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Vattenfall


Dieser Artikel behandelt den Gesamtkonzern Vattenfall mit Sitz in Schweden. Zu Vattenfall Deutschland siehe Vattenfall GmbH.
Vattenfall AB
Vattenfall logo.svg
Rechtsform Aktiebolag
Gründung 1909
Sitz Stockholm, Schweden
Leitung Magnus Hall
Mitarbeiter 28.744 (30. Sep. 2015)[1][2]
Umsatz 165,9 Mrd. SEK (2014)[1]
Branche Energieversorger
Website www.vattenfall.com

Vattenfall AB ist ein schwedisches Energieunternehmen und einer der führenden – nach eigenen Angaben der fünftgrößte – Stromerzeuger in Europa. Der Name Vattenfall kommt aus dem Schwedischen und bedeutet „Wasserfall“ und ist eine Abkürzung für den ursprünglichen Namen Kungliga Vattenfallstyrelsen (deutsch: königliche Wasserfallbehörde). Vattenfall AB ist vollständig im Besitz des schwedischen Staates.

In Deutschland ist Vattenfall über seine Tochtergesellschaft Vattenfall GmbH aktiv und (nach E.ON, RWE und EnBW) das viertgrößte Energieversorgungsunternehmen.

Unternehmensdaten

Das Unternehmen ist europaweit tätig und besitzt als Mutterkonzern Tochterunternehmen in Deutschland (Vattenfall GmbH), den Niederlanden (N.V. Nuon Energy) und Dänemark (Elsam). Der Vattenfall-Konzern ist einer der größten Strom- und Wärmeerzeuger in Europa.

Nettoumsatzerlöse: 119,01 Mrd. Schwedische Kronen (SEK) (167,313 Mrd. 2012, 181,040 Mrd. 2011)
Jahresgewinn nach Steuern: −22,2 Mrd. SEK (17,224 Mrd. 2012, 10,416 Mrd. 2011)
Kunden (2013): 13 Mio.
Stromerzeugung (Jan.-Sep.): 145,4 TWh pro Jahr (178,9 TWh 2012, 166,7 TWh 2011)
Wärmeverkauf (Jan.-Sep.): 16,0 TWh pro Jahr (30,3 TWh 2012, 41,0 TWh 2011)
Beschäftigte: 28.744 (32.794 im Jahr 2012, 34.685 im Jahr 2011)

(Stand der Daten: 30. September 2015)[2]

Konzerngeschichte

Die Wurzeln von Vattenfall reichen bis ins Jahr 1899 zurück. Auf Initiative des schwedischen Parlaments sollte die Energie des Trollhättan-Wasserfalls stärker genutzt werden. Im Zuge von Instandhaltungsarbeiten kam die Idee einer elektrischen Nutzung auf. Anfang des 20. Jahrhunderts nahm das Vorhaben Gestalt an. Im Jahr 1909 wurde die „Kungliga Vattenfallstyrelsen“ (die königliche Wasserfall-Kommission) eingesetzt, um verstärkt an der elektrischen Nutzung der Wasserkraft zu arbeiten. Dieses Jahr wird als Geburtsstunde des späteren Vattenfall-Konzerns gesehen. Damals belieferte das Unternehmen vornehmlich Industriekunden. Bis in die 1920er Jahre wurden einzelne elektrische Netze errichtet und sukzessive miteinander verknüpft – bis zum landesweiten Einheitsnetz 1952. Im Jahr 1951 wurde das erste Großkraftwerk nach dem Zweiten Weltkrieg eingeweiht. Der Stromverbrauch in Schweden stieg in dieser Zeit permanent an. So wurden seit Ende der 1940er Jahre Stimmen laut, die Schwedens Einstieg in die Atomstromgewinnung forderten. Der erste Versuchsreaktor wurde 1954 am königlichen Technikinstitut in Stockholm in Betrieb genommen. In Ågesta baute Vattenfall einen Heißwasserreaktor – unter anderem zur Stromgewinnung. Betrieben wurde die Anlage mit unangereichertem Uran. Im Laufe der 1960er Jahre wurden die Aktivitäten zum Ausbau der Nutzung von alternativen Energiequellen von Vattenfall zurückgeschraubt. Im Gegenzug setzte das Unternehmen auf Kernenergie und baute im Laufe der 1970er Jahre die Zahl der Kernkraftwerke beständig aus. Das mögliche Ende des Wachstums in Schweden war nach den 1980er Jahren kalkulierbar. Die Öffnung verschiedener nationaler Energiemärkte in Nord- und Mitteleuropa führten zur Expansion Vattenfalls – unter anderem nach Großbritannien, Norwegen und Deutschland. Im Laufe der 1990er Jahre expandierte das schwedische Unternehmen in Ländern Nord- und Mitteleuropas. Möglich wurde dies auch durch die Liberalisierung der jeweiligen nationalen Stromnetze.

