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Weende (Göttingen)


Weende
Höhe: 150–300 m ü. NN
Fläche: 9,73 km²
Einwohner: 18.204 (2015)
Bevölkerungsdichte: 1.871 Einwohner/km²
Eingemeindung: 4. Juli 1964
Postleitzahlen: 37075, 37077
Vorwahl: 0551

Die Göttinger Stadtbezirke

Weende ist ein nördlicher Stadtteil der niedersächsischen Universitätsstadt Göttingen. Er bildet zusammen mit Deppoldshausen eine Ortschaft im Sinne des niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes.

Geographie

Weende liegt im Norden Göttingens auf dem Osthang des Leinegrabens.

Weende ist einer der einwohnerreichsten Stadtteile der Universitätsstadt Göttingen. Die angrenzenden Stadtteile sind die Weststadt mit dem Holtenser Berg und Holtensen im Westen auf der anderen Seite der Bahnstrecke und der Leine. Nikolausberg und Deppoldshausen liegen, durch Agrarflächen getrennt, im Osten und die Nordstadt im Süden. Mit der Nordstadt ist Weende mittlerweile zusammengewachsen. Nördlich von Weende befindet sich der Kernort der Gemeinde Bovenden.

Name

Der Name „Weende“ bedeutet ursprünglich „Stelle, an der Weideland vorhanden ist (Weideort, Weideplatz)“. Ältere Namensformen von Weende sind Uuinide (Jahr 966, vermutlich erste urkundliche Erwähnung)[1], Winithi (1004, etymologisch ursprüngliche Namensform)[2], Venede (1251), Wende(n) (ab 1309), Weende Dorf (um 1616). Der Name wurde auf den durch Weende fließenden Bach Weende (auch Weendebach genannt) übertragen, der bei Nörten-Hardenberg in die Leine mündet und damit zum Flusssystem der Weser gehört. Auch der Bach Lutter fließt im Süden (entlang der Bundesstraße 27) durch Weende und mündet westlich des Ortes an der Nordseite in die Leine.

Geschichte und Struktur

Erstmals wurde Weende wahrscheinlich um 966 urkundlich erwähnt. Dies geschah, als in jenem Jahr Kaiser Otto I. aus seinem Grundbesitz dem Kloster Enger je zwei Hufen Land in Lenglern und Winidi schenkte. Dieser Besitz kam später, wie eine Verleihung aus dem Jahr 1394 erkennen lässt, an das Kloster Helmarshausen, das wiederum sein Besitz als Lehen veräußerte, jedoch die Rechte an der sogenannten „Weender-Mühle“ bis 1852 aufrechterhielt.[3] Neben den Klöstern Enger und Helmershausen verfügte auch das Kloster Hilwartshausen über Grundbesitz in Weende, wie 1003 aus einer Auflassung seiner Güter durch die Stifterinnen des Klosters bestätigt wird. Mitte des 12. Jahrhunderts übergab die Äbtissin Eilika von Ringelheim dem Bistum Hildesheim ein Vorwerk in Weende als Schenkung. Um 1180 wurde das Augustinerinnen-Kloster gegründet, welches hierher von seiner ursprünglichen Lage in Nikolausberg verlegt wurde. Auf Drängen der FDP-Ratsfraktion wurde in den 1970er Jahren der Südteil des Klosterparks mit Baumbestand in ein Industriegebiet mit Kleinbetrieben (Schlosserei, Druckerei, Klempner, Rollladen-Bau) umgewandelt. Nur ein Teil der Mauer blieb ohne Verbindung zum ursprünglichen Parkgebiet erhalten.

Von der früheren dörflichen Struktur ist nur noch wenig übrig, die meisten ursprünglich landwirtschaftlich genutzten Gebäude sind heute umgenutzt oder abgetragen. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich Weende zu einer Vorort- und Wohnstadt mit größeren Industrieansiedlungen (Hindalco Industries (ehemals Novelis, davor Alcan Aluminium), Holz-Henkel, Huhtamaki (ehemals Rube)) entwickelt. Lediglich im nordöstlich angrenzenden Deppoldshausen – im Wesentlichen aus den Gebäuden eines Aussiedlerhofs bestehend – herrscht eine ländlich geprägte Bauweise mit Höfen und großflächigen Feldern vor.

Bis zu seiner Eingemeindung am 4. Juli 1964[4] war Weende eine eigenständige Gemeinde.

