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Wasserschloss Darfeld


Das Wasserschloss Darfeld (überwiegend Schloss Darfeld, auch Haus Darfeld) ist ein Gutshaus, ehem. Rittersitz, ehem. Amtssitz und Baudenkmal in der Bauerschaft Netter bei dem Dorf Darfeld in der Gemeinde Rosendahl, Kreis Coesfeld, Nordrhein-Westfalen, auf 95 m Meereshöhe. Es wurde nach einem Brand im Jahr 1899 schwer beschädigt und in den Jahren 1902–1904 in der heutigen Form wieder aufgebaut. Aus der Bauzeit 1612–1618 ist vor allem die manieristische Fassade zum Innenhof erhalten.

Besitzer

Erste Besitzer und wohl auch Gründer der Anlage waren die Ritter von Darfeld, die in der Zeit von 1092 bis 1290 urkundlich belegt sind und Ministerialen des Hochstifts Münster waren.

1553 besaß die Adelsfamilie von Vörden das Anwesen. Jobst von Vörden ließ als erster ein Schloss an dieser Stelle erbauen, über dessen Gestaltung keine Erkenntnisse vorliegen. Sein Nachfolger Johann Heinrich, der Domscholaster in Münster geworden war, verkaufte 1651 das Gut an den Grafen Adrian von Flodorf.

Graf Adrian von Flodorf stand persönlich im Streit mit dem Bischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen. Dieser Streit wirkte sich sogar negativ auf die politischen Beziehungen des Hochstifts Münster zu den Vereinigten Niederlanden aus. Wegen dieser Gegensätze und weil der Graf den Kaufpreis nicht zahlen wollte, fiel Schloss Darfeld zunächst an den Verkäufer zurück. 1659 besaß Christoph Bernhard als Lehnsherr das Schloss. Doch erst 1679 schloss der Hauptmann Dietrich Ludolf von Galen zu Ermelinghof einen abschließenden Vergleich mit Flodorf.

1680 erwarb der Dombursar Goswin Droste zu Vischering, nachdem er bereits nach und nach die Rentenbriefe über das Gut angekauft hatte, das Gut endgültig. Nach dessen Tod gelangte es 1690 an die Stammlinie der für die Geschichte des Bistums Münster sehr bedeutsamen Familie Droste zu Vischering, die es bald zu ihrem Hauptsitz machte.

Beschreibung

Die Schlossanlage besteht aus der Hauptburg und einer Vorburg. Beide liegen auf Inseln in einer Gräfte, die durch den Aufstau des Burloer Baches entstand. An der Staustelle wurde wohl gleichzeitig mit der Gründung der Anlage eine Wassermühle errichtet, deren Nachfolgebau noch heute (2012) an gleicher Stelle steht. Die Hauptburg ist über zwei Brücken auf dem Weg über die Vorburg erschlossen. Die Lage in einem Wassergraben diente ebenso der Verteidigung wie die Anlage einer Vorburg, die ursprünglich die Aufgaben eines Zwingers erfüllte. Dieses Konzept hat starke Ähnlichkeit mit der Anlage des 17 km nördlich gelegenen Schlosses Burgsteinfurt. Die ursprünglichen Wehrbauten auf den Inseln sind durch den Bau repräsentativer Wohnbauten nahezu vollständig verschwunden. Einzig der starke Eckturm kann als Rest eines Wehrturms angesehen werden.

Außerhalb der Gräfte liegen zwei symmetrisch auf die Zufahrt zur Vorburg ausgerichtete Wirtschaftsgebäude. An das nördliche schließen ein Fachwerkhaus mit einem Dielentor, die alte Försterei und die Mühle an. Südlich entwickelt sich der Schlosspark, der in einen Forst überleitet.

Hauptburg

Die Hauptburg umgibt auf drei Seiten einen Innenhof, auch Arkadenhof genannt, und besteht aus dem Herrenhaus, dem Galeriebau und der Kapelle.

Herrenhaus

Das Herrenhaus wurde nach dem Brand von 1899 von dem Architekten Hermann Schaedtler 1902–1904 wieder errichtet. Wie viele seiner Werke hat er auch dieses im Baustil der Neorenaissance entworfen. Von dem älteren Vorgängerbau übernahm er Elemente der Gestaltung und einige Bauteile, insbesondere den äußeren Eckturm im Südwesten. Ein 1904 zusätzlich angebauter Querflügel, der das Haus nördlich abschloss, wurde 1968 wieder abgebrochen.

