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Werner Mauss


Werner Mauss (* 11. Februar 1940 in Essen) ist ein ehemaliger deutscher Privatdetektiv, der für verschiedene Unternehmen und ab 1965 auch als ziviler Mitarbeiter für Polizeibehörden und Geheimdienste tätig war. Im Zusammenhang mit verschiedenen Konflikten und Affären wurde sein Name auch der breiten Öffentlichkeit bekannt.

Tätigkeiten

Seine Tätigkeit als V-Mann brachte Mauss gute Kontakte zu verschiedenen Polizeibehörden (u. a. Bundeskriminalamt), zum Bundesnachrichtendienst und in die Politik. In den 1990er Jahren reichten seine Kontakte bis ins Bundeskanzleramt. Sein direkter Ansprechpartner dort war der langjährige Geheimdienstkoordinator der Regierung Kohl, Staatsminister Bernd Schmidbauer. In einem Brief an den ehemaligen Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes Hansjörg Geiger (1996–1998) schrieb Mauss: „Insgesamt konnten durch meine Einsätze nachweisbar mehr als 1600 Personen einer Festnahme zugeführt werden.“[1]

Berufliche Laufbahn

Ende der 1950er Jahre sollte Werner Mauss aus seinem familiären Umfeld einen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen und begann eine Ausbildung zum Landwirt, die er 1960 mit Diplomabschluss beendete. Die Übernahme des Betriebes kam nicht zustande, sodass sich Mauss auf eigene Kosten zum Beruf des Kriminalsachverständigen und Detektiv umschulen ließ. Wegen fehlender eigener Mittel zur Finanzierung der Lehrgänge und diverser Privatlehrer arbeitete er in Jobarbeit als Hilfsjournalist in der Nachtschicht bei zwei Tageszeitungen im Ruhrgebiet, als Staubsaugervertreter, als Nachtarbeiter im Duisburger Hafen sowie in einem Kohlebergwerk. 1961 gründete Werner Mauss in Essen eine Detektei. Parallel dazu machte Mauss seinen Flugschein und bot seine Tätigkeiten mit dem Zusatz Eigener Flugeinsatz in ganz Europa an.

Nach ersten Erfolgen gegen das organisierte Verbrechen begann Mauss Ende der 1960er Jahre bereits nicht mehr ausschließlich für private Auftraggeber zu arbeiten, und auch die Versicherungswirtschaft sicherte sich seine Dienste.[2] Werner Mauss ermittelte zusätzlich (und manchmal gleichzeitig) für verschiedene Sicherheitsbehörden verdeckt im kriminellen Milieu, mit Informationen versorgt durch Polizeibehörden, bezahlt durch Versicherungsverbände. [2]

Ab 1969 arbeitete Werner Mauss erstmals im Auftrag der damals neu eingerichteten Ermittlungsgruppe des Bundeskriminalamtes. Unter Mitwirkung von Mauss wurden unter anderem die damals mehrfach aus dem Gefängnis ausgebrochenen Schwerverbrecher Alfred Lecki und Werner Derks in Alicante beziehungsweise Marbella aufgespürt und von der Polizei gefasst. [3]

Legendenbildung

Werner Mauss wird mit einer Reihe von spektakulären Kriminalfällen in Verbindung gebracht. Die genauen Abläufe und seine Beteiligung sind allerdings nur zum Teil geklärt, was zur Legendenbildung beiträgt. So wird der Name Mauss im Zusammenhang mit dem Auffinden des Seveso-Giftes genannt, mit der Festnahme des mutmaßlichen RAF-Terroristen Rolf Pohle in Athen, mit der Freilassung der Hisbollah-Geiseln Rudolf Cordes und Alfred Schmidt im Libanon und mit der Festnahme der Täter sowie Rückführung des geraubten Kölner Domschatzes.

Die Institution M, wie Mauss beim BKA genannt wurde,[4] kam immer dann ins Spiel, wenn staatliche Organe nicht mehr weiter kamen, sich nicht „die Finger dreckig machen“ wollten oder eine Operation aus juristischen oder völkerrechtlichen Aspekten heraus nicht durchführen konnten.[5] Kritiker werfen Mauss vor, dabei die Grenzen des Rechtsstaates überschritten zu haben und als Agent provocateur von Staats wegen[6] aufgetreten zu sein, also zu Straftaten angestiftet zu haben, deren Aufklärung er sich später zuschreiben ließ.