Weende hat eine umfangreiche Infrastruktur: Universitätsbereich-Nord, Geschäfte (Supermärkte, Baumarkt, Elektro-Großmärkte, Möbelhäuser und Vertretungen fast aller großen Autohersteller), zwei evangelisch-lutherische und eine römisch-katholische Kirchengemeinde.

Neben dem Altdorf gehören folgende neuere Siedlungen zu Weende:

  • Weende Nord: Einwohnermäßig größter Teil Weendes (2.922 Einwohner), ehemaliges Neubaugebiet, das in den 1970ern bis 1990er Jahren entstanden ist.
  • Papenberg: in den 1960er bis 1990er Jahren entstandene Neubausiedlung am Göttinger Klinikum
  • Stumpfe Eiche: Seit den 1980er Jahren entstandene Neubausiedlung östlich zwischen Weende Altdorf und dem Universitätsbereich Nord, in der Nähe der Göttinger Polizeiinspektion.

Bauwerke

Kirchliche und klösterliche Bauten

Klostergelände

Das eigentliche Kloster Weende ist nicht erhalten. Von dem durch die Reformation abgetrennten Klostergut sind heute noch Reste am Klosterpark zu sehen, die allerdings nicht mehr aus dem Mittelalter, sondern aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen. Beispiele sind ein Teil der unter Denkmalschutz stehenden Mauer, die Torhäuser, Landarbeiterquartiere und das Amtshaus. Das Amtshaus des ehemaligen Klosterguts wurde auf Betreiben des Klosteramtmanns Cleve nach Plänen des Baumeisters Schaedler 1752–1756 als schlichter, symmetrischer Massivbau mit Mittelrisalit erbaut.

Evangelische Kirche St. Petri

Die evangelische St.-Petri-Kirche ist mit ihrem wahrscheinlich etwa 1180 errichteten romanischen Kirchturm das älteste intakte Bauwerk in der Umgebung. Der Dachreiter auf dem Satteldach ist jedoch erheblich jünger. Das Kirchenschiff wurde 1758–60 grundlegend renoviert bzw. unter Verwendung älterer Teile umgebaut und erhielt barocke Fenster und Portale. Auch die Innenausstattung mit Kanzelaltar und Emporen stammt aus dieser Zeit. Im Turm wurde 1773 ein Erbbegräbnis der Familie des Oberamtmanns Schlemm aus Harste eingerichtet.

Evangelische Christophoruskirche

Ebenfalls zu Weende gehört die Christophoruskirche, die 1961 bis 1964 erbaut wurde. Der Entwurf der Kirche sowie der Entwurf vieler Einrichtungsgegenstände stammte von Olaf Andreas Gulbransson. Das Dach besteht aus einer in zwei Richtungen gekrümmten Fläche, die mit Kupferblech eingedeckt ist. An der Ostwand der Christophoruskirche befindet sich die Malerei Die schwarze Sonne von Adi Holzer.[5] Aufgrund statischer Probleme musste der Kirchenraum vor einiger Zeit für die Öffentlichkeit gesperrt werden.

Katholische Kirche St. Vinzenz

Am 18. April 1960 legte Domkapitular und Dechant R. Marheineke den Grundstein der Pfarrkirche St. Vinzenz für die mit ca. 5000 Mitgliedern größte katholische Kirchengemeinde in Göttingen. Am 18. Dezember 1960 wurde die Kirche durch Bischof Heinrich Maria Janssen geweiht. Sie trägt den Namen des hl. Vinzenz von Paul (Patronatstag am 27. September). Im Zuge der Umsetzung des Eckpunktepapieres „2020“ fusionierten die bis 31. August 2008 selbstständigen Pfarrgemeinden „St. Vinzenz, Göttingen“ und „St. Paulus, Göttingen“ mit Wirkung zum 1. September 2008 (0:00 Uhr) zu einer neu errichteten Gemeinde, die den Namen „Katholische Pfarrgemeinde St. Paulus, Göttingen“ trägt. Die Mitgliederzahl beträgt ca. 8800 Katholiken.

