Volkswagenwerk Wolfsburg - LinkFang.de





Volkswagenwerk Wolfsburg


Das Volkswagenwerk Wolfsburg ist das Stammwerk der Volkswagen AG mit Sitz in Wolfsburg. Es wurde ab Ende der 1930er Jahre errichtet, gleichzeitig mit einer neuen Stadt, die ursprünglich „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ hieß und im Mai 1945 in Wolfsburg umbenannt wurde. Teile des Werkes sind heute als Industriedenkmal geschützt.[1]

Am Jahresende 2013 waren in dem Werk über 57.700 Menschen beschäftigt.[2]

Entstehungsgeschichte

Das Werk wurde Produktionsstätte des von Adolf Hitler geforderten Automobils für breite Volksschichten. Grundlage für den „Volkswagen“ war der am 22. Juni 1934 geschlossene Vertrag zwischen dem Reichsverband der Automobilindustrie und dem Stuttgarter Konstruktionsbüro von Ferdinand Porsche. Den Auftrag zur Suche eines geeigneten Standortes für die Produktionsstätte übernahm die NS-Organisation „Gemeinschaft Kraft durch Freude“ (KdF), Teil der Deutschen Arbeitsfront (DAF). Die deutsche Automobilindustrie hatte an einer Produktion des Volkswagens kein Interesse, da sie den von Hitler geforderten Preis von 990 Reichsmark (entspricht inflationsbereinigt in heutiger Währung 4.070 €)[3] für unrealistisch hielt. Daraufhin wurde die DAF mit dem Bau der größten Automobilfabrik Europas beauftragt. Diese gründete unter der Aufsicht von DAF-Leiter Robert Ley am 28. Mai 1937 die „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH“ (Gezuvor) mit Sitz Berlin. Ihr erstes und einziges Produkt sollte der „KdF-Wagen“ werden. Diese finanzierte den Werksaufbau vor allem aus dem Verkauf des 1933 beschlagnahmten Gewerkschaftsvermögens. 1938 hatte die Gezuvor nach etwas über halbjähriger Suche den zukünftigen Werksstandort gefunden.

Standort

Standort der Fabrik wurde die neu gegründete „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“, seit 1945 Wolfsburg. Diese auf dem Reißbrett geplante Stadt entstand ab Ende der 1930er Jahre zusammen mit dem Werk. Der Ort am Mittellandkanal im Urstromtal der Aller wurde mehr oder weniger zufällig aufgrund einer Bereisung durch den Geschäftsführer Bodo Lafferentz im ländlich geprägten und dünn besiedelten Gebiet bei der Gemeinde Fallersleben sowie dem Schloss Wolfsburg mit dem dortigen Schulenburgischen Gutshof gefunden. Er lag in der geografischen Mitte des Reiches und bot folgende verkehrsgünstige Anbindungen:

Mit dem Bau der Werksanlagen wurden die drei Architektenteams Emil Rudolf Mewes (Köln), Fritz Schupp und Martin Kremmer (Essen-Berlin) und Karl Kohlbecker (Gaggenau) gemeinschaftlich beauftragt. Sie entwarfen die rund 1,3 km[4] lange Werksfront mit dem Heizkraftwerk Wolfsburg Nord/Süd auf dem nördlichen Ufer des Mittellandkanals, auf der südlichen Seite entstand die neue Stadt.

Grundsteinlegung für das Werk war am 26. Mai 1938 durch Adolf Hitler unter Teilnahme von rund 70.000 Zuschauern und Beteiligten nationalsozialistischer Organisationen. Im Herbst 1939 standen die Fertigungshallen im Rohbau. Zu einer planmäßigen Produktion des KdF-Wagens (150.000 pro Jahr) kam es aber nicht, da aufgrund der Vorbereitung der Wirtschaft auf den Krieg Spezialwerkzeugmaschinen fehlten. Der für die Produktion benötigte Stahl sollte größtenteils aus der neu gegründeten „Stadt der Hermann-Göring-Werke“ (Salzgitter) geliefert werden.

