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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
Trägerschaft Land Baden-Württemberg
Ort Mannheim
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Direktor Andreas Meyer-Lindenberg
Betten 307 (inkl. 52 teilstationäre Plätze)
Mitarbeiter 1.195 (Stand 2014)
Fachgebiete 4
Gründung 8. April 1975
Website www.zi-mannheim.de

Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) ist eine psychiatrische Krankenhauseinrichtung und Forschungsinstitut in Mannheim. Es wurde am 8. April 1975 als Landesstiftung des öffentlichen Rechts mit Mitteln des Bundes, des Landes Baden-Württemberg und der Stiftung Volkswagenwerk errichtet, um Krankenversorgung, Forschung und Lehre im Bereich psychischer Störungen zu verknüpfen. Seine vier Kliniken mit 307 Betten (inklusive 52 tagesklinischen Plätzen) gewährleisten die psychiatrische Versorgung der Mannheimer Bevölkerung. Etwa 3.000 Patienten werden im Jahr stationär und ca. 700 teilstationär versorgt (Stand 2014). Gleichzeitig ist das ZI ein international anerkanntes Zentrum moderner Psychiatrieforschung in Kooperation mit nationalen und internationalen Einrichtungen.

Überblick

Konzept

Das Zentralinstitut wurde unter Heinz Häfner (Direktor von 1975 bis 1994) mit dem Fokus auf sozialer und epidemiologischer Psychiatrie gegründet. Fritz Henn (Direktor von 1994 bis 2006) entwickelte das ZI dann zu einer hochmodernen translationalen, der biologischen Psychiatrie gewidmeten Einrichtung weiter. Diese Ausrichtung wurde vom gegenwärtigen Direktor Andreas Meyer-Lindenberg (seit 2007) beibehalten. Ein neuer Akzent liegt auf genetisch-translationalen Herangehensweisen, mit dem Ziel der Entwicklung und Evaluation neuer therapeutischer Ansätze.

Krankenversorgung und Behandlung

Zu den Aufgaben des Zentralinstitut gehört die stationäre, teilstationäre und ambulante Versorgung psychisch kranker Menschen aller Altersstufen in den vier Kliniken des Hauses, die in ihrem jeweiligen Fachgebiet eine fortschrittliche, auf dem internationalen Wissensstand basierende Behandlung anbieten.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Die Klinik bietet ein differenziertes Therapieangebot, das sich an Beschwerdebild, Alter und Alltagsmöglichkeiten der Patienten orientiert. Es werden alle notwendigen diagnostischen Verfahren angeboten, um gezielte Diagnostik hinsichtlich psychiatrischer und internistischer Krankheitsbilder zu gewährleisten. Großen Wert wird auf Krankheitsaufklärung, Übung sozialer Fertigkeiten und rehabilitative Maßnahmen, die auf die Wiedereingliederung in den Alltag abzielen, gelegt. In drei allgemein-psychiatrischen Stationen und zwei beschützten Stationen sowie einer interdisziplinären internistisch-psychiatrischen Station stehen 88 Betten zur Verfügung. In der Gerontopsychiatrie mit 44 Betten wird das gesamte Spektrum psychischer Erkrankungen im Alter behandelt; angegliedert ist eine Altentagesklinik mit 12 Plätzen. Eine teilstationäre Behandlung erfolgt in der Tagesklinik (im Quadrat L 10,1), die über 20 Plätze verfügt. Zur Diagnostik und Therapie spezifischer Probleme bietet die Psychiatrisch-Psychotherapeutische Ambulanz mit Spezialambulanzen gesonderte Sprechstunden an. Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ist Andreas Meyer-Lindenberg.

Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin

In der Klinik werden Patienten mit Alkoholabhängigkeit, Drogenabhängigkeit (Cannabis, Amphetamine, Kokain, Heroin etc.), Medikamentenabhängigkeit (Benzodiazepine, opiathaltige Schmerzmittel etc.) und Spielsucht behandelt. Die Klinik verfügt über 24 Betten auf zwei Stationen, eine Tagesklinik mit 20 Plätzen, eine Substitutionsambulanz (Methadonambulanz) in K 3, 11-14 sowie eine allgemeine Suchtambulanz für Suchterkrankungen. Auf den Stationen und in der Suchttagesklinik wird ein qualifiziertes Entzugsprogramm durchgeführt. Die Behandlung besteht meist aus einer Kombination von psychotherapeutischen Maßnahmen und Medikamenten, ggf. ergänzt durch sozialarbeiterische Beratung und Ergotherapie. Zusätzlich bestehende psychiatrische Erkrankungen (z. B. Depression) können kompetent mitbehandelt werden. Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin ist Falk Kiefer.

Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin

Der stationäre Bereich der Klinik verfügt über 36 Betten auf drei Stationen. Hier werden störungsspezifische, evidenzbasierte Behandlungsprogramme für Menschen mit den Krankheitsbildern Borderline-Persönlichkeitsstörungen u. a. Persönlichkeitsstörungen, akute sowie chronische Posttraumatische Belastungsstörungen und andere psychosomatische Erkrankungen wie Affektive Störungen, Angsterkrankungen und Somatoforme Störungen behandelt. Als psychotherapeutische Verfahren kommen, in Abhängigkeit von der Diagnose, die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) sowie die Kognitiv-Behaviorale Therapie (KBT) bzw. Kombinationen aus beiden Verfahren zum Einsatz. Die Behandlungen erfolgen im multimodalen Ansatz. Einzeltherapien werden dabei mit spezifischen Indikationsgruppen (z. B. Skills- und Achtsamkeitsgruppen, Musik-, Gestaltungs-, Bewegungs- und Körpertherapien, Entspannungsverfahren) kombiniert. Zum ganzheitlichen Konzept der Klinik gehört auch die ärztliche Behandlung somatischer Erkrankungen. Zudem wird bei Bedarf eine differenzierte, auf die Psychotherapie abgestimmte psychopharmakologische Behandlung durchgeführt. In der Ambulanz wird neben der Diagnostik und Differenzialdiagnostik psychischer Störungen sowie psychischer Folgen somatischer Erkrankungen die Indikation für eine ambulante oder stationäre Behandlung durchgeführt. Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin ist Christian Schmahl.

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters

Die Klinik bietet für das Einzugsgebiet Mannheim und nördlicher Rhein-Neckar-Kreis mit 53 Betten die ambulante und stationäre Versorgung kinder- und jugendpsychiatrischer Patienten an. Für seltene und schwer zu behandelnde Störungen besteht auch eine überregionale Versorgungsmöglichkeit. Behandlung und Diagnostik betreffen das gesamte Spektrum kinder- und jugendpsychiatrischer Krankheitsbilder. Die therapeutische Konzeption der Klinik orientiert sich in erster Linie an verhaltenstherapeutischen und systemisch-familientherapeutischen Prinzipien – daneben kommen heilpädagogische, physiotherapeutische und ergotherapeutische Angebote zum Einsatz. Zusätzlich werden speziell auf einzelne Krankheitsbilder ausgerichtete therapeutische Maßnahmen und Therapiegruppen angeboten. Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters ist Tobias Banaschewski.

Aufgaben und Ziele

Die Aufgaben und Ziele der Stiftung sind in ihrer Satzung definiert und beinhalten die Forschung, Behandlung und Rehabilitation, Fortbildung und Förderung sowie die Beratung von Institutionen:

Forschung

Ein wichtiges Tätigkeitsfeld des ZI ist die Forschung in der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendpsychiatrie, der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie, der Suchtmedizin, der Neuropsychologie und der Klinischen Psychologie, der Neurowissenschaften, der Epidemiologie und der Versorgungsforschung.

Die Forschungsaktivitäten des Instituts erstrecken sich gegenwärtig auf folgende Schwerpunkte:

  • Entwicklung von Indikatoren und Risikomodellen für Entstehung und Verlauf psychischer Störungen, vorrangig in den Bereichen Schizophrenie, Depression und Demenz
  • Einsatz der Methoden der Bildgebung (Kernspintomographie) im gesamten Spektrum psychiatrischer Erkrankungen
  • Suchtforschung zu Fragen der Entstehung, Aufrechterhaltung und Therapie von Suchterkrankungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Zusammenarbeit mit der Verhaltenspharmakologie auf der Suche nach besseren pharmakologischen und psychotherapeutischen Möglichkeiten zur Beeinflussung des Verhaltens von Alkoholabhängigen und von Rauchern
  • Neuropsychologie mit den Schwerpunkten psychophysiologischer Untersuchungen zur kortikalen Plastizität, Schmerzforschung und die Bedeutung von Lernprozessen für die Entwicklung psychischer Störungen
  • Genetische Epidemiologie in der Psychiatrie
  • Psychogeriatrie, insbesondere Epidemiologie der Ursachen- und Therapieforschung bei Demenzerkrankungen
  • Biologisch-psychiatrische Forschung, insbesondere Psychopharmakologie, Biochemie, Zellbiologie und Molekularbiologie
  • Klinische Forschung
  • Klinisch-psychologische (experimentelle und Verhaltens-)Forschung
  • Versorgungsforschung mit dem Schwerpunkt der Gesundheitssystemforschung im Bereich der Versorgung psychisch Kranker
  • Biostatistik

Die Grundfinanzierung der Forschung am ZI erfolgt über den Landeszuschuss des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. Zusätzlich zum Zuschuss des Landes werden Drittmittel als Forschungsgelder projektbezogen bei externen Geldgebern wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesforschungsministerium oder der Europäischen Union eingeworben. Diese Zuschüsse unterliegen einem Begutachtungsverfahren, um die Vergabe der Mittel an qualitativ hochwertige Projekte sicherzustellen. Die Drittmitteleinnahmen stiegen von 1,8 Mio € im Jahr 2000 auf 11,7 Mio € im Jahr 2014. Damit übersteigen die Drittmitteleinnahmen des ZI knapp die Höhe des Landeszuschusses.

Vorbeugung, Behandlung und Rehabilitation seelischer Erkrankungen

Das Institut hat in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim (Dezernat III) und den freigemeinnützigen Trägern (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Gemeindediakonie, Sozialdienst katholischer Frauen, Mannheimer Gesellschaft für Seelische Gesundheit e. V.) am Aufbau eines umfassenden Systems gemeindenaher psychiatrischer Versorgung in der Stadt Mannheim (etwa 300.000 Einwohner) planend und koordinierend mitgewirkt. Die stationäre und ambulante Versorgung durch die vier Kliniken wird von den zentralen diagnostischen Einrichtungen der Abteilung Klinische Psychologie und einen 24-stündigen Notfalldienst ergänzt. Im Bereich der Gemeindepsychiatrie werden der Betrieb und Ausbau gemeindenaher Dienste durch die Tagesklinik und die Altentagesklinik des Instituts unterstützt. Die Abteilung Gemeindepsychiatrie wirkt bei der Planung neuer ambulanter Einrichtungen mit und übernimmt selbst den Aufbau von Wohngemeinschaften und Patientenclubs, um sie nach erfolgter Stabilisierung in die Trägerschaft gemeinnütziger Organisationen zu übergeben. Darüber hinaus berät sie kontinuierlich die bestehenden gemeindenahen psychiatrischen Einrichtungen der Stadt Mannheim.

Ausbildung von Studierenden

Das ZI nimmt an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg die Aufgaben der Universitätskliniken seiner Fachgebiete wahr. Es vertritt Lehre und Forschung in den Fächern Psychiatrie, Suchtforschung, Psychosomatische Medizin sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die vier Klinikdirektoren sind zugleich Lehrstuhlinhaber ihres Fachs an der Universität Heidelberg. An der Fakultät für Philosophie, Psychologie und Erziehungswissenschaft der Universität Mannheim werden die Fächer Klinische Psychologie und Psychopathologie gelehrt. Das Fach Forensische Psychiatrie wird für die Studierenden der Juristischen Fakultät der Universität Mannheim gelehrt.

Fortbildung und Förderung

Ein weiteres wichtiges Anliegen des ZI ist die Fortbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses; Weiterbildung von Ärzten und Psychologen; Ausbildung und Weiterbildung zu nichtärztlichen medizinischen Berufen und Sozialberufen. Das Institut bietet Weiterbildung für Ärzte in den Fächern Psychiatrie, Psychotherapie und Klinische Psychologie. Das Institut ist ferner staatlich anerkannte Weiterbildungsstätte zum Fachpfleger bzw. zur Fachschwester in Psychiatrie und gewährleistet eine praxisbezogene Ausbildung für Sozialarbeiter, Altenpfleger, Beschäftigungs- und Arbeitstherapeuten.

