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Walter Simons


Walter Simons (* 24. September 1861 in Elberfeld; † 14. Juli 1937 in Nowawes, Nähe Potsdam) war ein deutscher Jurist und parteiloser Politiker. Nachdem er als Außenminister Mitglied der Reichsregierung gewesen war, diente er von 1922 bis 1929 als Präsident des Reichsgerichts. Im Jahr 1925 übte er provisorisch das Amt des Reichspräsidenten aus.

Leben

Walter Simons wurde als Sohn des Fabrikbesitzers Louis Simons (1831–1905) und seiner Frau Helene geb. Kyllmann (* 1842) in Elberfeld (Rheinprovinz) geboren. Mütterlicherseits war er Enkel des Kaufmanns und Politikers Gottlieb Kyllmann (1803–1878) und Neffe des Architekten Walter Kyllmann (1837–1913). Väterlicherseits war er Enkel des Unternehmers Friedrich Wilhelm Simons-Köhler (1802–1856) und Großneffe des preußischen Justizministers Ludwig Simons (1803–1870). Ferner war er ein Schüler des Juristen Rudolph Sohm, vom Humanismus gebildet und vom lutherischen Pietismus geprägt.

Nach dem Studium von Geschichte, Philosophie, Recht und Nationalökonomie in Straßburg, Leipzig und Bonn begann er seine juristische Karriere 1882 als Rechtsreferendar und wurde 1893 erster Amtsrichter in Velbert. Nach Positionen am Reichsjustizamt 1905 und am Auswärtigen Amt 1911 wurde Simons im Oktober 1918 Chef der Reichskanzlei. Er war Generalkommissar der deutschen Friedensdelegation in Versailles und trat zurück, weil er den Versailler Vertrag ablehnte. 1919/1920 war Simons leitender Geschäftsführer im Reichsverband der Deutschen Industrie.[1]

Vom 25. Juni 1920 bis zum 4. Mai 1921 war Walter Simons parteiloser Außenminister der Weimarer Republik im Kabinett Fehrenbach, der eine Regierungskoalition aus Zentrum, DDP und DVP führte. Simons vertrat als Außenminister Deutschland bei der Konferenz von Spa im Juli 1920 und der Konferenz von London im März 1921. Zugleich leitete er auf beiden Konferenzen die deutsche Delegation.

Simons war von 1922 bis 1929 Präsident des Reichsgerichts in Leipzig, ernannt vom sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Ebert starb am 11. März 1925; gemäß Art. 51 Weimarer Reichsverfassung nahm der Präsident des Reichsgerichts provisorisch die Aufgaben des Reichspräsidenten wahr. Am 12. Mai 1925 wurde Paul von Hindenburg als neuer Reichspräsident vereidigt. Im Vorfeld der Reichspräsidentenwahl 1925 war Simons mehrfach als Kandidat im Gespräch, die entsprechenden Überlegungen unterschiedlichster Parteienkonstellationen zerschlugen sich jedoch jeweils.

Im November 1926 hielt Simons einen vielbeachteten Vortrag über die „Vertrauenskrise der deutschen Justiz“. Darin drehte er die Vorwürfe von Sozialdemokraten und Demokraten gegen einseitig rechtsgerichtete Urteile der Weimarer Justiz einfach um und sprach über eine „Krise des Vertrauens der Justiz zum deutschen Staat“, ausgelöst durch eine Demokraten bevorzugende Personalpolitik. Er griff speziell den von Hugo Sinzheimer, Robert Kempner, Fritz Bauer und Ernst Fraenkel gegründeten Republikanischen Richterbund an: Sozialdemokraten könnten, so Simons, aufgrund »innerer Hemmnisse« niemals Richter sein, da sie weniger dem Recht als dem Klassenkampf verpflichtet seien. Justizminister Gustav Radbruch (SPD) entgegnete ihm in der sich anschließenden Kontroverse, schädlicher als der sozialdemokratische Klassenkampf von unten sei der Klassenkampf von oben, da er unbewusst verlaufe und damit der Selbstkontrolle und Selbstkritik entzogen sei.[2]

Sein Amt am Reichsgericht legte er 1929 aus Protest gegen eine seiner Ansicht nach verfassungswidrige Einmischung der Reichsregierung in ein schwebendes Verfahren nieder. Ab 1929 war Simons Professor für Völkerrecht in Leipzig.

Außerdem war er Mitglied des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses und von 1925 bis 1935 Präsident des Evangelisch-Sozialen Kongresses. Simons vertrat die lutherische Konfession auch international öffentlich auf der Stockholmer Konferenz 1925.

Simons bildete gemeinsam mit Hans von Seeckt und Wilhelm Solf den Vorstand des SeSiSo-Clubs, der im Berliner Hotel Kaiserhof kulturelle Veranstaltungen für das liberale Bildungsbürgertum veranstaltete, häufig gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft 1914, deren Vorsitzender Wilhelm Solf war. So ein Treffen fand auch zum Zeitpunkt der Machtübergabe an Adolf Hitler statt, als Harry Graf Kessler im Hotel Kaiserhof den Clubmitgliedern einen Vortrag hielt. Die ehemaligen Angehörigen des SeSiSo-Clubs bildeten später zu weiten Teilen die Widerstandsgruppe Solf-Kreis.[3]

Walter Simons war der Vater des Juristen Hans Simons, Schwiegervater des Staatsrechtlers Ernst Rudolf Huber und Großvater des Theologen Wolfgang Huber. Sein Grab befindet sich auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf.

Auszeichnungen und Ehrungen

Simons ist der einzige Deutsche, den Nathan Söderblom in seiner Nobelpreisrede von 1930 als Förderer des Friedens in seiner Generation erwähnt[4].

Werke

  • Christentum und Verbrechen, 1925
  • Religion und Recht (Vorlesungen gehalten an der Universität Uppsala), Berlin-Tempelhof 1936
  • Kirchenvolk und Staatsvolk, Leipziger rechtswissenschaftliche Studien Bd. 100, Leipzig 1937

Literatur

Einzelnachweise

  1. Moritz Julius Bonn: So macht man Geschichte. Bilanz eines Lebens. List, München 1953, S. 247.
  2. Daniel Siemens: Die »Vertrauenskrise der Justiz« in der Weimarer Republik, S. 154. In: Die »Krise« der Weimarer Republik, hg. v. M. Föllner u. R. Graf, Frankfurt/M. 2005 (Campus); Benjamin Lahusen: Aus Juristen Demokraten machen. In: Die Zeit 5. November 2009
  3. Eberhard von Vietsch: Wilhelm Solf - Botschafter zwischen den Zeiten
  4. online

Weblinks

 Commons: Walter Simons  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

VorgängerAmtNachfolger
Julius SmendPräsident der Neuen Bachgesellschaft
1930–1936
Erwin Bumke


Kategorien: Politiker (Wuppertal) | Außenminister (Deutschland) | Ehrenmitglied der Amerikanischen Gesellschaft für internationales Recht | Reichsminister (Weimarer Republik) | Lutheraner | Gestorben 1937 | Geboren 1861 | Hochschullehrer (Universität Leipzig) | Richter (Reichsgericht) | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Walter Simons (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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