Produktionsbeginn und Zweiter Weltkrieg

Ende der 1930er Jahre wurde der Betrieb aufgenommen. Werksleiter jener Gründungsjahre war der österreichische Rechtsanwalt Anton Piëch, Schwiegersohn von Ferdinand Porsche. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs rückte die Produktion ziviler Güter völlig in den Hintergrund und im Werk entstanden nun Fahrzeuge für Wehrmacht und SS: Zwischen August 1940 und April 1945 wurden 50.788 Kübelwagen und zusätzlich ab Herbst 1942 insgesamt 14.276 Schwimmwagen (Typ 166) hergestellt, bis nach dem letzten Luftangriff Anfang August 1944 die Typ 166-Produktion nicht weitergeführt werden konnte, da wichtige Karosseriepressen zerstört waren.[5] In einer „Geheimabteilung“ im Keller der Halle I wurde die Vergeltungswaffe V1 gefertigt. Für die Reparatur von Junkers Ju 88-Flugzeugen der Luftwaffe baute VW Tragflächen, Seitenruder und Kabinen. Von 1940 bis 1945 mussten in der Rüstungsproduktion des Volkswagenwerkes etwa 20.000 Menschen Zwangsarbeit leisten, darunter Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge. Vom 8. April bis 11. Oktober 1942 wurde für Bauarbeiten ein KZ Arbeitsdorf angelegt.

Bei insgesamt fünf alliierten Luftangriffen, alle im Jahr 1944, war die „People’s Car Factory near Fallersleben“ Angriffsziel: am 8. und 29. April, am 20. und 29. Juni und am 5. August. Nach diesem letzten Angriff waren acht Pressen schwer beschädigt und 50 Werkzeug- und Produktionsmaschinen zerstört. Im April 1945 rückten US-Truppen an und befreiten die Zwangsarbeiter im Werk. Nach dem Krieg waren 20 % der Werksbauten zerstört, 93 % der Maschinenausrüstung befand sich noch in verwendungsfähigem Zustand.[6]

Nach 1945

Unter der Britischen Militärregierung, vertreten durch Major Ivan Hirst, nahm das Werk noch im Jahr 1945 seine Tätigkeit wieder auf. Im Werk richteten Mechaniker der britischen Besatzungsarmee die Wolfsburg Motor Works ein, eine Instandsetzungseinrichtung für ihre kriegsbeschädigten Fahrzeuge. Daneben begann die Produktion des KdF-Wagens, von nun an Volkswagen genannt, während die andere Hälfte der 6.000 Personen umfassenden Belegschaft Kriegstrümmer wegräumte. Die Briten schickten einen Volkswagen der ersten Serie zur Begutachtung nach Großbritannien. Fahrzeugexperten dort befanden, dass das Fahrzeug nicht den technischen Erfordernissen eines Automobils entspräche, und empfahlen, das Werk abzureißen. Die Militärregierung nahm das Werk trotzdem wieder in Betrieb, auch wegen der hier eintreffenden Flüchtlingsströme von Heimatvertriebenen. 1945 wurden fast 2.000 Volkswagen in Handarbeit gebaut, 1946 waren es bereits rund 10.000 Fahrzeuge. Die ersten 20.000 Nachkriegs-VWs erhielten allerdings nur die Behörden der Alliierten.

