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Ulrich Waller


Ulrich Waller (* 1. Januar 1956 in Marburg an der Lahn) ist ein deutscher Regisseur, Theaterleiter und Autor.

Leben

Ulrich Waller ist als Sohn eines Arztes in Tübingen aufgewachsen und studierte nach dem Abitur am Uhland Gymnasium Germanistik und Geschichte in Tübingen und München. 1976 ging er als Regieassistent ans Schauspiel Frankfurt zu Peter Palitzsch und 1979 zu Jürgen Flimm ans Schauspiel Köln und brachte in demselben Jahr in Bremen unter dem Schauspieldirektor Frank-Patrick Steckel seine erste Inszenierung heraus: Ella von Herbert Achternbusch mit Ignaz Kirchner und Circe.

Anfang der 1980er Jahre war er unter der Intendanz von Niels-Peter Rudolph als Regisseur und Dramaturg am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg engagiert, inszenierte hier u. a. Susn von Achternbusch mit Hannelore Hoger (1981), Schatten eines Rebellen von Sean O’Casey mit Burghart Klaußner und Imogen Kogge (1982), als Uraufführung (UA) Lämmermann von Ludwig Fels (1983) und am Staatstheater Stuttgart als UA Das kurze Leben der Schneewolken von Wolfgang Bauer u. a. mit Elke Lang (1983). 1986 brachte er in der Hamburger Kampnagelfabrik mit Barbara Nüsse die Bearbeitung des letzten Kapitels von JoycesUlysses“ unter dem Titel Penelope heraus. Neufassung für die Ruhrfestspiele Recklinghausen und im Thalia-Gaußstr. wieder mit Barbara Nüsse (2014). 1988 wurde er Mitglied der künstlerischen Leitung des Frankfurter TAT (zusammen mit Elke Lang und Tom Stromberg). Hier führte er u. a. Regie bei Kuß der Spinnenfrau mit Circe und Michael Weber (1987), zusammen mit Elke Lang bei Sieben Türen von Botho Strauß (1988) und erarbeitete zusammen mit Christof Nel die Projekte Wortpest, nach einem Text von Kleist (1989) und Die Erinnerung mißt sich an der Geschwindigkeit des Vergessens (1991).

Waller schrieb verschiedene Theaterstücke, u. a. Küssebisserisse – Eine Komödie über Männer (UA 1986 Schauspielhaus Wien), Davon geht die Welt nicht unter – ein Stück Berliner Geschichte (UA 1991 Schillertheater Berlin), Zapping – Die Komödie der neuen Generation (UA 1995 Kampnagel-Fabrik Hamburg, eingeladen 1996 zum Norddeutschen Theatertreffen in Schwerin), zusammen mit Ulrich Tukur Blaubarts Orchester (UA 1993 Schmidts Tivoli in Hamburg), Einmal Casanova sein (UA 1997 Hamburger Kammerspiele), Die Jungs mit dem Tüdelband - Die Gebrüder Wolf-Story (UA 2002 Hamburger Kammerspiele), zusammen mit Tukur und Frank Göhre Der Lord von Barmbeck (UA 2005 St.Pauli Theater Hamburg), zusammen mit Peter Huth und Benjamin von Stuckrad-Barre 100 Jahre in 100 Minuten, eine Revue über Axel Springer (UA 2012) und zusammen mit Markus Busch die Hamburg-Revuen Linie S 1 (2013) und Hamburg Royal (2015).

Seit 1987 leitet er das alljährliche Hamburger Kabarett Festival, er schrieb und inszenierte zahlreiche Kabarett-Abende für die Bühne und das Fernsehen, die mehrfach mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurden, u. a. mit Matthias Beltz, dem Frankfurter Fronttheater, Horst Schroth, Achim Konejung, Richard Rogler, Arnulf Rating, den Missfits und Matthias Deutschmann, Anfang der 1990er Jahre die Ensemble-Projekte Reichspolterabend II und III mit Beltz, Schroth, Pachl, Rating u. a. und zuletzt die Kabarett-Stücke Ruhrrevue (UA 1999) und Fußballfieber (UA 2006) u. a. mit Herbert Knebel und den Missfits. 2003 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Sänger und Musiker Udo Lindenberg, u. a. bei Atlantic Affairs, eine Revue über deutschsprachige Komponisten im Exil (2004), Dreißig Jahre Panikorchester (2006), Stark wie Zwei (2008) und zuletzt Ich mach mein Ding (2012).

