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Württembergischer Kunstverein Stuttgart


Der Württembergische Kunstverein Stuttgart wurde im Jahr 1827 gegründet und ist einer der ältesten Kunstvereine Deutschlands. Der heute rund 4000 Mitglieder zählende Verein ist im Kunstgebäude Stuttgart beheimatet und widmet sich der Vermittlung zeitgenössischer Kunst.[1] Vorsitzende des Württembergischen Kunstvereins, welcher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) angehört, ist seit 2013 die Stuttgarter Kunsthistorikerin Petra von Olschowski.[2]

Geschichte

Zu den Gründervätern des Württembergischen Kunstvereins zählte der Jurist und Maler Carl Urban Keller, der den Verein anfangs als ehrenamtlicher Konservator führte. Das Ziel des Vereins war die Beschäftigung der Bürgertums mit der Kunst sowie der Ankauf, die Ausstellung und die Verlosung von Werken heimischer Künstler. Wie bei anderen damals ins Leben gerufenen Kunstvereinen bestand die Mitgliedschaft im Erwerb von Aktien, mit denen man an der Verlosung teilnehmen und sich somit privat Kunst aneignen konnte.[3]

Der Württembergische Kunstverein ist seit 1913 in dem von Theodor Fischer entworfenen Kunstgebäude am Schloßplatz ansässig und versteht sich seither als Ort der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. In den 1930er Jahren wurde er, wie alle Kunstvereine, unter der nationalsozialistischen Regierung in der Reichskulturkammer gleichgeschaltet. So wurde im März 1933 die erste große Retrospektive Oskar Schlemmers mit dessen Hauptwerk Bauhaustreppe noch vor der Eröffnung durch die neuen Machthaber geschlossen.[4]

Das Kunstgebäude wurde während des Zweiten Weltkriegs nahezu vollständig zerstört. Erst 1961 wird der Wiederaufbau, der mit einem modernen Erweiterungsbau verknüpft ist, abgeschlossen. Mit dem Kunstverein bezog auch die Galerie der Stadt Stuttgart die Räume des Kunstgebäudes, das nun aus dem historischen Komplex mit Kuppelsaal und Galerieräumen, dem neuen von Paul Bonatz und Günther Wilhelm gestalteten sogenannten Vierecksaal, sowie einem gläsernen Verbindungstrakt zwischen Alt- und Neubau besteht.

Im Jahr 2005 ist die Galerie der Stadt Stuttgart aus dem Kunstgebäude ausgezogen, und hat das nur einige hundert Meter entfernte neue Kunstmuseum bezogen. Seit 2012 befindet sich der Württembergische Kunstverein permanent im neuen Komplex des Kunstgebäudes.

Konzeption

Der Württembergische Kunstverein ist ein Ausstellungszentrum für zeitgenössische Malerei, Grafik, Fotografie, Videokunst, Installation, Performance und Architektur. Aktuell setzt der Verein eine Reihe von inhaltlichen Schwerpunkten, welche als Themenhintergrund für das Ausstellungsprogramm sowie für weitere Aktivitäten wie Vorträge, Konferenzen oder die Vergabe von Stipendien dienen.[5]

Von zentraler Bedeutung ist für den Württembergischen Kunstverein die Auseinandersetzung mit den gesellschaftspolitischen Kontexten und Handlungsräumen der zeitgenössischen Kunst. Im Mittelpunkt stehen hier die widerständigen und subversiven Potenziale der Kunst, welche bestehende Ordnungssysteme immer wieder aufzubrechen und neu zu ordnen versuchen. Die kritische Befragung richtet sich dabei insbesondere auf Kontexte wie Architektur und Stadtentwicklung, Ökonomie und Demokratie, Geschlechterforschung und postkoloniale Theorien.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage nach den Formen der Wissensbildung, welche Kunst hervorbringen kann. Kunst wird als Möglichkeit betrachtet, sich "fremde" Bereiche wie Sprache, Bühne oder Kino, die Massenmedien, den öffentlichen Raum, Dokumentation, Geschichte, wissenschaftliche Methoden oder politische Diskurse anzueignen, um sie einer verschobenen, gegenläufigen und widersinnigen Betrachtung zu unterziehen.

Unter dem Begriff Zentrum + Peripherie widmet sich der Verein den Wechselbeziehungen zwischen der westlichen Kunst und der Kunst jenseits westeuropäischer und nordamerikanischer Maßgaben. Die entsprechenden Projekte werden dabei von Kuratoren und Künstlern aus den verschiedenen Regionen konzipiert.

