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Tuzla


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Tuzla (Begriffsklärung) aufgeführt.
Tuzla
Тузла
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation
Kanton: Tuzla
Koordinaten:
Höhe: 232 m. i. J.
Fläche: 303 km²
Einwohner: 120.441 (2013)
Bevölkerungsdichte: 397 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: +387 (0) 35
Postleitzahl: 75000
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Gliederung: 40 Ortsgemeinschaften
Bürgermeister: Jasmin Imamović (SDP)
Postanschrift: ZAVNOBiH-a 11
75000 Tuzla
Webpräsenz:

Tuzla (serbisch-kyrillisch Тузла ; deutsch veraltet Salinae) ist eine Industriestadt im Nordosten von Bosnien und Herzegowina. Sie liegt im Spreča-Tal am Fluss Jala. Tuzla ist die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons der Föderation Bosnien und Herzegowina. Die Stadt ist mit etwa 120.000 Einwohnern die drittgrößte des Landes. Die Fläche des eigentlichen Stadtgebietes beträgt 15 km², die der Kommune 303 km². Der Kanton Tuzla ist mit rund 477.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Kanton des Landes.

Geographie und Klima

Tuzla ist in einem hügeligen Gelände südöstlich des Majevica-Gebirges gelegen.

Der südwestlich der Stadt gelegene Modracsee ist das größte Naherholungsgebiet der Stadt. Dieser Stausee entstand 1964 und wird als Wasserspeicher für die umliegende Industrie genutzt. Er besitzt eine Wasserfläche von ungefähr 900 Hektar, eine maximale Tiefe von 20 Metern und eine mittlere Tiefe von 7 Metern.

Das Klima in Tuzla ist gemäßigt geprägt, jedoch eher ein Kontinentalklima mit kalten Wintern und heißen Sommern. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 10 °C; der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt 895 mm.

Die tiefste jemals gemessene Temperatur lag bei -25,8 °C am 24. Januar 1963, die höchste bei 39,5 °C am 6. Juli 1988.[1]

Geschichte

Frühgeschichte

Wie archäologische Ausgrabungen zeigen, reicht die Geschichte Tuzlas bis in die Jungsteinzeit zurück. Früheste Nachweise der Besiedlung durch slawische Stämme reichen bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. Auf Grund der in der Gegend häufig anzutreffenden salzhaltigen Quellen wurde die Siedlung zunächst Soli (slawisch für Salz) genannt.

In Gornja Tuzla, rund 10km vom Stadtzentrum Tuzlas entfernt, legten Ausgrabungen eine Siedlung der Starčevo-Kultur frei, die als ältestes Zeugnis dieser Kultur in Bosnien und Herzegowina gilt und auf 3000–2000 v. Chr. datiert wird.[2] Die restaurierten Reste einer Pfahlbausiedlung, älteste ihrer Art im Raum des ehemaligen Jugoslawien, können heute auf dem Gelände des künstlich angelegten Salzsees der Stadt besichtigt werden.

Osmanisches Reich

Im Jahr 1463 wurde die Stadt von den Osmanen eingenommen und erhielt den an das türkische Wort für Salz (tuz) angelehnten Namen Tuzla.

Erster und Zweiter Weltkrieg

Nach dem Rückzug der Osmanen wurde Tuzla 1878 Teil Österreich-Ungarns. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Tuzla fortan zu Jugoslawien.

Im Zweiten Weltkrieg kam Tuzla 1941 nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Jugoslawien in den daraufhin gebildeten, von den Nationalsozialisten gestützten Unabhängigen Staat Kroatien. Die Partisanenbewegung hatte daraufhin eine Stütze in der Bevölkerung Tuzlas. Am 2. Oktober 1943 wurde die Stadt durch Partisanen befreit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Tuzla zu einer bedeutenden Industriestadt im sozialistischen Jugoslawien. Basierend auf den Salz- und Kohlevorkommen in der Umgebung der Stadt entwickelte sich eine starke chemische und Kraftwerksindustrie. Dies führte auch zum Zuzug vieler Menschen aus verschiedenen Teilen Jugoslawiens und festigte damit die vorher schon bestehende multiethnische Bevölkerungsstruktur der Stadt.

