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Wolfen


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Wolfen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wolfen
Höhe: 78 m
Fläche: 23,13 km²
Einwohner: 18.698 (31. Mrz. 2013)
Bevölkerungsdichte: 808 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 2007
Postleitzahl: 06766
Vorwahl: 03494

Wolfen ist ein Stadtteil von Bitterfeld-Wolfen im Südosten von Sachsen-Anhalt, südlich von Dessau-Roßlau und nordöstlich von Halle (Saale) gelegen. Bis zum 30. Juni 2007 war Wolfen eine eigenständige Stadt.

Geographie

Wolfen liegt etwa 30 km nordöstlich von Halle (Saale) und 45 km nördlich von Leipzig. Östlich befindet sich die Mulde und der Muldestausee, südlich schließen sich die Ortsteile Bitterfeld und Greppin, nördlich Bobbau sowie Jeßnitz (Anhalt) und westlich Thalheim an. Die Fuhne fließt durch Wolfen. Wolfen liegt im Naturraum Bitterfelder Bergbaurevier. Am östlichen Ortsrand der Stadt befinden sich außerdem der Wolfener Busch und das Naturschutzgebiet Salegaster Forst.

Geschichte

Der Ort Wolfen wurde im Jahre 1400 in einer Lehensurkunde für das Rittergut Altjeßnitz als Wulffen erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname wird auf einen Gründer, dessen Name mit Wolf anfing, zurückgeführt. Basierend auf archäologischen Funden wird die Erstanlage des Dorfes um 1140/50 als Kolonisationssiedlung gestützt. Im Verlauf der spätmittelalterlichen Wüstungsphase fiel Wolfen in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wüst und wurde 1550/51 als Dorf mit 21 Hofstellen neu angelegt. Es war zunächst ein direktes Amtsdorf und dem kursächsischen Amt Bitterfeld zugeordnet.[1] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam Wolfen zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Bitterfeld im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem der Ort bis 1944 gehörte.[2]

1846 wurde in der Umgebung Braunkohle entdeckt, die in der Grube Johannes abgebaut wurde. Das Tagebaurestloch wurde zwischen 1938 und 1991 mit Abwasser der Zelluloseproduktion und anderer chemischer Prozesse der Filmfabrik Wolfen geflutet. Daher trägt das Gewässer im Volksmund den Namen Silbersee.

Wolfen ist heute eine Chemiestadt, die ihre Entwicklung hauptsächlich der von Agfa 1909 erbauten Filmfabrik Wolfen verdankt. So entstand unter anderem hauptsächlich für die Arbeiter der Filmfabrik Wolfen der Neubaukomplex Wolfen-Nord. In Wolfen wurde 1936 der Farbfilm erfunden, das Patent 1945 von amerikanischen Truppen beschlagnahmt und an den US-Konzern Kodak übergeben.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten hunderte Frauen, Kinder und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern in den IG-Farben-Werken Zwangsarbeit verrichten. In der Kunstfaserherstellung (Vistra) wurden gegen Ende des Krieges 350 weibliche Häftlinge des KZ Ravensbrück eingesetzt (nach anderen Angaben 1.200 bis 1.700 Jüdinnen), die in Baracken in der Thalheimer Straße untergebracht waren. Viele verloren ihr Leben.

Nach Kriegsende wurde die Film- und Faserproduktion zunächst fortgesetzt und am 31. Dezember 1953 als VEB Film- und Chemiefaserwerk Agfa Wolfen an die DDR übergeben. Im Jahr 1964 erfolgte die Umstellung des Warenzeichens von Agfa auf ORWO (Original Wolfen). Nach der Wende scheiterte die Privatisierung der Filmfabrik. Schließlich wurde 1994 die Liquidation des Gesamtwerkes eingeleitet. Teilprivatisierungen führten zur Gründung der ORWO Net GmbH (Foto-Colorlabor) und der FilmoTec GmbH (Herstellung von ORWO-Filmen).

