Vakuumentwässerung - LinkFang.de





Vakuumentwässerung


Vakuumentwässerung (technisch richtig: Unterdruckentwässerung) bezeichnet ein Entwässerungsverfahren, bei dem mit Hilfe von Unterdruck das Abwasser von den Hausanschlüssen abgesaugt wird.

Geschichte

Der im allgemeinen Sprachgebrauch oft verwendete Begriff „Vakuumentwässerung“ ist technisch nicht korrekt. In der Fachwelt wird der Begriff „Unterdruckentwässerung“ als korrekt angesehen und verwendet. Für dieses Entwässerungsverfahren wurde zwar bereits 1870 dem Niederländer Charles T. Liernur ein preußisches Patent erteilt und es wurde in mehreren Städten eingesetzt (z.B. 1892 in der Pariser Vorstadt Levallois-Perret), jedoch geriet es in Vergessenheit.[1] Es galt als unzuverlässig, da die Konstruktion der Pumpstationen und die Art der Rohrverlegung noch unausgereift waren. Heute gilt das Verfahren als zuverlässig und wird weltweit eingesetzt.

Funktion

In einer zentral angeordneten Unterdruckstation befindet sich ein Unterdruckbehälter, in den das Schmutzwasser von den angeschlossenen Gebäuden über Unterdruckleitungen gelangt. Eine Vakuumpumpe hält im Unterdruckbehälter einen Unterdruck in einem Bereich von z.B. 0,6 bis 0,7 bar gegenüber der Atmosphäre aufrecht. Aus dem Unterdruckbehälter fördert eine Abwasserpumpe das Schmutzwasser zu einer Kläranlage. Über die an die Behälter angeschlossenen Unterdruckleitungen wirkt der Unterdruck bis zu den Hausanschlussschächten und steht dort mit mindestens 0,2 bar unter dem atmosphärischen Druck an. Wenn sich im Hausanschlussschacht eine bestimmte Schmutzwassermenge angesammelt hat, öffnet ein Sensor über eine Steuereinheit das Absaugventil, um das Schmutzwasser abzusaugen. Wenn der Sensor, die Steuereinheit und das Absaugventil pneumatisch arbeiten, ist keine Stromversorgung erforderlich. Nach oder zugleich mit dem Schmutzwasser wird das 2- bis 15-fache Luftvolumen eingesaugt; das Luft/Wasser-Verhältnis ist an der Steuereinheit einstellbar. Die Vakuumleitungen werden mit systematisch angeordneten Hoch- und Tiefpunkten eingebaut. An den Tiefpunkten sammelt sich das Schmutzwasser und wird durch nachströmende Luft über den nächstfolgenden Hochpunkt geschoben. Es handelt sich um ein mit der Rohrpost vergleichbares System. Ein Unterdruckentwässerungssystem kann Schmutzwasser um bis zu 5 m heben, in Sonderfällen sogar noch höher.

Vorteile

Gefälle ist nicht erforderlich. Das Schmutzwasser kann sogar über geringe Höhen hochgesaugt werden. Auch tief liegende Häuser können angeschlossen werden. Besonders geeignet ist das System deshalb für flaches Gelände, hohen Grundwasserstand oder schwierige Bodenverhältnisse (z.B. felsiger Boden).

Die Unterdruckleitungen haben einen wesentlich geringeren Durchmesser als Freigefälleleitungen. Sie werden in geringer, dem Geländeprofil angepasster Tiefe verlegt. Bei offener Bauweise ist der Graben schmal und wenig tief. Auch ein grabenloser Einbau ist mit Einschränkungen möglich. Die Baukosten sind wesentlich geringer.

Aus Unterdruckleitungen kann sogar bei Leckage kein Schmutzwasser austreten. Leckagen sind außerdem feststellbar und genau lokalisierbar. Deshalb ist das System für Wasserschutzgebiete besonders geeignet. Unterdruckleitungen dürfen deshalb auch mit Trinkwasserleitungen in einem gemeinsamen Graben verlegt werden.