Bosnienkrieg

Während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995 gehörte Tuzla zum von der bosnischen Regierungsarmee dominierten Teil von Bosnien und Herzegowina. Im und nach dem Krieg wurde die Stadt Zuflucht vieler Flüchtlinge.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten wurde Tuzla in dieser Zeit aber nie von nationalistischen Parteien regiert und auch während des Krieges arbeiteten bosniakische, kroatische und serbische Bewohner weiterhin zusammen und verteidigten die Stadt auch gemeinsam gegen die Angriffe serbischer Einheiten. Im Winter 1993/1994 war die Stadt zeitweilig ganz von serbischen Truppen eingekesselt, was zu einer teilweise dramatischen Versorgungslage führte. Auch kam es immer wieder zu Granateneinschlägen und damit verbundenen Zerstörungen in der Stadt.

Besonders in Erinnerung bleiben der Überfall auf die Tuzla-Kolonne am 15. Mai 1992 und das Tuzla-Massaker vom 25. Mai 1995. Allein bei diesen beiden Anschlägen starben mindestens 171 meist junge Menschen.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs mit dem Daytoner Abkommen vom Dezember 1995 erholt sich die Stadt nur langsam und ist weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen.

Während des Krieges erlangte Selim Bešlagić als Bürgermeister einige Berühmtheit wegen des erfolgreichen Managements und der Verteidigung der Stadt. Der jetzige Bürgermeister Jasmin Imamović engagiert sich stark in der Entwicklung der Stadt.

Am 24. Juli 2014 bekam Tuzla vom Parlament der Föderation Bosnien und Herzegowina offiziell den Status einer Stadt (Grad) zugewiesen.

Wirtschaft

Tuzla besitzt vor allem am Westrand der Stadt ein großes Industriegebiet, das geprägt ist durch folgende Unternehmen:

  • Termoelektrana Tuzla, das größte Kohlekraftwerk Bosnien-Herzegowinas mit fünf Kraftwerksblöcken und einer installierten Gesamtleistung von 780 MW
  • KREKA, die Verwaltung der umliegenden Kohle-Bergwerke (Unter- und Übertageabbau)
  • HAK Hloralkani kompleks (Chlorchemie)
  • Solana (Herstellung von Salzprodukten)
  • Fabrika deterdženta (Herstellung von Seifenprodukten)
  • Tehnograd (Bauunternehmen für Industriegebäude)

Die Betriebe mussten während des bosnischen Bürgerkriegs zu einem großen Teil ihre Produktion einstellen. Die größten wurden später privatisiert und für bankrott erklärt. Arbeitslöhne und Sozialleistungen waren da teils schon mehrere Jahre nicht bezahlt worden, die Betriebe zuletzt ganz geschlossen und Tausende entlassen, weswegen von „krimineller Privatisierung“ die Rede ist[3], was im Februar 2014 zu ausgedehnten gewalttätigen Protesten führte. Die Arbeitslosigkeit in Tuzla liegt wegen der Massenentlassungen bei 50 %, die Jugendarbeitslosigkeit gar bei 70 %.

Die Stadt ist außerdem der Sitz der NLB Tuzlanska banka und der Trasys Bosnia, einem Fertiger von elektrischen Wicklungen für Elektromotoren und Generatoren.

Verkehr

Tuzla liegt an der Gabelung der Fernstraße von Sarajevo nach Osijek sowie Bijeljina.