Von 1995 an war er zunächst zusammen mit Ulrich Tukur, seit der Spielzeit 2000/01 dann alleiniger künstlerischer Leiter der Hamburger Kammerspiele und inszenierte hier u. a. Borcherts Draußen vor der Tür mit Ulrich Tukur und Gerhard Garbers (1995), die Uraufführung von Laederachs Fräulein Stefan mit Elke Lang in der Titelrolle (1996), Einmal Casanova sein mit Ulrich Tukur (1997), Becketts Das letzte Band mit Ulrich Wildgruber als Krapp (1997), die Brecht-Collage Von Augsburg nach Bilbao mit Ulrich Tukur (1998), Harwoods Der Fall Furtwängler mit Tukur und Peter Fitz (1999), Becketts Glückliche Tage mit Barbara Nüsse und Peter Franke (1999), Der Totmacher mit Christian Redl als Fritz Haarmann (2000), Anne Frank mit Caroline Ebner (2001) als Koproduktion mit dem schauspielhannover (eingeladen zum Norddeutschen Theatertreffen 2002), Drei Mal Leben von Yasmina Reza mit Barbara Auer, Burghart Klaußner, Rudolf Kowalski und Leslie Malton (2001), Lieder am Abgrund mit Ulrich Tukur (2001), Die Gebrüder Wolf-Story Die Jungs mit dem Tüdelband mit Peter Franke und Gerhard Garbers (2002), Thomas Bernhards Am Ziel mit Barbara Nüsse (2002), Ein Stück vom Himmel mit Katja Riemann, Imogen Kogge, Max Hopp, Natalia Wörner u. a. in Co-Produktion mit dem Deutschen Theater Berlin (2002).

Seit Herbst 2003 ist er künstlerischer Leiter des St.Pauli Theaters in Hamburg und inszenierte u. a. Auf der Reeperbahn...- eine St.Pauli-Revue (2003), Brechts Die Dreigroschenoper u. a. mit Eva Mattes, Stefanie Stappenbeck, Maria Bill, Christian Redl, Peter Franke und Ulrich Tukur (2004), Der Lord von Barmbeck von Göhre/Tukur/Waller mit Ulrich Tukur (2005),Totaler Filmriß (Die Affaire Rue de Lourcine) mit Peter Franke und Christian Redl (2005), Cabaret mit Gustav Peter Wöhler, Anneke Schwabe, Peter Franke, Elisabeth Schwarz u. a. (2005), Das Sparschwein nach Labiche mit Kristian Bader, Heinrich Pachl, Arnulf Rating, Michael Quast und Horst Schroth (2006), Männergespräche von Morten Feldmann (UA 2006), Siegertypen (National Anthems) von Dennis McIntyre u. a. mit Uwe Bohm (DEA 2007), Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza mit Barbara Auer, Herbert Knaup, Rudolf Kowalski und Anne Weber (2008), zusammen mit Jérôme Savary Happy End von Dorothy Lane/Bertolt Brecht und Kurt Weill mit Angela Winkler und Peter Lohmeyer (2008), Wartesaal Deutschland von Klaus Pohl (2009), Arsen und Spitzenhäubchen u. a. mit Angela Winkler, Eva Mattes, Uwe Bohm und Christian Redl (2009), Eines langen Tages Reise in die Nacht von O´Neill u. a. mit Ben Becker und David Bennent (2010), am Theater am Potsdamer Platz in Berlin das Udo-Lindenberg-Musical Hinterm Horizont (Co-Produktion Stage-Entertainment und St.Pauli Theater, 2011), die DEA von Florian Zellers Die Wahrheit u. a. mit Herbert Knaup und Thomas Heinze (2011), das Musical Anatevka mit Gustav-Peter Wöhler und Adriana Altaras als Tevje und Golde (2011), die DEA von Zeitstillstand von Donald Margulies mit Leslie Malton (2011), Sonny Boys von Neil Simon mit Christian Redl und Gerhard Garbers (2012), Ihre Version des Spiels von Yasmina Reza u. a. mit Hannelore Hoger, Volker Lechtenbrink und Tatja Seibt (2013), die Hamburg-Revue Linie S 1 (2013), in San Gusmé (SI) zusammen mit Matteo Marsan und Dania Hohmann Albicocche rosse - Blutige Aprikosen, ein deutsch-italienisches Theaterprojekt über ein Massaker deutscher Soldaten in einem italienischen Dorf, u. a. mit Adriana Altaras, George Meyer-Goll und Peter Jordan (2014), die DEA Eine Stunde Ruhe von Florian Zeller u.a. mit Herbert Knaup, Johanna Christine Gehlen und Stephan Schad (2015), die DEA von Der Vater, ebenfalls von Florian Zeller u.a. mit Volker Lechtenbrink (2015), die Hamburg-Revue Hamburg Royal (2015), Bella Figura von Yasmina Reza, mit Judith Rosmair, Stephan Schad, Boris Aljinovic, Angela Schmid und Johanna Gehlen (2016) und zuletzt Amara terra mia - Mein bitteres Land, ein Projekt über Migranten (zusammen mit Matteo Marsan und Dania Hohmann), mit Adriana Altaras und Daniela Morozzi (2016).

