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Winterkasten


Winterkasten
Höhe: 440 m
Fläche: 6,35 km²
Einwohner: 690 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64678
Vorwahl: 06255

Winterkasten ist ein Stadtteil von Lindenfels im Odenwald im Kreis Bergstraße in Hessen.

Geographische Lage

Winterkasten liegt im Vorderen Odenwald nördlich der Kernstadt Lindenfels am Oberlauf des Mergbachs, einem der beiden Quellbäche der Gersprenz. Der Ort liegt am Fuß der bewaldeten Neunkircher Höhe (605 m), die sich im Nordwesten der Ortschaft erhebt. Die Gemarkung erreicht ihren höchsten Punkt mit 590 Meter auf dem langgestreckten Höhenrücken der Neunkircher Höhe in der Nähe des Kaiserturms. Nördlich davon reicht sie bis in die Nachbarschaft des Radarturms mit der Parabolantenne (592 m ü. NN ) der Deutschen Flugsicherung (DFS). Auch die Quelle des Mergbachs (früher Gersprenz-Quelle) liegt hier oben in der Waldgemarkung von Winterkasten. Die Eleonorenklinik liegt am Waldrand in 490 Meter Höhe. Nordöstlich der Neunkircher Höhe reicht ein Ausläufer der Gemarkung über die Germannshöhe bis zum Westhang des Rimdidim (498,5 m ü. NN ). Im Westen reicht die Gemarkung bis in die Gipfelnähe des Raupensteins (545,3 m ü. NN ) und im Südwesten bis auf das Buch (535,3 m ü. NN ).

Die nächstgelegenen Ortschaften sind die Kernstadt Lindenfels im Süden, Winkel im Südwesten, Kolmbach im Westen, Neunkirchen im Nordwesten, Laudenau im Nordosten Klein-Gumpen im Osten und Gumpen im Südosten.

Geschichte

Übersicht

Der Name Wintercasten bzw. Winterchasto wurde bereits im Jahr 773 in der Grenzbeschreibung der Mark Heppenheim, die ein Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete, benutzt. Damit war allerdings die Neunkircher Höhe und nicht der heutige Ort Winterkasten gemeint.[2]

Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte Winterkasten in das Herrschaftsgebiet der Kurpfalz und diese vergab für Grundbesitz, Gerichte und Zehnten Lehen an die Ulner von Dieburg, die Herren von Rodenstein und die Schenken zu Erbach. 1433 verkaufen die Brüder Hermann und Konrad von Rodenstein ihren Teil an Winterkasten an den Graf Philipp von Katzenelnbogen.

Im 17. Jahrhundert gehörten in Winterkasten acht Hausgesessene zur Grafschaft Erbach, neuen waren unter der Herrschaft der Rodensteiner und sieben unter die Herrschaft der Ulner von Dieburg. Aus dem Jahr 1720 ist ein Lehensbrief der Kurpfalz überliefert, in dem die Hälfte von Winterkasten den Grafen zu Erbach überlassen wird.[3]

Die Gerichtsbarkeit wird von den jeweiligen Lehnsherren ausgeübt. So gehörte im 17. Jahrhundert Winterkasten zur Zent Reichelsheim, dessen Untergericht die Grafen von Erbach und die Herren von Rodenstein gemeinsam haben. Diesem Gericht unterstanden die erbachischen und rodensteiner Hausgessenen, während die Rodensteiner Hausgesessenen dem Gericht in Gumpen unterstanden.[3]

Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Winterkasten zum gräflich erbachischen Amt Reichenberg als die Napoleonischen Kriege zum Untergang des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) führen. Durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 und die Rheinbundakte von 1806 wird die Grafschaft Erbach mediatisiert und zum größten Teil in das neu gegründete Großherzogtum Hessen eingegliedert. Nach der 1822 im Großherzogtum Hessen durchgeführten Verwaltungsreform wird das Amt Reichenberg in den Landratsbezirk Erbach eingegliedert. Dabei wird auch die Administration auf Gemeindeebene neu geregelt und Winterkasten wird durch die Bürgermeisterei in Laudenau verwaltet. Über mehrere Verwaltungsreformen in Hessen gelangt der Ort schließlich 1938 zum heutigen Landkreis Bergstraße.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Winterkasten am 31. Dezember 1971 nach Lindenfels eingemeindet.[4]

Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert

Der Name Wintercasten bzw. Winterchasto wurde bereits im Jahr 773 in der Grenzbeschreibung der Mark Heppenheim, die ein Verwaltungsbezirk des Frankenreichs bezeichnete, benutzt. Als 1012 König Heinrich II. auf Bitten dem Lorscher Abtes Bobbo, dem Kloster Lorsch den Forst-. und Wildbann innerhalb der Mark Michelstadt und Mark Heppenheim auf ewig verleiht, enthält die Grenzbeschreibung den Namen Wintercasto. Damit war allerdings die Neunkircher Höhe und nicht der heutige Ort Winterkasten gemeint.

Die früheste bekannte Erwähnung des Ortes Winterkasten stammt von 1354, als der Pfalzgraf Rupprecht I. dem Heinrich von Rodenstein ein Gut zu Winterkasten als Lindenfelser Burglehen überlässt. Im 14. bis 16. Jahrhundert vergibt Kürpfalz Lehen über Winterkasten und die Hoheitsrechte wechseln mehrfach zwischen Herren von Rodenstein, den Ulnern von Dieburg, den Grafen von Katzenelnbogen, den Schenken von Erbach und den Pfalzgrafen. Für das 17. Jahrhundert ist dann überliefert, dass unter der Herrschaft von Erbach acht, der Rodensteiner neun und den Ulnern sieben Hausgesessene leben. Die Verwaltung wurde durch das Erbachische Amt Reichenberg ausgeübt.[3]

Auch die Gerichtsbarkeit wurde durch Kurpfalz mehrfach zum Lehen gegeben. Winterkasten gehörte zur Zent Reichelsheim dessen Untergericht den Erbachern und Rodensteinern je zur Hälfte gehörte. Die Grundherrlichkeit wurde für die erbachischen Hubengüter wurde in Laudenau ausgeübt, während die Ulnerschen Güter zusammen mit Klein-Gumpen ein Untergericht bildeten. So ist für 1443 belegt, dass Pfalzgraf Ludwig IV. den Schenken Otto von Erbach mit dem halben Dorf, Gericht, Zehnten usw. belehnte. Im 17. Jahrhundert gehörten zur Erbachischen Zent Reichelsheim die acht Erbachischen und neuen Rothensteiner Hausgesessenen, während für die sieben Ulnerschen Hausgesessenen das Gericht zu Gumpen bei der Mühle zuständig war. Als letzter männlicher Rodensteiner starb 1671 Georg Friedrich von Rodenstein. Teile des Erbes fielen zunächst an Johann Rudolf Victor Freiherr von Pretlack,[5] dessen Nachkommen es 1802 an die Freiherren von Gemmingen-Hornberg verkauften. Somit kamen auch die Rodensteiner Rechte an Winterkasten an die Freiherren von Gemmingen. 1826 trat die Freifrau von Gemmingen die ihr zustehende Patrimonialgerichtsbarkeit an das Großherzogtum Hessen ab und dieses übergibt es 1828 an die Grafen von Erbach-Erbach. Die verbleibenden standesherrlichen Vorrechte wurde erst 1848 nach der Märzrevolution mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ abgeschafft.[6][3]

Auch den Zehnten an Winterkasten geben die Pfalzgrafen zu Lehen. Auch hier treten im 14. und 15. Jahrhundert die Schenken zu Erbach, die Herren von Rodenstein sowie die Kreisen von Lindenfels in Erscheinung, wobei letztere den Zehnten zum Afterlehen haben. Für das 17. Jahrhundert ist überliefert, dass die Ulner, Rodensteiner und Erbacher den großen und kleinen Zehnten beziehen »soweit ihre Güter gehen«  und der Pfarrer von Neunkirchen 1/3 des Zehnten hat.[3]

Ab 1544 war in der gesamten Grafschaft Erbach die Reformation eingeführt und im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) durfte auch Winterkasten, wie der gesamte Odenwald, schwer gelitten haben.[7]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet. Dieses letzte Gesetzeswerk des alten Reiches setzte Bestimmungen des Frieden zu Luneville um und leitete das Ende des alten Reiches ein, das 1806, mit unter den Druck Napoleons Gründung des Rheinbundes und der Niederlegung der Reichskrone, aufhörte zu bestehen. Am 14. August 1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich und den Beitritt zum Rheinbund, von Napoleon zum Großherzogtum erhoben. Durch die Rheinbundakte wurde die Grafschaft Erbach mediatisiert und zum größten Teil in das neu gegründete Großherzogtum Hessen eingegliedert.