Beratung von Institutionen

Weiterhin wichtig ist die Beratung bei der Planung und der Vorbereitung von Einrichtungen und Diensten der öffentlichen Gesundheitspflege auf dem Gebiet der seelischen Gesundheit. National wie international berät das Institut Planer, Verantwortungsträger und Betreiber von Einrichtungen zur psychiatrischen Versorgung der Bevölkerung. Von 1980 bis 2014 war das Institut „Collaborating Centre for Research and Training in Mental Health“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Forschungsverbünde

SFB 636: Lernen, Gedächtnis und Plastizität des Gehirns

Der seit 2004 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Sonderforschungsbereich 636: Lernen, Gedächtnis und Plastizität des Gehirns: Implikationen für die Psychopathologie konzentriert sich in seinem Forschungsprofil auf Lern- und Gedächtnismechanismen, die hieraus resultierenden plastischen Veränderungen des Gehirns und deren Einfluss auf die Psychopathologie besonders bei Erkrankungen der Emotion und der Motivation, z. B. Angststörungen, Sucht, Störungen der Affektivität und der Affektregulation. Der SFB 636 hat 17 Teilprojekte in 4 verschiedenen Themenbereichen:

  • Themenbereich A – Molekulare und zelluläre Mechanismen von Lernen und Hirnplastizität
  • Themenbereich B – Verhaltensbiologische und physiologische Mechanismen von Lernen und Hirnplastizität
  • Themenbereich C – Experimentelle Psychopathologie
  • Themenbereich D – Interventionsbezogene Hirnplastizität.

In der ersten Antragsperiode lag der Forschungsschwerpunkt auf der Erfassung fehlangepasster Reaktionen und der Erforschung der Rolle des hypothalamisch-hypophyseren-adrenergen Systems sowie glutamaterger Mechanismen. Seit 2008 hat sich der Forschungsschwerpunkt um die Bereiche der Extinktionsprozesse und des appetenten Lernens erweitert. Außerdem sollen die Erforschung glutamaterger Mechanismen weiter vertieft und verschiedene verhaltenstherapeutische und pharmakologische Interventionsmöglichkeiten der Veränderung fehlangepasster Reaktionsmuster und der Plastizität getestet werden. Dem SFB 636 gehören Forscher folgender Bereiche an: Zell- und Molekularbiologie, Psychopharmakologie, Neuroimaging, Neurologie, Neurophysiologie, Experimentelle Psychologie, Psychiatrie und Genetik. Das oberste Ziel der gemeinsamen Forschung ist vor der krankheitsbezogenen die grundlagen- und mechanismusorientierte Analyse pathophysiologischer Prozesse und die Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung neuer verhaltenstherapeutischer und pharmakologischer Behandlungsansätze psychischer Erkrankungen. Als Neuerungen in der zweiten Antragsperiode sind zum einen das neu eingerichtete Graduiertenprogramm zu nennen. Zum anderen sind zwei neue Zentralprojekte eingerichtet worden, die ihren Fokus auf der Entwicklung neuer Methoden im fMRT sowie in der molekularen Genetik richten, und die zur Durchführung von Untersuchungen in den übrigen Projekten unerlässlich sind (Themenbereich Z). Der SFB 636 befindet sich in der dritten Förderperiode. Sprecherin ist Herta Flor.

Bernstein-Zentrum

Im Juni 2010 wurde bekannt gegeben, dass am ZI ein Bernstein-Zentrum (benannt nach dem Physiologen Julius Bernstein) für Computational Neuroscience eingerichtet wird, das von Daniel Durstewitz koordiniert wird. Der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für fünf Jahre mit 9,6 Millionen Euro geförderte Forschungsverband untersucht die neuronalen Grundlagen höherer kognitiver Funktionen und ihre Störung bei psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie, Depression oder altersbedingten degenerativen Erscheinungen. Auf der Basis experimenteller Daten sollen Computermodelle von neuronalen Netzwerken bestimmter Hirnregionen erstellt werden. Diese computerbasierten Simulationen sollen auch dazu beitragen, die Wirkung bestimmter Medikamente auf verschiedene Areale des Gehirns besser zu verstehen und möglicherweise vorhersagen zu können. Am Zentrum beteiligt sind außerdem die zellphysiologischen und molekularbiologischen Forschungsabteilungen der beiden Heidelberger medizinischen Fakultäten sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Neurowissenschaften (IZN) und das Interdisziplinäre Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR) der Universität Heidelberg.

