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Wiekhaus


Wiekhaus, auch Wikhaus, Wieckhaus (niederdeutsch Wikhus) oder Wieke und Wiechhaus oder Weichhaus[1] ist eine Sonderform von Verteidigungsbauten, die im Wesentlichen im Nordosten Deutschlands vorkommen (Mecklenburg, Vorpommern und Brandenburg).[2] Im Niederrheinischen heißt der Begriff Wiechhaus. Die bedeutendste mittelalterliche Stadtmauer, die von Köln, hatte auf der weniger gefährdeten und niedrigeren Rheinmauer eine Reihe von Wiechhäusern. Kleinere Ausbauten auf Stadt- und Kirchtürmen und Bastionen von Stadtmauern heißen Wichhäuschen.

Für den Begriff Wiekhaus, der seit dem 14. Jahrhundert belegt ist, gibt es verschiedene Erklärungsversuche. Die gängigste Erklärung ist eine Ableitung vom frühneuhochdeutschen Wiek: Ausweichen, zur Seite treten (in der Erweiterung: Bucht siehe auch: Wiek). Eine andere Ableitung bezieht sich nach dem Deutschen Wörterbuch auf das mittelhochdeutsche Wic = Kampf.[3]

Als Wiekhäuser bezeichnet man feldseitige Auskragungen mittelalterlicher Stadtmauern, die in einigen Städten zu kleinen Mauerhäusern oder -türmen ausgebaut wurden. Sie sind in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen in die wehrhafte Stadtmauer eingebaut, trugen zu deren Erhöhung und Stabilität bei und wurden an Stelle von Wehrgängen zu Verteidigungszwecken errichtet. Zudem nutzte man die bestehende Mauer als Teil des Gebäudes. Im Armierungsfall musste das Haus den städtischen Truppen geöffnet werden.

In späterer Zeit – vor allem nach dem Dreißigjährigen Krieg – wurden Wiekhäuser verschiedentlich mit einfach-schmucklosen Fachwerkkonstruktionen zu kleinen Wohnhäusern, so genannten Wohnbuden, Wick-Buden (niederdt.: Wikbaud) umgebaut.

In Neubrandenburg sorgte man seit dem 17. Jahrhundert auf diese Weise dafür, dass der mittelalterliche Mauerring um die Stadt intakt blieb und zugleich Wohnraum geschaffen wurde für Angehörige unterer sozialer Schichten der Stadtgesellschaft. Dieses Programm sozialer Wohnungsbau in Form von Wiekhäusern der zweiten Generation prägte das tourismuswirksame Bild der Stadt nachhaltig.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts gerieten jedoch viele Wiekhäuser der zweiten Generation in Neubrandenburg zunehmend außer Nutzung, verfielen, wurden abgerissen oder brachen zusammen. Unter dem Vorzeichen des historisierenden Zeitgeschmacks wurden seit den 1970er Jahren in der Neubrandenburger Stadtmauer zum dritten Mal neue (!) Wiekhäuser errichtet. Diese Wiekhaus-Neubauten beschränken sich zwar konsequent auf eine typisch norddeutsche Formensprache des Fachwerkbaus. In ihrer Form orientieren sie sich aber nur grob an den Vorgängerbauten. Maßgeblich waren vielmehr Nutzungsabsichten und Organisationsgeschick der jeweiligen Bauherren (zumeist Neubrandenburger Betriebe) in Zeiten permanenter Baustoffknappheiten der DDR. Die meisten der neuen Wiekhäuser (3. Generation) fielen folgerichtig stark überdimensioniert aus. Ihr Raumkonzept ist den Vorgängerbauten nicht einmal grob ähnlich. Historisch an fast allen heutigen Wiekhäusern in der Neubrandenburger Stadtmauer sind deshalb vielfach nur noch ihr Standort und bisweilen Mauerwerksteile in unteren Bereichen.

Wiekhäuser gab und gibt es in vielen nordostdeutschen Städten, auch in Berlin und Rostock. Eine Besonderheit Templins ist die seltene halbrunde Form aller Wieken, die in anderen Städten nur vereinzelt vorkommt.

Einzelnachweise

  1. Wiekhaus im Deutschen Wörterbuch
  2. Stadtbefestigung bei uni-muenster.de
  3. W. Varges, s:Weichbildsrecht und Burgrecht, In: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Bd. 6 (1891), 86–90

Weblinks


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Wiekhaus (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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