Ein Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags versuchte 1984 zu klären, ob und inwiefern Mauss wann, von wem und wozu mit Legenden ausgestattet worden ist, ob er unter Decknamen ausschließlich Landesinteressen oder auch privatwirtschaftlichen gedient, ob er als Agent provocateur gearbeitet und gemeinsam mit Beamten Rechtsverletzungen begangen oder vertuscht hat. Mauss ließ sich allerdings erst 1988 – nach mehreren erfolglosen Vorladungen – vernehmen, berief sich dabei allerdings auf eine eingeschränkte Aussagegenehmigung oder konnte sich an Einzelheiten nicht erinnern.[7]

Der Fall Düe und das erste Foto in der Presse

Im Jahre 1983, im Zuge des Gerichtsverfahrens gegen den Juwelier René Düe,[8] gelangte das erste Foto von Werner Mauss an die Presse. Mauss ermittelte damals in Zusammenarbeit mit einer Sonderkommission wegen mutmaßlichen Betruges zum Nachteil einer Versicherung gegen den verdächtigen Düe. Er kontaktierte Düe, der angab ausgeraubt worden zu sein, unter Decknamen und übernahm als Hehler Stücke, die Düe zuvor als gestohlen gemeldet hatte.[9] Daraufhin wurde René Düe am 5. August 1982 festgenommen und am 4. Januar 1984 vom Landgericht Hannover zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Berufungsinstanz verwarf dagegen die konspirativ erlangten Beweismittel, rügte den verdeckten Einsatz Mauss’[2] und sprach Düe am 13. März 1989 aus Mangel an Beweisen frei.

Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtages beschäftigte sich unter anderem mit den Methoden Mauss’ im Fall Düe. Dieser blieb dem Ausschuss trotz mehrfacher Ladung fern.[10]

Die Zivilkammer des Landgerichts Hannover verurteilte Düe trotz des strafrechtlichen Freispruches wegen arglistiger Täuschung und grober Fahrlässigkeit. Dabei wurde auch sein Antrag auf Prozesskostenhilfe für eine Schadensersatzklage gegen die Versicherung in Höhe von 73 Millionen DM abgelehnt. Der Bundesgerichtshof bestätigte später dieses Urteil.[11]

Fast 20 Jahre später (im Juni 2000) wurden im früheren Geschäft des Vaters von René Düe 10,8 Kilogramm des damals als geraubt gemeldeten Schmuckes – teilweise noch original etikettiert – sichergestellt. Zu diesem Zeitpunkt war eine mögliche Strafverfolgung jedoch bereits verjährt.[9]

Tätigkeiten in Südamerika

Mitte der 1980er Jahre wurde Mauss verstärkt in Südamerika tätig, vor allem in Kolumbien. Hier war er – zunächst im Auftrag der Mannesmann AG – eingesetzt, um den Bau einer Pipeline gegen den Widerstand der Guerillagruppe ELN durchzusetzen und vier entführte Manager der Firma zu befreien.

Mauss gründete zusammen mit der katholischen Kirche eine Hilfsorganisation und erhielt dafür vom Apostolischen Vikariat von Arauca am 9. September 1985 den Friedenspreis von Sarare in Kolumbien. Die Kontakte aus dieser Zeit griff er in den 1990er Jahren wieder auf, als er einen vom Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer unterstützen Friedensprozess anstieß. Dieser machte zur Bedingung, dass die in Kolumbien festgehaltenen entführten europäischen Geiseln ohne Zahlung von Lösegeld freigelassen werden sollten. Mauss verhandelte daraufhin in Kolumbien noch in mehreren Fällen die Freilassung von europäischen Geiseln aus der Hand der ELN.[12] Die genauen Umstände und seine Rolle dabei blieben aus Sicherheitsgründen geheim.[13]

Werner Mauss und seine Ehefrau wurden am 17. November 1996 von der kolumbianischen Polizei in Medellín verhaftet, als sie mit einer zuvor von örtlichen Kriminellen entführten und von der Guerillabewegung ELN zur Freilassung verhandelten deutschen Geisel das Land verlassen wollten. Er und seine Frau blieben neun Monate in Untersuchungshaft, da man ihnen vorwarf, in Lösegeldzahlungen verwickelt zu sein. Das Ermittlungsverfahren wurde am 20. Mai 1998 eingestellt und das Ehepaar Mauss in allen Punkten freigesprochen. Das Gericht erklärte die Verhaftung für rechtswidrig.

Gegen Medienberichte, die behaupteten, es seien Lösegelder geflossen, ging Mauss erfolgreich gerichtlich vor. Schmidbauer erklärte, die Kontakte des Ehepaares Mauss zur ELN, die er veranlasst habe, seien aus Sicht der Bundesregierung transparent und mit dieser abgestimmt verlaufen.[14]

Nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Juni 1997 setzte Mauss, unterstützt vom damaligen Staatspräsidenten der Republik Kolumbien Ernesto Samper, der nationalen Friedenskommission Kolumbiens, der deutschen Bischofskonferenz und der deutschen Bundesregierung, seine Verhandlungen im kolumbianischen Urwald fort. Mit Genehmigung der Konfliktparteien führte Mauss den damaligen militärischen Chef der kolumbianischen ELN, Pablo Beltrán, im Juli 1998 zu Friedensverhandlungen nach Deutschland.

