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Victor Ruffy


Victor Charles Ruffy (* 18. Januar 1823 in Lutry; † 29. Dezember 1869 ebenda) war ein Schweizer Politiker. Im Kanton Waadt war er als Richter und Regierungsrat tätig, ab 1858 auf gesamtschweizerischer Ebene als Nationalrat. 1868 wurde der Vertreter der liberal-radikalen Fraktion (der heutigen FDP) in den Bundesrat gewählt. Dieses Amt konnte er nur zwei Jahre lang ausüben; er ist das jüngste Mitglied der Landesregierung, das im Amt verstarb. Sein Sohn Eugène Ruffy war von 1894 bis 1899 ebenfalls Bundesrat. Ein Urenkel, der ebenfalls Victor Ruffy hiess, war 1982 bis 1999 sozialdemokratischer Nationalrat und 1990 Nationalratspräsident.[1] [2]

Studium und Kantonspolitik

Ruffy wurde als Sohn einer angesehenen Winzerfamilie geboren, die seit 1535 das Bürgerrecht von Lutry besass. Sein Vater Jean Samuel Ruffy war Friedensrichter, Oberstleutnant der Infanteriereserven und ab 1848 Mitglied des Grand Conseil (Kantonsparlament) des Kantons Waadt. Ruffy erhielt seine Schulbildung in Lutry, danach studierte er Rechtswissenschaft an der Akademie in Lausanne. 1838 wurde er Mitglied der akademischen Gesellschaft Belles-Lettres die 1839 präsidierte. 1841 trat er der Studentenverbindung Zofingia bei, die er 1843/44 präsidierte.[3] 1844 wurde er Mitglied der Studentenverbindung Helvetia.

Nach einem Auslandsaufenthalt begann er 1845 ein Anwaltspraktikum. Da seine in Reden öffentlich gemachten Bekenntnisse zum Liberalismus seinem Arbeitgeber missfielen, musste er die Stelle wechseln und wechselte zur Kanzlei eines Vertrauten von Henri Druey. 1847 bestand er die Anwaltsprüfung und war als Leutnant am Sonderbundskrieg beteiligt. Im Januar 1848 wählte ihn das Parlament zum Kantonsrichter. Die Wahl musste nach zehn Tagen wiederholt werden, da Ruffy beim ersten Durchgang noch nicht ganz das vorgeschriebene Mindestalter von 25 Jahren erreicht hatte. Im Jahr 1851 heiratete er Julie Chevalley.

1858 trat Ruffy als Richter zurück und eröffnete eine Anwaltskanzlei. Nachdem er 1859 in den Grossen Rat gewählt worden war, wurde er am Tag seiner Vereidigung von den Parlamentariern auch in den Conseil d’État (Kantonsregierung) gewählt, doch er lehnte die Wahl aus politischen und persönlichen Gründen ab. 1861 war er als Vizepräsident des Verfassungsrates an der Ausarbeitung einer neuen Kantonsverfassung beteiligt. Im Februar 1862 folgte die Wahl in die Kantonsregierung, wo er dem Departement des Inneren vorstand. 1867 war er Regierungspräsident und wechselte ins Erziehungsdepartement.

Bundespolitik

Auf nationaler Ebene trat Ruffy erstmals im Januar 1858 in Erscheinung, als er im dritten Wahlgang der Parlamentswahlen in den Nationalrat gewählt wurde. Diesen präsidierte er im Jahr 1863. Ausserdem war er ab 1864 nebenamtlicher Bundesrichter. Als Constant Fornerod seinen bevorstehenden Rücktritt aus dem Bundesrat bekanntgab, galt Ruffy als aussichtsreichster Kandidat für dessen Nachfolge. Er zeigte zunächst kein Interesse an diesem Amt, da er lieber im Kanton Waadt wirken wollte, seine Kinder noch jung waren und er gesundheitlich angeschlagen war. Doch schliesslich liess er sich umstimmen und die vereinigte Bundesversammlung wählte ihn am 6. Dezember 1867 im ersten Wahlgang, wobei er 120 von 155 abgegebenen Stimmen erhielt.

In seinem ersten Amtsjahr stand Ruffy dem Finanzdepartement. Zu Beginn des Jahres 1869 wechselte er zum Militärdepartement und führte Emil Weltis Vorarbeiten für ein neues Militärorganisationsgesetz fort. In der beginnenden Debatte um die Totalrevision der Bundesverfassung sprach sich der überzeugte Föderalist vehement gegen jegliche Zentralisierungsbestrebungen aus. Am 10. Dezember 1869 wurde er zum Bundespräsidenten gewählt. Dieses Amt konnte er jedoch nicht antreten, da er zweieinhalb Wochen später plötzlich im Alter von 47 Jahren einer akuten rheumatischen Entzündung erlag.

In Lausanne ist eine Strasse nach ihm benannt, die Avenue Victor-Ruffy.

Literatur

  • Jean-Pierre Chuard: Victor Ruffy. In: Urs Altermatt (Hrsg.): Die Schweizer Bundesräte. Ein biographisches Lexikon. 2. Auflage. Artemis Verlag, Zürich/München 1991, ISBN 3-7608-0702-X, S. 184–187.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Kurzbiographie zu gleichnamigem Urenkel in: Schweizer Lexikon, Luzern 1993, Bd.5
  2. gleichnamiger Urenkel: Victor Ruffy auf der Website der Bundesversammlung
  3. Patrick de Leonardis: Ruffy, Victor im Historischen Lexikon der Schweiz .
VorgängerAmtNachfolger
Constant FornerodMitglied im Schweizer Bundesrat
1868–1869
Paul Cérésole


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Victor Ruffy (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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