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Westwindzone


Die Westwindzone, Westwindlage oder Westwinddrift bezeichnet eine atmosphärische Luftzirkulation in den mittleren Breiten der Erde, also etwa zwischen 40° und 60° auf der Nord- sowie der Südhalbkugel. Teilweise kann die Strömung auch bis 70° geographischer Breite reichen. Sie verläuft in der Rotationsrichtung der Erde von West nach Ost und ist ein Teil der planetarischen Zirkulation.

Im Gegensatz zu anderen globalen Windströmungen wie beispielsweise der Passatzirkulation herrschen in der Westwindzone sowohl am Boden als auch in der Höhe der Troposphäre Winde aus westlichen Richtungen vor, die Windverhältnisse sind dabei jedoch vergleichsweise ungleichmäßig. Diese Luftmassen sind thermisch gemäßigt und relativ feucht.

Entstehung der Westwindzone

Diese Westwinde entstehen durch das Luftdruckgefälle zwischen dem subtropischen Hochdruckgürtel und der subpolaren Tiefdruckrinne und dem daraus resultierenden meridionalen Luftmassenaustausch [1]. Die ostwärts rotierende Erde hat in den Tropen ihren größten breitenkreisparallelen Umfang (Äquator). Die sich in den Tropen und Subtropen mitbewegenden Luftmassen haben deshalb ein größeres Gesamtvolumen. Die Erdoberfläche und darüber in Windstille liegende Luftmassen haben hier durch den Erdumfang eine sehr hohe Geschwindigkeit in Ostrichtung. Wenn Luftmassen von hier aus polwärts strömen, führen die Trägheit der Luftmassen und die Corioliskraft zu einer Ablenkung in Richtung Osten. Dadurch werden die Luftmassen zu Westwinden, die die gesamte Erde sowohl auf der Nordhemisphäre als auch auf der Südhemisphäre jeweils als Westwindzone umströmen.

Ursachen der Unbeständigkeit

Die Unbeständigkeit der Westwinddrift ist in der Überlagerung durch die Polarfront zu begründen, die zwischen wärmeren, suptropisch geprägten Luftmassen und kalter Polarluft entsteht und dabei Rossby-Wellen ausbildet. Die daraus resultierende Zyklogenese und Verlagerung der Tiefdruckgebiete im Bereich der Westwinddrift führt ebenfalls zu Störungen. Weitere Variationen ergeben sich durch die jahreszeitlich bedingten Einstrahlungsunterschiede, sodass die Westwinddrift im Sommer schwächer ausgeprägt ist als im Winter. Über der Polarfront befindet sich im Bereich der Westwindzone in der Höhe ein schmales Starkwindfeld, der Jetstream.

Besonderheiten auf der Südhalbkugel

Die Westwinddrift ist auf der Südhalbkugel noch stärker ausgeprägt als auf der Nordhalbkugel, weil die noch kälteren Temperaturen der Antarktis zu einem höheren Druckgradienten zwischen polarer Tiefdruckrinne und Subtropenhoch führen, aber auch weil auf der Südhemisphäre weniger Landmassen sind, die die Winde abbremsen, und weil seltener blockierende Hochdruckgebiete entstehen [2]. Auf der Südhalbkugel treiben die Westwinde den Zirkumpolarstrom an. Diese mächtigste ozeanische Strömung ist es, die im Englischen mit west wind drift gemeint ist. Wind- und Wasserströmung sind der Grund, warum Segelschiffe die Erde hier schneller und einfacher in West-Ost-Richtung als in die Gegenrichtung umfahren können. So liefen etwa die von Europa kommenden Großsegler Australien und Neuseeland meist auf der Route um die Südspitze Südafrikas, um das Kap der Guten Hoffnung herum an, wohingegen die Rückkehr um die Südspitze Südamerikas um das Kap Hoorn erfolgte, wobei jedoch die Umseglung von Kap Hoorn wegen der Furious Fifties extrem gefährlich war und ist.

Bedeutung für den Luftverkehr

Die Westwindzone hat auch auf den Luftverkehr erhebliche Auswirkungen. Ein typisches Beispiel dafür ist der Nonstopflug eines Düsenflugzeugs in 10-12 Kilometern Höhe: Auf einem Hinflug von Europa nach Amerika in Richtung Westen kann ein Flugzeug frontal auf bis zu 400 km/h schnelle Jetstreams treffen, welche die Geschwindigkeit über Grund je nach Vorhaltewinkel entsprechend verringern. Deshalb sind die Piloten stets bestrebt, auf Flügen nach Amerika den Jetstreams auszuweichen, weshalb die Flugrouten manchmal über Grönland verlaufen, wobei trotz der weiteren Strecke Treibstoff und Flugzeit eingespart werden. Für die Rückflüge nach Europa hingegen werden die Jetstreams genutzt, die ein Flugzeug bei entsprechend heftigem Rückenwind auf über 1000 km/h über Grund beschleunigen können. Dadurch können Flugzeitunterschiede von mehr als einer Stunde entstehen.

Bedeutung für das Klima

Da die Westwinde die Ozeane überqueren, bringen sie viel Luftfeuchtigkeit mit, die sie beim Überqueren der Kontinente durch Steigungsregen und zyklonale Regen nach und nach verlieren. Die Westwinde transportieren die in den gemäßigten Breiten befindlichen Tiefdruckzyklonen ostwärts. An Westküsten und in den westlich gelegenen Teilen der Kontinente herrscht durch den windbedingten Meereseinfluss Seeklima. In zentralen und weiter östlich gelegenen Teilen der Kontinente herrscht Kontinentalklima mit deutlich geringeren Niederschlägen und höheren jahreszeitlichen Temperaturunterschieden. In solchen Gebieten der Erde, die durch die jahreszeitliche Verlagerung des subtropischen Hochdruckgürtels nur zeitweise im Einflussbereich der Westwindzone liegen, herrscht das Winterregenklima der Westseiten, auch Mittelmeerklima genannt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Lauer: Klimatologie. Westermann 1995. ISBN 3-14-160284-0. Seite 159–162
  2. Wilhelm Lauer: Klimatologie. Westermann 1995. Seite 159

Kategorien: Klimatologie | Wind

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