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Wiener akademische Burschenschaft Olympia


Basisdaten
Hochschulort: Wien
Gründung: 10. November 1859[1]
Verband: Deutsche Burschenschaft
Farben: Schwarz-Rot-Gold
Wahlspruch: Wahr und treu, kühn und frei!
Webseite: www.olympia.burschenschaft.at

Die Wiener akademische Burschenschaft Olympia (amtlicher Name gemäß Vereinsregister: Akademische Burschenschaft Olympia) ist eine pflichtschlagende Burschenschaft in Wien. Sie ist Mitglied in der Deutschen Burschenschaft (DB) und in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft (BG). In der Öffentlichkeit ist die Olympia heute vor allem wegen ihrer Verbindungen zum Rechtsextremismus bekannt.

Geschichte

Die Wiener akademische Burschenschaft Olympia wurde am 10. November 1859[2] unter Eindruck eines zwei Tage zuvor stattgefundenen Schiller-Fackelzuges von 24 Studenten beider Wiener Hochschulen gegründet und nannte sich ab dem 27. Januar 1860 intern Burschenschaft Olympia. Am 20. Mai 1862 erklärte sich Olympia offiziell zur Burschenschaft, was am 6. Mai 1868 von den Behörden anerkannt wurde. Es wurden zunächst die Farben Violett-Weiß-Rot aufgenommen und eine violette Mütze getragen, später wurden die Farben in Schwarz-Rot-Gold geändert. Ein großer Teil der Mitglieder war Anhänger des konservativen Prinzips, welches am 19. Oktober 1872 zum Bundesprinzip erhoben wurde. Im November 1872 wurde die erste Schläger-Mensur gefochten. In der burschenschaftlichen Arbeit wurden Verbindungen zu den Burschenschaften des Deutschen Reichs gesucht, jedoch wurden aufgrund ihres Prinzips der Unabhängigkeit keine Kartelle eingegangen. Ab 1862 beteiligte sich die Olympia an allen Zusammenschlüssen österreichischer Burschenschaften, unter anderem auch am Linzer Deputierten-Convent vom 5. Mai 1889. 1919 trat sie zusammen mit den übrigen Burschenschaften der Burschenschaft der Ostmark in die Deutsche Burschenschaft ein. Am Ersten Weltkrieg nahmen 85 Olympen teil, von denen 9 fielen. Im Frühjahr 1927 bezog die Olympia ihr eigenes Verbindungshaus. Im Wintersemester hatte sie 118 alte Herren, 40 Aktive und Inaktive. Nach der Auflösung der Korporationen nannte sich die Olympia ab 1938 Kameradschaft Johann Gottlieb Fichte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Olympia als Burschenschaft Anfang der 1950er Jahre wiedergegründet, mit Unterstützung und Übernahme der Mitglieder einer 1941 gegründeten Burschenschaft Libertas, die sich in der Nachkriegszeit Akademische Tafelrunde Laetitia nannte. Am 29. Mai 1952 war Olympia an der Gründung des Allgemeinen Deputierten-Convents in Österreich (ADCÖ) beteiligt. Ebenso war sie Gründungsmitglied der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, die heute von ihren Kritikern als weit rechts stehend angesehen wird.

1961 wurde die Burschenschaft behördlich aufgelöst, weil mehrere Olympen, darunter NDP-Gründer Norbert Burger, in Bombenanschläge in Südtirol verwickelt waren und die Olympia in diesem Zusammenhang ihren satzungsmäßigen Wirkungskreis überschritten hatte, indem sie ihre Mitglieder zu einer Spende für einen in Italien verhafteten Olympen verpflichtete. Nachdem die Mitglieder der Olympia in der Zeit nach der Auflösung ihre Tätigkeit in der Wiener akademischen Burschenschaft Vandalia fortgesetzt hatten, konstituierte sich die Olympia 1973 neu, und die meisten Mitglieder der Vandalia traten der neuen Wiener akademischen Burschenschaft Olympia bei.[3][4] Die Olympia kaufte 1976 das Haus der vertagten Wiener Burschenschaft Alemannia. 1983 trat Olympia aus der Deutschen Burschenschaft in Österreich aus, in welcher sie in den Geschäftsjahren 1969/70 und 1980/81 den Vorsitz übernommen hatte. Sie verblieb nur noch in der Deutschen Burschenschaft, in der sie 1971 über Vandalia eingetreten war. Im Geschäftsjahr 1989/90 war Olympia Vorsitzende Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft.