Galeriebau

Der Galeriebau wurde 1612 von Gerhard Gröninger begonnen und 1618 beendet, wie aus einer Inschrift an der Tordurchfahrt im Arkadenhof hervorgeht. Der Bau wurde jedoch nicht von ihm vollendet, da in einem Gerichtsverfahren mit dem Bauherrn Jobst von Vörden erhebliche Mängel hinsichtlich der Funktion, der künstlerischen Gestaltung und bautechnischen Ausführung festgestellt wurden. Es wird nicht ausgeschlossen, dass - wie früher angenommen - der Bau ursprünglich als Teil einer achteckigen Anlage um einen Innenhof herum konzipiert war, wie der stumpfwinklige Grundriss nahelegt. Jedoch wird nunmehr eher von der Absicht ausgegangen, einen Seitenflügel des Herrenhauses als Verbindung zu anderen Bauten auf der Hauptburg zu errichten.

Der zweigeschossige Bau ist eine Rekonstruktion des Vorgängerbaues, die jedoch von dem Architekten im Detail aufwendiger ausgestaltet wurde. Von dem älteren Bauwerk waren noch die Front zum Innenhof aus Baumberger Sandstein mit der gewölbten Laube im Erdgeschoss und dem Treppenturm im Winkel zum Flügel mit der Kapelle ebenso wie der Mittelteil der südlichen Außenwand mit dem Tor, dem Rahmen für die Zugbrücke und dem Wappen erhalten geblieben und wurden von Schaedtler in den Neubau integriert.

Die Fassade zum Innenhof ist noch aus dem Bau von 1618 erhalten und besteht aus zwei übereinander gestellten Arkaden, die untere höhere mit Säulen mit ionischen Kapitellen, die obere zierlichere mit korinthischen. Die Vorlage der Säulen betont die Pfeiler der Bögen, wie man es bereits in dem Entwurf einer Hausfassade von Jacques Ducerceau aus dem Jahr 1534 finden kann. Die mittlere Achse mit der Tordurchfahrt ist breiter als die übrigen, aber von zwei schmaleren flankiert. Hier finden sich Spitzbögen; die übrigen Bögen sind Rundbögen. Die scheinbar abgleitenden Schlusssteine tragen Puttenköpfe, ebenso wie die Bogenzwickel.

Insgesamt ist das Obergeschoss aufwendiger verziert als das Erdgeschoss. Dort stehen die zierlicheren Säulen mit größerem Abstand vor den Bogenpfeilern, die mit Beschlagwerk besetzt sind. Die hohen Postamente der Säulen sind im Erdgeschoss glatt, tragen im Obergeschoss aber an der Frontseite Masken, an den anderen Seiten Beschlagwerk.

Die Zwerchgiebel und die Balustrade im Dachbereich wurden erst nach 1899 hinzugefügt. Die Verglasung im Obergeschoss ist ebenso beim Wiederaufbau vorgenommen worden.

Kapelle

Die Kapelle ist durch einen kurzen Zwischenbau an den Galeriebau angebunden. Sie ist dem Hl. Antonius von Padua geweiht und von Hilger Hertel d.Ä. im Jahr 1873 im Stil der Neuromanik als Ersatz für einen Vorgängerbau aus Fachwerk erbaut worden. Der Saalbau aus Sandstein wurde eine halbrunde Apsis angebaut. Die Innenausstattung aus der Bauzeit ist geschlossen erhalten.

Vorburg

Auf der Vorburg befinden sich zwei in Sandstein erbaute, zweigeschossige Gebäude, die die Insel im Westen und Osten begrenzen. Die Fassade des 1867 erbauten Torhauses ist durch teilweise doppelt ausgeführte Rund- und Segmentbögen in Backstein gegliedert. Über der Tordurchfahrt stehen links das Wappen der Droste zu Vischering, rechts der Familie von Galen. Auf dem Bogen der Tordurchfahrt befindet sich eine lateinische Inschrift: In te Domine speravi, non confundar in aeternum (Ende des Te Deum).

Nebengebäude

Wirtschaftsgebäude

Sie stammen aus dem 18. Jahrhundert; die Zuschreibung an Johann Conrad Schlaun ist unsicher, liegt jedoch nahe, da er auch für das Gartenhaus im Schlosspark verantwortlich ist. Die Gebäude dienten, und dienen - erheblich umgebaut - überwiegend Zwecken der Landwirtschaft und Forstwirtschaft.

