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Traunwalchen


Traunwalchen
Stadt Traunreut
Höhe: 556 m
Einwohner: 1422 (2013)
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 83374
Vorwahl: 08669

Traunwalchen ist ein Ortsteil der Stadt Traunreut im oberbayerischen Landkreis Traunstein mit ca. 1500 Einwohnern. Traunwalchen ist Sitz einer katholischen Pfarrgemeinde. Bekannt ist Traunwalchen unter anderem durch seine Musikschule und die Carl-Orff-Volksschule, die eng mit dem Werk von Carl Orff verbunden sind.

Geographie

Traunwalchen liegt an der Traun, einem Nebenfluss der Alz, auf einer Höhe von 556 m ü. NN .

Zur Gemarkung Traunwalchen gehören die Orte Arleting, Frauenhurt, Hölzl, Hörzing, Hurt, Kirchstätt, Niedling, Oderberg, Parzing, Schmieding, Traunwalchen, Walchenberg und Zweckham.

Geschichte

790 wurden Traunwalchen und seine Umgebung in der Salzburger Urkunde Notitia Arnonis erstmals erwähnt. Es werden 80 abgabenpflichtige Romanen an der Traun erwähnt. Traunwalchen ist als »Trunwalha« ebenfalls genannt. Romanische Bevölkerung kann man für die Orte Litzlwalchen, Traunwalchen, Walchenberg, Roitwalchen, Kammer, Oberwalchen und Katzwalchen annehmen. Seit spätestens 1183 wird der Ort von Conventualen des Klosters Baumburg seelsorgerisch betreut. 1290 errichtet Engelbrecht aus dem Geschlecht der Tachinger gegenüber der Traunwalchener Kirche am Ufer der Traun ein Schloss und nennt es seiner Frau Perchta von Stein zu Ehren »Perchtenstein«. 1345 wird die inmitten einer Lichtung des »Weitholzes« errichtete Kirche Kirchstätt eingeweiht. Um 1382 geht das Schloss Pertenstein durch Erbschaft an die Herren von Toerring über, in dessen Besitz es bis zum heutigen Tag bleibt. Um 1450 entstand das rätselhafte Traunwalchener Scheibenkreuz an der Friedhofsmauer. Es ist in seiner Art in Oberbayern einzigartig. Von 1507 datiert der älteste Eintrag im »Traunwalchener Mirakelbuch«. Nahezu 900 Vorfälle künden von der spätmittelalterlichen Wallfahrt nach Traunwalchen.

1551 muss nach jahrzehntelangem Rechtsstreit ein Teil des Ortes Traunwalchen von den Wittelsbachern, vertreten durch ihren Pfleger in Traunstein, aufgegeben werden. Das Oberdorf mit der Kirche wird in den Herrschaftsbereich der Hofmark Pertenstein, die den Herren von Toerring gehört, eingegliedert.

1606 wird nahe am Dorf Traunwalchen über einer Quelle die »Frauenbrunn-Kapelle« errichtet. Die Wallfahrt nach Traunwalchen nimmt damit einen enormen Aufschwung. 1628 nach der Domweihe in Salzburg verweilen der Kurfürst von Köln, Herzog Albrecht und die Kurfürstin von Bayern auf der Heimreise im Schloss Pertenstein. »Den hohen Herrschaften gefiel das Schloss und seine Lage ungemein gut.« 1635 herrschte in Traunwalchen die Pest. 1648 suchen Flüchtlinge während des Dreißigjährigen Krieges Zuflucht in Traunwalchen. 1679 wirkt der Barock-Lyriker Johann Albert Poyssl in der Traunwalchener Kirche. 1717 wird der markante Kirchturm errichtet. 1743–1745 während des Österreichischen Erbfolgekrieges fanden im Schloss Pertenstein Einquartierungen statt. Wie eine Votivtafel aus jener Zeit berichtet, wurde der Ort vor Übergriffen durch die Soldaten verschont. 1768 arbeitete der in Trostberg ansässige Rokoko-Künstler Johann Georg Kapfer an dem neuen Hochaltar für die Traunwalchener Kirche. Sein Werk hat sich bis heute erhalten.

