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Tiefenhöfe


Die Tiefenhöfe sind eine Häusergruppe südlich des Paradeplatzes in Zürich.

Vordere Tiefenhöfe

Wann die ersten Häuser der vorderen Tiefenhöfe gebaut worden sind, ist nicht bekannt. Erstmals abgebildet sind sie 1638 auf der «Planvedute der Stadt Zürich» von Matthäus Merian. Auf der Ansicht der Stadt Zürich von Georg Braun aus dem Jahr 1581 sind sie noch nicht eingezeichnet.

Den Ausschlag zur weiteren Überbauung gab wohl um 1835 die Überdeckung des Fröschengrabens zwischen dem Hotel Baur und der Poststrasse. Dadurch vergrösserte sich die Fläche des Neuen Marktes, dem späteren Paradeplatz, über den Graben hinweg bis zum Hotel. Ungefähr gleichzeitig liess Oberstleutnant, Seidenfabrikant und Gründer des Actientheaters Johann Georg Bürkli das bestehende Gebäude am «Vorderen Tiefenhof» niederlegen und an seiner Stelle einen herrschaftlichen Neubau in klassizistischem Stil mit Gartenanlagen und Springbrunnen erstellen.[1] 1837 sollte die nach der Reformation gepflanzte Tiefenhoflinde dem Bau der modernen Poststrasse zum Opfer fallen, aber die Opposition dagegen war so gross, dass man sie stehen liess und in den Garten des Herrensitzes integrierte.[2] Südlich des Gebäudes führte eine hölzerne Brücke über den Fröschengraben ins Kratzquartier.

Eine massive Veränderung erfuhr das Gebiet der Tiefenhöfe in den Jahren 1856–1859. Die Witwe des 1851 verstorbenen Johann Georg Bürkli hatte die ganze Liegenschaft an die «Baugesellschaft zum Tiefenhof & Consorten» verkauft. Deren Teilhaber, der Architekt Gustav Albert Wegmann, der Baumeister August Conrad Stadler und der Zimmermeister Martin Koch-Schweizer überbauten das Gartenareal und erstellten den ersten, aus sechs Einzelbauten bestehenden Geschäftshauskomplex der Stadt. Diesem Bau fiel am 25. März 1857 trotz riesigen Protesten der Bevölkerung und Presse auch die über 250-jährige Tiefenhoflinde zum Opfer, die nach der Reformation auf dem Wall zwischen dem Fröschen- und dem Sihlgraben gepflanzt worden war.

«Ja, sie fiel, die Königin unter den Bäumen, die wunderschöne Linde im ehemaligen Tiefenhofgarten. Nicht ein Sturm hat sie geknickt, wohl aber musste sie der materiellen nur auf Geld und wieder Geld bedachten Richtung der Zeit zum Opfer fallen. Die Niederwerfung dieser schönen Zierde der Stadt vergegenwärtigt so ganz den grellen Gegensatz zwischen der alten Romantik und der gegenwärtigen nüchternen Prosa», schrieb die konservative «Freitagszeitung».

Im neuen Gebäude richtete sich 1859 an der Bahnhofstrasse die Confiserie Sprüngli ein; dies in der Hoffnung, der neue Bahnhof Zürich würde am Paradeplatz erbaut. Das alte Hauptgebäude des «Vorderen Tiefenhofs» überstand den baulichen Eingriff. 1860 erwarb ihn der Tischler Johann Rudolf Ochsner und baute gegen den Fröschengraben noch vor dem Bau der Bahnhofstrasse ein Möbelmagazin, in dem zwischen 1881 und 1899 das Warenhaus Jelmoli ein Damen-Konfektionshaus einrichtete. Die Gebäude wurden 1900 für den Bau eines grossen Gebäudes der Kantonalbank abgerissen.[1]

Hintere Tiefenhöfe

Das Gebäude der «Hinteren Tiefenhöfe» am Bleicherweg wurde in den 1840er Jahren von Conrad Landolt gebaut, der darin das «Café Landolt» einrichtete. 1893 liess Landolt die «Hinteren Tiefenhöfe» zu einem grösseren Wohn- und Geschäftshaus im Neurenaissance-Stil umbauen (Tiefenhöfe 7), in dessen Erdgeschoss wiederum das «Café Landolt» untergebracht war. 1907 wurde es in «Café Parade» umbenannt und 1917 zu einem reinen Geschäftshaus umgebaut.[1]

Literatur

  • Walter Baumann: Zürich – Bahnhofstrasse. Orell Füssli Verlag, Zürich 1972.
  • Jürg Fierz (Hrsg.): Zürich – Wer kennt sich da noch aus? Orell Füssli Verlag, Zürich 1972.
  • Thomas Germann: Von 1621 bis zur ersten Stadtvereinigung 1893 (Zürich im Zeitraffer; Bd. 2). Werd-Verlag, Zürich 2002, ISBN 3-85932-322-9.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Thomas Germann: Zürich im Zeitraffer Band II, Werd-Verlag Zürich, 2002
  2. Walter Baumann: Zürich – Bahnhofstrasse. Orell Füssli, Zürich 1972

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Tiefenhöfe (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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