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Zeltingen-Rachtig


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Bernkastel-WittlichVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Bernkastel-Kues
Höhe: 106 m ü. NHN
Fläche: 16,94 km²
Einwohner: 2222 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner je km²
Postleitzahl: 54492
Vorwahl: 06532
Kfz-Kennzeichen: WIL, BKS
Gemeindeschlüssel: 07 2 31 136
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Gestade 18
54470 Bernkastel-Kues
Webpräsenz: www.zeltingen-rachtig.de
Ortsbürgermeister: Manfred Kappes
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Zeltingen-Rachtig ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues an. Zeltingen-Rachtig ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.[2]

Geographie

Die Gemeinde gliedert sich in die beiden namensgebenden Ortsteile Zeltingen und Rachtig. Dazu gehörende Wohnplätze sind das Forsthaus Sabel und die Ürzigermühle.[3]

Geographische Lage

Zeltingen-Rachtig liegt, umgeben von Weinbergen, in der großen Moselschleife zwischen Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach unweit der Universitätsstadt Trier. Beide Ortsteile befinden sich am rechten Ufer des Flusses, wo sich das Tal zu einer sehr flachen Landschaft weitet, die an den Hunsrück grenzt.

Raumplanung

Benachbarte Gemeinden sind Erden, Ürzig oder auch Graach an der Mosel. Nächstgelegene Mittelzentren sind Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach, etwa fünf Kilometer Luftlinie entfernt, und Wittlich, etwa zehn Kilometer entfernt. Trier liegt in etwa 35 Kilometer Entfernung.

Wichtigstes Bauprojekt ist die im Bau befindliche Hochmoselbrücke, die dem überregionalen Verkehr dienen und das Moseltal in bis zu 158 Metern Höhe queren soll.

Klima

Zeltingen-Rachtig liegt in der Übergangszone vom gemäßigten Seeklima zum Kontinentalklima; es herrscht ein im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands sehr warmes und sonniges Klima – im nicht weit entfernten Brauneberg wurde am 11. August 1998 die Rekordtemperatur von 41,2 °C im Schatten, die höchste jemals in der Bundesrepublik gemessene Lufttemperatur, festgestellt.

Durch die Eifelbarriere liegt die Gemeinde im Schutz und Regenschatten von Westwinden, die außerdem einen Föhneffekt bewirken können. Gleichzeitig wird eine Lufterwärmung durch geringen Luftaustausch mit dem Umland begünstigt. Damit verbunden ist aufgrund der ständigen Verdunstung des Moselwassers eine regelmäßig hohe Luftfeuchtigkeit, die insbesondere im Sommer für teilweise belastendes, schwüles Wetter sorgt und zahlreiche Gewitter mit sich bringt.

Geschichte

Überreste menschlicher Siedlungen bei Bernkastel-Kues datieren aus der Zeit der Bandkeramiker um circa 3000 v. Chr. Das Moselufer und die Höhen über Zeltingen und Rachtig sind nachweisbar schon im Neolithikum (circa 3500 v. Chr.) begangen und wegen des günstigen Klimas auch bewohnt worden. Bereits etwa 500 v. Chr. siedelten die Treverer, ein keltisch-germanisches Mischvolk, von dem sich auch der lateinische Name der Stadt Trier Augusta Treverorum herleitet, in der Region um Zeltingen-Rachtig. Celtanc und Raptacum sind die ältesten überlieferten Namen des heutigen Zeltingen-Rachtig; sie dokumentieren den keltischen Ursprung. Die erste urkundliche Erwähnung Rachtigs stammt aus dem Jahre 1067, Zeltingen wird mit dem Jahr 1116 erstmals urkundlich greifbar. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts waren die beiden Ortschaften eine Enklave des Kurfürstentums Köln. Erzbischof Kunibert von Köln (623–663) dürfte der Begründer der Kölner Herrschaft gewesen sein. Die Geschichte der beiden Ortschaften ist vor allem im 14., 15. und 16. Jahrhunderts durch ständige Verpfändungen des kurkölner Besitzes bestimmt. Im 13. Jahrhundert fielen große Besitztümer und das Patronat der Pfarrei durch Schenkung an den Deutschen Orden. Der Deutschordensbesitz wurden von Rachtig aus verwaltet.

Nach 1792 besetzten französische Revolutionstruppen das gesamte linksrheinische Gebiet. Von 1798 bis 1814 gehörten Zeltingen und Rachtig zum Kanton Bernkastel im französischen Saardepartement. Die Säkularisation brachte 1802 das Ende des kirchlichen Grundbesitzes, es wurde als Nationalgut eingezogen und öffentlich und meistbietend versteigert. Dies brachte eine wirtschaftliche und soziale Umschichtung mit sich, die im 19. Jahrhundert zur Ausbildung eines Großwinzerstandes und eines einheimischen Weinhandels führte.

