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Werner von Fritsch


Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch (* 4. August 1880 in Benrath; † 22. September 1939 bei Praga, Warschau) war ein deutscher Offizier, zuletzt Generaloberst sowie von 1936 bis zu seinem Sturz 1938 Oberbefehlshaber des Heeres.

Leben

Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Fritsch wurde am 4. August 1880 im Schloss Benrath nahe Düsseldorf als Sohn des späteren Generalleutnants Georg von Fritsch (1849–1920) und dessen Ehefrau Adelheit (1856–1941), geb. von Bodelschwingh, geboren. Seine Erziehung war durch den strengen Vater geprägt, der größten Wert auf Vaterlandsliebe, Pflichttreue, Zuverlässigkeit, Ehrenhaftigkeit und gesellschaftliche Umgangsformen legte.[1] Er trat dabei so sehr als „unbarmherziger Zuchtmeister“ auf, dass es seinem Sohn zeitlebens schwerfallen sollte, enge menschliche Bindungen einzugehen.[2]

Nach dem Bestehen des Abiturs trat Fritsch am 21. September 1898 als Fahnenjunker in das Hessische Feldartillerie-Regiment Nr. 25 in Darmstadt ein. Dort erhielt er nach der Offiziersausbildung am 27. Januar 1900 die Beförderung zum Leutnant. Die nächsten Jahre verbrachte Fritsch im Truppendienst. Im Oktober 1902 wurde er zur vertiefenden Ausbildung zur Artillerie- und Ingenieurschule geschickt und im Jahr darauf wurde er Adjutant der 1. Abteilung seines Regiments.[3] Allerdings bot der Truppendienst dem ehrgeizigen Fritsch nur geringe Aufstiegschancen und es fiel ihm schwer, Freunde zu finden. Zu den wenigen engeren Bekanntschaften dieser Zeit zählte sein Regimentskamerad und spätere Generalfeldmarschall Georg von Küchler.[1] Fritsch bewarb sich daher um eine Aufnahme an die Kriegsakademie. Nachdem er die schwierige Aufnahmeprüfung bestanden hatte, besuchte er im Rahmen seiner Ausbildung zum Generalstabsoffizier ab dem 1. Oktober 1907 die Kriegsakademie in Berlin. Hier nahm er an einzelnen Kursen Wilhelm Groeners teil und bestach vor allem mit ausgezeichneten Leistungen in Kriegsgeschichte und Taktik. Als einer der ersten seines Jahrgangs legte er am 20. Juli 1910 die Abschlussprüfung ab.[2] Der inzwischen zum Oberleutnant beförderte Fritsch wurde nun probeweise in den Großen Generalstab versetzt, aber schon im folgenden Jahr endgültig in den Generalstabsdienst übernommen. Von April 1913 bis März 1914 gehörte er der Kriegsgeschichtlichen Abteilung II des Großen Generalstabes an, welche die Kriege Friedrichs des Großen bearbeitete, bevor er in die Aufmarsch-Abteilung versetzt wurde und somit an der deutschen Mobilmachung im August 1914 beteiligt war.[1]

Im Ersten Weltkrieg diente Fritsch als Generalstabsoffizier in verschiedenen Funktionen. Einige Zeit war er Erster Generalstabsoffizier der 1. Garde-Division und 47. Reserve-Division. Er wurde zeitweise auch in die Generalstäbe der 4. und 10. Armee versetzt und tat Dienst beim VI. Reserve-Korps. Etwas völlig Neues war für Fritsch der zeitweilige Dienst im Generalstab des Kommandierenden Generals der Luftstreitkräfte. Dabei wurde er offensichtlich von Oberst Max Bauer in der Obersten Heeresleitung protegiert. Beide kannten sich aus der gemeinsamen Zeit im Großen Generalstab. Er wurde 1917 an der Front durch einen Granatsplitter am Kopf verwundet und erhielt im Verlauf des Krieges neben beiden Klassen des Eisernen Kreuzes auch das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.[4]

Weimarer Republik

Fritsch wurde in die Reichswehr übernommen und war zunächst im Reichswehrministerium eingesetzt. Später wurde er Bataillonskommandeur im 5. Artillerie-Regiment. Am 5. Februar 1923 wurde Fritsch zum Oberstleutnant befördert. Mit dem 1. April 1924 erfolgte seine Ernennung zum Chef des Stabes der 1. Division. 1926 wurde er Leiter der Heeresabteilung im Truppenamt und am 1. März 1927 zum Oberst befördert. Im Jahr 1928 wurde er Kommandeur des 2. (Preußisches) Artillerie-Regiments und am 1. November 1930 erfolgte die Ernennung zum Generalmajor. Danach wurde er 1931 zunächst Kommandeur der 1. Kavallerie-Division, anschließend 1932 der 3. Division und des Wehrkreises III.