KFO 256: Pathomechanismen der Emotionsdysregulation bei Borderline

Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Klinische Forschergruppe Pathomechanismen der Emotionsdysregulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung erforscht die neurobiologischen und psychologischen Pathomechanismen von Störungen der Emotionsregulation bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS). In der Forschergruppe haben sich international ausgewiesene Experten auf dem Gebiet der BPS im Jugend- und Erwachsenenbereich sowie der Emotionsregulationsforschung aus den zwei medizinischen Fakultäten der Universität Heidelberg zusammengeschlossen, um damit Strukturen zu schaffen, die einen multidisziplinären und translationalen Ansatz zur Erforschung und Therapie der BPS dauerhaft ermöglichen. Ziel ist es, durch die Untersuchung sozial wirksamer Emotionen Erkenntnisse zu gewinnen, die über das Störungsbild hinausgehen und somit zur Aufklärung neuraler Mechanismen sozialer Interaktion („social neuroscience“) beitragen werden. Die KFO 256 befindet sich seit Januar 2012 in der ersten Förderperiode. Sprecher ist Martin Bohus.

Geschichte

Erste Schritte zur Planung eines Modellinstituts

Bereits in den 1960er Jahren wurde mit der vorbereitenden Planung eines Modellinstituts für sozialpsychiatrische Forschung und Therapie begonnen, das sich später zum Zentralinstitut entwickeln sollte. Der Psychiater Heinz Häfner stellte hierzu am 12. Dezember 1963 einen Antrag auf Errichtung einer Abteilung für Sozialpsychiatrie und Rehabilitation an der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg. Als Häfner, gemeinsam mit den beiden Heidelberger Psychiatern Walter Ritter von Baeyer und Karl Peter Kisker, am 16. Juli 1964 im Bonner Gesundheitsministerium der Bundesministerin Elisabeth Schwarzhaupt erstmals die Pläne für eine Psychiatriereform in Deutschland vorstellte, kam auch der Vorschlag eines Modellinstituts zur Sprache, den Häfner bereits seit den 1950er Jahren verfolgt hatte.

Die Institutsplanung nahm konkrete Formen an, als am 1. Juli 1965 der Verein zur Errichtung und Förderung eines Modellinstituts für sozialpsychiatrische Therapie und Forschung in Heidelberg gegründet wurde. Im gleichen Jahr genehmigte das Kultusministerium Baden-Württemberg die Errichtung der von Häfner im Jahr 1963 beantragten Abteilung für Sozialpsychiatrie und Rehabilitation in Heidelberg. Ein Jahr später, im Jahr 1966, einigte man sich auf den Standort Mannheim zur Errichtung des Instituts. Im gleichen Jahr gewährte die Stiftung Volkswagenwerk dem Verein für die Planung des Instituts Mittel in Höhe von 120.000 DM; darüber hinaus beschloss der Baden-Württembergische Landtag am 27. Oktober das Projekt zu fördern.

Um Anregungen für die weitere Bau- und Organisationsplanung des Instituts zu gewinnen und Beratungskontakte aufzubauen, unternahmen Häfner und von Baeyer in den Jahren 1966 und 1967 mehrere Besichtigungsreisen nach Großbritannien und Kanada sowie in die USA. Vom 10. bis 24. April 1967 besuchte zudem eine Kommission bestehend aus Häfner, Mannheims Oberbürgermeister Hans Reschke, dem Mannheimer Bürgermeister für Sozial- und Gesundheitswesen Hans Martini und einem Architektenteam das Psychiatric Department der Yale University und das Yale Connecticut County Mental Health Center in New Haven. Die amerikanische Institution mit ihrer Kombination aus anspruchsvoller Forschung und moderner Krankenversorgung in zentraler städtischer Lage diente als Vorbild für das Mannheimer Institut.