Nach der Niederlage Napoleons und den 1815 auf dem Wiener Kongreß getroffenen Vereinbarungen wurde die Region dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung kamen Zeltingen und Rachtig zum 1816 neu geschaffenen Kreis Bernkastel Im Regierungsbezirk Trier, der von 1822 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zur Rheinprovinz gehörte. Die Gründerzeit des Deutschen Reiches Ende des 19. Jahrhunderts brachte den Orten aufgrund der Weinwirtschaft eine enorme wirtschaftliche Blüte. Seit 1946 ist Zeltingen-Rachtig Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Bis 1939 bestand in Zeltingen-Rachtig eine jüdische Gemeinde. 1895 lebten in Zeltingen und Rachtig 78 jüdische Einwohner, im Jahre 1933, als die Nationalsozialisten die Macht übernahmen, umfasste die jüdische Gemeinde 48 Personen. Aufgrund der antijüdischen Politik des NS-Staates waren die Zeltinger und Rachtiger Juden gezwungen, wegzuziehen bzw. auszuwandern; 1938 wurden nur noch 18 jüdische Einwohner gezählt, 1939 verließ der letzte Jude seinen Heimatort.

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Zeltingen-Rachtig, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.532
1835 2.021
1871 2.280
1905 2.800
1939 2.832
1950 3.082
Jahr Einwohner
1961 2.936
1970 2.809
1987 2.375
1997 2.339
2005 2.303
2014 2.222

Politik

Gemeinderat

Der Ortsgemeinderat in Zeltingen-Rachtig besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Ortsgemeinderat:[4]

Wahl CDU BL FWG Gesamt
2014 5 6 5 16 Sitze
2009 5 7 4 16 Sitze
2004 5 7 4 16 Sitze
  • BL = Bürgerliste Zeltingen-Rachtig e. V.
  • FWG = Freie Wählergemeinschaft Zeltingen-Rachtig e. V.

Wappen

Die Schöffen von Zeltingen-Rachtig haben nachweislich vom Anfang des 15. bis Ende des 18. Jahrhunderts ein eigenes Siegel geführt, das im gespaltenen Schild vorne zwei gekreuzte Schlüssel und im Hintergrund ein durchgehendes Kreuz aufweist.

Das Kreuz ist das Wappen des Erzstiftes Köln, zu dem Zeltingen bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte. Es ist schwarz auf silbernen/weißen Grund. Die gelben/goldenen Schlüssel auf rotem Grund sind das Symbol des hl. Petrus.

Gemeindepartnerschaften

Seit 1966 wird eine Partnerschaft mit Saint-Florentin (Yonne) in Frankreich gepflegt. Weiterhin bestehen „freundschaftliche Kontakte“ zum Berliner Bezirk Reinickendorf.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Dorfkultur

Weinbau

Das Gemeindeleben ist seit jeher vom Weinbau geprägt, und mit 133 Hektar Anbaufläche zählt die Gemeinde zu den größeren Weinorten an der Mittelmosel. Eine bekannte Weinlage am Ort ist die EinzellageZeltinger Sonnenuhr“; bei der Weinversteigerung der Winzervereinigung Bernkasteler Ring im September 2013 erzielte eine 2010er-Trockenbeerenauslese dieser Lage einen Flaschenpreis von 3.875 Euro. Weitere Weinlagen sind u. a. „Zeltinger Himmelreich“, „Zeltinger Schloßberg“ und „Zeltinger Deutschherrenberg“. Sämtliche Einzellagen auf Gemeindegebiet gehören – mit Ausnahme der Einzellage „Rotlay“, die zur GroßlageSchwarzlay“ gehört – zur Großlage „Münzlay“ innerhalb des Weinbaubereichs Bernkastel (Weinbaugebiet Mosel).

Bis heute sind in der Ortsgemeinde noch Weingüter ansässig. Diese bauen überwiegend Riesling an.

Kirche und Vereine

Zwei Pfarrgemeinden, die Freiwillige Feuerwehr sowie verschiedene musikalische, Sport- und andere Vereine prägen das kulturelle Dorfleben in Zeltingen-Rachtig. Unter anderem existiert mit der Rudergesellschaft Zeltingen, die zwei L4-Weltmeister und einen Olympiateilnehmer zu ihren Mitgliedern zählt, ein erfolgreicher Ruderverein.

Wanderweg

Im Rahmen der „Mosel.Erlebnis.Route“ existiert ein sieben Kilometer langer Kulturweg, der sowohl über die Geschichte von Zeltingen-Rachtig wie auch den örtlichen Weinanbau und die Kultur Auskunft gibt. Er führt durch beide Ortsteile sowie mehrere Weinlagen der Ortsgemeinde.

