Thermisches Gleichgewicht - LinkFang.de





Gleichgewicht (Physik)

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Das Gleichgewicht (auch Equilibrum) beschreibt in Physik, Chemie, Biologie die Ausgeglichenheit aller Potentiale und Flüsse in einem gegebenen System einschließlich eventueller Zu- oder Abflüsse eines offenen Systems. In der Mechanik wird unter Gleichgewicht das Kräftegleichgewicht und/oder das Momentengleichgewicht verstanden.

Mechanik

Statik

Statisch ist ein Körper im Gleichgewicht, wenn sich bei einem Körper oder einem gekoppelten System von Körpern, alle äußeren Kräfte und/oder Drehmomente gegenseitig aufheben.

Formal ausgedrückt müssen im Rahmen der newtonschen Mechanik folgende Bedingungen erfüllt sein (Gleichgewichtsbedingungen):

  1. [math]\sum \vec F_{i} = \vec{0} [/math] – Die Resultierende aller äußeren Kräfte muss gleich null sein
  2. [math]\sum \vec M_{i} = \vec{0} [/math] – Die Summe aller Momente um einen beliebigen Punkt muss gleich null sein

In der Summe der äußeren Kräfte sind eingeprägte Kräfte (allgemein als Kräfte mit bestimmten physikalischen Ursachen) und Zwangskräfte bzw. -momente (als Kräfte mit bestimmten kinematischen Bindungen) enthalten.

Gleichgewichtssituationen kommen in vielen Bereichen von Physik und Technik vor. Die Betrachtung muss sich auch nicht notwendig auf rein mechanische Kräfte beschränken, etwa können sich Gravitation und elektrische Anziehung in einem konservativen, potential- und flusserhaltenden System ausgleichen.

Die Folgerung der Gleichgewichtsbedingungen ist:

Am starren Körper lassen sich alle statisch bestimmten Aufgaben mit den Gleichgewichtsbedingungen lösen.

Bei Mehrkörpersystemen ist für jeden Körper ein solcher Satz von Gleichgewichtsbedingungen anzusetzen. Wird das Prinzip der virtuellen Arbeit angewendet, können die Zwangskräfte eliminiert werden. Im statischen Gleichgewicht ist die virtuelle Arbeit der eingeprägten Kräfte gleich Null.

Gleichgewichtslagen: stabil, labil, indifferent

Nach dem Maß ihrer Stabilität werden drei Typen von Gleichgewichten unterschieden:

Stabiles Gleichgewicht
Bei einer kleinen Auslenkung kehrt der Körper wieder in die vorige Lage zurück. Das Potential besitzt ein Minimum. Der Schwerpunkt des Körpers befindet sich (z. B. bei einem Pendel) unterhalb des Drehpunktes oder der Körper im Gleichgewicht ist (z. B. bei einer Halbkugel auf einer ebenen Unterlage) so geformt, dass bei einer Entfernung aus der Gleichgewichtslage eine Rückstellkraft entsteht (im Beispiel durch das Anheben des Schwerpunkts).
Labiles Gleichgewicht
Der Körper befindet sich momentan im Gleichgewicht, wird aber bei einer kleinen Auslenkung (z. B. beim inversen Pendel) weiter von dieser Lage wegstreben. Das Potential besitzt ein Maximum.
Indifferentes Gleichgewicht
Der Körper befindet sich nach einer kleinen Auslenkung in einer neuen Gleichgewichtslage. Das Potential ändert sich nicht. (Bei einem Rad z. B. fallen Drehpunkt und Schwerpunkt zusammen.)

Eine Mischform ist das metastabile Gleichgewicht. Bei diesem liegt lokal, aber nicht global ein stabiles Gleichgewicht vor. Der Körper nimmt nach einer etwas stärkeren Auslenkung eine neue Gleichgewichtslage ein.

Eine andere Veranschaulichung ist die Betrachtung einer Kugel in unterschiedlicher Umgebung:

  • Liegt die Kugel in einer Schüssel, so ist sie im stabilen Gleichgewicht, sie wird bei einer Verschiebung zurückrollen.
  • Liegt die Kugel auf einer flachen Kuppe, so ist sie im labilen Gleichgewicht, sie wird bei einer Verschiebung wegrollen.
  • Liegt die Kugel auf einer Ebene, so ist sie im indifferenten Gleichgewicht, sie wird an dem Punkt, an den man sie verschiebt, liegenbleiben, bzw. bei einmaliger Krafteinwirkung und unter Vernachlässigung des Reibungswiderstandes in ihrem Bewegungszustand verharren (Massenträgheit).

Die Hysterese kann ein stabiles oder labiles Gleichgewicht in ein indifferentes verwandeln.

Siehe auch: Standfestigkeit; Dynamisches Gleichgewicht (Technische Mechanik)

Stabiles und labiles Gleichgewicht im Drucksystem

Thermodynamik

Ein System ist im thermodynamischen Gleichgewicht, wenn es in einem stationären Zustand ist, in dem alle makroskopischen Flüsse verschwinden. Dann gilt grundsätzlich das Kräftegleichgewicht aus Gibbs freier Enthalpie:

[math]\frac{\partial G}{\partial x}=0 \ .[/math]

Das heißt, dass die Thermodynamischen Potenziale kein Gefälle haben, die eine Änderung der Potentialgrößen des Systems antreiben.