1805 wird Traunwalchen nach der Aufhebung des Klosters Baumburg zu einer eigenen königlichen Pfarrei erhoben. 1808 wird im Zuge der kirchenfeindlichen Politik des frühen 19. Jahrhunderts die Kirche in Kirchstätt abgerissen. 1818 erfolgt die Umwandlung der früheren Hauptmannschaft in eine politische Gemeinde. 1833 bis 1834 wird aufgrund eines Gelübdes die Kirchstätter Kirche von den Bauern der Umgebung wieder aufgebaut. 1839 erfolgt der Neubau der Pfarrkirche Traunwalchen. 1855 erhält Traunwalchen sein erstes Schulhaus. 1874 erfolgt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Traunwalchen, 1902 die Gründung des Burschen-Kranken-Unterstützungs-Verein Matzing, aus dem der Burschenverein Matzing Traunwalchen hervorgeht. 1904 erfolgt die Barockisierung der Traunwalchner Kirche. 1905 erscheint Pfarrer Lohrs »Kurz gefasste Geschichte der Pfarrei Traunwalchen«. Von 1914 bis 1918 müssen 64 junge Männer aus der Pfarrei Traunwalchen im Ersten Weltkrieg ihr Leben lassen. Im Zweiten Weltkrieg wurde über dem Gemeindegebiet von Traunwalchen eine Bombe abgeworfen, die mehrere Personen im Weiler Arleting tötet. 74 junge Männer sind im Zweiten Weltkrieg gefallen.

Nach 1945 steigt die Einwohnerzahl durch Heimatvertriebene stark an. Am 1. Oktober 1950 wurde durch die Regierung von Oberbayern die neue Gemeinde mit dem Namen Traunreut aus Gebietsteilen der Gemeinden Palling, Pierling, Stein an der Traun und Traunwalchen neu gebildet.[1] Im Jahr 1965 erfolgt die Gründung der Sing- und Musikschule Traunwalchen. 1969 nimmt sich der neu gegründete Verein »Heimatbund Schloss Pertenstein« dem vom Verfall bedrohten Toerring-Schloss Pertenstein an und vollbringt in seiner 20-jährigen Tätigkeit eine herausragende Renovierungsleistung. 1971 wurde die Traunwalchner Kirche erneut renoviert. 1971 wird der GTEV „d’Traunviertler“ Traunwalchen gegründet. Mit Wirkung vom 1. Januar 1972 löst sich die 1818 gegründete Gemeinde Matzing auf und schließt sich der Gemeinde Traunwalchen an.[1] 1974 formiert sich die Blaskapelle Traunwalchen. Die Gemeinde Traunwalchen wird am 1. Mai 1978 im Zuge der Gemeindegebietsreform in die Stadt Traunreut eingegliedert.[2] 1978 wird der Grund- und Hauptschule Traunwalchen die Bezeichnung »Carl-Orff-Volksschule Traunwalchen« verliehen. Es sollte damit darauf hingewiesen werden, dass das pädagogische Wirken Carl Orffs in Traunwalchen eine besondere Pflegestätte gefunden hat. 1984 bis 1986 erfolgte die Generalsanierung und Teilneubau der Schule Traunwalchen. Traunwalchen feierte 1990 das 1200-jährige Jubiläum seiner ersten urkundlichen Erwähnung.

Ab 1993 war Beginn der Dorferneuerung in Traunwalchen. 1993/1994 erfolgte die Neugestaltung der Traunwalchner Kirche nach alten Vorbildern. Das Orff-Schulwerk-Symposion 2000 fand in Traunwalchen vom 6. bis 9. Juli 2000 statt. 2002 erfolgte die Einweihung des Neubaus des Wasserkraftwerks Talmühle. Große Veränderungen hat Traunwalchen seit 1997 erfahren durch die Erweiterung des Siedlungsgebietes mit den Baugebieten Zachersdorfer Äcker (1997), Frauenbrunn I (2004) und Frauenbrunn II (2013). Zudem wurde der westliche Ortsbereich durch die kleine Ostspange (Umfahrung von Traunreut) stark mit Verkehr belastet, was zur Gründung der ViTO - Verkehrs-Initiative Traunwalchen-Oderberg führte.

Kultur

Die 1965 gegründete Sing- und Musikschule Traunwalchen und die Carl-Orff-Volksschule Traunwalchen prägen ein reiches kulturelles Leben im Ort. Das Orff-Schulwerk-Symposion 2000 fand vom 6. bis 9. Juli 2000 in Traunwalchen statt.

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter des Orts

Ehrenbürger

Sonstige

Der verstorbene Kardinal Leo Scheffczyk war 1948 Pfarrvikar in Traunwalchen

Literatur

  • Johannes Danner: 1200 Jahre Traunwalchen. Aus der Geschichte eines Landstriches an der Traun. Trostberg 1990. ISBN 3-925-249-16-8
  • Johannes Danner: Pfarrkirche Mariä Geburt - Frauenbrunn - Kirche Kirchstätt. Drei herausragende Baudenkmäler in der Pfarrei Traunwalchen. Traunstein 1995.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 582.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 593.

Kategorien: Ort im Chiemgau | Ort im Landkreis Traunstein | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Traunstein) | Traunreut

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Traunwalchen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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