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Zchinwali


Zchinwali
ცხინვალი
Цхинвал

Wappen
Staat: Georgien Georgien
Region: Innerkartlien
(faktisch Sudossetien Südossetien)
Gegründet: 1398
Koordinaten:
Höhe: 860 m. ü. M.
Fläche: 7,4 km²
 
Einwohner: 28.664 (2012, ungefährer Wert)
Bevölkerungsdichte: 3.874 Einwohner je km²
 
Zeitzone: Moscow Time (UTC+3)
 
Bürgermeister: Alan Alborow
Webpräsenz:

Zchinwali (georgisch ცხინვალი ; ossetisch und russisch Цхинвал/Zchinwal, bis 2008 Цхинвали/ Zchinwali) ist eine Stadt in Südossetien.

Sie ist Hauptstadt der umstrittenen und international nur von einigen Staaten anerkannten Republik Südossetien. Zchinwali liegt im Großen Kaukasus am Ufer des Großen Liachwi.

Name

Zchinwali ist der in Georgien offiziell verwendete Name für das Gebiet Südossetien. Der georgische Name bedeutet übersetzt „Das Land der Hainbuchen“. Im Ossetischen und Russischen, und damit auch in Südossetien selbst, wird der Name Zchinwal benutzt. Der inoffizielle ossetische Name ist Tschreba.

Im russischen Sprachgebrauch wurden während der sowjetischen Epoche[1] beide Namensformen, Zchinwali und Zchinwal verwendet, seit dem Kaukasuskrieg 2008 wird nach einem Präsidentenerlass jedoch nur noch die Bezeichnung „Zchinwal“ verwendet.[2] Von 1934 bis 1961 hieß die Stadt zu Ehren von Stalin Staliniri.

Wirtschaft und Verkehr

1940 wurde Zchinwali an das georgische Eisenbahnnetz angeschlossen. Es ist ein regionales Industriezentrum mit Sägewerken, Lebensmittel-, Textil- und Chemiefabriken.

Vor der Stadt, im Dorf Ergneti, lag ein großer Schwarzmarkt für geschmuggelte Güter aus Russland, der vor allem von Händlern aus dem nördlichen Georgien aufgesucht wurde. Er wurde im Sommer 2004 von den georgischen Behörden geschlossen. Seit 2008 untersteht ganz Südossetien der Kontrolle der nur von wenigen Staaten anerkannten Republik Südossetien, Russland investierte seitdem massiv in den Wiederaufbau der Region.

Bevölkerung

Die Bevölkerung Zchinwalis besteht heute in ihrer großen Mehrheit aus Osseten, daneben leben noch kleinere Minderheiten an Georgiern, Russen, Armeniern in der Stadt. Die Einwohnerzahl ging durch den Südossetienkonflikt und die bis heute unsichere politische Lage im Vergleich zu 1989 stark zurück. Insbesondere verließ der Großteil der nicht-ossetischen Bevölkerung die Stadt seitdem. Seit 2008 ist ein leichter Aufwärtstrend zu beobachten.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Zchinwali mehrheitlich von Juden, Georgiern und Armeniern bewohnt, während Osseten nur eine Minderheit der Bewohner darstellten. Im Umland der Stadt (Zchinwalski utschastok des Ujesds Gori des Gouvernements Tiflis) waren die Osseten allerdings deutlich in der Mehrheit.[3] Im Jahre 1917 lebten in Zchinwali selbst 38,4 % Juden, 34,4 % Georgier, 17,7 % Armenier und 8,8 % Osseten[4], während im Umland Zchinwalis die Osseten mit rund 75 % Bevölkerungsanteil dominierten.

Nachdem sie zum Verwaltungszentrum des Südossetischen Autonomen Gebiets wurde, zogen immer mehr Osseten aus der Umgebung in die Stadt, während sich viele Georgier nun im Umland niederließen.

1979 setzte sich die Stadtbevölkerung zusammen aus 72,8 % Osseten, 16,1 % Georgiern, 5,0 % Russen, 2,0 % Armeniern und 1,9 % Juden.[3] Bis zur letzten offiziellen Volkszählung 1989 stieg die Einwohnerzahl auf 42.333, davon 74,5 % Osseten und 16,3 % Georgier. Im Umland der Stadt hatten sich die demografischen Verhältnisse ebenfalls geändert, hier hatte der georgische Bevölkerungsanteil stark zugenommen, sodass dort 1989 52,6 % Osseten rund 46,5 % Georgiern gegenüberstanden. Seit dem Südossetienkonflikt hat ein Großteil der Georgier das Land verlassen. Bei einer informellen Pro-Haus-Umfrage (подворовой опрос) wurden 2012 etwa 28.662 Einwohner ermittelt. Die nächste Volkszählung ist für 2015 geplant.[5]

Einwohnerentwicklung
Jahr 1959 1970 1979 1989 2005 2008 2012
Einwohner 21.641 30.311 34.791 42.333 33.724 15.000 28.662

