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Villa Vigoni


Die Villa Vigoni – Deutsch-italienisches Zentrum für europäische Exzellenz ist ein 1986 gegründeter Verein, dessen Gebäudeanlagen und Verwaltung in Besitz der Bundesrepublik Deutschland stehen, und der in zwei historischen Villen inmitten eines botanischen Gartens am Comer See residiert.

Strukturen

Villa Vigoni e. V. ist ein von der deutschen und italienischen Regierung gemeinsam getragener Verein. Zu seinen Aufgaben zählt die Förderung der deutsch-italienischen Zusammenarbeit, insbesondere auf den Gebieten Kultur, Kunst und Wissenschaft. Dies findet explizit in einer europäischen Dimension statt. In der Villa Vigoni werden wissenschaftliche Seminare, Doktorandenkollegs, politische und journalistische Gespräche und Fellowship-Programme angeboten, die sich mit der europäischen Identität, ihrer Geschichte und Zukunft auseinandersetzen.

Generalsekretärin der Villa Vigoni ist seit 1. Februar 2012 Immacolata Amodeo, die bis dahin Vergleichende Literaturwissenschaft an der Jacobs University Bremen gelehrt hatte.[1] Die Villa Vigoni wurde zuvor geleitet von dem Staatssekretär Paul Harro Piazolo (1987–1992), den Historikern Rudolf Lill (1993–1996) und Bernd Roeck (1997–1999), dem Germanisten Aldo Venturelli (2000–2007) und dem klassischen Philologen Gregor Vogt-Spira (2008–Januar 2012).

Vorgeschichte

Der Deutsch-Italiener Don Ignazio Vigoni Medici di Marignano besaß mehrere Gebäude und Grundstücke in Menaggio am Comer See, Italien. Bei seinem Tod 1983 vermachte er den Besitz der Bundesrepublik Deutschland mit der Bedingung, die Völkerverständigung zwischen den Ländern zu fördern. Deutschland kam dieser Forderung nach, indem es auf Regierungsebene mit Italien den Verein Villa Vigoni gründete. Auf deutscher Seite ist der Vertragspartner das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), auf italienischer Seite das Außenministerium.

Rechtsstreit

Die Villa Vigoni war Gegenstand eines Rechtsstreits, der durch eine Klage Deutschlands gegen Italien vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) internationale Bedeutung bekommen hat. Die historischen Wurzeln des Falles liegen in deutschen Kriegsverbrechen im griechischen Ort Distomo (weitere Details im dortigen Artikel). Die Angehörigen der griechischen Opfer klagten vor griechischen Gerichten gegen die Bundesrepublik Deutschland auf Entschädigungszahlungen und obsiegten in einem erstinstanzlichen Versäumnisurteil 1997; ein Revisionsantrag wurde 2000 vom Areopag, dem höchsten griechischen Gericht, zurückgewiesen. Die Zwangsvollstreckung (u. a. Pfändung des Goethe-Institutes in Athen) scheiterte jedoch am Fehlen der notwendigen Zustimmung der griechischen Regierung.

Im Jahr 2008 entschied das oberste italienische Zivilgericht, der römische Kassationsgerichtshof, dass die griechischen Urteile in Italien vollstreckt werden können, woraufhin eine Zwangshypothek auf die Villa Vigoni eingetragen wurde. Dies berührt den Grundsatz der Staatenimmunität, so dass die deutsche und die italienische Regierung sich verständigten, eine Entscheidung des IGH über die generelle Reichweite der völkerrechtlich verankerten Immunität der Staaten gegenüber Individualansprüchen herbeizuführen.[2] 2012 urteilte der IGH zu Gunsten der Bundesrepublik; die Villa kann demnach nicht gepfändet werden.[3]

Geschichte der Villa

Der aus Frankfurt am Main stammende Mailänder Kaufmann, Industrielle und Bankier Heinrich Mylius (1769–1854) erwarb die Villa einschließlich eines 5 Hektar großen Parks für seinen Sohn Julius. Dieser starb 1829 kurz nach seiner Hochzeit mit der Mailänder Aristokratin Luigia Vitali (1809–1884). Im Gedenken an seinen Sohn ließ Mylius im Garten der Villa einen Tempietto errichten und mit Reliefs von Pompeo Marchesi und Bertel Thorvaldsen ausstatten. Luigia heiratete später Ignazion Vigoni Senior (1808–1860), den Großvater des Erblassers der Villa an die Bundesrepublik.[4]

Die Stadt Frankfurt am Main ist heute (2012) noch Mitglied des Vereins Villa Vigoni und zeigt somit noch Dankbarkeit gegenüber dem Mäzen und Verbundenheit mit ihrem Sohn.

Weblinks

Quellenangaben

  1. Prestigious Calling (Jacobs University, 7. Februar 2012)
  2. beck-aktuell: "IGH: Bundesrepublik erzielt Erfolg im Streit mit Italien um Entschädigungen für Nazi-Verbrechen"
  3. Hans-Jürgen Schlamp: Urteil zu Kriegsverbrechen Rechtsfrieden geht vor Menschenrecht – Spiegel Online, 3. Februar 2012
  4. Frankfurts italienische Filiale in: FAZ vom 21. Juni 2012, Seite 39.

Kategorien: Stiftung in Deutschland | Deutsch-italienische Beziehungen | Menaggio | Gegründet 1986

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Villa Vigoni (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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