Verwaltung in Hessen

Die Amtsvogteien der nach Hessen eingegliederten Gebiete wurden vorerst unter hessische Regie weitergeführt, so auch das Amt Reichenberg. Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen, daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet. Dabei wurde das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet, das aus den südlich des Mains gelegenen alten Hessischen und den ab 1803 hinzugekommenen rechtsrheinischen Territorien bestand, in „Provinz Starkenburg“ umbenannt. 1821/22 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei 1822 Winterkasten zum Landratsbezirk Erbach kam. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Für den Landratsbezirk wurden angesichts der Besitzverhältnisse zwei Landgerichtsbezirke geschaffen. Das Landgericht Freienstein mit Sitz in Beerfelden und das Landgericht Michelstadt zu dem auch Winterkasten gehörte. Diese Reform ordnete auch die Administrative Verwaltung auf Gemeindeebene. So war die Bürgermeisterei in Laudenau auch für Winterkasten zuständig. Entsprechend der Gemeindeverordnung vom 30. Juni 1821 gab es keine Einsetzungen von Schultheißen mehr sondern einen gewählten Ortsvorstand, der sich aus Bürgermeister, Beigeordneten und Gemeinderat zusammensetzte.[8] 1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert.

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[9] Darüber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei Winterkasten zum Regierungsbezirk Erbach kam. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Winterkasten wurde Teil des neu geschaffenen Kreises Lindenfels.[10]

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten[11] für Winterkasten:[12] Zwei öffentliche Gebäude (Schul- und Rathhaus); 60 Wohnhäuser mit 84 Familien und 570 Seelen, davon waren 561 lutheraisch, 6 reformatorisch und 3 katholisch. Von der Bevölkerung wurden weiterhin erfasst die Kinder mit 125 Knaben und 130 Mädchen und die Erwachsene mit 148 Männern und 167 Frauen. Die Beschäftigung wurde angegeben mit 21 Ackerleuten, 25 Gewerbsleute, 6 mit beides zugleich, 30 Taglöhnern und 33 Dienstboten. Die Gemarkung bestand aus 2358 Morgen, davon waren 1130 Morgen Ackerland, 454 Morgen Wiesen und 644 Morgen Wald.

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen werden, bezogen auf Dezember 1867, für das Filialdorf Winterkasten mit eigener Bürgermeisterei, 55 Häuser, 445 Einwohnern, der Kreis Lindenfels, das Landgericht Fürth, die evangelische Pfarrei Neunkirchen des Dekanats Reinheim und die katholische Pfarrei Lindenfels des Dekanats Heppenheim, angegeben. Die Bürgermeisterei in Winterkasten war außerdem für den Wohnplatz Schleich (5 Häuser, 41 Einw.) zuständig.[13]

Nachdem das Großherzogtum Hessen ab 1871 Teil des Deutschen Reiches war, wurden 1874 eine Reihe von Verwaltungsreformen beschlossen. So wurden die landesständige Geschäftsordnung sowie die Verwaltung der Kreise und Provinzen durch Kreis- und Provinzialtage geregelt. Die Neuregelung trat am 12. Juli 1874 in Kraft und verfügte auch die Auflösung der Kreise Lindenfels und Wimpfen und die Eingliederung von Winterkasten in den Kreis Bensheim.[14]

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat dann eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[15][16]

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand Groß-Hessen, aus dem das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen hervorging.

Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 635 ha angegeben, davon waren 196 ha Wald.[16]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Winterkasten am 31. Dezember 1971 nach Lindenfels eingemeindet.

