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West-Nil-Virus


West-Nil-Virus

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: nicht klassifiziert
Familie: Flaviviridae
Gattung: Flavivirus
Art: West-Nil-Virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (+)ssRNA linear
Baltimore: Gruppe 4
Symmetrie: ikosaedrisch (?)
Hülle: vorhanden
Wissenschaftlicher Name
West Nile virus (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
WNV
Links

Das West-Nil-Virus ist ein seit 1937 bekanntes, behülltes RNA-Virus des Typs ss(+)-RNA aus der Familie Flaviviridae, das sowohl in tropischen als auch in gemäßigten Gebieten vorkommt. Das Virus infiziert hauptsächlich Vögel, kann aber auch auf Menschen, Pferde und andere Säugetiere übergreifen. Die Erkrankung wird West-Nil-Fieber genannt.

Übertragung

Das Virus wird durch Stechmücken von einem Wirt zum nächsten übertragen. Als mögliche Überträger (oder Vektoren) kommen eine Vielzahl verschiedener Mückenarten, vor allem der Gattungen Culex, Aedes und Ochlerotatus in Frage.[1][2][3] Für die humanmedizinische Bedeutung sind aber vor allem Arten wichtig, die das Virus von ihren Reservoirwirten (also meist Vögeln) auf den Menschen übertragen (sogenannte Brückenvektoren). In der Gattung Culex sind dies vor allem Arten aus dem Culex pipiens-Komplex (Culex pipiens/molestus und Culex pipiens/quinquefasciatus). Ein weiterer möglicher Brückenvektor ist die sich auch in Europa verbreitende Asiatische Tigermücke Aedes albopictus, die ebenfalls sowohl Menschen als auch Vögel sticht.[4]

In einer im Januar 2006 im Magazin Journal of Experimental Medicine veröffentlichten Studie wird die Vermutung aufgestellt, dass eine Mutation des Gens CCR5 mit der Bezeichnung CCR5Δ32 (CCR5-Delta32) die Anfälligkeit eines Menschen für das West-Nil-Virus massiv erhöht. Diese Vermutung konnte 2008 durch eine Metaanalyse des Westnil-Ausbruchs in den USA erhärtet werden.[5] Die mit der Gen-Mutation verbundene Löschung von 32 Basenpaaren bewirkt auch eine beschränkte Resistenz gegen das an gewöhnliche CCR5-Rezeptoren andockende HIV. Diese Mutation stellt daher seit Entdeckung 1996 die Grundlage für die Entwicklung neuer CCR5-Fusions-Inhibitoren im Kampf gegen AIDS dar. Bisher waren keine negativen Auswirkungen bekannt. Es ist noch nicht geklärt, ob die CCR5Δ32-Mutation neben der Anfälligkeit auch die Schwere des Krankheitsverlaufes nach Infektion mit dem West-Nil-Virus beeinflusst.

Geschichte und Epidemiologie

Es gibt die These, dass schon Alexander der Große durch das West-Nil-Virus starb, da Plutarch berichtete, dass vor Alexanders Ableben Raben tot vom Himmel fielen.

Das West-Nil-Virus wurde zum ersten Mal 1937 im West-Nil-District von Uganda bei einer erkrankten älteren Frau isoliert und bekam daher diesen Namen. 1957 trat es in Israel auf und wurde weiterhin seit 1960 in Frankreich und Ägypten bei Pferden festgestellt. In den letzten Jahren sind epidemische Häufungen der vom West-Nil-Virus ausgelösten Enzephalitis in Algerien (1994), Rumänien (1996/97), der Tschechischen Republik (1997), der Demokratischen Republik Kongo (1998), Russland und Nordamerika (1999) und Israel (2000) dokumentiert worden. 2004 wurde es in Ungarn nachgewiesen und 2008 in Österreich.[6] 2010 forderte es in Griechenland bei 197 Erkrankten insgesamt 33 Todesopfer[7] und trat auch im Folgejahr 2011 zum Teil in anderen Landesteilen wieder auf.[8] Im Juli und August 2012 traten erneut Fälle des West-Nil-Fiebers in Griechenland auf. Dabei gab es drei Todesopfer, 44 weitere Menschen erkrankten.[9] Auch in Rumänien wurde im Jahr 2010 eine Häufung von Infektionen beobachtet, und es kam bei 50 dokumentierten Erkrankungen zu 5 Todesfällen.[10]