Am 1. Juni 1967 legte Häfner dem Wissenschaftsrat einen neuen Entwurf für das zukünftige Institut im Namen des Vereins vor. Am 9. April 1968 erfolgte der Antrag des Landes Baden-Württemberg auf Begutachtung der Pläne zur Errichtung des Deutschen Instituts für Seelische Gesundheit.[1]

Im Jahr 1968 wurde die sozialpsychiatrische Klinik der Universität Heidelberg, die Vorläufereinrichtung des ZI, dem Lehrstuhl für Psychiatrie am Klinikum Mannheim der Universität Heidelberg zugeordnet. Im gleichen Jahr konnte in Mannheim eine Ambulanz und ein psychiatrischer Konsultationsdienst im Universitätsklinikum eröffnet werden. Ein Jahr später sprach der Wissenschaftsrat am 10. Mai 1969 in einer Stellungnahme eine „dringende Empfehlung“ zur Errichtung des Modellinstituts aus. Noch im selben Jahr konnte die Finanzierung der Institutsplanung sichergestellt werden, als am 7. November in der Kuratoriumssitzung der Stiftung Volkswagenwerk einstimmig beschlossen wurde, einen Betrag in Höhe von 7,55 Millionen DM als „Starthilfe zur Vorbereitung und Errichtung eines Modellinstituts für seelische Gesundheit“ zur Verfügung zu stellen. Der Bund übernahm schließlich zwei Drittel der restlichen Baukosten (21 Millionen DM), das Land Baden-Württemberg übernahm das verbleibende Drittel (10,5 Millionen DM).

Die Entstehung des Instituts in Mannheim

Im Jahr 1971 wurde der Verein zur Errichtung und Förderung eines Modellinstituts für sozialpsychiatrische Therapie und Forschung von Heidelberg nach Mannheim verlegt. Gleichzeitig erfolgte eine Umbenennung in Verein – Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Bereits zum 1. Januar des Jahres war dem Verein der Besitz für das ZI-Baugrundstück in den Quadraten I 4 und I 5 von der Stadt Mannheim eingeräumt worden. Mit einem Kabinettsbeschluss vom 8. Februar 1972 wurde dann die Finanzierung der laufenden Kosten des Instituts durch das Land Baden-Württemberg sichergestellt. Nachdem das Kultusministerium am 30. März die Baufreigabe für das Institut erteilt hatte, konnte noch im gleichen Jahr inmitten der Mannheimer Quadrate mit dem Bau des ZI begonnen werden. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt bewilligte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dem ZI am 21. Juni einen ersten Sonderforschungsbereich. Die Förderung des SFB 116 Psychiatrische Epidemiologie begann am 1. Januar 1973 und lief bis Ende 1985.

Ab Anfang Januar 1974 zog Häfner mit der Sozialpsychiatrischen Klinik schließlich von Heidelberg nach Mannheim um. In den Städtischen Krankenhausanstalten wurden hierfür zunächst psychiatrische Stationen eingerichtet, die dann im September 1975 in den ZI-Neubau im Quadrat I 5 verlegt wurden.

Nach über zehnjähriger Vorbereitungszeit konnte letztendlich das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit als Stiftung des öffentlichen Rechts gegründet werden. Grundlage war der Beschluss der Landesregierung Baden-Württemberg vom 8. April 1975. Die Satzung wurde am 23. Mai im Gesetzesblatt des Landes veröffentlicht und trat am Folgetag in Kraft. Die Bauaufgabe für das ZI ging damit vom Verein auf die Stiftung über, zu deren Beauftragten Hans Martini am 4. Juni ernannt worden war. Aufgrund des Verwaltungsratsbeschlusses vom 26. Juni wurde Heinz Häfner zum Direktor des ZI bestellt. Am 25. September 1975 konnte schließlich die Psychiatrische Klinik offiziell eröffnet werden. Ab dem Wintersemester 1975/76 wurde somit auch der Psychiatrieunterricht für Medizinstudenten vollständig vom Klinikum in das ZI verlagert.

Im Januar und Februar 1976 eröffneten die psychosomatische Klinik sowie die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Für letztere wurde ab dem Schuljahr 1976/77 eine Klinikschule als Sonderschule in Schulträgerschaft der Stadt errichtet. Mit einem Festakt am 17. September 1976 wurde das ZI schließlich offiziell eingeweiht. Die weitere schrittweise Inbetriebnahme des Instituts konnte am 1. April 1977 abgeschlossen werden.