Gerichte in Hessen

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1822 das Landgericht Michelstadt das Gericht erster Instanz. Die Patrimonialgerichtsbarkeit lag noch bis 1828 bei der Freifrau von Gemmingen, die sie dann an das Großherzogtum Hessen abgab, welches diese aber an die Grafen von Erbach-Erbach weitergab. Erst 1848 infolge der Märzrevolution wurden diese Rechte, mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ abgeschafft, und gingen an den Hessischen Staat über.

Im Zuge der am 1. Juni 1853[17] in Kraft getretene Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg kam es zu umfangreichen Änderungen bezüglich des Michelstädter Landgerichtsbezirks und Winterkasten wurde dem Landgerichtsbezirk Fürth zugeordnet.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Fürth und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt.[18]

Mit Wirkung vom 1. April 1904 wurden die Gemarkungen Bockenrod, Eberbach, Erzbach, Frohnhofen, Groß-Gumpen, Klein-Gumpen, Laudenau, Ober-Klein-Gumpen, Ober-Ostern, Pfaffen-Beerfurth, Reichelsheim, Rohrbach, Unter-Ostern und Winterkasten vom Amtsgerichtsbezirk Fürth abgetrennt und bildeten den Grundstock des zur gleichen Zeit errichteten Amtsgerichtsbezirks Reichelsheim.[19] Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Reichelsheim und die Gemeinde Winterkasten wurde dem Amtsgerichtsbezirk Fürth zugelegt.[20]

Historische Beschreibungen

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Winterkasten:

»Winterkasten (L. Bez. Erbach) luth. Filialdorf; liegt 4 St. von Erbach in einem sehr hohen Thale, und gehört dem Grafen von Erbach-Erbach. Der Ort hat 60 Häuser und 480 Einw., die außer 15 Reform. lutherisch sind. Man findet 3 Mahl-, 2 Oel- und 1 Schneidemühle. Die Gegend ist gewöhnlich noch bis tief in den Mai mit Schnee bedeckt. - Der Ort kommt 773 in der Heppenheimer Markbeschreibung, so wie 1012 in der Beschreibung des Lorscher Wildbanns im Odenwald vor. Er gehörte theils dem Grafen von Erbach-Erbach theils der Freiherr Familie von Gemmingen. Im Jahr 1826 trat die Freifrau von Gemmingen die ihr zu gestandene Patrimonialgerichtsbarkeit an den Staat und dieser dieselbe 1828 wieder an den Grafen von Erbach-Erbach ab. Letzrerer Theil gehörte früher zum Ritterkanton Odenwald. Das Ganze war 1806 unter Hess Hoheit gekommen.«[21]

Im Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 heißt es:

»Winterkasten b. Erbach. — Dorf, zur evangel. Pfarrei Neunkirchen, resp. kathol. Pfarrei Lindenfels gehörig. 60 H. 480 evangel. E. — Großherzogthum Hessen. — Provinz Starkenburg. — Landrathsbezirk Erbach. — Landgericht Michelstadt. — Hofgericht Darmstadt. — Das Dorf Winterkasten, in einem sehr hohen Thale liegend, gehört zur Standesherrschaft des Grafen von Erbach-Erbach. Der Ort hat 2 Oel-, 1 Schneide- und 3 Mahlmühlen, und hat den Namen nicht mit Unrecht, denn die Gegend ist gewöhnlich noch bis tief in den Mai mit Schnee bedeckt. Uebrigens gehört Winterkasten zu dem Großherzogthume erst seit dem J. 1806.«[22]

Einwohnerentwicklung

Die folgenden Einwohnerzahlen sind dokumentiert:[16]

  • 1829: 480 Einwohner
  • 1939: 632 Einwohner
  • 1961: 819 Einwohner
  • 1970: 792 Einwohner
Winterkasten: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
470
1840
  
493
1846
  
494
1852
  
570
1858
  
504
1864
  
530
1871
  
502
1875
  
517
1885
  
547
1895
  
538
1905
  
691
1910
  
757
1925
  
627
1939
  
632
1946
  
878
1950
  
881
1956
  
703
1961
  
819
1967
  
833
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Wappen

Am 30. Juli 1971 wurde der Gemeinde Winterkasten ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Unter einem roten, mit drei silbernen sechsstrahligen Sternen belegten Schildhaupt eine schwarze Scheune (stilisiert) in Gold.[23]

Eleonorenklinik

Durch die Eleonorenklinik ist Winterkasten ein weitbekannter Luftkurort. Sie ist eine Reha-Klinik, die sich auf die Behandlung hauptsächlich von Stoffwechselerkrankungen und gastroenterologischen Erkrankungen spezialisiert hat.

