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Wilhelm Biener


Wilhelm Biener, auch Wilhelm Bienner und Guilielmus Bienner, (* vor 1590 in Lauchheim; † 17. Juli 1651 in Rattenberg (Tirol)) war ein deutsch-österreichischer Jurist und Tiroler Kanzler.

Berufliche Laufbahn

Wilhelm Biener, Sohn des in Diensten des Deutschen Ordens an der Komturei Kapfenburg tätigen Beamten Christoph Biener und der Nürnberger Patrizierin Ursula Kauz, studierte in Freiburg und Ingolstadt Rechtswissenschaften. Er promovierte 1610 und stand ab 1620 im Dienst des Markgrafen Karl von Burgau und von 1625 bis 1630 in Diensten des bayrischen Kurfürsten, wurde dann von Kaiser Ferdinand II. in den Reichshofrat berufen und Erzherzog Leopold V. von Tirol als Berater zugeteilt. Von 1638 bis 1648 war er vorderösterreichischer Hofkanzler bei Erzherzogin Claudia de’ Medici und dann nach ihrem Tod 1648 Kanzler bei ihrem Sohn Erzherzog Ferdinand Karl.

Während seiner Zeit in Tirol erwarb Wilhelm Biener das Schloss Büchsenhausen im Innsbrucker Stadtteil Hötting.

Politisches Wirken

Biener straffte die Verwaltung, ging hart gegen Korruption und Amtsmissbrauch vor und verhinderte ein Herauslösen der geistlichen Fürstentümer Brixen und Trient aus ihren vertraglichen Bindungen mit der gefürsteten Grafschaft Tirol. Durch diplomatisches Geschick gelang es ihm auch, einen Einfall der Franzosen in das Münstertal zu verhindern und Streitigkeiten mit den Bündner Bauern beizulegen, die damals noch offiziell unter Tiroler Oberhoheit standen, praktisch aber Selbständigkeit genossen. Allerdings geriet er in schwere Konflikte mit Isaak Volmar, dem er Inkompetenz vorwarf.

Er stärkte gegen den Widerstand der Stände die landesfürstliche Stellung. Biener protestierte auch vergeblich gegen den Ausverkauf Tiroler Herrschaftsrechte an Graubünden, mit dem der verschwenderische Lebensstil Ferdinand Karls finanziert werden sollte. Das Prättigau und das Unterengadin fielen daher an Graubünden. Er kritisierte offen den Lebensstil Ferdinand Karls und forderte die Abschaffung der Vorrechte für Adelige.

Verfolgung und Tod

Der Adel sorgte aufgrund Bieners Kritik dafür, dass er dem Scharfrichter übergeben wurde. Erzherzog Ferdinand Karl war ein schwacher und unentschlossener Regent. Sein Vertrautenkreis konnte ihn gegen den Kanzler aufhetzen. Während sich Biener in einer Sitzung befand, ließen seine Gegner sein Haus durchsuchen und angeblich verdächtige Schriftstücke mitnehmen. Biener flüchtete ins Kloster Wilten, um seiner Verhaftung zu entgehen. Der Bischof von Brixen Anton von Crosini war ihm ebenfalls feindlich gesinnt und hob das Asylrecht auf. Von persönlichen und politischen Gegnern 1650 gestürzt, wurde er am 28. August 1650 verhaftet und wegen Hochverrats und Unterschlagung rechtswidrig zum Tod verurteilt. Die meisten Anschuldigungen konnte Biener zwar widerlegen, doch der Prozess war eine abgekartete Angelegenheit. Kanzler Biener wurde am 17. Juli 1651 im Schlosshof von Rattenberg enthauptet. Der Schwertstreich des Henkers war so kräftig, dass nicht nur das Haupt, sondern auch die vor dem Haupt zum Gebet gefalteten Hände abgetrennt wurden. Ein vom Kaiser unterzeichnetes Gnadengesuch von Bieners Gemahlin wurde wenige Minuten vor der Hinrichtung von Kammerpräsident Schmaus abgefangen. Als Graf Künigl, der Überbringer des Gnadengesuchs, in die Burg einritt, hört dieser bereits das Totenglöcklein läuten.

Nachwirkung

Wilhelm Biener wurde im Tiroler Kulturkampf zu einer Symbolfigur der liberal-freiheitlichen Opposition in Tirol. Der Schriftsteller Hermann von Schmid setzte ihm in seinem historischen Roman Der Kanzler von Tirol (1862/1863) ein literarisches Denkmal und stellt ihn als Vertreter der Aufklärung und eines gesamtdeutschen Nationalbewußtseins den Anhängern der Reaktion und des Ultramontanismus gegenüber.

Die Bühnenfassung des Romans aus der Feder des Tiroler Dichters Josef Wenter wird bis heute mit großem Erfolg auf Tiroler Bühnen aufgeführt.

Literatur

  • Josef Hirn: Kanzler Bienner und sein Prozess (Quellen und Forschungen zur Geschichte, Litteratur und Sprache Österreichs und seiner Kronländer, Band 5). Innsbruck 1898.
  • Hermann Schmid: Biener, Dr. Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 627 f.
  • Fritz Steinegger: Bienner, Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 229 f. (Digitalisat ).
  • Thomas Kuster: Biener (Bienner), Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 32, Bautz, Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5, Sp. 83–92.
  • Theodor Schön: Aus Kanzler W. Bienners jüngerer (schwäbischer) Zeit. In: Diözesanarchiv von Schwaben 24/1906. S. 81-84.
  • Hermann Schmid: Der Kanzler von Tirol, Historischer Roman in 3 Bänden, 1862.
  • Josef Wenter: Der Kanzler von Tirol. Schauspiel in 5 Akten und einem Epilog [Bühnenmanuskript]. München 1934.

Weblinks


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