Westland Lysander - LinkFang.de





Westland Lysander


Westland Lysander
Typ: Verbindungsflugzeug
Entwurfsland: Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: Westland Aircraft
Erstflug: 15. Juni 1936
Stückzahl: 1.593

Die Westland Lysander war ein Verbindungsflugzeug des britischen Herstellers Westland Aircraft. Sie diente seit Ende 1938 bei der Royal Air Force.

Geschichte

Auf die Spezifikation A.39/34 (Ersatz für Hawker Audax) von W. E. W. Petter entwickelt, fand der Erstflug des Prototyps (Baunummer K6127) am 15. Juni 1936 statt. Schon im September 1936 folgte der erste Serienbau-Auftrag über 144 Flugzeuge, obwohl es ungelöste Trimmprobleme am Leitwerk gab. Am 11. Dezember 1936 flog auch K6128, der zweite Prototyp, der später einen schweren Tragflügelschaden bei Sturzflugtests mit sicherer Landung überstand und ab 1938 für Tropentests in Indien verwendet wurde.

Die Bauserie I lief nach 131 Flugzeugen aus. Sie wurde auf den Produktionsbändern von der Bauserie II abgelöst (433 Maschinen), die den etwas stärkeren Bristol Perseus Motor XII (905 h.p.) verwendete und auch etwas schwerer war. Meistgebaute Variante war die Bauserie III bzw. IIIA (804 Flugzeuge), die zum Bristol Mercury Motor zurückkehrte (Serie XX, 870 h.p.) und für Spezialaufgaben ausgerüstet werden konnte (III-SD oder IIIA-SD). Sie war die vielseitigste, aber auch die schwerste Lysander (IIIA einschließlich Zusatzpanzerung), was sich in reduzierten Flugleistungen, vor allem bei der Steigfähigkeit und der Höchstgeschwindigkeit in größerer Höhe bemerkbar machte. Insgesamt wurden einschließlich von 225 in Kanada in Lizenz gefertigten Maschinen 1.593 Flugzeuge des Typs Lysander gebaut.

Eine interessante Variante war die 1941 mit dem umgebauten ersten Prototyp getestete Ausrüstung mit einem Maschinengewehr-Heckturm und Doppelleitwerk. Trotz guter Flugleistungen gab es keine wirkliche Verwendung hierfür, und das Projekt wurde nicht weiter verfolgt.

Nutzung

Im Juni 1938 rüstete die No.16 Army Co-operation Sqdn. (16. Armee-Koorderations-Schwadron) als erste Einheit der Royal Air Force auf Lysander um. Von der Bauserie I gingen 18 Flugzeuge nach Ägypten, obwohl auch die Royal Air Force (beginnend mit der 208 Sqdn. im Januar 1939) dort eigene Lysander stationierte. Spätere Bauserien wurden in geringen Stückzahlen an Luftwaffen weiterer Länder geliefert, so an Finnland, die Türkei, Irland und schließlich Portugal. Auch die kanadische Luftwaffe und die freifranzösischen Streitkräfte sowie exilpolnische Einheiten nutzten die Lysander.

Ab 1939 wurden Lysander-Staffeln nach Frankreich verlegt. Insgesamt kamen dort bis Mai 1940 174 Flugzeuge zum Kriegseinsatz, von denen 118 verloren gingen. Die langsame Maschine war eine leichte Beute für moderne Jagdflugzeuge, obwohl sie recht gut bewaffnet war und in Einzelfällen auch Luftkampfsiege errang. Bekannt wurde dann die "Rückkehr nach Frankreich" während der Zeit der deutschen Besatzung, in der speziell nachgerüstete Lysander III Spezialeinsätze wie Einfliegen von Agenten, das Versorgen der Résistance, das Ausfliegen wichtiger Personen und ähnliche Spezialaufgaben in Frankreich durchführten. Wesentlich war dabei die Fähigkeit der Lysander, auf unvorbereiteten Pisten wie Feldern und Straßen je nach Bedarf landen und starten zu können, oft nachts. Über 400 dieser Einsätze fanden bis 1944 statt, mit nur zwei verlorenen Flugzeugen. Die überwiegend schwarz gestrichenen Flugzeuge führten auch spezielle, schwer erkennbare Hoheitszeichen (hellblau/dunkelblau statt blau/weiß/rot).

Die letzte Einsatzstaffel (357. Sqdn.) flog den Typ bis November 1945, und im Januar 1946 endete die Verwendung in der Royal Air Force. Die letzten Einsätze des Typs überhaupt fanden durch die 12 ägyptischen Maschinen der 3. ägyptischen Luftwaffenstaffel 1948 im ersten Krieg gegen Israel statt. Einige Maschinen blieben in Kanada aber bis in die fünfziger Jahre im zivilen Einsatz oder in Reserve. Heute fliegen immer noch einzelne restaurierte Exemplare, die gelegentlich bei Oldtimer-Flugshows beobachtet werden können.

Einordnung

Die Lizzie kann als das britische Gegenstück zur Fieseler Storch gesehen werden: beide waren Hochdecker, großzügig mit Auftriebshilfen versehen, mit starrem Fahrwerk; beide hatten eine sehr kurze Start- und Landestrecke (STOL-Eigenschaften). Die Lysander war jedoch größer und stärker, so dass sie neben den Verbindungsaufgaben noch eine Reihe anderer Rollen spielen konnte: Zielschleppflugzeug, Seenotrettungsflugzeug, Schleppflugzeug für Segelflugzeuge und sogar leichter Bomber. Am bekanntesten wurde sie aber wahrscheinlich als das Flugzeug, mit dem die SOE ihre Agenten im besetzten Europa absetzte.

Technische Daten

Kenngröße Lysander Mk.I Lysander Mk.III[1]
Länge 9,30 m 9,30 m
Spannweite 15,25 m 15,24 m
Höhe 3,50 m 4,42 m
Antrieb Ein Bristol Mercury III Sternmotor mit 890 PS Ein Bristol Mercury XX Sternmotor mit 649 kW (882 PS)
Höchstgeschwindigkeit 366 km/h in 3.048 m Höhe 340 km/h
Reichweite 800 km 970 km
Besatzung zwei Mann zwei Mann
Dienstgipfelhöhe 8.090 m 6.550 m
Leergewicht 1.845 kg 1.980 kg
Fluggewicht 2.690 kg 2.865 kg
Bewaffnung Vier 7,7-mm-MGs,
bis zu sechs kleine Bomben
Vier 7,7-mm-MGs
227 kg Bombenlast

Siehe auch

Literatur

  • Francis K. Mason: The Westland Lysander, Profile Publications, Leatherhead 1967, ohne ISBN
  • Michal Ovcacik/Karel Susa: Westland Lysander, 4+ publications, Prag 1999, ISBN 80-902559-1-4
  • Owen Thedford: Aircraft of the Royal Air Force since 1918, Putnam/Conway, London, 8. Auflage 1988, S.580-582, ohne ISBN
  • Kenneth Munson: Aircraft of World War II, Ian Allan, London 1962, Shepperton/London 1962, S.154, ohne ISBN

Weblinks

 Commons: Westland Lysander  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Riccardo Niccoli: Flugzeuge: Die wichtigsten Flugzeugtypen der Welt. Kaiser, ISBN 3-7043-2188-5, S. 212.

Kategorien: STOL-Flugzeug | Flugzeugtyp des Zweiten Weltkrieges (Vereinigtes Königreich) | Einmotoriges Flugzeug

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Westland Lysander (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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