Auf dem Gelände der Eleonorenklinik befindet sich außerdem ein Bildungszentrum der Deutschen Rentenversicherung Hessen, das sowohl für Ausbildungs- und Weiterbildungszwecke der Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung Hessen genutzt wird.

Waldhufenkirche

Etwas abseits der Hauptstraße liegt das „Evangelische Gemeindezentrum Waldhufenkirche“ der Evangelischen Kirchengemeinde Winterkasten/Laudenau. Es wurde 1973 fertigstellt und umfasst neben einem Kirchensaal im Obergeschoss mehrere Versammlungs- und Funktionsräume. Hauptsehenswürdigkeit ist das „Auferstehungsfenster“ nach dem Entwurf von Manfred Stumpf aus der Glaswerkstatt Peter Hermans, das 2005 entstand.

Veranstaltungen

Das alljährliche Scheeserenne findet auf dem Sportplatz in Winterkasten statt. Die Aufgabe ist es dabei, selbstgebaute Rennwagen und Autos über einen Hindernisparcours zu steuern und diesen heil zu überstehen. Die Veranstaltung lockt jährlich viele Zuschauer und Besucher in den kleinen Ort.

Weblinks

 Commons: Winterkasten (Lindenfels)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Zahlen, Daten, Fakten der Stadt Lindenfels
  2. "Regesten der Stadt Heppenheim und Burg Starkenburg bis zum Ende Kurmainzer Oberherrschaft (755 bis 1461) Im Auftrag des Stadtarchivs Heppenheim zusammengestellt und kommentiert von Torsten Wondrejz", Nr. 5 (Digitale Ansicht) (PDF; 2,0 MB)
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamensbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, S. 752f
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 212
  5. „Pretlack, Johann Rudolf Victor Freiherr von“, in: Hessische Biografie [1] (Stand: 10. Juli 2010).
  6. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237-241
  7. Alice Selinger: ODENWALD BERGSTRASSE, S. 10f (abgerufen am 12. März 2014)
  8. M. Borchmann, D. Breithaupt, G. Kaiser: Kommunalrecht in Hessen. W. Kohlhammer Verlag, 2006, ISBN 3-555-01352-1, S. 20 (Online bei google books )
  9. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237-241
  10. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1852 (No. 30) (online bei der Bayrischen Staatsbibliothek )
  11. Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland. Walter de Gruyter, 2007, ISBN 3-11-019056-7 (online bei google books )
  12. Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Band 8, S. 505, Historischer Verein für Hessen, Hessisches Staatsarchiv (Darmstadt) (online bei google books )
  13. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen, 1869, S. 50 (online bei google books )
  14. Martin Kukowski: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt: Überlieferung aus dem ehemaligen Grossherzogtum und dem Volksstaat Hessen. Band 3, K.G. Saur, 1998, ISBN 3598232527
  15. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. 2007, S. 109, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 9. Februar 2015 (PDF; 9,0 MB).
  16. 16,0 16,1 16,2 „Winterkasten, Landkreis Bergstraße“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), Stand: 7. Januar 2014, abgerufen am 10. März 2014.
  17. Bekanntmachung, 1. die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt und Waldmichelbach, 2. die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichtsbezirke in der Provinz Starkenburg betr. vom 20. Mai 1853 (Hess. Reg.Bl. S. 377)
  18. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197-211)
  19. Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Reichelsheim i. O. betreffend vom 1. März 1904 (Hess. Reg.Bl. S. 84)
  20. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 12. Februar 1968 (GVBl. I S. 41-44)
  21. Georg W. Wagner: Band 1, S. 218
  22. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, Nauenburg 1845, Band 2, S. 561 (online bei Hathi Trust, digital library )
  23. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 30. Juli 1971 (StAnz. S. 1349) S. 13 der tif-Datei 5,44 MB

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