1886 erhielt Tuzla mit einer Stichlinie der schmalspurigen Bosnabahn einen Anschluss ans Eisenbahnnetz. 1947 bis 1951 wurde die Bahnlinie auf Normalspur umgebaut. Als Folge des Bosnienkriegs 1992 bis 1995, als der Bahnverkehr teilweise völlig zum Erliegen kam, ist der durchgehende Personenverkehr nach Sarajevo aber immer noch unterbrochen. Neben einer lokalen Bahnlinie nach Živinice und Banovići gibt es eine Verbindung nach Brčko mit Anschluss ins kroatische Vinkovci an der Strecke von Zagreb nach Belgrad. Seit 2003 pendelt wieder zweimal täglich ein Triebwagen auf der Bahnstrecke Doboj–Tuzla mit teilweise guten Anschlüssen nach/von Sarajevo, Banja Luka und Zagreb.

Die in den Jahren vor dem Bosnienkrieg gebaute Bahnlinie nach Serbien von Tuzla über Zvornik nach Valjevo wird gegenwärtig nur für den Güterverkehr genutzt. Die Werksbahnen (Kohlebahnen) der Region Tuzla betreiben im Ortsteil Bukinje eine Werkstatt, die den Weiterbetrieb der Baureihe JZ 33 (Dampflokomotive), eine ehemalige deutsche Kriegslokomotive der Baureihe 52, gewährleisten. Diese Baureihe wird, einzigartig in Europa, zum heutigen Zeitpunkt noch immer planmäßig in Tuzla eingesetzt.

Der ehemalige Militärflugplatz, etwa 10 km südlich der Stadt, wird heute als nationaler und auch internationaler Passagierflughafen genutzt. Der IATA-Code ist TZL.

Kultur

Tuzla ist seit 1976 Universitätsstadt. Entsprechend seiner Bedeutung als Industriestadt liegt der Schwerpunkt der universitären Ausbildung bei den Ingenieurwissenschaften.

In Tuzla gibt es ein Nationaltheater, ein Stadtmuseum, eine Kunstgalerie, das Kultur- und Sportzentrum Mejdan und das Stadion Tušanj.

Das größte Hotel der Stadt ist das 12-stöckige Hotel Tuzla mit 192 Zimmern.

Tuzla ist unter anderem wegen seines Salzes bekannt. Der Boden unter der Stadt ist sehr salzhaltig mit vielen Hohlräumen, so dass die Stadt nach und nach immer wieder absackt und neu gebaut wird. So gibt es dort nur sehr wenige Häuser, die älter als 100 Jahre sind. Doch in den letzten Jahren wurde das Thema Salz in Tuzla auch touristisch und kulturell interessant gemacht. Eine Stelle im Park, in der unmittelbaren Nähe des Stadtzentrums, ist in den letzten Jahrzehnten immer tiefer abgesunken. In dieser Senke wurde im Sommer 2003 ein künstlicher Salzsee eröffnet, der als Freibad genutzt wird. Er ist der einzige seiner Art in Europa und wurde im Eröffnungsjahr von mehr als 100.000 Besuchern genutzt. Außerdem wurde im Sommer 2004 im Stadtzentrum ein Salzplatz gebaut. In einer Ausstellung können Interessierte Gegenstände, die beim historischen Salzabbau benutzt wurden, besichtigen. Zudem ist der Salzplatz Schauplatz für aktuelle kulturelle Ereignisse wie Folklore- und Filmvorstellungen.

Partnerstädte

Tuzla unterhält Städtepartnerschaften mit dem italienischen Bologna, dem kroatischen Osijek, dem ungarischen Pécs, dem spanischen L’Hospitalet de Llobregat, dem französischen Saint Denis und dem türkischen Tuzla.[4]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten

Weblinks

 Commons: Tuzla  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Temperatures and Precipitations. Föderales Statistikbüro, abgerufen am 1. Mai 2013 (english).
  2. Franz N. Mehling (Hrsg.), Knaurs Kulturführer in Farbe Jugoslawien, Droemer Knaur, München und Zürich 1984, S. 397f., ISBN 3-426-26135-9
  3. Der bosnische Frühling ist vorüber, die Wut ist geblieben. Die ZEIT, abgerufen am 9. Oktober 2014 (d).
  4. Internationale Zusammenarbeit. Stadtverwaltung, abgerufen am 7. Mai 2013 (bosanski).

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Tuzla (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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