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Thea Altaras


Thea Altaras, geborene Fuhrmann (11. März 1924 in Zagreb, Königreich Jugoslawien28. September 2004 in Gießen) war eine jugoslawisch-deutsche Architektin, die durch ihre Forschungen und Veröffentlichungen zu jüdischen Bauwerken in Hessen bekannt wurde.

Thea Altaras fand weltweite Aufmerksamkeit durch ihre Forschungen und Katalog-Veröffentlichungen zum Schicksal des zwischen 1933 und 1945 vernichteten und bis zur Veröffentlichung ihrer Arbeiten zumeist vergessenen Landjudentums sowie derjenigen Synagogen und jüdischen rituellen Tauchbäder (Mikwen) im deutschen Bundesland Hessen, die die Pogromnacht 1938 und den Zweiten Weltkrieg als Bauwerke überstanden hatten, sowie über die Stätten der Juden in Gießen.

Leben

Als Kind deutsch-ungarischer Eltern in Zagreb geboren, wurde sie im jüdischen Glauben erzogen. Von 1941 bis 1943 war sie in von der italienischen Okkupationsmacht eingerichteten Lagern inhaftiert. Im September kapitulierte Italien und öffnete die Lager, bevor die Deutschen sie übernahmen. Thea Fuhrmann gelang mit ihrer Mutter die Flucht in von den Alliierten befreites Gebiet. Bis Kriegsende 1945 war sie im jugoslawischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv. Danach kehrte sie nach Zagreb zurück und wurde Mitglied der Kommunistischen Partei. Nachdem sie das Abitur nachgeholt hatte, studierte sie ab 1947 in Zagreb Architektur. Sie schloss das Studium 1953 als Dipl.-Ing. ab. Danach arbeitete sie als Architektin in Zagreb und Paris, wo sie ihre Studien vervollständigte.

1959 heiratete sie Jakob Altaras in Zagreb, die Tochter Adriana wurde 1960 geboren. 1964 wurde Jakob Altaras denunziert, staats- und sozialismusfeindliche Handlungen vorgenommen zu haben und floh aus Jugoslawien[1][2]; Thea sollte mit der Tochter nachkommen, jedoch wurde der Mutter der Pass entzogen und sie blieb in Zagreb zurück. Nachdem im gleichen Jahr die Tochter von Familienmitgliedern aus dem Land geschmuggelt wurde, gelang Thea 1965 die Flucht nach Italien. Dort bekam sie keine Aufenthaltserlaubnis und zog nach Konstanz, wo sie politisches Asyl beantragte und beim Städtischen Hochbauamt arbeitete. Drei Jahre lang pendelte sie zwischen Konstanz, Italien (wo ihre Tochter wohnte) und Zürich, wo ihr Mann am Kantonsspital arbeitete. Die deutsche Staatsbürgerschaft erwarb sie 1968. 1969 wurde Jakob Altaras als Professor für Radiologie an die Universität Gießen berufen, Thea Altaras erhielt bei den Hochbauämtern Gießen/Marburg eine Anstellung. 1978 gründeten Jakob und Thea Altaras die Jüdische Gemeinde Gießen. 1984 musste Thea Altaras wegen eines Augenleidens vorzeitig in den Ruhestand gehen. Sie begann ihre Recherchen zum Schicksal der baulichen Überreste ehemaliger Synagogen in Hessen.[2]

1989 erhielt sie die Ehrendoktorwürde der Universität Gießen in Würdigung ihrer Forschungen zum hessischen Landjudentum, 1995 die Hedwig-Burgheim-Medaille der Stadt Gießen. In diesem Jahr konnte das im Wesentlichen von ihr geplante neue Jüdische Gemeindezentrum in Gießen eingeweiht werden, dessen Herzstück die umgesetzte und wiederaufgebaute ehemalige Fachwerksynagoge aus dem oberhessischen Wohra ist.

Am 5. Oktober 1999 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.[3] 2001 wurde sie in der Nachfolge ihres verstorbenen Mannes Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gießen.

Ihr Buch Synagogen in Hessen – Was geschah seit 1945? (1987) wurde 1988, ihr zweites Das jüdische Rituelle Tauchbad (1994) 1995 seitens der hessischen Wissenschafts- und Kultusministerien an alle weiterführenden Schulen Hessens sowie an die Verwaltungen der betroffenen Gemeinden verteilt, um einen würdigen Umgang mit den dinglichen Zeugen jahrhundertelanger deutsch-jüdischer Vergangenheit zu fördern. Altaras wurde daraufhin zu zahlreichen Veranstaltungen in betreffende Orte eingeladen, wo sie referierend und auch beratend tätig wurde. Seither sind zahlreiche Bauten restauriert und einer würdigen Nutzung zugeführt worden. Auch wurden an vielen der ehemaligen Synagogen oder Bethäuser Gedenktafeln angebracht. Kurz vor ihrem Tod konnte Thea Altaras die Arbeit an einer kombinierten und aktualisierten Neuausgabe dieser Bände weitgehend vollenden. Das Werk enthält 276 architektonische Beschreibungen und Bauhistorien zu Synagogen und jüdisch rituellen Tauchbädern aus allen 264 hessischen Orten, deren Synagogenbauten die Novemberpogrome 1938 und den Zweiten Weltkrieg überstanden.[4]

Nachruf

  • Christoph Mohr: Dr. Ing. h.c. Thea Altaras gestorben. In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte 4, 2004, S. 46.

Schriften

Weblinks

 Commons: Thea Altaras  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Adriana Altaras: Titos Brille: Die Geschichte meiner strapaziösen Familie. 3. Auflage. Kiepenheuer&Witsch, 2011.
  2. 2,0 2,1 Jüdische Gemeinde Gießen - Frau Dr. Thea Altaras. Abgerufen am 9. April 2015.
  3. Mitteilung der Ordenskanzlei im Bundespräsidialamt
  4. Deutsche Digitale Bibliothek - Altaras, Thea: Synagogen und jüdische Rituelle Tauchbäder in Hessen - Was geschah seit 1945? Abgerufen am 25. Februar 2016.


Kategorien: Person (Gießen) | Person (Zagreb) | Ehrendoktor der Justus-Liebig-Universität Gießen | Person des Judentums (Hessen) | Gestorben 2004 | Geboren 1924 | Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande | Architekt (Deutschland) | Jugoslawe | Deutscher | Frau | Emigrant

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Thea Altaras (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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