unter der neuen Leitung am Klavier mit und wurde von Schenk stets persönlich begrüßt. Nach dem Tod Franz Grothes 1982 übernahm Rolf-Hans Müller die musikalische Leitung bis zur Einstellung der Sendung.

Heinz Schenk schrieb selbst viele Texte, die Franz Grothe bzw. Rolf-Hans Müller dann vertonten. Dabei handelte es sich zum einen um Lieder, die er selber sang, so dass er sich bei Zeitnot „selber aus dem Programm nehmen“ konnte, um den Zeitplan der Live-Sendung einzuhalten – als Nachmittagssendung durfte der Blaue Bock nicht überziehen. Zum anderen handelte es sich um Lieder für die Gäste, die sie mitunter auch im Duett mit Schenk sangen. Dabei wurden häufig auch Prominente, beispielsweise Nachrichtensprecher, eingeladen, die zum ersten Mal vor der Kamera sangen. Schenk passte dann seine Lieder an die musikalischen Fähigkeiten der Gäste an. Sämtliche Gesangseinlagen im Blauen Bock wurden vorher aufgezeichnet und in der Sendung als Playback eingespielt. Bei den Prominenten, die sonst selten oder nie öffentlich sangen, führte dies oft zu erkennbaren Asynchronitäten zwischen Mundbewegungen und Gesang.

Eine Zeit lang traten auch der Günter-Kallmann-Chor oder der Botho-Lucas-Chor als Background-Sänger auf und durften auch eigene Titel vortragen.

Am Ende jeder Sendung traten alle beteiligten Künstler nochmal für ein großes Finale auf und sangen gemeinsam ein Schlusslied, das jeweils unter einem bestimmten Motto stand.

Einspielfilm

Den Einspielfilm als Vorspann behielt Heinz Schenk bei, wobei er dazu überging, die gastgebende Stadt auf humorvolle Weise musikalisch vorzustellen. Dabei verkleidete er sich mitunter sogar in mehrere, auch historische Figuren.

Erfolg

Bestanden nach dem Abschied Höpfners die Befürchtungen, die Sendung könnte bald eingestellt werden, so erlebte sie tatsächlich einen gigantischen Erfolg, der jenen seines Vorgängers noch einmal überbot. Bis zu 20 Millionen Menschen schalteten die Sendung regelmäßig ein.[2] Die Gründe hierfür lagen in der Präsentation: Sowohl Heinz Schenk als auch Lia Wöhr und Reno Nonsens legten als gelernte Schauspieler auf eine technisch perfekte Darbietung allergrößten Wert; in der Musikauswahl sowie den bekannten Gästen. So gut wie alle bekannten Sänger deutscher Volksmusik sind wenigstens einmal im Blauen Bock aufgetreten; den Rekord hielt das Medium-Terzett mit 30 Auftritten.

Auf der Funkausstellung 1967 in Berlin wurde der Blaue Bock als erste Sendung des Hessischen Rundfunks in Farbe ausgestrahlt. In den 1980er-Jahren wandelte er sich schließlich noch in eine Samstagabendshow. Am 19. Dezember 1987, kurz nachdem die Sendung ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert hatte, fand die letzte Sendung aus der Frankfurter Festhalle statt. Heinz Schenk gab den Blauen Bock aus Altersgründen auf.

Laufzeit

  • Vom 3. August 1957 bis Dezember 1965 entstanden 74 Sendungen mit Otto Höpfner.
  • Vom 15. Januar 1966 bis zum 19. Dezember 1987 entstanden 134 Sendungen mit Heinz Schenk und Lia Wöhr.
  • Der Hessische Rundfunk produzierte 1997 mit Heinz Schenk die Reihe „Spätlese – Das Beste aus dem Blauen Bock“, in der vom Gastgeber handverlesen die schönsten TV-Momente aus jeweils einem Bock-Jahrgang pro Sendung präsentiert wurden. Die zwölf Ausgaben der Jahrgänge 1969 bis 1980 sind mit dem Tod von Heinz Schenk im Sommer 2014 in einer 3-DVD-Box erschienen. Er selbst hatte diese noch mit auf den Weg gebracht und mit einem Grußwort versehen, erlebte jedoch die Veröffentlichung nicht mehr selbst.

Schallplattenausgabe

Eine Schallplattenausgabe der Sendung gab es in den 1960er Jahren, gleichfalls live vor Publikum aufgenommen. Daneben gab es einige Musikkompilationen mit Liedern der in der Sendung aufgetretenen Stars als Begleitschallplatten.

Einzelnachweise

  1. TV-Sendung des HR 50 Jahre Blauer Bock-der große Rückblick zum Jubiläum; 2007
  2. FAZ vom 1. Mai 2014: Heinz Schenk ist tot

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Zum Blauen Bock (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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