Panama Papers

Mauss soll nach den im April 2016 veröffentlichten Panama Papers mit Briefkastenfirmen in Südamerika in Zusammenhang stehen. Als Tarnname wird „Klaus Möllner“ und auch „Claus Möllner“ und „Werner Möller“ genannt. Ebenso wurden die Namen „Richard Nelson“, „Alexander Nelson“, „Horst Faber“, „Dr. Lampe“, „Jacques“, „Marlowe“, „Otto John“ und „Herbert Rick“ genannt. Die Namen der Briefkastenfirmen sind „Nolilane“, „Transacta Valores“, „Boreal Management“, „Baird Ressources“, „Capriccio Management“, „Bradler International“, „Corporación de Inversiones Cascabel“, „Goldborn Overseas“, „Goodwin Holdings Corp“, „Nerball Enterprises“, „Zabo S.A.“ und „Anysberg International“. Mauss arbeitet wohl seit 2000 nicht mehr im staatlichen Auftrag, trotzdem wurde der Reisepass auf seine Tarnidentität „Claus Möllner“ 2014 offiziell verlängert.[15]

Privates

Werner Mauss ist nach eigenen Angaben verheiratet mit der auf Sardinien geborenen Maria Alida Laetitia Mauss, geborene Veltri, und hat drei Kinder.

Literatur

  • Anfang 2004 wurde vom Ullstein Verlag für April 2004 ein Buch „M. – Ein Agentenleben“, ISBN 3-550-07587-1 angekündigt. Auf dem in der Ankündigung abgebildeten Buch war Mauss abgebildet, als Co-Autor neben Mauss wurde der Fachjournalist und Geheimdienstexperte Wilhelm Dietl („Die BKA-Story“ u. a.) genannt. Das Buch erschien jedoch nie, im November nahm der Ullstein-Verlag das Buch ohne Angabe von Gründen aus dem Programm.
  • Stefan Aust: Mauss, ein deutscher Agent. Goldmann, München 1999, ISBN 3-455-08641-1.
  • Jacques Berndorf: Requiem für einen Henker. KBV-Verlags- und Mediengesellschaft, Hillesheim 1990, ISBN 3-937001-72-7 (In diesem Werk verarbeitet der Journalist Michael Preute unter seinem belletristischen Pseudonym Kenntnisse aus seiner beruflichen Tätigkeit. Die - nur teilfiktionale - Geschichte hat einen starken Bezug zu Werner Maus).
  • Ignacio Gomez, Peter Schumacher: Der Agent und sein Minister: Mauss und Schmidbauer in geheimer Mission (= Antifa-Edition), Elefanten-Press, Berlin 1997, ISBN 3-88520-631-5 (Biographie).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kobold Undercover. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1996 (online ).
  2. 2,0 2,1 2,2 Karl-Ludwig Günsche, Hans-Werner Loose: Das System Mauss. In: Die Welt, 31. Juli 1998.
  3. werner-mauss.de Aus dem Dokumentarfilm von Stephan Lamby im Auftrag des MDR: Der Top Agent „Das geheime Leben des Werner Mauss“, ausgestrahlt von ARD am 17. Februar 1999, NDR am 4. September 2000 und von Phoenix am 12. Februar 2002
  4. Wochenspiegel, 10. Juni 1998; auf werner-mauss.de
  5. detektiv-report.de
  6. Der Detektiv und die Dreckskerle. In: Der Spiegel. Nr. 47, 1985 (online ).
  7. An der Nase. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1985 (online ).
  8. Juwelenraub Düe Auszug aus HÖRFUNKINTERVIEW von Joachim Hagen, NDR vom 18. Juli 2006 mit Werner Mauss
  9. 9,0 9,1 Im Netz von Monsieur. In: Der Spiegel. Nr. 26, 2000 (online ).
  10. Der gekaufte Geheimdienst. In: Der Spiegel. Nr. 47, 1985 (online ).
  11. Urteile nach werner-mauss.de
  12. Brief vom aus dieser Zeit amtierenden Präsident Ernesto Samper, Bogotá, Kolumbien, 29. November 2005 auf werner-mauss.de
  13. Antwort der Bundesregierung auf eine „Kleine Anfrage“ zur Rolle der Bundesregierung im Zusammenhang mit den Aktionen Mauss’ in Kolumbien
  14. werner-mauss.de
  15. Gianna Niewel, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer: Das Phantom. In: Süddeutsche Zeitung, 5. April 2016.


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