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Wilhelm Schapp


Wilhelm Albert Johann Schapp (* 15. Oktober 1884 in Timmel (heute zu Großefehn, Ostfriesland); † 22. März 1965 in Sanderbusch)[1] war ein deutscher Philosoph und Jurist.

Biographie

Nach seinem Abitur 1902 in Leer studierte Wilhelm Schapp gleichzeitig Rechtswissenschaft und Philosophie, diese bei Heinrich Rickert in Freiburg/Br. sowie bei Wilhelm Dilthey und Georg Simmel in Berlin. Neben seinem Rechtsreferendariat setzte er seine Philosophiestudien bei Edmund Husserl in Göttingen fort, wo er 1909 promovierte. Seine Dissertation Phänomenologie der Wahrnehmung zählt zu den Hauptschriften der klassischen Phänomenologie. Statt einer akademischen Karriere anzustreben wurde Schapp 1910 in Aurich Rechtsanwalt und Notar. Nach seinem Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg promovierte er im Fach Rechtswissenschaft bei dem Rechtsphilosophen Julius Binder in Göttingen. Im Jahr 1938 heiratete er Luise Groeneveld, mit der er zwei Kinder hatte. Sein Sohn Jan Schapp (* 1940) wurde Professor für Bürgerliches Recht und Rechtsphilosophie. Im Zweiten Weltkrieg wurde Wilhelm Schapp in der Militärjustiz als Kriegsgerichtsrat eingesetzt.

Wissenschaftliche Arbeit

Schon früh untersuchte Schapp in seinen Schriften Grundbegriffe der Rechtswissenschaft wie "Vertrag", "Werk" und "Eigentum" aus phänomenologischer Perspektive und gilt als einer der wichtigsten Rechtsphänomenologen. So sorgte bereits zwei Jahre nach der deutschen Erstausgabe der Philosoph Ortega y Gasset für eine spanische Übersetzung seines Werkes "Der Vertrag als Vorgegebenheit". In seinem späteren Werk entwickelte Schapp systematisch eine Philosophie der "Geschichten" in die wir kollektiv aber auch individuell "verstrickt" sind und welche unsere Vorstellung was und wer wir jeweils sind definieren. Wirkungsgeschichtlich sind Einsichten, die Schapp formuliert hat, unter anderem von den Theologen Eberhard Jüngel und Johann Baptist Metz innerhalb des Konzepts einer Narrativen Theologie aufgegriffen worden.

Werke

  • Beiträge zur Phänomenologie der Wahrnehmung. Niemeyer, Halle 1910 (4. Auflage: Klostermann, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-465-03348-5)
  • Die neue Wissenschaft vom Recht. 2 Bde. Rothschild, Berlin
    • Bd. 1: Der Vertrag als Vorgegebenheit. 1930 (spanische Übersetzung: La nueva ciencia del derecho. Revista de Occidente, Madrid 1931)
    • Bd. 2: Wert, Werk und Eigentum. 1932
  • Das Reichserbhofrecht. Systematische Darstellung und Kommentar zum Gesetz und zur Ersten und Zweiten Durchführungsverordnung. C. Heymann, Berlin 1934
  • Boden- und Höferecht nach Kontrollratsgesetz 45 und den Ausführungsbestimmungen der Britischen Zone, sowie der Länder Bayern, Hessen, Württemberg-Baden, mit Erläuterungen. Garte, Einbeck 1948
  • In Geschichten verstrickt. Zum Sein von Ding und Mensch. Hamburg, Meiner 1953 (5. Auflage: Klostermann, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-465-04164-1)
  • Zur Metaphysik des Muttertums. Maschinenschriftlich vervielfältigt 1950, gedruckt bei Nijhoff, den Haag 1965
  • Philosophie der Geschichten. Leer, Rautenberg 1959 (2. durchgesehene Aufl.: Klostermann, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-465-01465-0)
  • Metaphysik der Naturwissenschaft. Nijhoff, den Haag 1965 (2. Auflage unter dem Titel Wissen in Geschichten. Zur Metaphysik der Naturwissenschaft. B. Heymann, Wiesbaden 1976, ISBN 3-88055-165-0; 3. Auflage wieder unter dem alten Titel, Klostermann, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-465-03628-9)
  • Werke aus dem Nachlass. Band 1: Auf dem Weg einer Philosophie der Geschichten. Teilband I hrsg. von Karen Joisten, Jan Schapp und Nicole Thiemer. Alber, Freiburg / München 2016. ISBN 978-3-495-48760-0

Literatur

  • Hermann Lübbe: Bewußtsein in Geschichten. Studien zur Phänomenologie der Subjektivität. Mach - Husserl - Schapp - Wittgenstein. Rombach, Freiburg 1972
  • Arno Müller: Geschichten und die Kategorien der Sozialwissenschaften. Mit einem Beitrag von Arnold Schwendtke. Peter Lang, Frankfurt am Main, Bern, New York 1986, ISBN 3-8204-8910-X
  • Stefanie Haas: Kein Selbst ohne Geschichten. Wilhelm Schapps Geschichtenphilosophie und Paul Ricœurs Überlegungen zur narrativen Identität. Mit einem Nachwort von Jean Greisch. Olms, Hildesheim 2002, ISBN 3-487-11687-1
  • Markus Pohlmeyer: Geschichten-Hermeneutik. Philosophische, literarische und theologische Provokationen im Denken von Wilhelm Schapp. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-7436-2
  • Karl-Heinz Lembeck (Hg.): Geschichte und Geschichten. Studien zur Geschichtenphänomenologie Wilhelm Schapps. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 978-3826028618
  • Karen Joisten (Hg.): Das Denken Wilhelm Schapps. Perspektiven für unsere Zeit. Verlag Karl Alber, Freiburg, München 2010, ISBN 978-3-495-48379-4

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das Grab von Wilhelm Schapp auf der Website www.grabsteine-ostfriesland.de; abgerufen am 11. Januar 2014


Kategorien: Phänomenologe | Gestorben 1965 | Geboren 1884 | Philosoph (20. Jahrhundert) | Ostfriese | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm Schapp (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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