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Tschetschenen


Die Tschetschenen sind eine Bevölkerungsgruppe im Nordkaukasus. Sie selbst nennen sich Nochtschi (Sg. Nochtschuo). Mit ihren sprachlich und kulturell eng verwandten Nachbarn, den Inguschen, werden sie in die ethnologische Gruppe der Wainachen eingeordnet. Ihre Sprache, das Tschetschenische, gehört zusammen mit der inguschischen Sprache zum wainachischen Zweig innerhalb der nachischen Sprachen der nordostkaukasischen Sprachfamilie. Die Tschetschenen gehören in ihrer großen Mehrheit dem sunnitischen Islam an.

Siedlungsraum

Anfang der 1990er Jahre lebten 76,7 % der Tschetschenen in der sowjetischen Tschetscheno-Inguschischen Republik, die 1991 aufgeteilt wurde in Tschetschenien und Inguschetien. Diese Trennung wurde bei der Auflösung der Sowjetunion beibehalten. Bei der Volkszählung von 2010 bildeten die Tschetschenen mit 95,3 % (1.206.551[1]) die größte Volksgruppe in der russischen Teilrepublik Tschetschenien. In gesamt Russland ermittelte die Volkszählung 2010 1.431.360 Tschetschenen[2]. Des Weiteren besteht in der Türkei mit etwa 70.000 Personen eine tschetschenische Diasporagemeinde.

Frühere Geschichte

Die Ursprünge der Tschetschenen und Inguschen liegen weitgehend im Dunkeln. Nach archäologisch nicht zu belegenden Theorien gingen beide Völker aus den Hurritern hervor. Danach wären hurritische Stämme nach der Zerschlagung des Mittanireiches in den unwegsamen Kaukasus abgewandert und hätten sich dort mit den Angehörigen der sogenannten Koban-Kultur vermischt, daraus seien die Wainachen entstanden. Götterstatuen und Kurgane in unwegsamen Tälern zeugen heute noch von der frühen Periode der wainachischen Kultur.

In der Antike und im frühen Mittelalter wurde das Siedlungsgebiet der Wainachen zum Berührungspunkt verschiedener expandierender Reiche: In den Höhenlagen bestand das Königreich Serir, in der nördlichen Ebene herrschten die Alanen, denen es vorübergehend gelang, die Wainachen zu unterwerfen. Dabei wurden die Alanen für einige Jahrhunderte sesshaft und übernahmen Elemente der wainachischen Kultur. Darüber hinaus wurden die Römer in der Region aktiv, später das sassanidische Persien die arabischen Kalifate, die Chasaren sowie verschiedene Nomadenstämme. Im Lauf der Jahrhunderte veränderte sich das wainachische Siedlungsgebiet entsprechend der Bedrohungslage: In friedlichen Zeiten expandierten die Wainachen in die Ebene im Norden des Kaukasus, wenn Krieg war, zogen sich die Menschen in befestigte Siedlungen in den Bergen zurück. Sie besetzten damit eine wichtige strategische Position, da mehrere Handelswege durch den Kaukasus führten.

Beginnend ab dem 10. Jahrhundert wurden die Wainachen von Georgien aus christianisiert. In dieser Zeit entstanden neben Kirchen auch zahlreiche Wohn- und Verteidigungstürme. Die Christianisierung fand im 13. Jahrhundert ihren Abschluss. Kurz darauf überrannten die Mongolen den Kaukasus, was die Wainachen zwang, sich wieder in die Berge zurückzuziehen. Nach dem Zerfall des Timuridenreiches expandierten die Wainachen wieder in die Ebenen. Etwa zu dieser Zeit spalteten sie sich vermutlich in Tschetschenen und Inguschen auf. Die Tschetschenen entwickelten eine Stammesgesellschaft mit starken Tendenzen zur Aufsplitterung. Die Bildung eines gemeinsamen Staates gelang nie. Erst im 16. Jahrhundert war die Islamisierung abgeschlossen (siehe auch Islam in Russland).

Spätere Geschichte

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Rudolf A. Mark: Die Völker der ehemaligen Sowjetunion. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Opladen 1992, ISBN 3-531-12075-1.
  • Lechi Ilyasov: The Diversity of the Chechen Culture: From Historical Roots to the Present. 1. Auflage. Moskau 2009, ISBN 978-5-904549-02-2 (englisch; PDF ).
  • Amjad Jaimoukha: The Chechens. A Handbook. London, New York 2005.

Anmerkungen

  1. Ergebnisse der Volkszählung Russlands 2010 , Excel-Tabelle 7, Zeile 515.
  2. Excel-Tabelle 5, Zeile 188 .

Kategorien: Ethnie in Europa | Islam in Russland | Indigenes Volk in Russland | Tschetschenien

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Tschetschenen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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