Die weitere Entwicklung des ZI

Im Jahr 1980 wurde das ZI von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum WHO-Collaborating Centre for Training and Research ernannt. Entsprechend seiner zunehmenden Bedeutung als Forschungsinstitution wurde dem ZI zum 1. Januar 1987 ein zweiter Sonderforschungsbereich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt. Der SFB 258 Indikatoren und Risikomodelle für Entstehung und Verlauf psychiatrischer Störungen wurde bis Ende 1998 gefördert.

Fritz Henn wurde am 1. Oktober 1994 vom Verwaltungsrat des ZI zum Nachfolger des ersten Direktors Heinz Häfner bestellt. Als neuer Direktor des ZI übernahm Henn gleichzeitig den Lehrstuhl für das Fach Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und wurde damit Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am ZI. Ein Jahr später begann die zweite Bauphase des Instituts mit dem Bau des Forschungs- und Verwaltungsgebäudes in Nordbereich des Quadrats I 4, das 1997 bezogen werden konnte.

Gegenwart und Ausblick

Das ZI erhielt 2004 einen dritten Sonderforschungsbereich, den SFB 636 Lernen, Gedächtnis und Plastizität des Gehirns: Implikationen für die Psychopathologie. Im selben Jahr wurde das Laborgebäude als Neubau im Nordbereich des Quadrats I 5 fertiggestellt.

Am 1. Juli 2005 trat die Stiftungssatzung in Kraft, die heute die Rechtsgrundlage der Landesstiftung Zentralinstitut für Seelische Gesundheit bildet. Unter anderem wurde eine neue Leitungsstruktur für das ZI etabliert, in der ein aus zwei Personen bestehender Vorstand die Stiftung gemeinschaftlich leiten und die laufenden Geschäfte führen sollte. Ebenfalls in diesem Jahr konnte das Suchtzentrum mit Suchttagesklinik im Nordostbereich des Quadrats I 4 eröffnet werden.

Im Jahr 2007 wurde Andreas Meyer-Lindenberg vom Aufsichtsrat der Stiftung zum neuen Direktor des ZI bestellt. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und fungiert als Vorstandsvorsitzender. Katrin Erk fungiert als Kaufmännischer Vorstand des ZI.

Als Grundstein einer zukünftigen Zusammenarbeit in Bereichen wie Patientenversorgung, Wissenschaft und Administration unterzeichneten das ZI und das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) am 27. Januar 2011 einen Kooperationsvertrag. Ein Jahr später wurde, auf Grundlage der Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Förderung von Forschungsbauten vom 25. Mai 2012, in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) am 29. Juni entschieden, das Zentrum für Innovative Psychiatrie- und Psychotherapieforschung (ZIPP) als Erweiterung des ZI in die Förderung aufzunehmen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wird das ZI 30,7 Millionen Euro erhalten, die zur Hälfte vom Bund und vom Land Baden-Württemberg getragen werden. Um in Zukunft die psychiatrische Vollversorgung der Mannheimer Bevölkerung gewährleisten zu können, wird nun im Quadrat K3 eine strukturelle Erweiterung des ZI geplant. Der Neubau wird ausreichend Raum für innovative Therapieangebote bieten, u. a. entsteht ein sogenanntes Adoleszentenzentrum – ein spezielles Angebot für Jugendliche mit psychiatrischen Erkrankungen – mit dem Ziel, durch frühzeitige Intervention chronische Verläufe zu reduzieren. Darüber hinaus wird Platz geschaffen für zusätzliche stationäre Betten und tagesklinische Plätze, zudem sind weitere Räumlichkeiten für Lehre und Forschung vorgesehen. Der Spatenstich für die Errichtung des Neubaus in K3 fand am 15. April 2013 statt.

Literatur

  • Heinz Häfner, Hans Martini: Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Gründungsgeschichte und Gegenwart. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62968-6.
  • Heinz Häfner: The Mannheim Project. In: Mental health service evaluation, 1996, S. 82–95.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Siehe: Häfner, Martini: Das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, 2011. S. 63ff und Kap. 7.3.

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