Mit dem ersten Auftreten des West-Nil-Virus in Nordamerika 1999 rückte die Thematik in das mediale Rampenlicht. In den USA begann der Virusausbruch im Gebiet von New York City. Es gilt mittlerweile als erwiesen, dass das Virus von einer in einem israelischen Flugzeug auf der Strecke Tel Aviv – New York transportierten, infizierten Mücke eingeschleppt wurde. Die ersten Anzeichen waren Vögel, die tot von den Bäumen des Central Parks fielen. Bald darauf wurden ältere Menschen in der Gegend infiziert und erkrankten. Deborah Asnis (1956–2015), eine Ärztin aus der New Yorker Bronx mit Tropenerfahrung, glaubte, das West-Nil-Fieber zu erkennen, und verständigte forschende Militärärzte des USAMRIID, die den Verdacht bestätigen konnten.[11] Es breitete sich seitdem auf dem ganzen nordamerikanischen Kontinent aus. In den USA, die in Nordamerika weiterhin am stärksten betroffen sind, erreichte das Virus in jährlichen Wellen bis 2004 die Westküste. Dabei kam es besonders 2002 in den zentralen Bundesstaaten und 2003 in den Bundesstaaten der Rocky Mountains zu großen regionalen Ausbrüchen. Zwischen 2004 und 2011 wurden viele kleinere und einige größere regionale Ausbrüche mit starken Fluktuationen verzeichnet, wobei die Fallzahlen als tendenziell abnehmend interpretiert werden.[12] Jedoch kam es 2012 wieder zu einer unerwartet großen Epidemie, von der besonders Texas mit fast 40 % aller Fälle, insbesondere in Dallas und Umgebung betroffen waren. Mit 236 Toten gilt die Epidemie als die mit den bisher meisten Todesopfern. Dazu war etwa die Hälfte aller Fälle neuroinvasiv.[13][14]

Als Gegenmaßnahme wird versucht, Stechmücken als Überträger des Virus mit Pestiziden zu bekämpfen. Auch die Anwendung von Insektiziden im Fracht- und Personenbereich von Interkontinentalflugzeugen vor der jeweiligen Landung wurde weltweit erheblich verstärkt.

In Dürre- und Hitzeperioden kann es zu einer sprunghaft vermehrten Ausbreitung kommen, da durch die fehlende Spülung in der Kanalisation und in Flussbetten vermehrt stehende Gewässer, z.B. in Form von Pfützen, entstehen, die von Stechmücken als Brutgewässer genutzt werden.[15]

Statistik USA

Die Centers for Disease Control and Prevention dokumentieren seit 1999 folgende Zahlen für Infektionen und Todesfälle bei Menschen:[16]

Jahr 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
Infektionen 62 21 66 4156 9862 2539 3000 4269 3630 1356 720 1021 712 5674
Tote 7 2 10 284 264 100 119 177 124 44 32 57 43 286
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Quelle: Centers for Disease Control and Prevention[16]