Als die Olympia am 5. Januar 1996 erneut den Vorsitz des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft übernahm, traten einige Verbindungen aus diesem aus.[3] (Siehe auch: Neue Deutsche Burschenschaft) Als Grund für diesen Schritt wurde unter anderem angegeben, dass die Olympia gefordert habe, „Österreich und Teile Polens in die Wiedervereinigung Deutschlands miteinzubeziehen“.[5]

Sich selbst beschrieben die Olympen in einem Flugblatt in den 1990ern so:

„Wir sind normal geblieben unterm Schutt der Zeit, an uns sind Umerziehung, Trauerarbeit und Betroffenheit, doch auch Konsum, soziale Dünkel und Moderne fast völlig spurlos vorbeigezogen.“

Weiter hieß es dort:

„Bist du häßlich, fett, krank oder fremd im Lande, bist Du von Sorgenfalten, Weltschmerz oder linksliberaler Gesinnung gepeinigt, trägst Du alternative oder Schicky-Kleidung oder gar ein Flinserl im Ohr, studierst du Psychologie, Politologie oder Theologie oder gar nicht, hast du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin mit, die weder schön noch still ist, kurz: bist Du auf irgendeine Weise abnormal oder unfröhlich, dann bleib lieber zu Hause.“[6]

2008 nominierte die FPÖ Martin Graf als dritten Nationalratspräsidenten. Er wurde wegen seiner Mitgliedschaft in der Olympia kritisiert, aber dennoch mit 109 von 156 gültigen Stimmen gewählt; auf den grünen Gegenkandidaten Alexander van der Bellen entfielen 27 Stimmen.[7] Auf das oben zitierte Flugblatt angesprochen meinte Graf, es habe sich bei diesem Flugblatt um einen Scherz gehandelt.[8]

Ihren Sitz hat die Olympia im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf. In den Geschäftsjahren 1953/54, 1961/62, 1970/71, 1979/80 1991/92 war sie Vorsitzende des Wiener Korporationsrings (WKR).

Verbindungen zu Rechtsextremismus und Neonazismus

Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), der Sozialwissenschaftler Dietrich Heither und die Mehrzahl der deutschen und österreichischen Medien stufen die Burschenschaft als rechtsextreme bzw. sehr weit rechtsstehende Organisation ein.[9][10][11] Martin Graf kritisierte die Einschätzung des DÖW und erwiderte, das DÖW würde „jede Position, die nicht links angesiedelt ist“, bereits als rechtsextrem ansehen.[8].

1991 stellte die Delegation der Olympia beim Burschentag in Eisenach einen Antrag, in dem es hieß: „Die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Angehörige von fremden Völkern bedroht die biologische und kulturelle Substanz des deutschen Volkes (…) Das deutsche Volk ist vor Unterwanderung seines Volkskörpers durch Ausländer wirksam zu schützen.“[12]

Das NS-Verbotsgesetz wurde von Olympia-Mitgliedern kritisiert. 2000 forderte der Olympe Walter Asperl die damaligen Bundesminister mit burschenschaftlichem Hintergrund auf, etwas gegen das Verbotsgesetz zu tun.[13] Martin Graf stellte das Verbotsgesetz ebenfalls 2000 in Frage.[13]

In der jüngeren Vergangenheit lud die Olympia immer wieder Repräsentanten des rechtsextremen Spektrums ein: im Juni 2000 den Liedermacher Frank Rennicke,[14] im Jänner 2003 den Liedermacher Michael Müller[15], im November 2005 den Holocaust-Leugner David Irving[16][17] und im Jänner 2008 den NPD-Funktionär und Liedermacher Jörg Hähnel.[18]

In den Geschäftsjahren 1971/72, 1982/83, 1985/86, 1986/87 und 2009/10 hatte die Olympia den Vorsitz innerhalb der Burschenschaftlichen Gemeinschaft, einem deutschnational orientierten Zusammenschluss deutscher und österreichischer Burschenschaften, inne.