Expansionsphase in Europa (1996–2009)

Seit 1996 ist das Unternehmen international tätig. Ab 1999 erwarb Vattenfall Anteile an Energieversorgungsunternehmen wie Hamburgische Electricitäts-Werke,[3] der Vereinigte Energiewerke AG und am Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG. Zusammen mit der 2003 anteilig erworbenen Berliner Bewag fusionierten diese Unternehmen zur Vattenfall Europe AG. Mit der Fusion wurde Vattenfall (nach E.ON, RWE und EnBW) zum viertgrößten deutschen Stromkonzern. Die Marken HEW und Bewag wurden nach der Fusion bis 2006 beibehalten. 2006 wurde auf der Hauptversammlung der Vattenfall Europe der Ausschluss von Minderheitsaktionären mittels eines Squeeze-out beschlossen. Die Übertragung der Aktien von Minderheitsaktionären der Vattenfall Europe an den schwedischen Mutterkonzern wurde mit dem Eintrag in das Handelsregister Berlin am 21. April 2008 beendet und die Börsennotierung des Konzerns damit eingestellt.

Ab 2009 begann Vattenfall schrittweise das niederländische Energieversorgungsunternehmen Nuon (Umsatz 6,1 Mrd. Euro/2008) zu einem Barpreis von 9,86 Milliarden Euro zu übernehmen. Zunächst wurde der Erwerb von 49 % der Aktien mit Übernahme der operativen Führung realisiert. Mehr Anteile wurden innerhalb der folgenden Jahre übernommen. Vorherige Anteilseigner von Nuon waren niederländische Städte und Provinzen. Der Netzbereich von Nuon ist von dem Vorhaben nicht betroffen. Er wurde im Juli 2008 von Nuon im Rahmen der staatlichen Entflechtung abgetrennt und wird in der unabhängigen Netzgesellschaft Alliander betrieben. Vattenfall beabsichtigte mit dem Erwerb von Nuon seine derzeitige Position im europäischen Energiesektor durch Vertretung auch in den Benelux-Ländern weiter auszubauen. Zuvor hatte sich Vattenfall vergeblich um die Übernahme von Essent beworben. Die Transaktion sollte ferner die bis dato weniger ausgeprägte Entwicklung der Gasaktivitäten von Vattenfall verbessern und die Stellung als größter Anbieter von Offshore-Windenergieanlagen ermöglichen. In den Jahren 2012 und 2013 wurde bekannt, dass Vattenfall aufgrund des nunmehr schwierigen Geschäftsumfeldes für Gas-befeuerte Stromerzeugung Abschreibungen im Wert von insgesamt knapp 40 % auf den Unternehmenswert von Nuon vornimmt. Aufgrund des als zu hoch eingestuften Kaufpreises wurde der Nuon-Kauf in der schwedischen Presse im Jahr 2013 in Rückschau stark kritisiert.[4]

Schwierigkeiten im europäischen Kerngeschäft

Ab Mitte der 2000er Jahre gestaltete sich das Marktumfeld in Vattenfalls Kerngeschäften Strom, Gas und Wärmeproduktion insbesondere auf dem europäischen Festland zunehmend schwieriger. Das klassische Geschäftsmodell der Grundlaststromproduktion litt unter der zunehmenden Rolle von erneuerbaren Energien und damit einhergehenden sinkenden Preisen auf Strom-Großhandelsmärkten. Ebenso machten der Atomausstieg in Deutschland sowie die fehlende Wirtschaftlichkeit von Gaskraftwerken unter hohen Gaspreisen dem Konzern zu schaffen. Ende 2012 wurden im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung die finanziellen Unternehmensziele von Seiten der schwedischen Regierung gelockert. Die für Januar 2014 beschlossene Aufspaltung des Konzerns in einen nordischen Teil und einen kontinentaleuropäischen Teil bewerten einige Analysten als Vorläufer zu einem teilweisen oder kompletten Rückzug der Vattenfall AB aus der Braunkohleverstromung in Deutschland.[5] Auf dem Spiel steht nunmehr auch das Engagement des Konzerns im Netzbetrieb der Fernwärme- und Stromverteilnetze in Hamburg und Berlin. Wenngleich nicht ganz freiwillig, einigte sich Vattenfall infolge einer Volksabstimmung mit der Stadt Hamburg Anfang 2014 auf den direkten Verkauf des Strom-Verteilnetzes sowie den optionalen Verkauf des Fernwärmenetzes an die Freie und Hansestadt Hamburg.[6] An Strom- und Fernwärmenetz in Berlin will der Konzern weiterhin festhalten, nachdem der dortige Volksentscheid über die Rekommunalisierung der Berliner Energieversorgung 2013 knapp am Erreichen des Quorums scheiterte.

