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Wellenberg (Turm)


Der Wellenbergturm war vermutlich ein Teil der frühen Stadtbefestigung der Stadt Zürich. Er stand zwischen der heutigen Münsterbrücke und der Quaibrücke auf der Höhe des Schiffländeplatzes in der Limmat und war nur mit einem Boot erreichbar.

Geschichte

Schriftliche Belege über den Bau des massiven Turmes fehlen. Johann Jacob Wagner vom Wellenberg schrieb im Mercurius Helveticus, der zwischen 1684 und 1701 erschien: „… der Wasser-Thurm, so der Wellenberg jezund genennet wird und der ein Gefängnuss ist … Diser war zu den Zeiten der Römeren ein Pharos (Leuchtturm), das ist ein solch Thurm, darauf ein grosses Liecht gesetzt worden, um des Nachts denen Seefahrenden die Strass und Gelegenheit zuweisen.“ [1] Belegt jedoch ist diese Aussage nicht. Ebenso wenig ist bekannt, auf welche Quelle sich Wagner beruft.

Vermutlich wurde der Turm in Zusammenhang mit der ersten Stadtbefestigung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut, um den obersten Limmatraum zu sichern.[2]

Der Name Wellenberg geht auf einen ursprünglichen Besitzer Ritter Wello[2] oder auf den ersten prominenten Gefangenen zurück, Ulrich von Wellenberg. Dieser hauste auf Schloss Wellenberg oberhalb von Felben-Wellhausen und betätigte sich als Raubritter. Als Rache über die wiederholten Überfälle auf zürcherische Kaufleute wurde die Burg 1258 auf Befehl von Rudolf von Habsburg durch einen zürcherischen Stosstrupp gestürmt und niedergebrannt. Ulrich von Wellenberg und seine beiden Neffen wurden dabei gefangengenommen, nach Zürich verschleppt und bis zur Leistung der Urfehde im Wellenberg eingekerkert.

Seine Funktion als Gefängnis wird auch im Richtebrief von 1304 erwähnt,[3] in dem der damalige Zürcher Stadtschreiber Nikolaus Mangold die wichtigsten Gesetze der Stadt Zürich in einem Buch zusammengetragen hatte.

1778 wurde auf der Nordseite ein Vorgebäude mit zwei Verhörzimmern angebaut. Während der Besatzung durch französische Truppen 1789/99 diente der Turm als Gefängnis für Disziplinarstrafen. 1799 brannte der Turm durch Unvorsichtigkeit einiger Arrestanten grösstenteils aus. Er blieb für einige Jahre Ruine, bis er 1804 wieder mit einem Dach versehen und instand gesetzt wurde. Der weitgehende Umbau des Klosters Oetenbach zur kantonalen Strafanstalt in den Jahren 1830–34[4] machten den Wellenberg als Gefängnis überflüssig. Zudem wollte man die Abflussgeschwindigkeit der Limmat aus dem See erhöhen.

Vor seinem Abbruch konnte der Wellenberg eine Zeitlang von allen Interessierten besichtigt werden. Abgebrochen wurde er 1837. Steine des Turmes wurden zum Bau der Quaianlagen und der Münsterbrücke verwendet, die am 20. August 1838 eingeweiht wurde. Auf den noch vorhandenen Fundamenten des Wellenbergs wurde ein Feuerwerk abgebrannt.[5]

Insassen

Prominente Gefangene im Wellenberg waren 1489 der Bürgermeister Hans Waldmann, 1350 im Anschluss an die Mordnacht von Zürich Graf Johann II. (Habsburg-Laufenburg), Freiherr Johannes von Bonstetten,[6] 1526 der Täufer Felix Manz sowie der Zürcher Pfarrer und Statistiker Johann Heinrich Waser (1742–1780), der nach einem umstrittenen Prozess enthauptet wurde.[7]

Im Turm wurden auch die 75 Frauen und vier Männer, die in Zürich der Hexerei angeklagt worden waren, eingesperrt und gefoltert. Nach dem Urteil wurden sie auf einer Kiesbank in der Sihl bei lebendigem Leib verbrannt.[8][9]

Baubeschreibung

Im Winterthurer Hausfreund-Kalender aus dem Jahr 1840 wird die Höhe des Turmes mit 50 Fuss angegeben, was etwa 15 Metern entspricht. Länge und Breite sollen je 30 Fuss, also 9 Meter betragen haben. Die Mauerdicke verjüngte sich nach oben von beachtlichen 8 Fuss (2,4 m) auf 5 Fuss (1,5 Meter) unter dem Dach. Bis zu einer Höhe von 2,5 Metern bestand der Turm aus massiven Quadersteinen, weiter oben werden Bruchsteine verwendet worden sein. Das Dach des Wellenbergs war mit Holzschindeln bedeckt.

Einrichtung

Die neun Zellen waren auf drei Böden verteilt. Die oberen Stockwerke enthielten helle Gemächer, von denen zwei sogar mit einem Ofen geheizt werden konnten. Im Untergeschoss waren zwei dunkle Löcher ohne Tageslicht, in denen die Gefangenen kaum aufrecht stehen konnten. Als Verpflegung gab es hier nur Wasser und Brot, während die Gefangenen in den oberen Räumen zwei- bis dreimal täglich eine warme Mahlzeit erhielten. Auf dem Dachboden lag ein kleiner hölzerner Käfig, der ebenfalls zur Aufnahme widerspenstiger Gefangener diente, aber nicht oft gebraucht wurde. Mit einem Warenaufzug konnten Lasten in die oberen Stockwerke gehoben werden. Im Erdgeschoss stand ein grosser hölzerner Pfosten, an den Gefangene gebunden werden konnten.[6] Nichts wurde gespart, um sowohl für die Sicherheit als für die Gesundheit der Gefangenen zu sorgen … schreibt der Hausfreundkalender 1840.

Weblinks

 Commons: Wellenberg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Turicum, Vitudurum, Iuliomagus, Werdverlag Zürich 1988, S. 50
  2. 2,0 2,1 Gang dur Züri
  3. Richtebrief
  4. Thomas Germann: Zürich im Zeitraffer , Band 2, S. 34, 46, Werd Verlag, Zürich 1997, ISBN 3-85932-322-9
  5. Thomas Germann: Zürich im Zeitraffer , Band 2, S. 44
  6. 6,0 6,1 Hausfreund Kalender Winterthur, 1840, Zentralbibliothek Zürich
  7. Waser
  8. Tages-Anzeiger (5. November 2013): Denkmal für die Zürcher Opfer von Hexenverfolgungen , abgerufen am 5. November 2013
  9. Otto Sigg: Hexenprozesse mit Todesurteil: Justizmorde der Zunftstadt Zürich. 2. Auflage. Selbstverlag, Zürich 2013, ISBN 978-3-907496-79-4.

Kategorien: Abgegangenes Bauwerk in Zürich | Wehrturm in der Schweiz | Gefängnisturm | Zerstört in den 1830er Jahren | Turm in Europa

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Wellenberg (Turm) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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