Der Württembergische Kunstverein sieht sich darüber hinaus auch als Produktionsumfeld. Dieses reicht vom Atelierhaus Im Schellenkönig über (künstlerische) Forschungsprojekte und die (Ko-)Produktion neuer Werke bis zur Entwicklung komplexer Ausstellungsszenarien, die für jede Ausstellung entstehen.

Auch das Ausloten der Möglichkeiten und Grenzen des Kuratierens gehört zu den zentralen Anliegen des Württembergischen Kunstvereins. Dabei steht die Erprobung kollaborativer und multiperspektivischer Arbeitsweisen ebenso im Vordergrund wie der Anspruch, sich der Komplexität und Vielschichtigkeit der Kunst anzunähern. Es geht dem Verein darum, ihre mehrschichtigen, offenen und widersprüchlichen Lesbarkeiten, ihre Widerständigkeiten wirksam zu machen.

In Ergänzung zum Jahresprogramm der Ausstellungen hat man 2013 mit der Projektreihe Querungen einen gemeinsam zu gestaltenden, kritischen Resonanzraum des Kunstvereins und der verschiedenen lokalen und regionalen Akteure der zeitgenössischen Kunst geschaffen. Hier geht es um Prozesse der gegenseitigen Sichtung, Bewertung und Neubewertung in immer anderen, sich wiederholenden und verschiebenden Konstellationen; um Verlagerungen und Querverweise sowie De- und Rekontextualisierungen zwischen den unterschiedlichen Szenen, Institutionen, Initiativen und Einzelpersonen. Entstehen soll so ein multiperspektivischer und polyphoner Raum, ein Labor, das interne und externe, lokale und globale Setzungen künstlerischer wie kuratorischer Art in Beziehung zueinander setzt.

Regelmäßig bietet der Verein zudem seinen Mitgliedern die Möglichkeit zur Präsentation der eigenen Werke im Rahmen einer Mitgliederausstellung an. Die Jahresausstellungen der Mitglieder stehen jeweils in einem spezifischen thematischen Kontext.[6]

Auszeichnungen

Die zusammen mit dem Museu d’Art Contemporani de Barcelona (MACBA) konzipierte Ausstellung Die Bestie ist der Souverän wurde im Jahr 2015 vom deutschen Kunstkritikerverband AICA zur Ausstellung des Jahres gekürt.[7]

Direktoren des Kunstvereins (seit 1945)

Ausstellungen (Auswahl)

Literatur

  • Württembergischer Kunstverein (Hrsg.): 150 Jahre Württembergischer Kunstverein Stuttgart. 1827 – 1977. Stuttgart 1977.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Württembergischer Kunstverein Stuttgart. www.stuttgart.de, abgerufen am 25. September 2007.
  2. Neubesetzungen im Vorstand und Verwaltungsrat. www.wkv-stuttgart.de, abgerufen am 3. April 2015.
  3. Christoph Behnke: Zur Gründungsgeschichte deutscher Kunstvereine. www.kunstvereine.de, abgerufen am 8. April 2015.
  4. Nicola Kuhn: Der letzte Avantgardist. In: Der Tagesspiegel vom 27. November 2014. Abgerufen am 22. Februar 2015.
  5. Inhaltliche Schwerpunkte des Württembergischen Kunstvereins. www.wkv-stuttgart.de, abgerufen am 5. April 2015.
  6. 2041. Endlosschleife. www.youtube.com, abgerufen am 4. April 2015.
  7. Die Bestie ist der Souverän. www.wkv-stuttgart.de, abgerufen am 27. November 2015.
  8. Eintrag Alice Widensohler in Stuttgarter Gedenktagekalender. Stuttgarter Gedenktagekalender, abgerufen am 17. April 2016.
  9. Eintrag Dieter Honisch bei Munzinger. Munzinger online, abgerufen am 17. April 2016.
  10. Biografie von Martin Hentschel. Datenbank Goethe-Institut, abgerufen am 16. April 2016.
  11. Biografie von Hans D. Christ. Datenbank Goethe-Institut, abgerufen am 16. April 2016.
  12. Biografie von Iris Dressler. Datenbank Goethe-Institut, abgerufen am 16. April 2016.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Württembergischer Kunstverein Stuttgart (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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