Engagement in den Bereichen erneuerbare Energien und Emissionsreduktion

2012 gab die schwedische Regierung Vattenfall vor, sich künftig stärker auf erneuerbare Energien zu konzentrieren und weniger auf Kohlestrom und Atomstrom.[7] Nachhaltigkeitsziele erfordern von Vattenfall eine Senkung der Kohlendioxidemissionen bis zum Jahr 2020 auf 65 Millionen Tonnen (2010: 94 Mio. Tonnen).[8] Vor dem Hintergrund dieses Nachhaltigkeitziels wurde Anfang 2013 das Braunkohlekraftwerk Lippendorf zum Verkauf öffentlich angeboten. In diesem Kontext sind auch die Bemühungen Vattenfalls zu sehen, die Technik der CO2-Abscheidung und -Speicherung zur Marktreife zu bringen. Vattenfall plante ursprünglich an einem neuen Braunkohlekraftwerk beim Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg ein Projekt zur CO2-Abscheidung und -Speicherung. Diese Planungen wurden jedoch im Dezember 2011 eingestellt.[9] Der Konzern investiert seit Beginn der 2000er Jahre in verschiedene Großprojekte im Bereich der Windenergie auf See. Darunter fallen etwa Beteiligungen Vattenfalls an den deutschen Nordsee-Windparks DanTysk (288 MW) und Alpha ventus (60 MW) sowie an zahlreichen britischen Projekten. Während Vattenfall in Deutschland bis auf eine 20%ige Minderheitsbeteiligung in Brokdorf aus der Atomstromproduktion ausgestiegen ist, wird im schwedischen Geschäft die Kernenergie weiterhin als CO2-arme Option zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele verfolgt. Ergebnisoffene Konsultationen und Investitionsplanungen zur Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerkes Ringhals befinden sich 2014 im Frühstadium.

Windpark auf See
Meer
Land
Kapazität (MW)
Beteiligung
Betrieb
Alpha ventus Nordsee Deutschland Deutschland 60 26,25 % 2009
DanTysk Nordsee Deutschland Deutschland 288 51 % 2014
East Anglia Array Nordsee England England 7.200 50 % geplant 2018–2026
Egmond aan Zee Nordsee Niederlande Niederlande 109 25 % 2007
Horns Rev Nordsee Danemark Dänemark 160 60 % 2002
Kentish Flats Nordsee England England 90 100 % 2005
Lillgrund Ostsee Schweden Schweden 110 100 % 2007
Ormonde Irische See England England 150 51 %[10] 2011
Pen y Cymoedd Irische See Wales Wales 256 100 % geplant 2016
Thanet Nordsee England England 300 100 % 2010
Utgrunden 1 Ostsee Schweden Schweden 10 100 % 2000
Yttre Stenunggrund Ostsee Schweden Schweden 10 100 % 2001

Stromerzeugung

In Schweden nutzt Vattenfall AB je zur Hälfte Kernenergie und Wasserkraft zur Stromerzeugung.

In Deutschland betrug der konzernweite Strommix laut Stromkennzeichnung[11] im Jahr 2012:

Die Verteilung der Energieträger international stellte sich bis 30. September 2015 wie folgt dar:[1][2]

  • Fossile Energie: 52 %
  • Kernenergie: 22 %
  • Wasserkraft: 23 %
  • Windenergie: 2 %
  • Biomasse: 1 %

Lobbyismus

Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung aus CDU und SPD steht: „Die konventionellen Kraftwerke (Braunkohle, Steinkohle, Gas) als Teil des nationalen Energiemixes sind auf absehbare Zeit unverzichtbar.“ Der Satz wurde von Ulrich Freese, Gewerkschafter (IG BCE) und Abgeordneter des Deutschen Bundestages für die SPD, in den Koalitionsvertrag eingebracht. Freese ist Mitglied des Aufsichtsratsrats von Vattenfall (Deutschland) und wird in Medienberichten als Lobbyist der Kohleindustrie bezeichnet.[12][13]

Weblinks

 Commons: Vattenfall  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Vattenfall – in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Geschäftsbericht 2014 (PDF; 4,6 MB) Abgerufen am 6. Oktober 2015.
  2. 2,0 2,1 2,2 Energiekonzerne – News Januar 2016 Abgerufen am 10. Februar 2016.
  3. http://corporate.vattenfall.de/uber-uns/unternehmensgeschichte
  4. Nedskrivningen på 15 miljarder bara början . In: svd.se, 24. April 2013. Abgerufen am 26. Juli 2013.
  5. Handelsblatt 26. Juli 2013 Handelsblatt: Vattenfall prüft Deutschland Rückzug
  6. Handelsblatt zur Einigung zwischen Stadt Hamburg und Vattenfall . Abgerufen am 26. Januar 2014.
  7. spiegel.de 28. November 2012: Strategiewechsel Vattenfall will nur noch auf erneuerbare Energie setzen
  8. Pressemitteilung: Vattenfall definiert neue Nachhaltigkeitsziele
  9. Vattenfall stoppt Jänschwalde . In: ntv.de, 5. Dezember 2011. Abgerufen am 6. Dezember 2011.
  10. Vattenfall sells half of Ormonde . In: Windpower Monthly, 18. Dezember 2015. Abgerufen am 18. Dezember 2015.
  11. Kennzeichnung der Stromlieferungen (PDF; 262 kB)
  12. Die Welt, Braunkohle-Lobby schrieb am Koalitionsvertrag mit , 13. Dezember 2013
  13. Lausitzer Rundschau, Greenpeace löst Skandalisierungswelle aus , 13. April 2013

Kategorien: Energieversorger | Vattenfall | Energieunternehmen (Schweden) | Kernkraftwerksbetreiber | Unternehmen (Stockholm) | Gegründet 1909

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Vattenfall (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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