Am 7. Oktober 1958 wurde der bisherigen Gemeinde Wolfen das Stadtrecht verliehen.

Seit 1990 ging die Einwohnerzahl Wolfens um 57.4 Prozent, über 25000 Einwohner, zurück, von 43.900 auf 18698 im Jahr 2013 (Stand: 31. März 2013).

Der Ortsteil Wolfen-Nord ist typisch für eine sogenannte Trabantenstadt im Osten Deutschlands, von Plattenbauten geprägt und seit 1990 von Arbeitslosigkeit, starkem Wohnungsleerstand und Abwanderung betroffen. Wolfen-Nord wurde in den 1960er bis 1980er Jahren hauptsächlich für die arbeitende Bevölkerung aller Schichten aus der Filmfabrik Wolfen, dem Chemiekombinat Bitterfeld, der Rohrwerke Bitterfeld und anderen Industrie- und Bildungszweigen gebaut. Von circa 33.000 Einwohnern (1993) in Wolfen-Nord lebten Ende 2008 nur noch etwas mehr als 11.000 dort, Wohnungsleerstand ist wegen Wegzug in attraktivere Gegenden zum größten Problem des Stadtteils geworden. Dem wird seit dem Jahr 2000 vor allem durch umfangreiche Abrissarbeiten begegnet. Allein in der Rückbauplanung für 2005/2006 wurden 1.182 Wohnungen mit über 70.000 m² Wohnfläche als Abrissobjekte festgelegt.

Eingemeindungen

  • 1961: Steinfurth (bis dahin zu Jeßnitz (Anhalt) gehörend)
  • 13. Juli 1993: Reuden[3]
  • 15. März 2004: Rödgen[4] mit dem am 1. Juli 1950 eingegliederten Zschepkau

Städtefusion 2007

Wolfen ist am 1. Juli 2007 mit der Nachbarstadt Bitterfeld und den Gemeinden Greppin, Holzweißig und Thalheim zur neu gegründeten Stadt Bitterfeld-Wolfen fusioniert.[5]

Die Gemeinde Bobbau ist am 1. September 2009 (lt. Bürgeranhörung waren 54 % der Einwohner Bobbaus gegen den Anschluss) ebenfalls zur Einheitsgemeinde beigetreten. Die Stadt Bitterfeld-Wolfen hatte zu diesem Zeitpunkt zusammen knapp 50.000 Einwohner und war damit die viertgrößte Stadt Sachsen-Anhalts, im Jahre 2012 ist sie mit ca. 45.000 Einwohnern nur noch fünftgrößte Stadt.

Zudem schlossen sich im Zuge der Kreisgebietsreform in Sachsen-Anhalt die Landkreise Bitterfeld und Köthen mit großen Teilen des Landkreises Anhalt-Zerbst zum Landkreis Anhalt-Bitterfeld zusammen.

Einwohnerentwicklung

Wolfen hat seit der Wende mehr als die Hälfte seiner Einwohner verloren und zählt damit zu jenen Städten in den neuen Bundesländern, die am stärksten von Abwanderung betroffen sind. Prognosen zufolge werden im Jahre 2020 nur noch etwa 14.000 Einwohner im einstigen Stadtgebiet leben.[6]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

  • 1910 - 2.548
  • 1933 - 6.520
  • 1939 - 7.934
  • 1946 - 11.458 (29. Oktober)
  • 1950 - 11.750 (31. August)
  • 1960 - 12.687
  • 1981 - 39.131
  • 1984 - 41.977
  • 1990 - 43.900
  • 1995 - 40.889
  • 2000 - 31.025
  • 2001 - 29.188
  • 2002 - 27.844
  • 2003 - 26.728
  • 2004 - 25.661
  • 2005 - 24.908
  • 2008 - 22.764 (30. Juni)
  • 2015 – 17.497 (31. März)[7]
Datenquelle ab 1995: Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt

Gedenkstätten

  • VVN-Gedenkstätte von 1946 auf dem Friedhof für 86 Frauen, Kinder und Männer, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit für die I.G. Farben wurden, sowie ein Sammelgrab für sowjetische und deutsche Bürger als Opfer eines Luftangriffs
  • Gedenkstein von 1945 in der Leipziger Straße Wolfen-Süd zur Erinnerung an zwei KZ-Häftlinge, die hier ermordet wurden
  • Schaukasten zu Anne Frank in der Sonderschule für Lernbehinderte Wolfen-Nord als Fortführung der Ehrung dieses jüdischen Mädchens, die mit der Namensgebung der „Anne-Frank-Schule“ 1989 begann

Politik

Ortschaftsrat

Der Ortschaftsrat des Ortsteils Wolfen hat 19 Sitze. Bei der letzten Wahl zum Ortschaftsrat am 22. April 2007 ergab sich folgende Sitzverteilung:

CDU 4 Sitze
SPD 4 Sitze
Die Linke 3 Sitze
Pro Wolfen (Freie Wähler) 3 Sitze
Initiative für Wolfen (Freie Wähler)

Wählerliste Sport (Freie Wähler)

FDP

2 Sitze

1 Sitz

1 Sitz

Bündnis 90/Die Grünen 1 Sitz

Die FDP und verschiedene Wählergruppen haben sich zu einer gemeinsamen Fraktion „IFW-WLS-FDP“ zusammengeschlossen.

Wappen

Das Wappen wurde am 24. Januar 1995 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt und im Landeshauptarchiv Magdeburg unter der Wappenrollennummer 4/1995 registriert.

Blasonierung: „Geviert von Gold und Blau; Feld 1: ein schwarzer Rundkolben, Feld 2: zwei aufgerichtete goldene Ähren, Feld 3: perforiertes silbernes Filmsegment, Feld 4: schräg gekreuzte schwarze Schlägel und Eisen.“

Die Stadtfarben sind Schwarz - Gold (Gelb).

Flagge

Die Flagge wurde am 19. April 2001 durch das Regierungspräsidium Dessau genehmigt.

Die Flagge ist Schwarz - Gelb (1:1) gestreift. Das Stadtwappen ist mittig auf die Flagge aufgelegt.

Städtepartnerschaften

Wolfen unterhielt seit Mai 1994 eine Städtepartnerschaft zu Villefontaine (Frankreich) und seit 2. Juni 1990 zu Witten in Nordrhein-Westfalen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturhaus

Das Kulturhaus Wolfen wurde 1927 von den Agfa-Werken erbaut und diente auch während der Zeit der späteren Filmfabrik Wolfen als Veranstaltungsort für die Mitarbeiter des Werkes. 1991 wurde es von der Stadt übernommen und wird seither als lokale und regionale Veranstaltungsstätte genutzt. Es gibt zwei Säle, Konferenz- und Beratungsräume, eine Bibliothek sowie Atelier und Keramikwerkstatt. Auf den verschiedenen Bühnen finden auch regelmäßig Theaterveranstaltungen statt.

Museen

  • Industrie- und Filmmuseum [8]
    • Geschichte der Filmfabrik Wolfen
    • Geschichte von Agfa und ORWO
    • Dokumentation der Rohfilmherstellung anhand historischer Maschinen
    • zahlreiche Sonderausstellungen zur historischen und zeitgenössischen Fotografie
  • Museumslok

Bauwerke

  • Ehemaliges, denkmalgeschütztes ORWO-Verwaltungsgebäude „041“. Nach der Rekonstruktion dient es jetzt als Rathaus der neu gebildeten Stadt Bitterfeld-Wolfen.
  • Johanneskirche
  • Wolfen besitzt die größte überdachte Freilichtbühne Sachsen-Anhalts.

Natur

  • Im Osten der Stadt, erreichbar über eine Fußgängerbrücke, erstreckt sich der Wolfener Busch und der Salegaster Forst als Teil der Muldenaue.
  • Die Fuhne ist ein sich verzweigender Fluss, dessen westlicher Arm in die Saale mündet und der östliche, der durch Wolfen fließt, in die Mulde.

