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Zemannit


Zemannit
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

IMA 1968-009

Chemische Formel Mg0,5ZnFe3+[TeO3]3 · 4,5 H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfite, Selenite, Tellurite
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
4.JM.05 (8. Auflage: IV/K.10)
34.03.02.01
Ähnliche Minerale Keystoneit, Kinichilit, Francisit, Quetzalcoatlit
Kristallographische Daten
Kristallsystem hexagonal[1]
Kristallklasse; Symbol hexagonal-dipyramidal, 6/m[1]
Raumgruppe (Nr.) P63/m[1] (Nr. 176)
Gitterparameter a = 9,41 Å; c = 7,64 Å[1]
Formeleinheiten Z = 2[1]
Häufige Kristallflächen {1010}, {1011}
Zwillingsbildung nicht beobachtet
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte "weich"[2]
Dichte (g/cm3) 4,05 bis 4,36
Spaltbarkeit gut
Bruch; Tenazität sehr spröde[2]
Farbe hellbraun bis dunkelbraun, rötlichbraun, orange
Strichfarbe weiß
Transparenz durchscheinend bis undurchsichtig
Glanz Diamantglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nω = 1,850
nε = 1,930
Doppelbrechung δ = 0,0800
Optischer Charakter einachsig positiv
Pleochroismus rotbraun nach gelbbraun

Zemannit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung Mg0,5ZnFe3+[TeO3]3 · 4,5 H2O. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem und bildet meist kleine prismatische Kristalle, die eine braune Farbe besitzen.

Etymologie und Geschichte

Zemannit wurde erstmals 1961, jedoch noch ohne Namen, als mögliches neues Mineral aus Moctezuma (Sonora, Mexiko) erwähnt.[3] Es wurde zunächst für ein reines Zink-Tellurat(IV) gehalten, wobei nicht klar war ob es sich um ein Salz der Tellurigen Säure oder der Metatellursäure handelte. Aufgrund der Probleme bei der Bestimmung der exakten chemischen Formel verzögerte sich die Mitteilung des neuen Minerals an die International Mineralogical Association (IMA).

Erst 1967 gelang Eckhart Matzat auf der Grundlage von Daten aus Kristallstrukturanalysen eine genauere Bestimmung der chemischen Zusammensetzung, die fortan als (Na,H)2(Zn,Fe3+,Mn,Mg)2[TeO3]3 · n H2O angegeben wurde.[4] Zwei Jahre später veröffentlichte er zusammen mit S. J. Williams das Mineral erstmals unter dem Namen Zemannit, in Anerkennung der wissenschaftlichen Verdienste des österreichischen Mineralogen Josef Zemann (* 1923), besonders im Bereich der tellurhaltigen Minerale.[5] Im selben Jahr wurde es als neues Mineral mit dem Namen Zemannit und der revidierten chemischen Formel von der IMA anerkannt.

Spätere Untersuchungen zeigten, dass Zemannit, ebenso wie der verwandte Kinichilit, nur Spuren von Natrium und hauptsächlich Magnesium enthält, die Formel wurde daraufhin erneut korrigiert und entspricht der heutigen Form: Mg0,5ZnFe3+[TeO3]3 · 4,5 H2O.[1]

Die Typlokalität ist die Mina La Bomballa in Moctezuma, Sonora, Mexiko.

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Zemannit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Sulfite, Selenite und Tellurite“, wo er zusammen mit Francisit, Keystoneit, Kinichilit und Quetzalcoatlit eine eigenständige Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz'schen Mineralsystematik ordnet den Zemannit ebenfalls in die Klasse der „Oxide und Hydroxide (V[5,6] Vanadate, Arsenide, Antimonide, Bismuthide, Suldide, Selenide, Telluride, Jodide)“, dort allerdings in die erweiterte Abteilung der „Antimonite, Bismuthite, Sulfite, Selenite und Tellurite“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit weiterer Anionen und Kristallwasser, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Tellurite ohne zusätzliche Anionen, mit H2O“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Keystoneit und Kinichilit die nach ihm benannte „Zemannitgruppe“ mit der System-Nr. 4.JM.05 bildet.