Wenn man die Kirche betritt, fällt der Blick auf das Altarbild „Die Emmausjünger“. Es ist ein Sgraffito (Kratzputz) mit Mosaikeinlage. Die Darstellung zeigt den Auferstandenen in Emmaus beim Brechen des Brotes zwischen den beiden Jüngern. Dieses Altarbild wurde 1988 durch den Künstler Hanns Joachim Klug aus Hannover neu gestaltet. Dabei kam das goldene Kreuz als Hintergrund hinzu. Die Farbe (seit 2008 von grün auf weiß geändert) der Rückwand setzt sich als Band an den Seitenwänden bis in den Eingangsbereich fort. Es soll die Geschlossenheit des Raumes, der wie ein Schiffsrumpf wirkt, verdeutlichen.

Der Tabernakel, ebenfalls von Klug entworfen, hat in seinen Türen eingearbeitete Rosenquarze und Bergkristalle aus dem Atlasgebirge.

Die Holzschnitzmadonna zeigt „Maria, die in die Gemeinde schreitet“. Sie wurde gestiftet von einem Stalingrad-Überlebenden. Dieser hatte gelobt, bei glücklicher Heimkehr zur Familie einer Diasporagemeinde eine Madonna zu schenken.

Der Kreuzweg in den Fensternischen und die Krippe, die in der Weihnachtszeit aufgestellt wird, sind Holzschnitzarbeiten aus Oberammergau.

An der Rückwand, im Eingangsbereich der Kirche, steht eine Pietà. Sie ist die Kopie einer Schmerzensmutter aus dem Bodenseeraum aus dem 15. Jahrhundert. Seit 1996 hat die Kirche eine neue Orgel, gebaut von der Fa. Sauer, Höxter-Ottbergen.

Außerdem verfügt die Kirche über eine Seitenkapelle, die oft für Werktagsgottesdienste und für die Kinderkirche (2x sonntags im Monat) genutzt wird. In der Kapelle hängt ein Relief des heiligen Antonius mit dem lächelnden Jesuskind im Arm.

Die Kirchengemeinde ist geprägt durch das universitäre Klima in der Stadt, wobei sich dort Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten beheimatet fühlen. Das Einzugsgebiet des Kirchortes St. Vinzenz umfasst den nördlichen Teil der Stadt mit den Ortsteilen Weende, Nikolausberg, Herberhausen und Roringen sowie die Gemeindeteile des Fleckens Bovenden mit Lenglern und Eddigehausen.[6]

Politik

Der Ortsrat von Weende/Deppoldshausen hat 13 Mitglieder und drei beratende Mitglieder. Ortsbürgermeister ist Hans-Albert Ludolph (SPD).[7]

Söhne und Töchter der Stadt

Literatur

  • Walter Nissen: Das tausendjährige Weende. Göttingen 1966.
  • Ernst Böhme, Michael Scholz, Jens Wehner: Dorf und Kloster Weende von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert. Göttingen 1992.
  • Uta Schäfer-Richter: Eine Arbeitervorstadt entsteht. Weendes Weg in das Industriezeitalter (1830-1918). Wallstein-Verlag, Göttingen 1998. ISBN 3-89244-318-1
  • Sylvia Möhle: Von der Arbeitervorstadt zum Göttinger Ortsteil: Weende im 20. Jahrhundert. Wallstein-Verlag, Göttingen 2009. ISBN 3-83530-568-9

Weblinks

 Commons: Göttingen-Weende  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Urkunde der vermutlichen Ersterwähnung bei Google Books
  2. Kirstin Casemir, Uwe Ohainski, Jürgen Udolph: Die Ortsnamen des Landkreises Göttingen. In: Jürgen Udolph: Niedersächsisches Ortsnamenbuch (NOB), Teil IV. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2003, ISSN 0436-1229 , ISBN 3-89534-494-X, S. 411ff
  3. Otto Fahlbusch: Der Grundbesitz und die Grundbesitzer des Dorfes Weende. In: Stadt Göttingen (Hrsg.): Das tausendjährige Weende. 1966, S. 27.
  4. Göttingen-Gesetz (PDF; 12 kB)
  5. Siehe die Veröffentlichung von Antje Roggenkamp: Artefakte im Kirchenraum. Kirchenraumpädagogische Überlegungen. (PDF; 465 kB) In: Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik 9 (2010), H.2, 150-198.
  6. Katholische Pfarrgemeinde St. Paulus Göttingen – St. Vinzenz. Abgerufen am 3. November 2010.
  7. Ortsräte im Ratsinformationssystem der Stadt Göttingen

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Weende (Göttingen) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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