Im Januar 1948 gab die Militärregierung die Werksleitung an Heinrich Nordhoff ab. Treuhänder der beiden VW-Werke in Wolfsburg und Braunschweig wurde 1949 der Bund. Nachdem Henry Ford II nicht zur Übernahme bereit war, übernahm das Land Niedersachsen die Aufsicht. Die Produktionszahlen wuchsen schnell - bereits 1955 wurde der millionste Käfer hergestellt. 1950 begann in Wolfsburg die Produktion des VW-Transporters (Typ 2). Wegen der großen Nachfrage wurde das Werk in den Folgejahren immer weiter ausgebaut, jedoch zeigten sich Mitte der 1950er Jahre die Grenzen der Expansionsmöglichkeiten, so dass neue Standorte notwendig wurden. Der Transporterbau wurde 1956 in das neue Werk Hannover verlegt. Im Sommer 1958 fand die Aggregateaufbereitung im Werk Kassel einen neuen Standort. Von 1957 bis 1959 wurde das 13-stöckige, geklinkerte VW-Verwaltungshochhaus errichtet, das bis heute die Konzernzentrale beherbergt. 1963 kam es aufgrund der Arbeits- und Lebensbedingungen zu einer Revolte italienischer Gastarbeiter mit einem Toten, die einen Einsatz von Polizei hervorrief.[7]

Seit 1974

Der letzte von über 11,9 Millionen[8] im Stammwerk gebauten Käfern verließ am 1. Juli 1974 das Wolfsburger Band, und der VW Golf trat die Nachfolge an. In den 1980er Jahren wurde die hochautomatisierte Halle 54 mit Industrierobotern in Betrieb genommen, zur Expo 2000 eröffnete der VW-Konzern im Juni 2000 die Autostadt. Noch heute stellt das Heizkraftwerk Wolfsburg Nord/Süd mit seinen markanten vier Schornsteinen ein Charakteristikum für das 1939 entstandene Werk dar. Am 3. Juni 2007 beging Volkswagen das Jubiläum von 25 Millionen Golf mit einem großen Fest.

Literatur

  • Wolfgang Neß, Rolf Höhmann: Das Industriedenkmal Volkswagenwerk. Hrsg. von der Stadt Wolfsburg, Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS), Simone Neteler (Red.), ecrivir Verlag, Hannover 2010, ISBN 978-3-938769-12-6.
  • Markus Lupa: Das Werk der Briten. Volkswagenwerk und Besatzungsmacht 1945-1949. Historische Notate, Heft 2 der Schriftenreihe der Historischen Kommunikation der Volkswagen AG, Wolfsburg 2005, ISBN 3-935112-00-9.
  • Historische-Landeskundliche Exkursionskarte von Niedersachsen, Blatt Wolfsburg. Erhard Kühlhorn, Hildesheim 1977, ISBN 3-7848-3626-7.

Weblinks

 Commons: Volkswagenwerk Wolfsburg  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Neß, Rolf Höhmann: Das Industriedenkmal Volkswagenwerk (s. Literatur)
  2. Die Produktionsstandorte des Volkswagenkonzerns : Volkswagen AG: 57.741, Sitech: 2287 (Stand: 31. Dezember 2013)
  3. Diese Zahl wird mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 10 Euro gerundet und bezieht sich auf den vergangenen Januar.
  4. Nicole Froberg, Ulrich Knufinke, Susanne Kreykenboom: Wolfsburg. Der Architekturführer. Braun Publishing, Berlin 2011, ISBN 978-3-03768-055-1, S. 34.
  5. Bernd Wiersch: Die Käfer-Chronik, Die Geschichte einer Autolegende. S. 91, 2. Auflage. Delius Klasing, Bielefeld, ISBN 978-3-7688-1695-3
  6. Hans Mommsen, Manfred Grieger: Das Volkswagenwerk und seine Arbeiter im Dritten Reich. S. 954
  7. L’INCHIESTA: Wolfsburg, la città degli "italianen". Quando i romeni eravamo noi , Matteo Alviti auf stampalibera.it
  8. 40 Millionen Volkswagen aus Wolfsburg bei nwz.online vom 24. März 2012, abgerufen am 4. Dezember 2013.

Kategorien: Wirtschaft (Wolfsburg) | Industriedenkmal | Volkswagen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagenwerk Wolfsburg (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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