Thalheim AG - LinkFang.de





Thalheim AG


AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Thalheimf zu vermeiden.
Thalheim
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau AG
Bezirk: Brugg
BFS-Nr.: 4117
Postleitzahl: 5112
UN/LOCODE: CH THI
Koordinaten:
Höhe: 451 m ü. M.
Fläche: 9,92 km²
Einwohner: 807 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 81 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
6,7 % (31. Dezember 2015)[2]
Website: www.gemeinde-thalheim.ch

Thalheim

Karte

Thalheim (schweizerdeutsch: ˈtɑlə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt etwa acht Kilometer südwestlich des Bezirkshauptorts im Schenkenbergertal, etwa in der Mitte zwischen Basel und Zürich.

Geographie

Das Dorf liegt am Ende des Schenkenbergertals, das sich in Ost-West-Richtung von der Aare bei Schinznach-Dorf bis zur Staffelegg erstreckt. Das Tal wird durch zwei Höhenzüge des Faltenjuras begrenzt. Die Gislifluh (772 m ü. M. ) und der Homberg (776 m ü. M. ) bilden die südliche Kette. Unmittelbar nördlich des Dorfes ragen drei Berge auf, die durch zwei Täler getrennt sind. Von Ost nach West sind dies der Kastelnberg (523 m ü. M. ), der Schenkenberg (631 Meter) und das Hard (776 m ü. M. ). Das Milchbrunnental macht nach wenigen hundert Metern einen Knick nach Westen und trennt das Hard vom Würz (Berg) (801 m ü. M. ). Das östliche Tal verläuft Richtung Norden und geht in welliges Gelände über, das den Übergang zum Tafeljura markiert. Der Zeiher Homberg (782 m ü. M. ) bildet die nördliche Grenze. Das eigentliche Dorf Thalheim besteht aus zwei deutlich voneinander getrennten Teilen, das jüngere Unterdorf und das ältere Oberdorf. Daneben gibt es rund ein Dutzend Höfe, die über das ganze Gemeindegebiet verteilt sind. Die grösseren darunter sind Rischeln (630 m ü. M. ) im äussersten Südwesten und Kilholz im Norden.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 992 Hektaren, davon sind 431 Hektaren bewaldet und 57 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt ist der Gipfel des Würz auf 801 Metern, der tiefste liegt auf 415 Metern an der östlichen Gemeindegrenze. In Thalheim entspringen verschiedene Bäche: Dies sind zum einen der Gländbach, der Hegibach, der Gäckertbach und Rischelebach, die zusammen mit dem Talbach Richtung Aare fliessen, zum anderen die Sissle und der Zeiherbach, die Thalheim übers Fricktal in den Rhein entwässern. Das Gemeindegebiet von Thalheim ist Teil des Juraparks Aargau, einem «Regionalen Naturpark von nationaler Bedeutung».

Nachbargemeinden sind Zeihen im Norden, Schinznach im Nordosten, Auenstein im Südosten, Biberstein im Süden, Küttigen im Südwesten und Densbüren im Westen.

Geschichte

Das heutige Gemeindegebiet von Thalheim wurde schon von den Alamannen besiedelt, wie Gräberfunde bei der Staffelegg zeigen. Die erste urkundliche Erwähnung von Frichgove Taleheim erfolgte im Jahr 1064 zusammen mit Frick und Remigen in einer Urkunde, die Heinrich IV. dem Kloster Ottmarsheim ausstellte. Alle drei Orte gehörten zu dieser Zeit zum Frickgau[5]. Die Bedeutung des Ortsnamens ist bis heute unverändert geblieben («Tal-Wohnort»).[3] Im Auftrag der Habsburger entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts die Burg Schenkenberg (erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1243). Die Herrschaft Schenkenberg erstreckte sich im 15. Jahrhundert über einen Grossteil des heutigen Bezirks Brugg.

1460 eroberte die Stadt Bern die Herrschaft, die nun Teil des Untertanengebiete im Berner Aargau geworden war. Thalheim bildete einen eigenen Gerichtsbezirk innerhalb des Amtes Schenkenberg, das von der Burg aus verwaltet wurde. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Wegen Baufälligkeit musste die Burg 1720 aufgegeben werden und der Landvogt zog ins nahe gelegene Schloss Wildenstein bei Veltheim. Die Burg Schenkenberg verfiel zu einer Ruine, diente einige Jahrzehnte lang als Steinbruch und gelangte 1918 in den Besitz der Aargauischen Vereinigung für Heimatschutz. 1640 wird erstmals ein Schulhaus erwähnt. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Thalheim gehört seither zum Kanton Aargau. Ende des 19. Jahrhunderts geriet der einst bedeutende Weinbau in eine tiefe Krise, als die Rebberge durch Reblaus und Mehltau zerstört wurden. Viele Bewohner verloren ihre Existenzgrundlage und mussten aus ihrer Heimat wegziehen. Zwischen 1850 und 1980 nahm die Bevölkerungszahl um mehr als die Hälfte ab. Doch seither ist wieder eine Zunahme zu verzeichnen, auch wenn das Dorf noch nicht seine einstige Grösse wiedererlangt hat. Während des Zweiten Weltkriegs waren mehrere Dutzend polnische Soldaten in Thalheim interniert, welche die Polenstrasse errichteten.

Sehenswürdigkeiten

Die Ruine Schenkenberg auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges ist zu Fuss rund 30 Minuten vom Dorfzentrum entfernt. Sie ist heute die grösste Burgruine des Kantons Aargau und ist als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. Sichtbar sind die noch hoch aufragenden Reste von Bergfried und Palas, zwei Rundtürme, Ökonomiegebäude, die Toranlage und die weitläufige Ringmauer.