Seit 2009 bespielt er zusammen mit seinem Partner Thomas Collien auch das Hansa-Theater (Hamburg).

Seit 2006 ist er Dozent an der Theaterakademie Hamburg.

Waller war in 1. Ehe mit der Schauspielerin und Regisseurin Elke Lang verheiratet, die 1998 starb. 2009 heiratete er die Regisseurin Dania Hohmann. Er lebt in Hamburg.

Regiearbeiten (Fernsehen/Film)

  • Der geile Osten, eine Reise durch die letzten Tage der DDR (mit Wigald Boning und David Dunster, NDR 1990, 45 min)
  • Heimatabend, ein emotionaler Kassensturz mit Kabarett und Musik und der Sitcom Schamlos Kernstück eines satirisch-musikalischen Jahresrückblicks mit Ulrich Wildgruber, Brigitte Janner, Kay Maertens, Martina Gedeck, Matthias Beltz, Horst Schroth und Gästen u. a. Burghart Klaußner, Gerhard Garbers, Georg Schramm, Elke Lang, Michael Schönborn, Matthias Fuchs, Gustav Peter Wöhler und Ulrich Tukur. (10 Folgen, NDR 1990-99, 90 min/ im Jahre 2000 nominiert für den 36.Adolf Grimme-Preis in der Kategorie „Spezial“)
  • Der unerwartete Osten, zweite Reise in das Testgebiet der Zukunft (mit David Dunster, NDR 1994, 45 min)
  • Letzte und erste Tage, eine Revue der Erinnerungen mit Alfred Biolek, Ulrich Wickert, Udo Lindenberg, Tim Fischer, Ulrich Tukur, Marianne Rosenberg, Esther Ofarim, Buch Horst Königstein/Rüdiger Hoffmann (Radio Bremen, 1995, 120 min)
  • Zu Gast bei Ulrich Tukur, neunteilige Talkshow mit Gästen u. a. Karl Schönboeck, Heinz Both, Margot Hielscher, Ilse Werner, Nadja Tiller, Robert Kempowski, Erich Kludas, F.J. Krüger, Horst Winter und den Rhythmus-Boys, (NDR 1996-98, 45 min)
  • Dichter in Hamburg, sechsteilige Serie auf den Spuren von Dichtern, die aus Hamburg stammten oder in Hamburg gelebt haben. u. a. mit Christian Quadflieg, Ulrich Tukur, Otto Sander und Ulrich Wildgruber. (NDR 1997-99, 45 min)
  • Ein satirischer Jahresrückblick (lief unter verschiedenen Namen) mit Peter Lohmeyer und Gästen u.a. Georg Schramm, Horst Schroth, Matthias Beltz, Hagen Rether, Michael Schönborn, (10 Folgen, NDR 2000 - 2009, 90 min)
  • Zwei Hamburger Jungs - Biermann trifft Tukur, Gala zum 70. Geburtstag von Wolf Biermann (NDR 2006, 90 min)
  • Der vergessene Krieg - San Gusmè und das Theater der Erinnerung, (Co-Regie zusammen mit Eduard Erne), u.a. mit Adriana Altaras, Carlo Gentile, Dania Hohmann, Peter Jordan, Christiane Kohl, Matteo Marsan, Daniela Morozzi, David Riondino, Bebo Storti, Ulrich Tukur, (in Zusammenarbeit mit NDR und BR 2015, 88 min, eingeladen zum Hamburger Filmfest 2015)

Bücher

  • Vera, Nikolas und das Feuer - eine Drachengeschichte. mit Illustrationen von Andrè Aurich. Verlag Klöpfer und Meyer, Tübingen 1993.
  • Mein Weg dauert länger – Elke Lang: Regisseurin, Schauspielerin. Achilla-Presse Hamburg 1999.
  • Nichts als Theater – Die Geschichte der Hamburger Kammerspiele. (zusammen mit Ulrich Tukur), Christians-Verlag Hamburg 2003.
  • Broadway auf dem Kiez - 175 Jahre St.Pauli Theater (zusammen mit Claus G. Budelmann und Thomas Collien), Ellert und Richter-Verlag, Hamburg, 2016

Weblinks


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