Die Wassermühle am Nordende des Teiches wurde vielfach umgebaut und wird heute (2012) nicht mehr als solche genutzt. Ein Wasserrad ist noch vorhanden.

Wohnhäuser

An den Hof des großen Wirtschaftsgebäudes ist ein giebelständiger Vierständerbau aus Fachwerkmit einem Dielentor angebaut, der ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt. Gleich nebenan befindet sich die traufenständige alte Försterei an, ein Backsteinbau des 18. Jahrhunderts. Sie diente zeitweilig als Vikarie.

Schlosspark

Südlich der Vorburg liegt der Schlosspark mit angrenzendem Forst. Er ist ein Landschaftsgarten, der weitläufig angelegt ist, mit Teichen, die teilweise eine Insel umschließen, und einem Baumhügel sowie einem aus Hainbuchen gebildeten Laubengang, der vermutlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt. Von der vorausgegangenen barocken Anlage sind noch einige Skulpturen erhalten.

Am Ende einer Allee befindet sich ein Gartenhaus, Antoinettenburg genannt. Es ist mit der Jahreszahl 1757 gekennzeichnet und stammt von Schlaun. Der Backsteinbau ist mit Werksteinen gegliedert und trägt ein Mansardwalmdach aus Schiefer.

Funktion

Das Schloss Darfeld erfüllte in den verschiedenen Zeitabschnitten folgende Funktionen:

  • ca. 1050–1550
  • ca. 1550–1690
  • 1690 bis 1802
    • Sitz des Grundherrn der Grundherrschaften Haus Darfeld, Haus Asbeck usw. (siehe Besitzliste unten bei dem Archiv)
    • landtagsfähiges Rittergut des Hochstifts Münster
    • Amtssitz des Erbdrosten des Hochstifts Münster
    • Amtssitz des Amtsdrosten der Ämter Ahaus und Horstmar des Hochstifts Münster
    • Wohnsitz der Familie Droste zu Vischering
  • 1802–1830
    • Wohnsitz der Familie Droste zu Vischering
  • 1830–1886
  • 1887–1942
    • Wohnsitz der Familie Droste zu Vischering
  • 1942–1963
  • 1963-
    • Wohnsitz der Familie Droste zu Vischering

Touristik

Schloss Darfeld gehört zu den eindrucksvollsten Erscheinungen auf der 100-Schlösser-Route durch das Münsterland. Mit dem Schloss Burgsteinfurt teilt es den Charakter einer ursprünglichen Wehranlage auf zwei Inseln mit repräsentativen Wohnbauten des Adels. Wie viele andere Schlösser im Münsterland ist Schloss Darfeld heute (2012) in Privatbesitz und wird bewohnt. Daher ist Schloss Darfeld nur von außen aus der Ferne über die Teichanlage hinweg zu besichtigen, der Schlosspark ist nicht öffentlich zugänglich. Führungen werden nicht angeboten.

Literatur

  • A. Ludorff: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Coesfeld. - Münster i.W. 1913
  • Josef Häming: Die Matrikel der ritterschaftlichen Güter in der Provinz Westfalen 1830–1886 und Nachweis ihrer Archive. - in: Wolfgang Bockhorst (Hrsg.): Tradita Westphaliae. - Münster : Landschaftsverband, 1987
  • Bernhard Feldmann: Die Höfe des Münsterlandes und ihre grundherrlichen Verhältnisse. - in: Beiträge zur westfälischen Familienforschung 52 (1994)
  • Marcus Weidner: Die Matrikel der landtagsfähigen (und "dubiosen") Häuser des Fürstbistums Münster von 1704. - in: Westfälische Zeitschrift 147 (1997) S. 143
  • Handbuch der historischen Stätten, Bd. 3 Nordrhein-Westfalen, 3. Aufl. Stuttgart 2006
  • Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen II, Westfalen, Berlin u.a. 2011
  • Wolfgang Bockhorst (Hrsg.): Adelsarchive in Westfalen. - 3. Aufl., Münster 2012

Weblinks

 Commons: Wasserschloss Darfeld  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Schloss im Münsterland | Wasserschloss in Nordrhein-Westfalen | Schloss im Kreis Coesfeld | Baudenkmal in Rosendahl

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