Die Kirche Thalheim befindet sich an leicht erhöhter Lage, umgeben von einem Friedhof. Die Mauern des heutigen Kirchenschiffs sind teilweise im romanischen Stil. 1543 erfolgte eine Erweiterung und Erneuerung. Der sehenswerte Taufstein wurde 1675 vom Schenkenberger Obervogt Samuel Thormann gestiftet. Das 1731/32 errichtete Pfarrhaus beherrscht den Dorfplatz und weist auf die bernische Vergangenheit des Aargaus hin. Unmittelbar davor befindet sich der achteckige Dorfbrunnen auf dem Jahr 1856, welcher aus Toskana-Granit besteht.[6]

Die Gislifluh oberhalb des Dorfes kann über einen Wanderweg via Gländloch erreicht werden. Sehenswert ist auch die Polenstrasse, welche in Richtung Ruine Schenkenberg führt.

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss blaue Weintraube an grünem Stiel mit zwei grünen Blättern.» Die Weintrauben sind ein Hinweis auf den einst bedeutenden Weinbau, der früher die Lebensgrundlage des Dorfes war. Auf dem Gemeindesiegel von 1872 ist eine grosse zweiblättrige Traube zu sehen, auf jenem von 1872 hingegen ein Rebstock auf Dreiberg mit vier Trauben. Um Verwechslungen mit dem Wappen von Zeiningen zu vermeiden, beschloss die Gemeindeversammlung im Jahr 1959 die Wiedereinführung des älteren Wappens.[7]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[8]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2012
Einwohner 461 1117 845 672 653 604 583 555 641 744 733 750

Am 31. Dezember 2015 lebten 807 Menschen in Thalheim, der Ausländeranteil betrug 6,7 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 76,6 % reformiert und 12,6 % römisch-katholisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[9] 98,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache.[10]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Brugg zuständig. Thalheim gehört zum Friedensrichterkreis Veltheim.

Wirtschaft

In Thalheim gibt es gemäss Betriebszählung 2008 etwa 220 Arbeitsplätze, davon 30 % in der Landwirtschaft, 31 % in der Industrie und 39 % im Dienstleistungssektor.[11] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der Region Aarau/Lenzburg/Brugg.

Verkehr

Thalheim liegt an der Hauptstrasse zwischen Schinznach und der Staffelegg-Passhöhe, welche dort auf die Hauptstrasse 24 von Aarau nach Frick trifft. Von Thalheim aus führen Strassen nach Biberstein, Zeihen und Effingen. Die Autobahnanschlüsse in alle Richtungen sind in weniger als 15 Minuten erreichbar. Das Dorf ist Endstation der Postautolinie 371 vom Bahnhof Brugg und der ebenfalls von dort verkehrenden Nachtbuslinie N42, Schenkenbergliner (Nächte Freitag/Samstag und Samstag/Sonntag). Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Wildegg.

Bildung

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und eine Primarschule. Die Realschule und die Sekundarschule können in Veltheim (1./2. Klasse) und Schinznach (3./4. Klasse) besucht werden, die Bezirksschule ebenfalls in Schinznach. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Besonderheiten

  • Aus Historischen Gründen hat Thalheim eine eigene Stromversorgung, welche das Dorf und die Nördlichen Höfe wie Kilholz mit Strom versorgt. Die Höfe Staffelegg und Rischeln werden von den IBAarau mit Strom versorgt. Die Weiler Schlatt und Berg sind Direkt an das Netz der AEW angeschlossen[12]
  • An besonderen Anlässen trägt der Gemischte Chor das "Thalnerlied" vor, am 1. August.[13]
  • In Thalheim wurde bis in die junge Gegenwart ein eigener Dialekt gesprochen, das "Thalnerdeutsch" hört man im Dorf allerdings nur noch selten. Dieser Dialekt ist sehr stark dem Berndeutsch zuzuordnen.[14]
  • In Thalheim wird jeweils am 2. Januar geberzelet, bei diesem Brauch ziehen die Figuren mit Kamel durchs Dorf und übermitteln den Bürgern Neujahrsgrüsse.[15]

Literatur

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750 .

Weblinks

 Commons: Thalheim AG  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  2. Bevölkerungsbewegungen und -bestand nach Gemeinde und Nationalität, zweites Halbjahr 2015. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, 24. März 2016, abgerufen am 24. März 2016 (XLSX; 169 kB).
  3. 3,0 3,1 Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 423–424.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069 und 1089, Swisstopo
  5. R. Reich: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde. 1904 eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  6. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau - Bezirke Lenzburg und Brugg. Verlag Birkhäuser, Basel 1953.
  7. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 291.
  8. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  11. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  12. Elektrizitätsversorgung auf Gemeinde-Thalheim.ch
  13. Verena Schmidtke: Rosen, Äpfel und belebende Herztropfen für das Publikum. In: aargauerzeitung.ch. 5. Mai 2011, abgerufen am 1. Januar 2015.
  14. Verliert der Aargau seine Dialekte? In: aargauerzeitung.ch. 2. Oktober 2009, abgerufen am 1. Januar 2015.
  15. Maja Sommerhalder: Vorsicht, stachlige Umarmungen am Bärzelistag. In: aargauerzeitung.ch. 18. Juni 2010, abgerufen am 1. Januar 2015.

Kategorien: Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Aargau | Schweizer Gemeinde | Ort im Kanton Aargau

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Thalheim AG (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.