Zeit des Nationalsozialismus

Vorkriegszeit

Heereschef

Nach dem Regierungsantritt Hitlers wurde Fritsch von Hindenburg im Januar 1934 zum Chef der Heeresleitung ernannt. Im Juni 1935 wurde er Oberbefehlshaber des Heeres mit Beförderung zum Generaloberst am 20. April 1936. Er galt als Vertreter des alten, preußischen Konservatismus, was ihn in Konflikt mit Kriegsminister Werner von Blomberg und der SS brachte.

Bei einer Führerbesprechung am 5. November 1937, bei der Hitler zum ersten Mal offen seine Kriegspläne den Oberbefehlshabern der Wehrmachtteile Heer (Werner von Fritsch), Luftwaffe (Hermann Göring) und Marine (Erich Raeder) sowie unter anderem dem Reichsaußenminister Konstantin Freiherr von Neurath und dem Generalfeldmarschall von Blomberg darlegte, äußerte insbesondere Fritsch seine Bedenken. In der Hoßbach-Niederschrift ist diese Besprechung festgehalten worden. Zeitgenossen und die Geschichtsschreibung sehen Fritschs Kritik im November als Grund seiner späteren Entlassung.

Sturz infolge einer Intrige
Hauptartikel: Blomberg-Fritsch-Krise

Im Zuge der Blomberg-Fritsch-Affäre wurde Fritsch der Homosexualität bezichtigt und von seinem Posten als Oberbefehlshaber des Heeres entfernt. Es kam zu einem Prozess. Jedoch wurde er am 18. März 1938 von den Anschuldigungen wegen erwiesener Unschuld freigesprochen und rehabilitiert, obwohl die Gestapo das mit allen Mitteln zu verhindern versuchte. Seinen Posten erhielt er dennoch nicht zurück. Im Februar 1939 nannte Hitler, vor einem Kreis höherer Offiziere, sich unterscheidende militärische und politische Ansichten als eigentlichen Grund für Fritschs Verabschiedung.

Am 11. August 1938 wurden Fritsch förmlich seine Rehabilitierung sowie seine Ernennung zum Chef seines alten Artillerieregiments 12 in Schwerin (Mecklenburg) bekanntgegeben.[5]

Am 11. Dezember 1938 – also nach der Reichspogromnacht – schrieb Fritsch an Baronin Schutzbar:[6]

Bald nach dem Krieg kam ich zur Ansicht, daß drei Schlachten siegreich zu schlagen seien, wenn Deutschland wieder mächtig werden sollte: 1. die Schlacht gegen die Arbeiterschaft, sie hat Hitler siegreich geschlagen; 2. gegen die katholische Kirche, besser gesagt den Ultramontanismus, und 3. gegen die Juden. In diesen Kämpfen stehen wir noch mitten drin. Und der Kampf gegen die Juden ist der schwerste.

Einen Monat vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erklärte Fritsch: „Der Endsieg ist eben nur möglich, wie der Führer betont hat, wenn das ganze Volk innerlich einig ist und fest dasteht, bereit alles einzusetzen.“[7]

Zweiter Weltkrieg

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erhielt Fritsch im Gegensatz zu anderen verabschiedeten Generalen kein Kommando, möglicherweise hat er das abgelehnt. In einem Brief schrieb er am 31. August:[8]

Die Behandlung, die ich erfahren habe, ist derart, daß ich weder im Frieden noch im Krieg eine militärische Tätigkeit in Deutschland ausüben kann. … Ich werde mein Regiment nur als Zielscheibe begleiten, weil ich nicht zu Hause bleiben kann.