Ohne innere Barrieren (z. B. Wände) und wirkende Kraftfelder (z. B. Schwerkraft) gilt die triviale Lösung. Sie setzt für zwei beliebige Punkte 1 und 2 des Systems voraus:

  • das thermische Gleichgewicht (s. u.) [math]T_1=T_2[/math],
  • das mechanische Gleichgewicht (s. o.) [math]p_1=p_2[/math] und
  • das Chemische Gleichgewicht [math]\mu_1=\mu_2[/math]

Reversible Prozesse sind nur entlang nahe beieinanderliegender Punkte mit statischen Gleichgewichtsbedingungen möglich, da andernfalls die Entropie des Systems steigt.

Thermisches Gleichgewicht

Der Begriff thermisches Gleichgewicht wird in zwei verschiedenen Zusammenhängen benutzt.

  • Zum einen im oben verwendeten Sinne als Zustand eines einzelnen thermodynamischen Systems:
    es befindet sich im thermischen Gleichgewicht, wenn es durch einige wenige Zustandsgrößen beschrieben werden kann und diese sich zeitlich nicht ändern.
    Ein Gegenstand im Kühlschrank befindet sich z. B. im thermischen Gleichgewicht, weil sein Zustand durch Masse, Temperatur, Druck und Zusammensetzung eindeutig bestimmt ist und über längere Zeit konstant bleibt. Kochendes Wasser befindet sich dagegen nicht im thermischen Gleichgewicht, weil für die Beschreibung seiner turbulenten Strömungsbewegung sehr viele Informationen erforderlich sind und es deshalb im strengen Sinne kein thermodynamisches System ist.
  • Zum anderen als Beziehung zwischen mehreren Systemen:
    zwei Körper, die miteinander in thermischem Kontakt stehen, befinden sich miteinander genau dann im thermischen Gleichgewicht, wenn sie die gleichen Temperaturen besitzen. Die Eigenschaft von Systemen im Gleichgewicht zu stehen ist eine Äquivalenzrelation.[1]
    Ist ein System A sowohl mit einem System B als auch mit einem System C im thermischen Gleichgewicht, dann sind auch die Systeme B und C miteinander im thermischen Gleichgewicht (Transitivität). Diese Aussage bildet eine wichtige Grundannahme der Thermodynamik und wird zuweilen als Nullter Hauptsatz der Thermodynamik bezeichnet.

Für Systeme in dynamischem Gleichgewicht gilt der Virialsatz im jeweiligen Teilgebiet der Physik. Die explizite Kenntnis von Bahnen ist dafür nicht erforderlich. Ein Anteil an äußerlich hinzugefüger Energie, kann durch das äußere Virial kompensiert werden, im Gegensatz zum inneren Virial des Systems. Für die Stationarität ist aber letztendlich das innere verantwortlich.

Lokales thermodynamisches Gleichgewicht

Im thermischen Gleichgewicht stehen alle Prozesse im Gleichgewicht, u. a. auch die Raten der Emission und Absorption von Strahlung (Hohlraumstrahlung).

In vielen Fällen ist die Emissions- und Absorptionsrate jedoch selektiv: die Strahlung von Gasen und Flüssigkeiten ist über einen weiten Wellenlängenbereich optisch dünn, da nur bestimmte Energiezustände entsprechend der Quantenzahlen erlaubt sind; für die Strahlung, deren Energie nicht zu einer Anregung der Teilchen führen kann, sind Gase oder Flüssigkeiten transparent.

Mit dem lokalen thermodynamischen Gleichgewicht (engl. local thermodynamic equilibrium – Abkürzung LTE) wird das Verhältnis von angeregten zu nichtangeregten Molekülen beschrieben, das von der Temperatur und der Strahlungsintensität abhängt. Im isothermen Gleichgewicht von Strahlung und Molekülanregung wird dieses Verhältnis durch die Boltzmann-Statistik beschrieben. Abweichungen von der Boltzmann-Statistik werden durch mehrfache Stöße geringer; ‘heiße’ Teilchen, denen nicht fortwährend Energie zugeführt wird, thermalisieren.

LTE liegt z. B. im größten Bereich der Erdatmosphäre vor. Erst in sehr großen Höhen, wo wegen des geringen Drucks die Stoßhäufigkeiten sehr gering sind, werden die Abweichungen von der Boltzmann-Statistik wesentlich und es liegt kein LTE mehr vor.

Quasistatische Prozesse

Wird ein thermodynamischer Prozess so ausgeführt, dass er ausschließlich als eine Abfolge von Gleichgewichtszuständen betrachtet werden kann, nennt man diesen Prozess quasistatisch oder quasistationär.

Hydrodynamik

In der Strömungslehre stellt sich das hydrostatische Gleichgewicht infolge des Ausgleichs einer gerichteten Kraft auf einen Körper und eines Druckgradienten in dem umgebenden Fluid dar.

In erweitertem Sinne können aber auch Teile des Fluids selbst zu Paketen zusammengefasst und wie ein Körper behandelt werden. Hierbei findet ein Ausgleich zwischen den mechanischen und den thermodynamischen Aspekten des Systems statt. Damit untersucht man etwa Konvektion und deren Gleichgewichtslagen, oder in der Meteorologie die Schichtungsstabilität der Erdatmosphäre.

Weitere Beispiele aus der Physik

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Thermodynamik: Grundlagen und technische Anwendungen, Hans Dieter Baehr, Stephan Kabelac, Springer DE, 2012, ISBN 3-642-24160-3, S. 32, Google Books

Kategorien: Thermodynamik

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