Im Gegensatz zu den Strunz'schen Systematiken ordnet die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana den Zemannit in die Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort in die Abteilung der „Selenite, Tellurite und Sulfite“ ein. Hier ist er ebenfalls als Namensgeber der „Zemannitgruppe“ mit der System-Nr. 34.03.02 und den weiteren Mitgliedern Kinichilit und Keystoneit innerhalb der Unterabteilung der „Selenite - Tellurite - Sulfite“ zu finden.

Bildung und Fundorte

Zemannit ist ein sekundäres Mineral, das aus der Verwitterung von gediegen Tellur oder telluridhaltiger Minerale, zum Beispiel Sylvanit oder Calaverit, entsteht. Das elementare Tellur oder die Tellurid-Anionen (Te2− beziehungsweise Te22−) werden dabei zu Te4+-Kationen oxidiert, die zusammen mit Oxid-Ionen stabile Oxotellurat(IV)-Ionen (Tellurit-Ionen) [TeO3]2− bilden. Zemannit kann neben den in der Formel genannten Elementen auch Spuren von Mangan sowie von Alkali- und Erdalkalimetallen enthalten.

Begleitende Minerale (Paragenesen) von Zemannit sind häufig die beiden in der Natur auftretenden Modifikationen des Tellurdioxids (TeO2), Tellurit und Paratellurit, und andere Te4+-haltige Minerale sowie gediegenes Tellur.

Neben der Mina La Bambolla (Mina Moctezuma), der Typlokalität bei Moctezuma, ist die Kawazu-Mine bei Shimoda (Japan) ein weiterer Fundort von Zemannit.[6]

Morphologie

Zemannit bildet nadelförmige bis prismatische Einkristalle, die meist nur eine Länge von wenigen Millimetern erreichen. Da die Kristalle des sekundären Minerals in der Regel ungestört auf Gesteinsoberflächen wachsen können, sind sie meist idiomorph ausgebildet und spiegeln die Symmetrie der Kristallklasse 6/m (hexagonal-dipyramidal) wider. Charakteristisch für Zemannit-Kristalle ist ein gerades hexagonales Prisma, das oft von hexagonalen Pyramiden über den beiden Basisflächen der Prismen abgeschlossen wird. Die Pyramidenflächen sind bei einigen Kristallen jedoch nur angedeutet, die Spitze der Pyramiden fehlt. Modelle der idealen Kristallform und der Form mit unvollständig entwickelten Pyramidenflächen sind in der Abbildung rechts dargestellt.

Kristallstruktur

Kristallographische Daten[1]

Kristallstruktur von Zemannit
Kristallsystem hexagonal
Raumgruppe (Nr.) P63/m (Nr. 176)
Gitterparameter a = 9,41 Å
c = 7,64 Å
Formeleinheiten Z = 2

Zemannit kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P63/m mit den Gitterparametern a = 9,41 Å und c = 7,64 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Die Te4+-Kationen bilden mit drei Sauerstoffatomen komplexe [TeO3]2−-Anionen. Die Sauerstoffatome bilden die Basisfläche einer trigonalen Pyramide, an deren Spitze sich das Tellurkation befindet. Diese Anordnung kann auch als ein Tetraeder angesehen werden, wobei das freie, nicht-bindende Elektronenpaar des Te4+-Kations in die einzige unbesetzte Ecke des Tetraeders zeigt (siehe dazu auch VSEPR-Modell).

