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Wladimir Kaminer


Wladimir Wiktorowitsch Kaminer (* 19. Juli 1967 in Moskau, Sowjetunion) ist ein deutscher Schriftsteller und Kolumnist russisch-jüdischer Herkunft. Seine Erzählbände Militärmusik und Russendisko machten ihn auch außerhalb Deutschlands bekannt. Kaminer schreibt seine Texte in deutscher Sprache und nicht in seiner Muttersprache Russisch. Bis Juli 2010 wurden 2,9 Mio. seiner Bücher verkauft.[1] Allein Russendisko hatte bis März 2012 eine Gesamtauflage von über 1,3 Mio.[2]

Leben

Kaminer ist der Sohn einer Lehrerin und eines Betriebswirts, der als stellvertretender Leiter in einem Betrieb der sowjetischen Binnenflotte arbeitete. Von 1985 bis 1987 leistete er in einer Raketenstellung vor Moskau seinen Wehrdienst ab und erlebte dabei den von der sowjetischen Flugabwehr unbemerkten Einflug des westdeutschen Privatpiloten Mathias Rust mit, der anschließend auf dem Roten Platz landete.[3] Nach einer Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk studierte Kaminer Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut. Während des Studiums verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs und dem Veranstalten von Partys und Untergrundkonzerten in der Moskauer Rockszene.

Im Juni 1990 bekam er humanitäres Asyl in der DDR. Noch vor dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober erhielt er die Staatsbürgerschaft der DDR und deshalb danach automatisch die bundesdeutsche Staatsbürgerschaft.[4] Dem widerspricht, dass er in einem Interview im September 2012 berichtet, 14 Jahre lang mit einem sogenannten Alien-Pass gelebt zu haben, also für mehrere Jahre kein deutscher Staatsbürger war. In der DDR war er demnach auch ein geduldeter Ausländer gewesen.[5][6]

Viele Jahre war er Mitglied der „Reformbühne Heim & Welt“, auf der er wöchentlich im Kaffee Burger seine neuesten Geschichten vorlas. Er veröffentlicht regelmäßig Texte in verschiedenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften, hatte eine wöchentliche Sendung namens Wladimirs Welt beim SFB 4 Radio Multikulti sowie eine lose gesendete Rubrik im ZDF-Morgenmagazin und organisierte im Kaffee Burger zusammen mit Yuriy Gurzhy Veranstaltungen wie seine „Russendisko“. Musikalisch präsentieren die Veranstaltungen einen Mix aus alter und neuer russischer Popmusik und Underground. Einige Zusammenstellungen erschienen unter dem Etikett Russendisko beim Münchener Label Trikont. Im Dezember 2006 eröffnete Kaminer den Club Rodina (deutsch: Heimat) in Berlin, den er jedoch nach viereinhalb Monaten wieder aufgab.[7] Im gleichen Jahr kündigte er an, 2011 für das Amt des Regierenden Bürgermeisters der Stadt Berlin anzutreten.[8]

Seit März 2014 schreibt er jeden Monat die Kolumne „Kaminers Kino“ für die Kinozeitschrift epd Film.[9]

Kaminer lebt mit seiner ebenfalls aus Russland stammenden Frau Olga Kaminer, die er 1995 in Berlin kennenlernte, und seinen beiden Kindern im Ortsteil Prenzlauer Berg in Berlin.

Kontroverse um eine Äußerung beim Eurovision Song Contest 2009

Bei einer „Countdownsendung“ der ARD vor dem Eurovision Song Contest sorgte Kaminer für eine kleine Irritation, als er die gewaltsame Niederschlagung einer nicht genehmigten Schwulendemo durch die russische Polizei relativierte und auf die Fragen des Moderators Thomas Anders mit den Worten reagierte: „Die Russen sind nicht schwulenfeindlich, sie sind schwulenfreundlich, sie zeigen es nur nicht.“[10]

Bibliografie

Diskografie

Film

Siehe auch

Auszeichnungen

Weblinks

 Commons: Wladimir Kaminer  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Jewgenija Bogomolowa: Interkulturalität und Humor: Am Beispiel von Ephraim Kishon, Osman Engin und Wladimir Kaminer , GRIN-Verlag, S. 59.
  2. „Russendisko“-Verfilmung: Das Ivan-Rebroff-Syndrom , tagesspiegel.de
  3. Fernsehdokumentation Der Kremlflieger, ARD, 22. Mai 2012 23:30 Uhr
  4. Wladimir Kaminer im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  5. Interview September 2012 kulturfalter.de, abgerufen am 27. April 2014.
  6. mehr dazu auch in: Verfehltes Paris In: Die Reise nach Trulala. Goldmann, München 2002, ISBN 3-442-54542-0.
  7. Anne Lena Mösken: Kaminer macht die Heimat dicht In: Berliner Zeitung. 27. April 2007.
  8. Kaminer will Wowereit beerben . In: Der Spiegel. 23. Oktober 2006. ISSN 0038-7452 .
  9. epd-film.de: Kaminers Kino
  10. Stefan Niggemeier: Wladimir Kaminers Schwulenwitz. 17. Mai 2009, abgerufen am 10. Juni 2009 (Webseite des Journalisten Stefan Niggemeier mit Ausschnitt der Fernsehsendung vom 16. Mai 2009).
  11. Rezension in: perlentaucher.de
  12. Eintrag auf der Website von kino.de


Kategorien: Geboren 1967 | Schriftsteller (Berlin) | Russe | Deutscher | Mann | Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir Kaminer (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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