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Vesicular stomatitis virus


Vesicular stomatitis virus

Systematik
Reich: Viren
Ordnung: Mononegavirales
Familie: Rhabdoviridae
Gattung: Vesiculovirus
Art: Vesicular stomatitis virus
Taxonomische Merkmale
Genom: (-)ssRNA
Baltimore: Gruppe 5
Wissenschaftlicher Name
Vesicular stomatitis Indiana virus (engl.)
Taxon-Kurzbezeichnung
VSIV
Links

Das Vesicular stomatitis virus (VSV), korrekter Vesicular stomatitis Indiana virus (VSIV) ist ein aus der Familie der Rhabdoviridae stammendes Virus und eng mit dem Tollwutvirus verwandt. Es ist der Erreger der Stomatitis vesicularis, einer Infektionskrankheit der Huftiere. Auch beim Menschen kann es leichte grippale Symptome und selten Mundbläschen und Schwellung der Lymphknoten hervorrufen.[1]

Das Wirtsspektrum umfasst Insekten, Rinder, Pferde und Schweine, weshalb es im Menschen eine Zoonose darstellt und Auswirkungen auf die Landwirtschaft aufweist. Die Symptome ähneln bei Rindern der Maul- und Klauenseuche.

Eigenschaften

VSIV ist ein Arbovirus. Natürliche Infektionen mit VSIV durchlaufen zwei Phasen, eine lytische Phase in Säugern und eine persistente nicht-lytische Phase mit Insekten als Vektor.

VSIV ist ein typischer Vertreter des Genus Vesiculovirus mit einzelsträngigem RNA-Genom in negativer Polarität. Das Genom codiert für fünf Proteine: Das Glykoprotein (G), das Large-Protein (L, eine Polymerase), das Phosphoprotein (P), das Matrixprotein (M) und das Nukleoprotein (N).

Das Glykoprotein vermittelt die Adsorption und den Zelleintritt (Membranfusion) über ein Endosom, bevorzugt über Clathrin-Vesikel. Das Gen des VSIV L-Proteins macht die Hälfte des Genom aus und katalysiert die Replikation zusammen mit dem Phosphoprotein. Das Matrixprotein umhüllt das Ribonucleoprotein, bestehend aus dem viralen Genom, dem Nukleoprotein und den replikationsrelevanten Proteinen (L und P).[2]

Symptomatik

Die Symptome in Tieren umfassen Ulzerationen der Mucosa des Mauls, am Euter und um das Koronarband. Als mögliche systemischen Symptome treten Kachexie, Lethargie und Pyrexie auf. Die Erkrankung kling meistens innerhalb zweier Wochen ab. Da keine medikamentöse Therapie existiert, basiert die Eindämmung auf Hygiene und Quarantäne.

Anwendungen

Das Glykoprotein des Virus wird häufig zur Pseudotypisierung in lentiviralen Vektoren eingesetzt.[3]

Die Brauchbarkeit des Virus als onkolytisches Virus zur Behandlung bösartiger Hirntumore sowie die zugrunde liegenden Mechanismen werden untersucht.[4][5][6][7]

Im Rahmen der Ebolafieber-Epidemie 2014 wurde von der Canadian National Microbiology Laboratory ein Impfstoff auf der Basis des Vesicular stomatitis virus mit Antigenen des Ebolavirus entwickelt und als VSV-EBOV ersten präklinischen Tests an Affen unterzogen. Phase I-Tests am Menschen sollen ab Herbst 2014 laufen.[8][9][10]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vesicular Stomatitis Virus . In: Zoonoses. School of Veterinary Medicine, University Wisconsin, Madison WI. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  2. Vesiculovirus . In: ViralZone. Swiss Institute for Bioinformatics. Abgerufen am 3. Juni 2012.
  3. J. Cronin, X. Y. Zhang, J. Reiser: Altering the Tropism of Lentiviral Vectors through Pseudotyping. In: Current Gene Therapy. 5, Nr. 4, 2005, S. 387–398. PMID 16101513 . PMC: 1368960 (freier Volltext).
  4. G. N. Barber: VSV-Tumor Selective Replication and Protein Translation. In: Oncogene. 24, Nr. 52, 2005, S. 7710–7719. doi:10.1038/sj.onc.1209042 . PMID 16299531 .
  5. T. P. Cripe, P. Y. Wang, P. Marcato, Y. Y. Mahller, P. W. K. Lee: Targeting Cancer-initiating Cells With Oncolytic Viruses. In: Molecular Therapy. 17, Nr. 10, 2009, S. 1677–1682. doi:10.1038/mt.2009.193 . PMID 19672244 . PMC: 2835002 (freier Volltext).
  6. K. Özduman, G. Wollman, J. M. Piepmeier, A. N. van den Pol: Systemic Vesicular Stomatitis Virus Selectively Destroys Multifocal Glioma and Metastatic Carcinoma in Brain. (PDF) In: The Journal of Neuroscience. 28, Nr. 8, 2008, S. 1882–1893. doi:10.1523/JNEUROSCI.4905-07.2008 . PMID 18287505 .
  7. D. F. Stojdl, B. Lichty, S. Knowles, R. Marius, H. Atkins, N. Sonenberg, J. C. Bell: Exploiting Tumor-Specific Defects in the Interferon Pathway with a Previously Unknown Oncolytic Virus. In: Nature Medicine. 6, Nr. 7, 2000, S. 782–789. doi:10.1038/77558 . PMID 10888934 .
  8. Philipp Graf: Die Anti-Ebola-Offensive. In: Transkript. Heft 9, 2014, S. 18-19.
  9. Canada offers experimental Ebola vaccine VSV-EBOV to West Africa . CBC News. 12. August 2014. Abgerufen am 11. Oktober 2014.
  10. Canada's experimental Ebola vaccine: How does it work? . CTV News. 13. August 2014. Abgerufen am 11. Oktober 2014.

Kategorien: Virusspezies

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Vesicular stomatitis virus (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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