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Wachenbuchen


Wachenbuchen
Stadt Maintal
Höhe: 123 m ü. NHN
Einwohner: 3293 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63477
Vorwahl: 06181

Wachenbuchen ist der kleinste Stadtteil von Maintal im Main-Kinzig-Kreis in Hessen.

Geographie

Geographische Lage

Wachenbuchen liegt im östlichen Rhein-Main-Gebiet, ca. 17 Kilometer östlich von Frankfurt am Main und 6 Kilometer nordwestlich der Innenstadt von Hanau auf einer Höhe von 128 m über NN.

Nachbarstädte

Wachenbuchen grenzt im Norden an die Gemeinde Schöneck, im Nordosten an den Hanauer Stadtteil Mittelbuchen. Im Südosten, nach Durchquerung des Forstes, grenzt Wachenbuchen an Hanau-Hohe Tanne und -Wilhelmsbad, im Südwesten an den Maintaler Stadtteil Hochstadt.

Geschichte

Vorgeschichte

Durch die fruchtbaren Böden am südöstlichen Rand der Wetterau war die Wachenbuchener Gemarkung seit der Jungsteinzeit besiedelt. Es fanden sich auch einige bronzezeitliche Grabfunde. Aus der römischen Kaiserzeit stammt ein Hügelgrab mit Brandbestattung am Simmetsweg sowie ein Viergötterstein (Teil einer Jupitergigantensäule), der 1903 bei Bauarbeiten in der Kirche gefunden wurde. Er befindet sich heute im Heimatmuseum Mittelbuchen.[2]

Mittelalter

Die älteste erhaltene Erwähnung der Gemarkung Bucha stammt aus einer Schenkung an das Kloster Lorsch im Jahr 798 und ist im Lorscher Codex überliefert.[3] Der Urkunde ist nicht zu entnehmen, welcher der Buchen-Orte gemeint ist (Wachenbuchen, Mittelbuchen oder einer der schon im Mittelalter zu Wüstungen gewordenen Orte Lützelbuchen oder Oberbuchen). Im Jahre 1998 feierten Maintal-Wachenbuchen und Hanau-Mittelbuchen deshalb das 1200-jährige Jubiläum gemeinsam. Die Orte bildeten das Kerngebiet des späteren Amtes Büchertal in der Herrschaft Hanau, ab 1429: Grafschaft Hanau, nach der Landesteilung von 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg. Namengebend war das Adelsgeschlecht der Herren von Buchen, Vorgänger der Herren und Grafen von Hanau, zu deren Besitz es seit spätestens 1145 gehörte. In der Gemarkung ist als Bodendenkmal die Burg der Herren von Buchen südöstlich des heutigen Ortsrandes erhalten.

Die erste explizite Erwähnung von Wachenbuchen selbst fällt in das Jahr 1243. Reinhard I. von Hanau schenkte dem Kloster Eberbach Besitz in Wachenbuchen[4]

1252 werden ein Pfarrer und eine Kirche erwähnt. Das Patrozinium liegt bei Maria, das Kirchenpatronat steht den Herren und späteren Grafen von Isenburg zu. Kirchliche Mittelbehörde war vor der Reformation das Archidiakonat des Propstes von St. Maria ad Gradus in Mainz, Landkapitel Roßdorf.

Historische Namensformen

In erhaltenen Urkunden wurde Wachenbuchen unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[5]

  • Waggenbuche (1243)
  • Wachenbuchen (1266)

Neuzeit

In der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt. Dies geschah zunächst im lutherischen Sinn. In einer „zweiten Reformation“, wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft Hanau-Münzenberg weitgehend als verbindlich durch. Die Pfarrei gehörte nachreformatorisch zur „Klasse“ (Dekanat) Büchertal und betreute über lange Strecken im 17. Jahrhundert die Pfarrei Kilianstätten mit.[6]

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Büchertal und Wachenbuchen. 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Büchertal ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau, und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Büchertal im neu gebildeten Kreis Hanau auf. Mit der Annexion Kurhessens durch das Königreich Preußen nach dem verlorenen Krieg von 1866 wurde auch Wachenbuchen preußisch.

Im Jahr 1912 entstand im äußersten Süden von Wachenbuchen die Siedlung Hohe Tanne. Wachenbuchen hatte bis 1933 einen erheblichen Anteil jüdische Bevölkerung (1933 waren 83 Einwohner Mitglieder der jüdischen Gemeinde = 5,7 % von 1.465 Einwohnern), die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Mindestens 46 der jüdischen Einwohner Wachenbuchens wurden in Konzentrationslagern ermordet. Die um 1880 erbaute Wachenbuchener Synagoge wurde im Novemberpogrom 1938 im Inneren zerstört, das Gebäude steht noch an der Ecke Hainstraße / Alt Wachenbuchen und dient heute als Wohnhaus. Ganz zerstört wurde die benachbarte jüdische Schule.

