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Vita contemplativa


Dieser Artikel befasst sich mit dem mönchischen Ideal. Für Philon von Alexandrias Werk „De vita contemplativa“ siehe Philon von Alexandria
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Vita contemplativa, auf deutsch in Betrachtung versunkenes (beschauliches) Leben, ist der latinisierte Ausdruck für den von Aristoteles geprägten Begriff des bios theoretikos, die Lebensweise des Philosophen. Ausgehend von seiner Feststellung, dass man etwas immer um etwas willen tut (Telos, das Ziel, vgl. auch Causa finalis) kommt er in der Nikomachischen Ethik zu der Schlussfolgerung, dass es einen höchsten Zweck, der sich selbst Zweck ist (telos teleion, „zielhaftestes Ziel“) geben müsse, nämlich Glückseligkeit (Eudaimonie). Auf der Suche nach der Lebensweise, die die meiste Glückseligkeit verspricht, verwirft er zunächst einige, etwa das Streben nach Reichtum, Sinnenfreude (Hedonismus) oder Ruhm. Die beste Lebensweise des Menschen müsse mit seinem Wesen korrespondieren. Für Aristoteles ist das Wesen des Menschen, dass er zoon logon echon, das rede-/vernunftbegabte Tier ist. Folglich schließt er, dass die zwei besten Lebensweisen (bioi), das denkerische Leben als Philosoph (bios theoretikos) und das rednerische Leben als Politiker (bios politikos) sind. Das denkerische Leben wird etwas höher bewertet als das politische Leben, jedoch merkt Aristoteles an, dass der Philosoph auf Mäzene angewiesen ist - es kann also nicht jeder einer Gesellschaft ein reiner Denker werden.

Abgegrenzt wird das denkerische Leben weiterhin von dem tätigen Leben (vita activa), dem produktiven Leben eines Handwerkermeisters oder Künstlers (poesis, unterschieden von praxis, der Tätigkeit der Sklaven).

Im Verlauf der christlichen Aristotelesrezeption wird das kontemplative Leben interpretiert als Lebensform, die einerseits Gottes reiner Geistlichkeit am ehesten nacheifert und zweitens die dem Menschen wesentliche Gottesebenbildlichkeit am ehesten auslebt. Höchste Glückseligkeit wird erst nach dem Tod in der reinen Anschauung Gottes verwirklicht (siehe auch Thomas von Aquin).

Insofern meint Vita contemplativa in der Tradition Benedikts von Nursia das mönchische Ideal eines zurückgezogenen Lebens, wie es die Eremiten der ersten nachchristlichen Jahrhunderte führten. Manche zogen in die Wüste, sprachen nicht einmal mit anderen Menschen, ernährten sich von Beeren und Kräutern, hielten lange Nachtwachen, fasteten und beteten.

Die Vita contemplativa verlangt in dieser Ausprägung die Abkehr von den weltlichen Dingen (z. B. Reichtum, Ehre, Macht, Triebe) und die radikale Hinwendung zu Gott.

Das Gegenstück im mönchischen Kontext zur Vita contemplativa ist auch hier die Vita activa, die dem Gläubigen ein tätiges, teilnehmendes und auf seine Umwelt einwirkendes Leben nahelegt. In den verschiedenen christlichen Orden finden sich beide Lebensideale jeweils mehr oder weniger stark ausgeprägt.

Literatur

Siehe auch


Kategorien: Christliche Lebensgemeinschaften | Aristoteles | Wertvorstellung

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