Das System ist auch für die Stoffstromtrennung besonders geeignet. Es ist in der Lage, Schwarz- und Braunwasser zu fördern. Es ermöglicht nicht nur den Anschluss von Unterdrucktoiletten und -Urinalen, sondern auch den Anschluss aller anderen Entwässerungsgegenstände (z.B. von Waschtischen, Bodenabläufen, Wannen und/oder Duschen, Spül- und Waschmaschinen).

Einsatzbereiche

Ein konventionelles Freigefällesystem erfordert bei mangelndem Geländegefälle einen tiefen Einbau sowie ggf. Pumpwerke und ist deshalb teuer. Ein Druckentwässerungssystem mit einer Vielzahl von Pumpen erfordert eine lokale Stromversorgung und ist für größere Systeme sehr teuer. Bei flachem Gelände oder hohem Grundwasserspiegel und beim Anschluss von mehr als 25 Häusern ist das Unterdrucksystem in der Regel wirtschaftlicher.[2]

Unterdruckentwässerung für Gebäude

Die Unterdruckentwässerung wird seit Jahrzehnten in Schiffen, Flugzeugen und Zügen erfolgreich eingesetzt, weil sie wassersparend ist. Auch für den gewerblichen und privaten Hochbau bietet die Unterdruckentwässerung gegenüber erhebliche ökonomische und ökologische Vorteile:

  • gefälleunabhängig und flexibel in der Leitungsführung
  • einfacher Anschluss weiterer Schmutzwasseranfallstellen (z.B. im Keller)
  • Rohre mit geringer Nennweite
  • minimaler Wasserverbrauch von Sanitäreinrichtungen (ein Unterdruck-WC benötigt nur ca. 10 % des Wassers für die Spülung)
  • Einfacher Anschluss von Kühl- und Tiefkühltruhen
  • verminderter Planungs- und Koordinationsaufwand
Unterdruckentwässerung für Siedlungen
  • Kostengünstiger Anschluss von Siedlungen mit geringer Bebauungsdichte.[3]
  • geringe Einbautiefe und schmale Gräben; deshalb auch für sensible Verhältnisse geeignet (z.B. denkmalgeschützte Altstädte)
  • Minimierung der Verkehrsbeeinträchtigung
  • Strecken ohne Seitenanschlüsse können auch in grabenloser Bauweise (z.B. mittels gesteuert Horizontalbohrung) verlegt werden
Leckage im Rohrleitungsnetz

Eine Leckage wird durch erhöhte Laufzeit der Vakuumpumpen und im Extremfall durch den Zusammenbruch des Unterdruckes im Unterdruckbehälter schnell erkannt.

Wenn im Unterdrucksystem systematisch Inspektionsrohre eingebaut sind, können Leckagen festgestellt und mit einfachem Gerät(aufblasbarer Absperrball) genau lokalisiert werden. Wenn Inspektionsrohre im Abstand von ca. 100 m und Absperrschieber im Abstand von maximal 500 eingebaut werden, können Teilstränge des Rohrleitungsnetzes abgetrennt werden.

Das System bleibt intakt und betriebsbereit. Eine Reparatur kann mit kurzen Reaktionszeiten im laufenden Betrieb erfolgen. Beim Freigefälle- oder Druckentwässerungssystem können Leckagen im Rohrleitungsnetz nur mit großem Aufwand festgestellt und repariert werden. Dauerhaft unbemerkte Exfiltration, führt zur Verschmutzung des Grundwassers.

Siehe auch

Normen und Literatur

  • EN 1091
  • DWA-A 116-1 (also known as ATV-DVWK-A 116, Part 1)
  • WEF (Water Environment Federation) Alternative Sewer Systems (Second Edition - 2008)
  • WSA 07 (Australian Code)
  • AS 4310 - 2004 (Australian Vacuum Interface Valve Standard)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stuttgarter Berichte zur Siedlungswasserwirtschaft – Band 140 – Universität Stuttgart (PDF-Datei; 293 kB)
  2. Ulrich Kunz: Druck- und Vakuumentwässerung für Liegenschaften, Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute, Verlag Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute, 1996
  3. Georg Maybaum, Rainer Vahland, Wolfgang Oltmanns: Verfahrenstechniken in der Geotechnik, Verlag Vieweg +Teubner, 2006, ISBN 3519003899, S. 384ff

Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Vakuumentwässerung (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.