Am 1. Juli 1974 wurde die Gemeinde Wachenbuchen mit den Gemeinden Bischofsheim, Hochstadt und der Stadt Dörnigheim im Zuge der Gebietsreform in Hessen per Gesetz zur neuen Stadt Maintal zusammengefasst.[7] Die Siedlung Hohe Tanne wurde in die Stadt Hanau umgegliedert.

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[5]

  • 1544: 0019 Mann (Schatzungsregister)
  • 1587: 0057 Schützen und 22 Spießer
  • 1632: 0061 Familien[8][9]
  • 1634: 0097 Bedezahler
  • 1646: 0024 Bedezahler
  • 1683: 0056 Bedezahler
  • 1707: 0063 Familien
  • 1754: 0098 Familien = 372 Einwohner (davon 3 Juden)
  • 1895: 0972 Einwohner
  • 1933: 1465 Einwohner
  • 1939: 1630 Einwohner
  • 1961: 2307 Einwohner
  • 1970: 1867 Einwohner
  • 2009: 3262 Einwohner (Stand: 31. Dezember)[10]

Politik

Wappen

Blasonierung: „In Blau eine silberne Buche.“

Wirtschaft

Neben der Landwirtschaft, die wegen der großen Gemarkungsfläche noch heute ein wichtiger Erwerbszweig ist, gab es im Gefolge Schmuckwarenindustrie im benachbarten Hanau bis ins 20. Jahrhundert auch Diamantschleifer. Dazu kam Kleingewerbe des Handwerks und Handels, Berufe, die vor dem Zweiten Weltkrieg zum beträchtlichen Teil von ortsansässigen Juden ausgeübt wurden.

Verkehr und Infrastruktur

Wachenbuchen hat von den Maintaler Stadtteilen die schwächste Infrastruktur. Durch 3 Buslinien ist es mit den anderen Stadtteilen und den Bahnhöfen Maintal Ost, Hanau Hauptbahnhof und in Frankfurt am Main verbunden. Über Landstraßen werden Niederdorfelden, Schöneck, Mittelbuchen, Hochstadt und Hanau erreicht.

Die Grundschule für Wachenbuchen ist die Büchertalschule. Sie liegt zwischen Wachen- und Mittelbuchen.

Sehenswert

Wachenbuchen besaß keine aufwendige Stadtmauer wie etwa die beiden Nachbarorte Hochstadt und Mittelbuchen. Eine kleine Dorfmauer existierte, deren Reste noch am alten Friedhof sichtbar sind. In Nachbarschaft zur Kirche ist heute sehenswert das alte Rathaus von 1555 sowie zahlreiche weitere Fachwerkbauten im alten Ortskern.

Markant ist der durch eine Fernmeldeanlage weithin sichtbare Turm auf dem Hühnerberg, der höchsten Erhebung von Maintal.

Literatur

  • Peter Heckert: Liebenswertes Wachenbuchen. Hanau 1997.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 14, 1926 S. 73 f.
  • Eugen Heinz Sauer: Büchertalgeschichten. Festbuch zur 1200-Jahr-Feier der Stadtteile Hanau-Mittelbuchen und Maintal-Wachenbuchen. Hanau-Mittelbuchen 1997.

Weblinks

 Commons: Wachenbuchen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Einwohnerzahlen im Internetauftritt der Stadt Maintal , abgerufen im April 2016.
  2. Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens csir wurde kein Text angegeben.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 5), Urkunde 3013, 1. Juni 798 – Reg. 2622. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 56, abgerufen am 21. April 2016.
  4. E.H. Sauer (Siehe Literatur, S. 75.).
  5. 5,0 5,1 „Wachenbuchen, Main-Kinzig-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 29. Juni 2015)
  6. Max Aschkewitz: Pfarrergeschichte des Sprengels Hanau („Hanauer Union“) bis 1986, Teil 1 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 33. Marburg 1984, S. 342.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 367.
  8. In den Jahren 1632, 1707 und 1754 wurde in der Grafschaft Hanau die Zahl der Einwohner ermittelt. Diese Zahlen sind hier wiedergegeben nach Erhard Bus: Die Folgen des großen Krieges – der Westen der Grafschaft Hanau-Münzenberg nach dem Westfälischen Frieden. In: Hanauer Geschichtsverein: Der Dreißigjährige Krieg in Hanau und Umgebung = Hanauer Geschichtsblätter 45 (2011), ISBN 978-3-935395-15-9 , S. 277–320 (289 ff).
  9. Wachenbuchen, Gemeinde Maintal. In: Historisches Ortslexikon <http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/12425 > (Stand: 4.November 2010).
  10. Stadt Maintal: Statistische Daten PDF-Datei 14,5 KB

Kategorien: Ort im Main-Kinzig-Kreis | Ehemalige Gemeinde (Main-Kinzig-Kreis) | Maintal

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Wachenbuchen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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