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Vineyard


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Vineyard (Begriffsklärung) aufgeführt.

Die Vineyard-Bewegung ist eine charismatische Erneuerungs- und Gemeindegründungsbewegung und gehört somit zum Bereich des protestantischen Christentums. Sie bezeichnet sich selbst als Bewegung evangelikaler Christen, die Gaben des Heiligen Geistes praktizieren, wie zum Beispiel Heilung, Zungenrede und Prophetie.

Geschichte

Die Vineyard-Bewegung wurde 1978 in den USA unter anderem durch John Wimber gegründet, der ihr erster Pastor und langjähriger Leiter war. Die erste Vineyard-Gemeinde war die Anaheim Vineyard Christian Fellowship.

Die erste Vineyard entstand aus einem Bibelkreis der Calvary Chapel in Costa Mesa (Kalifornien) in einem Stadtteil von Los Angeles. 1974 trafen sich fünf Leute unter der Leitung von Kenn Gulliksen in der Wohnung des Sängers Chuck Gitard. Die Jesus-Bewegung (Jesus-People) in Kalifornien war damals in vollem Gang. Aus dem Kreis entstand 1975 in Anaheim die erste Vineyard.[1] 1982 gab es bereits fünf lose verbundene Vineyard-Gemeinden.[2] Wegen unterschiedlicher Lehrauffassungen blieb die Vineyard-Bewegung nicht Teil des Calvary-Verbandes.[3] Im Mai 1983 wurde die VMI (Vineyard Ministries International) gegründet. 1985 gab es 129 Vineyard-Gemeinden, im Juli 1986 233. Im gleichen Jahr wurde die AVC (Association of Vineyard Churches) gegründet. John Wimber stand beiden Organisationen vor.[4]

Mit Hilfe der ersten Vineyard fand Bob Dylan zum Glauben an Jesus Christus.[5]

Nach John Wimbers Tod 1997 durchlebte die Bewegung einige harte Zeiten. Sie wächst nun aber stetig, vor allem seit Bert Waggoner im Jahr 2000 zum Leiter der Bewegung ernannt wurde. Der Vineyard-Bewegung gehören über 2.500 Gemeinden und Gemeinschaften auf der ganzen Welt an, davon etwa 45 in Deutschland, 21 in der Schweiz[6] und fünf in Österreich. Sie betreibt ein Verlagshaus und das Musiklabel Vineyard Music.

Der sogenannte Torontosegen entstand in einer Gemeinde der Vineyard, der Toronto Airport Christian Fellowship (TACF). Diese Gemeinde wurde jedoch 1995 aus Vineyard ausgeschlossen.

Die erste Vineyard des deutschsprachigen Raums entstand 1994 in Bern in der Schweiz durch den Anschluss der Basileia-Gemeinschaft an die weltweite Vineyard-Bewegung. Der dortige Leiter Martin Bühlmann wurde Koordinator der Vineyard-Bewegung für Deutschland, Österreich und die Schweiz (Vineyard D-A-CH). Von Bern aus wurden seither mehrere Vineyard-Gemeinden in der ganzen Schweiz gegründet. Die ersten schweizerischen Vineyard-Gemeinden gehen auf die 1983 gegründete Basileia-Bewegung zurück.[7]

Theologie

Die Theologie der Vineyard-Bewegung basiert auf einem klassischen evangelikalen Glauben. Dieser wird durch bestimmte, für die Vineyard charakteristische, Themen ergänzt:

  • Anbetung: Die Anbetung Gottes, vor allem durch Lieder, ist eines der Hauptanliegen der Vineyard-Bewegung. Die in den Vineyard Gemeinden produzierten Lieder haben die moderne christliche Anbetungsmusik stark geprägt. Theologisch wird die Bedeutung der Anbetung in der Vineyard-Bewegung gerechtfertigt mit dem Gedanken, dass die Anbetung Gottes der eigentliche Seinszweck des Menschen sei.
  • Erfülltsein mit dem Heiligen Geist: Obwohl die Vineyard anfänglich pfingstliche Vorstellungen übernahm, lehnte sie bald darauf die These einer Geistestaufe, die als zweiter Schritt irgendwann nach der Bekehrung zwingend erfolgen sollte, ab. Sie geht stattdessen davon aus, dass jeder Christ mit dem Heiligen Geist getauft ist und dass sich die Manifestationen des Geistes als Durchbruch seines Wirkens zeigen.
  • Gaben des Heiligen Geistes: Gemäß der Vorstellung vieler Christen rüstet der Heilige Geist jeden Christen mit einer oder mehreren Geistesgaben aus.
  • Heilung: Durch John Wimbers Beschäftigung mit der Heilung durch die Kraft des Heiligen Geistes wurde dieses Thema für die Vineyard-Bewegung zu einem zentralen Element. Durch Jesu Wirken im Heilungsdienst könne jede Krankheit geheilt werden, sei sie körperlicher, psychischer oder geistlicher Art. Ob eine solche Heilung eintritt ist dennoch immer der Souveränität Gottes vorbehalten.
  • Evangelisation: Evangelisation ist ebenfalls ein zentrales Element der Bewegung. Die Gründung von neuen Gemeinden ist für die Vineyard Gemeinden eine wichtige Strategie, um Menschen zu erreichen, denen diese Glaubensvorstellungen bisher nicht bekannt waren.

„Leider beginnen viele Gemeindegründer mit der Entwicklung eines attraktiven Programms. Doch Gemeinden sind keine Programme, sondern Familien. Es geht um Menschen, nicht um Unterhaltung oder anziehende, gut verpackte Ideen. Programme sollten immer Ausdruck der Berufungen, Begabungen und Interessen der Menschen sein, die sich in der Mitarbeit engagieren. Dazu müssen sie sich an den Menschen ausrichten, die noch keine Beziehung zu Jesus Christus haben. Wir müssen in einer Gemeinde die Freiheit haben, Programme einzuführen, sie aber auch wieder zu beerdigen.“

Martin Bühlmann, Leiter Vineyard Bern: Gemeinde leben, Gemeinde lieben[8]

Literatur

  • Marlin Watling: Natürlich Übernatürlich. Die Geschichte der Vineyard-Bewegung. Von den Anfängen der Hippie-Bewegung bis zu neuen Gemeinden im postmodernen Europa. R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten 2008, ISBN 978-3-417-26247-6.
  • Bill Jackson: The quest for the radical middle. A history of the Vineyard. Vineyard International Publishing, Kapstadt 1999, ISBN 978-0-620-24319-3.
  • T. M. Luhrmann: When God talks back. Understanding the American Evangelical relationship with God. Alfred A. Knopf, New York 2012, ISBN 978-0-307-26479-4 (Offene teilnehmende Beobachtung zweier Vineyard-Gemeinden durch eine Stanforder Ethnologin).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Marlin Watling: Natürlich Übernatürlich. Die Geschichte der Vineyard-Bewegung. Von den Anfängen der Hippie-Bewegung bis zu neuen Gemeinden im postmodernen Europa. R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten 2008, ISBN 978-3-417-26247-6, S. 34 und 39
  2. http://www.vineyardusa.org/site/about/vineyard-history (abgerufen am: 4. Februar 2012).
  3. Marlin Watling: Natürlich Übernatürlich. Die Geschichte der Vineyard-Bewegung. Von den Anfängen der Hippie-Bewegung bis zu neuen Gemeinden im postmodernen Europa. R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten 2008, ISBN 978-3-417-26247-6, S. 80.
  4. Marlin Watling: Natürlich Übernatürlich. Die Geschichte der Vineyard-Bewegung. Von den Anfängen der Hippie-Bewegung bis zu neuen Gemeinden im postmodernen Europa. R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten 2008, ISBN 978-3-417-26247-6, S. 81.
  5. Marlin Watling: Natürlich Übernatürlich. Die Geschichte der Vineyard-Bewegung. Von den Anfängen der Hippie-Bewegung bis zu neuen Gemeinden im postmodernen Europa. R. Brockhaus im SCM-Verlag, Witten 2008, ISBN 978-3-417-26247-6, S. 44.
  6. http://www.vineyard.ch/adressen.html (abgerufen am: 8. Mai 2012).
  7. http://www.vineyard-bern.ch/ueber-uns/geschichte.html (abgerufen am: 18. Dezember 2012).
  8. Martin Bühlmann: Gemeinde leben, Gemeinde lieben. Wie Gottes Familie zu einem Zuhause wird. (Vineyard Edition) Projektion J (Gerth Medien), Asslar 2002, ISBN 3-89490-424-0, S. 212.

Kategorien: Neocharismatische Kirche

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Vineyard (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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