Die Zn2+- und Fe3+-Kationen teilen sich dieselbe Position in der Kristallstruktur, wobei diese statistisch zu 60 % mit Eisen und zu 40 % mit Zink besetzt ist, die Werte können jedoch bei verschiedenen Kristallen auch andere Verhältnisse annehmen. Enthält die Struktur auch Spuren von Mn2+-Ionen, befinden diese sich ebenfalls auf der Zink/Eisen-Position. Die Zink/Eisen-Kationen werden von sechs Sauerstoffatomen in Form von verzerrten Oktaedern umgeben, die Sauerstoffatome sind gleichzeitig Teil der [TeO3]2−-Anionen. Die [(Fe,Zn)O]6-Oktaeder und [TeO3]2−-Anionen bilden dadurch ein dreidimensionales Netzwerk mit großen Kanälen parallel der kristallographischen c-Achse. Daher wird die Struktur des Zemannits auch oft als „zeolithartig“ beschrieben.

Die Mg2+-Kationen sind von je sechs Wassermolekülen ebenfalls oktaedrisch umgeben. Die [Mg(H2O)6]2+-Komplexe befinden sich in den oben beschriebenen Kanälen des Netzwerks und dienen dem Ladungsausgleich. Die Positionen der Mg2+-Kationen in der Kristallstruktur sind dabei nur zur Hälfte besetzt, was sich auch schon in der chemischen Formel von Zemannit andeutet („Mg0,5“).

Verwendung

Aufgrund der Seltenheit und der oft mikroskopisch kleinen Kristalle hat Zemannit keine technische Bedeutung und wird ausschließlich als Sammlerobjekt gehandelt.

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • R. V. Gaines: The Moctezuma tellurium deposit. In: Mineralogical Record. Nr. 1, 1970, S. 40–43.
  • Joseph Anthony Mandarino, E. Matzat, S. J. Wiliams: Zemannite, a zinc tellurite from Moctezuma, Sonora, Mexico. In: Canadian Mineralogist. Nr. 14, 1976, S. 387–390.
  • E. Matzat: Die Kristallstruktur eines unbenannten zeolithartigen Tellurminerals, {(Zn,Fe)2[TeO3]3}NaxH2-x • n H2O. In: Tschermaks Mineralogische und Petrologische Mitteilungen. Nr. XII, 1967, S. 108–117.
  • R. Miletich: Crystal chemistriy of the microporous tellurite minerals zemannite and kinchilite, Mg0.5[Me2+Fe3+(TeO3)3] • 4.5 H2O, (Me2+=Zn;Mn). In: European Journal of Mineralogy. Nr. 7, 1995, S. 509–523.
  • S. Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 R. Miletich: Crystal chemistry of the microporous tellurite minerals zemannite and kinchilite, Mg0.5[Me2+Fe3+(TeO3)3] · 4.5 H2O, (Me2+=Zn;Mn). In: European Journal of Mineralogy. Nr. 7, 1995, S. 509–523.
  2. 2,0 2,1 Handbook of Mineralogy – Zemannite (englisch, PDF 65,5 kB)
  3. Joseph Anthony Mandarino, J. S. Williams: Five new minerals from Moctezuma, Sonora, Mexico. In: Science. Nr. 133, 1961, S. 2017.
  4. E. Matzat: Die Kristallstruktur eines unbenannten zeolithartigen Tellurminerals, {(Zn,Fe)2[TeO3]3}NaxH2-x • n H2O. In: Tschermaks Mineralogische und Petrologische Mitteilungen. Nr. XII, 1967, S. 108–117.
  5. E. Matzat, S. J. Wiliams: Zemannite, a new tellurite mineral from Moctezuma, Sonora, Mexico. In: Canadian Mineralogist. Nr. 10, 1969, S. 139–140.
  6. H. Hori, E. Koyama, K. Nagashima: Kinchilite, an new mineral from the Kawazu mine, Shimoda city, Japan. In: Mineralogical Journal. Nr. 13, 1981, S. 333–337.

Weblinks

 Commons: Zemannit  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Magnesiummineral | Zinkmineral | Hexagonales Kristallsystem | Tellurmineral | Eisenmineral | Mineral

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Zemannit (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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