Literatur

Weblinks

 Commons: West-Nil-Virus  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. M. J. Turell et al. (2005): An Update on the Potential of North American Mosquitoes (Diptera: Culicidae) to Transmit West Nile Virus. In: J Med Entomol Band 42, Nr. 1, 2005, S. 57–62.
  2. M. S. Godsey et al. (2005): West Nile Virus-infected Mosquitoes. Louisiana, 2002; In: Emerging Infectious Diseases. Band 11, Nr. 9, 2005, S. 1399–1404.
  3. Z. Hubalek & J. Halouzka (1999): West Nile Fever-a Reemerging Mosquito-Borne Viral Disease in Europe. In: Emerging Infectious Diseases. Band 5, Nr. 5, 1999, S. 643–650.
  4. N. G. Gratz (2004): Critical review of the vector status of „Aedes albopictus“. In: Med Vet Entomol. Nr. 18, 2004, S. 215–227.
  5. Jean K. Lim, Christine Y. Louie, Carol Glaser, Cynthia Jean, Bernard Johnson, Hope Johnson, David H. McDermott, Philip M. Murphy: Genetic deficiency of chemokine receptor CCR5 is a strong risk factor for symptomatic West Nile virus infection: a meta-analysis of 4 cohorts in the US epidemic. In: The Journal of Infectious Diseases. Band 197, Nr. 2, 15. Januar 2008, ISSN 0022-1899 , S. 262–265, doi:10.1086/524691 , PMID 18179388 .
  6. Wiener Zeitung: West-Nil-Virus in Österreich , 13. Februar 2009 (Zugriff am 25. November 2013)
  7. Kostas Danis, Anna Papa, George Theocharopoulos, Georgios Dougas, Maria Athanasiou, Marios Detsis, Agoritsa Baka, Theodoros Lytras, Kassiani Mellou, Stefanos Bonovas, Takis Panagiotopoulos: Outbreak of West Nile virus infection in Greece, 2010. In: Emerging Infectious Diseases. Band 17, Nr. 10. 2011, ISSN 1080-6059 , S. 1868–1872, doi:10.3201/eid1710.110525 , PMC 3310677 (freier Volltext) .
  8. K. Danis, A. Papa, E. Papanikolaou, G. Dougas, I. Terzaki, A. Baka, G. Vrioni, V. Kapsimali, A. Tsakris, A. Kansouzidou, S. Tsiodras, N. Vakalis, S. Bonovas, J. Kremastinou: Ongoing outbreak of West Nile virus infection in humans, Greece, July to August 2011. In: Euro Surveillance: Bulletin Européen Sur Les Maladies Transmissibles = European Communicable Disease Bulletin. Band 16, Nr. 34, 2011, ISSN 1560-7917 , PMID 21903037 .
  9. West-Nil-Fieber in Griechenland (Ärzte Zeitung online)
  10. Adriana M. Neghina, Raul Neghina: Reemergence of human infections with West Nile virus in Romania, 2010: an epidemiological study and brief review of the past situation. In: Vector Borne and Zoonotic Diseases (Larchmont, N.Y.). Band 11, Nr. 9, 2011, ISSN 1557-7759 , S. 1289–1292, doi:10.1089/vbz.2010.0206 , PMID 21395408 .
  11. Sam Roberts: Dr. Deborah Asnis, Who Sounded Alert on West Nile Virus Outbreak, Dies at 59. In: The New York Times, 16. September 2015 (englisch). Abgerufen am 21. September 2015.
  12. Lyle R. Petersen, Marc Fischer: Unpredictable and Difficult to Control – The Adolescence of West Nile Virus. In: New England Journal of Medicine. Band 367, Ausgabe 14 vom 4. Oktober 2012, S. 1283–1285, doi:10.1056/NEJMp1210537.
  13. Jatin M. Vyas, R. Gilberto González, Virginia M. Pierce: Case 15-2013 – A 76-Year-Old Man with Fever, Worsening Renal Function, and Altered Mental Status. In: New England Journal of Medicine. Band 368, Ausgabe 20 vom 16. Mai 2013, S. 1919–1927, doi:10.1056/NEJMcpc1302330.
  14. Wendy M. Chung: The 2012 West Nile Encephalitis Epidemic in Dallas, Texas. In: JAMA. 310, 2013, S. 297, doi:10.1001/jama.2013.8267.
  15. Philip M. Armstrong, Theodore G. Andreadis: Eastern Equine Encephalitis Virus – Old Enemy, New Threat. In: New England Journal of Medicine. Band 368, Ausgabe 18 vom 2. Mai 2013, S. 1670–1673.
  16. 16,0 16,1 West Nile Virus – Statistics, Surveillance, and Control Archive Auf: Centers for Disease Control and Prevention. Abgerufen am 5. Juli 2013.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/West-Nil-Virus (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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