Anmerkung: 1926–1989 Volkszählungsdaten, 2005, 2015 Umfragen, 2008 geschätzt

Geschichte

Die Gegend um Zchinwali ist bereits seit der Bronzezeit besiedelt. Das heutige Zchinwali wurde erstmals 1398 in georgischen Quellen erwähnt. 1801 fiel die Stadt, wie auch andere Teile Georgiens, an das Russische Reich. Es lag verkehrsgünstig an einer Handelsroute zwischen dem Nordkaukasus und Tiflis und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem regional bedeutenden Handelsknotenpunkt mit einer durchmischten Bevölkerung aus Georgiern, Juden, Osseten und Armeniern. Nach der russischen Oktoberrevolution im Jahr 1917 kam die Stadt zur neugegründeten Demokratischen Republik Georgien. Von 1918 bis 1920 war die Stadt daraufhin vom georgisch-südossetischen Konflikt geprägt. 1921 besetzte schließlich die Sowjetunion ganz Georgien. Zchinwali wurde daraufhin zum Verwaltungszentrum und Hauptort des Südossetischen Autonomen Gebiets ernannt und bekam Stadtstatus.

Südwestlich der Stadt Zchinwali befindet sich eine umfangreiche Militäranlage, welche aus der Sowjetzeit stammt und ursprünglich aus mehr als 60 Silos für atomare Langstreckenraketen bestand. Dies ist auch Grund für den vergleichsweise hohen russischen Bevölkerungsanteil der Region.Referenzfehler: Ungültige Verwendung von <ref>: Der Parameter „ref“ ohne Namen muss einen Inhalt haben.

Georgien war 1990 eine der ersten Teilrepubliken die sich von der zerfallenden Sowjetunion lossagte. Im südossetischen Gebiet hingegen unterstützte die Mehrheit einen Verbleib bei der Sowjetunion. 1990 sagte man sich als eigenständige Sowjetrepublik von Georgien los, woraufhin georgische Truppen versuchten, das Gebiet zurückzuerobern. Im darauf folgenden südossetischen Konflikt von 1990 bis 1992 wurde Zchinwali stark beschädigt. Es kam zu Kriegsverbrechen, Häuser wurden gebrandschatzt. Zchinwali war zeitweilig in einen ossetisch kontrollierten westlichen Teil und einen georgisch kontrollierten östlichen Teil gespalten. Nach einem durch Russland vermittelten Waffenstillstand, wurde Zchinwali 1994 Sitz der Gemeinsamen Kontrollkommission der georgisch-ossetisch-russischen Friedenstruppe unter Oberaufsicht der OSZE.

Während des Kaukasuskrieges 2008 griff die georgische Armee am 8. August Zchinwali an und besetzte Teile der Stadt.[6] Dabei wurden große Teile Zchinwalis zerstört und auch zivile Ziele angegriffen. Daraufhin intervenierten russische Verbände in den Konflikt.[7] Am 9. August zogen sich die georgischen Truppen daher wieder aus der Stadt zurück.[8]

Eine Analyse der Vereinten Nationen, die nach dem Ende der Kämpfe auf der Grundlage von Luftaufnahmen erstellt wurde, stellte fest, dass Teile der Altstadt nahe dem Großen Liachwi sowie Verwaltungsgebäude vollständig zerstört wurden.[9] Die Zahl der schwer beschädigten und zerstörten Gebäude bei den Kämpfen um den 8. August 2008 lag demnach im Stadtgebiet bei etwa 250.[10] Moskaus Bürgermeister Juri Luschkow kündigte im Oktober 2008 an, Russlands Hauptstadt werde über 100 Millionen US-Dollar investieren, um neue Wohnhäuser, Schulen und Einkaufszentren zu errichten.[11] Zurzeit entsteht mit den Geldern der russischen Hauptstadt ein neuer Stadtteil Moskowski, in dem großzügige Wohnungen für ca. 800 ossetische Familien errichtet werden, die ohne Zuhause geblieben sind.[12]

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Einzelnachweise

  1. Михаил Николаевич Тихомиров – Академия наук СССР, археографическая комиссия Археографический ежегодник. — М.: издательство Академии наук СССР, 1962, S. 417.
  2. ru:Файл:Росреестр - О наименовании НП в Абхазии и ЮО.jpg
  3. 3,0 3,1 Bevölkerungsdaten nach Ethnien (Russisch)
  4. http://www.eleven.co.il/article/14652
  5. Angaben beim russischen Außenministerium .
  6. Georgien-Nachrichten: Südossetien: Georgische Streitkräfte stürmen Zchinwali , 8. August 2008
  7. tagesschau.de: Russland bombardiert offenbar Ziele in Georgien (Memento vom 14. August 2008 im Internet Archive), 9. August 2008
  8. Georgien verlagert seine Truppen , Spiegel Online, 10. August 2008
  9. The Guardian: 'I've never heard anything so monstrous as people shelling a hospital' , 13. August 2008
  10. http://unosat.web.cern.ch/unosat/asp/prod_free.asp?id=101
  11. Focus Information Agency: „International Herald Tribune“: Mayor of Moscow speaks out for Russians in former Soviet republics , 27. Oktober 2008
  12. The Independent: Ossetians warm to Moscow’s embrace , 9. August 2009

Kategorien: Ort in Innerkartlien | Ort in Südossetien

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Zchinwali (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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