Regelmäßige Veranstaltungen

Regelmäßig finden Heimat- und Weinfeste statt. Höhepunkte sind die Zeltinger Weinkirmes mit der großen öffentlichen Mittelmosel-Riesling-Weinprobe und die Rachtiger Weinkirmes mit Montagsmarkt. Zudem finden das Weinhöfefest und die Tage der offenen Weinkeller, sowie die Wein- und Straßenfeste in beiden Ortsteilen statt. Zahlreiche Konzerte, Tanzabende und sonstige Veranstaltungen bieten den Einwohnern wie ihren Gästen ein großes Unterhaltungsspektrum. Die Operette „Zeltinger Himmelreich“ wird alle zwei Jahre (zuletzt 2013) von über 100 Laiendarstellern auf dem historischen Marktplatz von Zeltingen aufgeführt; dabei sind überwiegend Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Zeltingen-Rachtig aktiv.

Wirtschaft und Infrastruktur

Der Weinbau und der Tourismus spielen eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Eine Nahversorgung ist gewährleistet: Bäckerei, Lebensmittelhandel, Arztpraxen, Hotels, mehrere Gaststätten sowie Postagentur und Bankfilialen befinden sich im Ort. Die Gemeinde verfügt außerdem über zwei Kindergärten, Schwerpunktschule, Campingplatz, Minigolfplatz, Boccia und Boule, Barfußpfad, Wassertretbecken, Moselparkanlagen und einen Sportplatz. Im Ort gibt es mehrere Hotels, Restaurants sowie zahlreiche gewerbliche und private Zimmervermieter mit rund 1000 Gästebetten. Ferner befindet sich seit 1998 der Hauptsitz des international agierenden Musikunternehmens Prophecy Productions in Zeltingen-Rachtig.

Verkehr

Bei Zeltingen-Rachtig befindet sich eine Staustufe der Mosel mit Schiffsschleuse, erste Staustufe an der Mosel mit zwei Schiffsschleusen. Zeltingen-Rachtig liegt an der Bundesstraße 50/Bundesstraße 53. Bis zur Autobahn A1/Autobahn A48 sind es 10 Kilometer, zur Autobahn A60 12 Kilometer. Unmittelbar bei Zeltingen-Rachtig ist außerdem der Bau eines Hochmoselübergangs der Bundesstraße 50 in Bau. Die Ortsgemeinde zählt zum Verkehrsverbund Region Trier (VRT).

Persönlichkeiten

  • Ein bedeutender lokaler Kunstmäzen war der aus Rachtig gebürtige Deutschordenspriester Johann Peter Glesius (1679–1762). Unter ihm kam es zum Neubau der Pfarrkirche und des Pfarrhofes in Rachtig; eine Straße im Ortsteil Rachtig ist nach dem kunstsinnigen Barockprälaten benannt.
  • Im Juni 1715 wurde in Zeltingen der Arzt Johannes Petrus Ehlen († 22. August 1785 in Würzburg) geboren. Er studierte in Trier und Straßburg, war Chefarzt am Krankenhaus des Würzburger Juliusspitals, Erster Leibarzt des Fürstbischofs und „Professor praxeos“ der Medizinischen Fakultät.[6]
  • In Zeltingen wurde der Bariton und Regisseur Franz Porten geboren, der Vater der frühen Filmstars Rosa und Henny Porten.
  • Im Ortsteil Zeltingen wuchsen die Brüder Jost und Matthias Schömann-Finck auf. Im August 2009 wurden die damals 26- und 30-Jährigen zusammen mit den Zwillingen Jochen und Martin Kühner aus Saarbrücken Ruder-Weltmeister im Leichtgewichts-Vierer (Vierer ohne Steuermann).
  • Stephan Ehses, katholischer Kirchenhistoriker (* 9. Dezember 1855 in Zeltingen/Mosel als Sohn eines Winzers, † 19. Januar 1926 in Rom).
  • Aus Zeltingen stammt August Glesius (* 2. Juli 1903, † 25. März 1963 in Edenkoben). August Glesius arbeitete zunächst als Landwirtschaftlicher Berufsschuloberlehrer und übernahm später als Diplom-Weinbaudirektor das elterliche Weingut. Von 1955 bis zu seinem Tode war er für die FDP Rheinland-Pfalz Mitglied des Rheinland-Pfälzischen Landtages.
  • Inge Schwaab (heute Inge Heidenreich-Schwaab) wurde am 17. August 1963 zur Weinkönigin Mosel-Saar-Ruwer und am 28. August 1963 zur Deutschen Weinkönigin 1963/1964 gewählt.

Weblinks

 Commons: Zeltingen-Rachtig  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. 2,0 2,1 Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010 , Seite 55 (PDF; 2,3 MB)
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  5. Die Partnerstädte von Berlin-Reinickendorf. Abgerufen am 22. November 2014.
  6. Henning Bärmig: Die Personalbibliographien der an der Medizinischen Fakultät der Alma Mater Julia zu Würzburg von 1582 bis 1803 lehrenden Professoren mit biographischen Angaben. Medizinische Dissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg 1969, S. 44 f.

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