Willibald Beyschlag - LinkFang.de





Willibald Beyschlag


Johann Heinrich Christoph Willibald Beyschlag (* 5. September 1823 in Frankfurt am Main; † 25. November 1900 in Halle (Saale)) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe (von 1860 bis 1900 ordentlicher Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) und einflussreicher Kirchenpolitiker.

Leben

Beyschlag studierte an den Universitäten Bonn- hier vor allem bei Karl Immanuel Nitzsch, dessen erste Biographie er später schrieb und Berlin. Während seiner Bonner Studienzeit wurde er 1841 Mitglied des Bonner Wingolf. Daneben gehörte er auch dem Maikäferbund an. Er wechselte bereits zum Wintersemester 1841/1842 nach Berlin. Gemeinsam mit Albrecht Wolters, der wie er Mitglied des Bonner Wingolf war, gründete er in Berlin den Filial-Mau (Mau = Maikäfer). Von 1844 bis 1849 lebte er in Frankfurt am Main. Ab 1850 arbeitete er als evangelischer Pfarrer in Trier, einer vom Katholizismus dominierten Stadt. Er selbst erlebte zahlreiche Diskriminierungen der Protestanten, wie zum Beispiel, dass diese sich in der Selbstmörderecke des Friedhofs begraben lassen mussten, die ihn zu einer ersten öffentlichen Schrift veranlassten. Darin schrieb er Wir lieben die Katholiken, aber wir hassen den Katholizismus als das kunstvollste und eben darum machtvollste Gewebe von Wahrheit und Lüge, Gottesreich und Weltfürstentum, welches die Geschichte der Menschheit je hervorgebracht hat. Beyschlag wurde daraufhin angeklagt, aber im Berufungsverfahren freigesprochen. Nach seiner Zeit in Trier wurde er von 1856 bis 1860 Hofprediger von Großherzog Friedrich I. von Baden.

Als Professor für Praktische Theologie in Halle las er regelmäßig auch über neutestamentliche Themen und widmete diesen seine meisten Veröffentlichungen. Im Sinne der Vermittlungstheologie versuchte er hier zwischen den kritischen Positionen, etwa der Zweiquellentheorie, und einem unkritischen Biblizismus auszugleichen. 1866/67 und 1893/94 amtierte er als Rektor der Universität.

Beyschlags größte Bedeutung liegt in seinem kirchenpolitischen Engagement. Er kritisierte die preußische Kirchenpolitik als zu katholizismusfreundlich und setzte sich für eine Vertiefung der Union von Lutheranern und Reformierten ein. Ab 1862 war er Vorsitzender des Gustav-Adolf-Vereins in der Kirchenprovinz Sachsen, der protestantische Gemeinden in der Diaspora unterstützte. Als Mitglied der sächsischen Provinzialsynode gründete er 1873 die Evangelische Vereinigung als „Mittelpartei“ zwischen Liberalen und Neuorthodoxen. Er leitete diese Kirchenpartei lange Zeit und gab bis zu seinem Tod ihre Zeitschrift, die „Deutsch-Evangelischen Blätter“ heraus. 1886 gründete er in Erfurt den Evangelischen Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen (heute Evangelischer Bund).

Beyschlags Grab ist auf dem Laurentius-Friedhof in Halle. Sein Sohn war der Geologe Franz Beyschlag.

Schriften (Auswahl)

  • Aus dem Leben eines Frühvollendeten, des evangelischen Pfarrers Franz Wilhelm Traugott Beyschlag: ein christliches Lebensbild aus der Gegenwart. Berlin: Rauh, 1858.
  • Die Christologie des Neuen Testaments: ein biblisch-theologischer Versuch. Berlin: Rauh, 1866.
  • Die paulinische Theodicee: Römer IX – XI; ein Beitrag zur biblischen Theologie. Berlin: Rauh, 1868
  • Karl Immanuel Nitzsch: eine Lichtgestalt der neueren deutsch-evangelischen Kirchengeschichte. Berlin: Rauh, 1872.
  • Zur johanneischen Frage: Beiträge zur Würdigung des vierten Evangeliums gegenüber den Angriffen der kritischen Schule. Gotha: Perthes, 1876.
  • Erkenntnißpfade zu Christo: Auswahl akademischer Predigten. Berlin: Rauh, 1877.
  • Zur deutsch-christlichen Bildung: gesammelte popular-theologische Vorträge. Halle: Strien, 1880.
  • Der Altkatholicismus: eine Denk- und Schutzschrift an das evangelische Deutschland. Halle a. S.: Strien, 1882.
  • Das Leben Jesu. 2 Bde., Halle: Strien, 1885/1886.
  • Die Reformation in Italien. Barmen: H. Klein 1886.
  • Godofred: ein Märchen fürs deutsche Haus. Halle a. S.: Strien, 1888.
  • Neutestamentliche Theologie oder geschichtliche Darstellung der Lehren Jesu und des Urchristenthums. 2 Bde., Halle a. S.: Strien, 1891/92.
  • Aus meinem Leben. 2 Bde., Halle a. S.: Strien, 1896/99.
  • Philipp Melanchthon und sein Antheil an der deutschen Reformation: Festschrift zum vierhundertjährigen Geburtstag des Reformators. Freiburg im Breisgau: Waetzel, 1897
  • Christenlehre auf Grund des Kleinen Lutherischen Katechismus: Hülfsbuch zur Ertheilung des Confirmadenunterrichts und zum Selbstunterricht von Erwachsenen. Halle a. S.: Strien, 1900.
  • Zum Gedächtnis Willibald Beyschlags, geb. 5. Sept. 1823, gest. 25. Nov. 1900: Eine Auswahl seiner wissenschaftlichen Aufsätze. Jena: W. Gronau 1925.

Literatur

Weblinks


Kategorien: Rektor (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) | Lutherischer Theologe (19. Jahrhundert) | Mitglied des Preußischen Herrenhauses | Gestorben 1900 | Geboren 1823 | Neutestamentler | Hochschullehrer (Halle (Saale)) | Deutscher | Mann | Korporierter im Wingolf

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Willibald Beyschlag (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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