So begleitete er als Chef sein Artillerieregiment 12 im Polenfeldzug und fiel am 22. September 1939 bei Praga, einer Vorstadt von Warschau. Da er einer der ersten hohen Offiziere war, die im Zweiten Weltkrieg fielen, sind die Umstände seines Todes genauer untersucht worden. Nach dem Bericht eines Leutnants, der ihn begleitete, wurde Fritsch am linken Oberschenkel angeschossen, wobei eine Schlagader verletzt wurde. Mit den Worten „Lassen Sie nur“ lehnte er ein Abbinden des Beins ab und verstarb eine Minute später.[9]

Andenken an Fritsch

Fritsch war Namensgeber diverser Kasernen der Bundeswehr: Pfullendorf, Celle, Breitenburg, Koblenz, Darmstadt und Hannover-Bothfeld. Die folgenden Liegenschaften wurden inzwischen im Rahmen der Truppenreduzierung aufgegeben: Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Breitenburg, die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Celle, die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Hannover sowie die Fritsch-Kaserne in Koblenz. Die Flächen der Cambrai-Fritsch-Kaserne in Darmstadt sind als Wohngebiet vorgesehen. Die Generaloberst-von-Fritsch-Kaserne in Pfullendorf wurde am 18. Dezember 2013 umbenannt in Staufer-Kaserne.[10]

In Gedenken an den Generaloberst verwendete das ehemalige Panzerartilleriebataillon 177 der Bundeswehr das „F“ als Erkennungszeichen auf den Fahrzeugen des Bataillons.

Zu seinem vierzigsten Todestag hielt das Artillerieregiment 10, Pfullendorf, eine Gedenkfeier ab. Der Regimentskommandeur Oberst Hannemann hielt die Gedenkrede.[11]

Auszeichnungen

Literatur

Weblinks

 Commons: Werner von Fritsch  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Horst Mühleisen: Generaloberst Werner Freiherr von Fritsch, in: Gerd R. Ueberschär (Hrsg.): Hitlers militärische Elite, Bd.1, Darmstadt 1998, S.61
  2. 2,0 2,1 Williamson Murray: Werner Freiherr von Fritsch. Der tragische General. in: Ronald Selser, Enrico Syring (Hrsg.): Die Militärelite des Dritten Reiches. Frankfurt am Main 1997, S. 154.
  3. Dermot Bradley (Hrsg.): Die Generale des Heeres 1921–1945. Bd.4, Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 115.
  4. Williamson Murray: Werner Freiherr von Fritsch. Der tragische General. in: Ronald Selser, Enrico Syring (Hrsg.): Die Militärelite des Dritten Reiches. Frankfurt am Main 1997, S. 155.
  5. John W. Wheeler Bennett: Die Nemesis der Macht. Düsseldorf 1954, S. 402.
  6. Nicholas Reynolds: Der Fritsch-Brief vom 11. Dezember 1938. in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Jg. 28 Heft 3, München 1980, S. 358–371. Zitat hier S. 370.
  7. Jakob Knab: Falsche Glorie – das Traditionsverständnis der Bundeswehr. 1. Aufl., Berlin, Ch.-Links-Verlag, 1995, ISBN 3-86153-089-9, S. 73.
  8. zitiert bei John W. Wheeler Bennett: Die Nemesis der Macht. Düsseldorf 1954, S. 404.
  9. Eine »SPIEGEL«-Seite für Robert M.W. Kempner. In Der Spiegel, Ausgabe 34/1948 vom 21. August 1948, S. 18 (abgerufen am 27. Juli 2010).
  10. http://www.schwaebische.de/region/sigmaringen-tuttlingen/pfullendorf/stadtnachrichten-pfullendorf_artikel,-Landrat-Gaerte-begruendet-Umbenennung-in-Staufer-Kaserne-_arid,5555898.html
  11. H. J. Krug 25 Jahre Artillerie der Bundeswehr S. 205, ISBN 3-7909-0184-9
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 12,5 12,6 12,7 12,8 Rangliste des Deutschen Reichsheeres. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1930, S. 108.
  13. Klaus D. Patzwall: Das Goldene Parteiabzeichen und seine Verleihungen ehrenhalber 1934-1944. Studien der Geschichte der Auszeichnungen. Band 4. Verlag Klaus D. Patzwall, Norderstedt 2004, ISBN 3-931533-50-6, S. 19.
VorgängerAmtNachfolger
-Oberbefehlshaber des Heeres (OBdH)
1934–1938
Walther von Brauchitsch


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