Verhältnisse

  • Seit 1896 besteht ein Verkehrsverhältnis mit der Leobener akademischen Burschenschaft Leder.
  • Es bestehen Freundschaftsverhältnisse mit den Burschenschaften Germania Hamburg, Arminia Graz und Aldania Wien.

Bekannte Mitglieder

  • Norbert Burger (1929–1992), Politiker (FPÖ, NDP)
  • Franz Chvostek (1864–1944), Internist und Anhänger der Völkischen Bewegung
  • Josef Eitzenberger (1905–1978), Fernlenk- und Radarspezialist
  • Wilhelm Exner (1840–1931), Forstwissenschaftler, Vorsitzender des Österreichischen Gewerbevereins
  • Martin Graf (* 1960), Politiker (FPÖ), Abgeordneter im Nationalrat, dritter Nationalratspräsident
  • Eugen Gura (1842–1906), Opernsänger
  • Anton Jerzabek (1867–1939), Abgeordneter (CS) im Reichsrat, in der Provisorischen Nationalversammlung und im Nationalrat
  • Helmuth Josseck (1921–2007), Politiker (FPÖ), Abgeordneter zum Nationalrat
  • Dietbert Kowarik (* 1974), Politiker (FPÖ), Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats
  • Ernst Marno (1844–1883), Afrikaforscher
  • Heinrich Mataja (1877–1937), Politiker (CS), Staatssekretär und österreichischer Außenminister
  • Harald Stefan (* 1965), Politiker (FPÖ), Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat
  • Artur Stölzel (1868–1933), Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreter, Reichsratsabgeordneter
  • Karl Tackert (1837–1912), Bürgermeister von Schwerin
  • Walther Weißmann (1914–2002), österreichischer Politiker (ÖVP), Abgeordneter zum Österreichischen Nationalrat
  • Rudolf Weyr (1847–1914), Bildhauer

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen.
  2. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 176.
  3. 3,0 3,1 DÖW: Zum deutschnationalen Korporationswesen in Österreich
  4. Olympia: Bundes-Chronik der Olympia (Memento vom 23. September 2005 im Internet Archive)
  5. Junge Freiheit Nr. 18-19, 1996, S. 4.
  6. Heribert Schiedel, Klaus Zellhofer: Personal für die Dritte Republik. Die Studiosi: Vom RFS zur FSI zum RFS. In: Wolfgang Purtscheller (Hrsg.): Die Rechte in Bewegung. Seilschaften und Vernetzungen der »Neuen Rechten«. Picus Verlag, Wien 1995, S. 55
  7. Graf zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt. In: Die Presse. 28. Oktober 2008, abgerufen am 7. Dezember 2008.
  8. 8,0 8,1 Chat mit Graf auf diepresse.com
  9. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands: Suchers "Heil" Neues von ganz rechts, Mai 2006
  10. Dietrich Heither: Burschenschaften. Rechte Netzwerke auf Lebenszeit. In: Stefan Braun/Daniel Hörsch (Hrsg.): Rechte Netzwerke - Eine Gefahr. VS Verlag, 2004, ISBN 9783810041531, S. 134.
  11. Sebastian Fischer: Rechtsradikaler Grüßaugust Spiegel Online, 4. Februar 2007
  12. Markus Perner, Klaus Zellhofer: Österreichische Burschenschaften als akademische Vorfeldorganisationen des Rechtsextremismus. In: Stiftung Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Wien 1996, S. 275.
  13. 13,0 13,1 Format Nr. 21, 2000, S. 50.
  14. The Stephen Roth Institute for the Study of Contemporary Antisemitism and Racism: Country Report Austria
  15. DÖW: Olympia-Liederabend mit Neonazi Neues von ganz rechts - Jänner 2003
  16. Hans Georg: Alles "deutsch" - Akademikerverband erhebt Ansprüche gegenüber Polen und Russland Neue Rheinische Zeitung
  17. ORF: Prozess gegen David Irving am 20. Februar , 13. Dezember 2005
  18. Radio Orange 94,0: ZIP-FM | Wiener Lokalausgabe , 23. Jänner 2008

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Wiener akademische Burschenschaft Olympia (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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