Sport

In Wolfen existieren 43 Sportvereine. Einer der bekanntesten darunter ist der Fußballverein FC Grün-Weiß Wolfen, der als BSG Chemie Wolfen lange Jahre in der DDR-Liga spielte. Nach der Wende spielte die erste Männermannschaft des Vereins in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt, mit Ausnahme der Saison 2008/2009, in der die Mannschaft in der Oberliga Nordost antrat. Ende 2011 stellte der Verein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit. Der Spielbetrieb der ersten und zweiten Männermannschaft wurde daraufhin eingestellt.

Die Handballer der HSG Wolfen 2000 spielen in der Mitteldeutschen Oberliga, der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Alljährlich im Frühjahr die „Wolfener Kneipennacht“
  • Alljährlich im Juni das „Vereins-und Familienfest“
  • Alljährlich in der Adventszeit die „Wolfener Weihnacht“

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Wolfen liegt an der Bundesstraße 184. An die Bundesautobahn 9 ist der Stadtteil über die Anschlussstelle Bitterfeld-Wolfen angebunden.

Wolfen besitzt einen Bahnhof an der Bahnstrecke Dessau–Leipzig. Hier halten Regional-Express-Züge der Linie Leipzig–Magdeburg und Regionalbahnen der Linien Halle (Saale)–Dessau und Leipzig–Dessau. Der nächste Fernverkehrshalt befindet sich im Stadtteil Bitterfeld. Seit 2010 wird der Bahnhof Wolfen im Zuge der Modernisierung des Eisenbahn-Verkehrsknotens Roßlau/Dessau grundhaft umgebaut sowie die Gleisanlagen, Bahnsteige und der Personentunnel erneuert[9].

Ansässige Unternehmen

  • FilmoTec GmbH (Hersteller von ORWO-Filmen)
  • Folienwerk Wolfen GmbH
  • Guardian Flachglas GmbH
  • IPI GmbH (Hersteller von AC-Folien)
  • Kesla-Gruppe (stellt u. a. die bekannte Wofacutan-Waschlotion her)
  • MCE Industrietechnik Ost
  • ORGANICA Feinchemie GmbH Wolfen (Produzent organischer Feinchemikalien)
  • ORWO Net GmbH (Photodienstleister)
  • Q-Cells (ehemals weltweit größter Hersteller von mono- und multikristallinen siliziumbasierten Hochleistungs-Solarzellen)
  • SOEX Textilvermarktungsgesellschaft mbH (Produktionsstätte für Textilrecycling mit ca.700 Mitarbeitern)
  • Wiesheu Wolfen GmbH (Ladenbackofenhersteller)
  • WBG Wolfen mbH

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter Wolfens

Literatur über Wolfen

Quellen

  1. Manfred Wilde: Das Häuserbuch der Stadt Wolfen Kreis Bitterfeld 1550-1990. Verlag Degener & Co., Neustadt/Aisch 1999.
  2. Der Landkreis Bitterfeld im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2007
  6. Bertelsmann-Stiftung, Wegweiser Demographischer Wandel, 2003.
  7. Verwaltungsgemeinschaft Bitterfeld-Wolfen (Hrsg.): Statistische Kurzinformation - Bevölkerungsstand und Bevölkerungsentwicklung im 1. Halbjahr 2007 in der Stadt und der Verwaltungsgemeinschaft Bitterfeld-Wolfen . Bitterfeld-Wolfen, 2007.
  8. Industrie- und Filmmuseum Wolfen
  9. 2. Phase der Umbau- und Modernisierungsarbeiten im Bereich des Bahnhofs Wolfen. Deutsche Bahn AG, 31. August 2012, abgerufen am 31. August 2012.

Weblinks

 Commons: Wolfen, Germany  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Wolfen-Nord  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ehemalige Gemeinde (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) | Ort im Landkreis Anhalt-Bitterfeld | Bitterfeld-Wolfen

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