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Epicondylitis

(Weitergeleitet von: Epicondylitis)

Klassifikation nach ICD-10
M77.0 Epicondylitis ulnaris humeri
M77.1 Epicondylitis radialis humeri
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Epicondylitis (auch Epikondylopathie; Epikodylose oder Epikondyalgie) ist ein erworbener, schmerzhafter Reizzustand der Sehnenansätze von Muskeln des Unterarms, die an den beiden Knochenvorsprüngen oberhalb des Epikondylus am distalen Teil des Oberarmknochens entspringen. Die Erkrankung wird der Gruppe der Enthesiopathien zugeordnet.

Es gibt zwei Formen:

  • Epicondylitis radialis humeri (auch Tennisellenbogen; Tennisarm oder Epicondylitis humeri lateralis): am äußeren Epikondylus des Oberarmknochens (Strecker des Handgelenks und der Finger).
  • Epicondylitis ulnaris humeri (auch Golferellenbogen, Golferarm oder Epicondylitis humeri medialis): am inneren Epikondylus des Oberarmknochens (Beuger des Handgelenks und der Finger).

Ursachen

Eine Epicondylitis entsteht durch Überbeanspruchung der Unterarmmuskulatur. Mögliche Auslöser sind:

  • einseitige Beanspruchung (z. B. bei Tastatur-/Mausbenutzung, siehe auch: Repetitive Strain Injury Syndrom, Sportklettern)
  • Fehlhaltungen im Beruf, bei der Haus- und Gartenarbeit oder in der Freizeit
  • falsche Technik bei Schlägersportarten (der Griffumfang spielt dabei wohl keine Rolle[1])
  • bei Schlafhaltung in Seitenlage (Verwendung des stark gebeugten Armes als Kopfstütze)

Erkrankungen wie Fibromyalgie zeigen ebenfalls spontane Schmerzen in der Muskulatur im Verlauf von Sehnen und Sehnenansätze und können Druckpunkte (tender points) am Ellenbogen aufweisen. Sie sind im Rahmen der Differentialdiagnose von einer Epicondylitis abzugrenzen.

Symptome

Typisch ist ein umschriebener Druckschmerz über dem Muskelansatz am Ellenbogen und eine Schmerzauslösung oder -verstärkung bei Betätigung dieser Muskeln.

Wichtige Differentialdiagnosen, die in Kombination auftreten können, sind:

Therapien

Neben physiotherapeutischen Verfahren existieren auch Therapien wie Zuwarten, Kühlung mit Eis, Ultraschall, Pulsierende Magnetfeldtherapie, Lasertherapie, Interferenztherapie, Hochvolttherapie, Elektrostimulationstherapie, Muskelkräftigungsübungen, Armschlinge, Bandagen, Verbände, Strahlentherapie (Röntgen-Reiz-Behandlung – von Krankenkassen anerkannt), Stoßwellen-Therapie (ESWT und Lithotripsie), Anwendung von Diclofenac-haltigen Cremes und Gelen, manuelle Therapie (beispielsweise Querfriktion nach James Cyriax), Akupunktur, Blutegelbehandlung, lokale Friktionsmassagen und die Injektion von Kortison.[2] Spätestens bei fehlendem Therapieerfolg sollten auch Erkrankungen der Halswirbelsäule abgeprüft werden, z. B. Bandscheibenschäden (v. a. Höhe C5–7), Foramenstenosen in dieser Höhe oder klinisch überwiegend anzutreffen funktionelle Störungen der unteren Halswirbelsäule und der Brustwirbelsäule, hier dann als therapeutische Konsequenz Chirotherapie und/oder Physiotherapie.

Studien mit physiotherapeutischen Verfahren (Dehnübungen, physiotherapeutisches Training) legen nahe, dass diese möglicherweise in manchen Punkten anderen überlegen sind.[3][4] Wichtig für eine Heilung ist eine entsprechende Belastungspause. Auch physiotherapeutische Übungen sollten in der Regel erst durchgeführt werden, wenn die Schmerzen weitgehend abgeklungen sind. Eine komplette Ruhigstellung ist dagegen nicht notwendig und auf Dauer mitunter sogar rezidivfördernd.

Bei Therapieresistenz kann eine operative Therapie angewandt werden. Im Bereich des Epicondylus radialis humeri (Tennisellenbogen) kommt in der Regel die Operation nach Wilhelm-Hohmann zum Einsatz. Hierbei wird eine Entlastung der Muskelspannung durch eine teilweise Durchtrennung der Sehnenansätze an der betroffenen Epicondyle (Discisions-Tenotomie) herbeigeführt (= OP nach Hohmann). Zusätzlich wird eine Durchtrennung des radialen Nervengeflechtes, das direkt dem Epicondylus radialis aufliegt, durchgeführt. Hierzu wird die Knochenfläche einfach verödet (Verfahren nach Wilhelm).

Im Bereich des Epicondylus ulnaris humeri (Golferellenbogen) ist es notwendig, den Sulcus und Nervus ulnaris aufzusuchen und genau darzustellen. Wie auf der radialen Seite wird auch hier eine Sehnenverlängerung (Tenotomie) der Unterarmbeugesehnenansätze durchgeführt. Bei gleichzeitiger Ulnariseinklemmung muss der Nerv befreit (Dekompression) und ggf. versetzt werden (Transposition).[5]

Nach der OP wird ein stabilisierender Verband angelegt, der Arm braucht nicht ruhiggestellt zu werden. Bei Sulcus-ulnaris-Transposition kann für kurze Zeit eine Schiene zur Ruhigstellung angelegt werden. Nach etwa fünf Wochen tritt in der Regel die Heilung ein. Leistungssport ist nach ca. drei Monaten wieder möglich.

Bei chronischem Leiden von mehr als vier Monaten gibt es zudem die alternative Therapie mittels Botulinumtoxin. Hierbei wird das Nervengift Botulinumtoxin niedrig dosiert in die Hand- und Fingerstrecker (Epikondylitis humeroradialis) bzw. Hand- und Fingerbeuger (Epikondylitis humeroulnaris) an ein bis zwei Stellen injiziert. Das Toxin schwächt nach Wirkeintritt nach ca. zwei bis drei Wochen die Muskulatur für ca. drei Monate, so dass sich der Zug an der Insertionsstelle reduziert und so eine Heilung einsetzen kann. Wenn die Wirkung nachlässt, haben sich in der Regel die Beschwerden verringert oder sind sogar ganz verschwunden. Als Nebenwirkung kann eine zeitweilige klinisch bemerkbare muskuläre Schwäche auftreten, so kann z. B. der dritte Finger der jeweiligen Hand wegen der lähmenden Wirkung vorübergehend etwas herunterhängen, wenn man die Hand streckt.

Siehe auch

Literatur

Leitlinien

Sonstiges

Weblinks

Einzelnachweise

  1. G. F. Hatch, M. M. Pink, K. J. Mohr, P. M. Sethi, F. W. Jobe: The Effect of Tennis Racket Grip Size on Forearm Muscle Firing Patterns. In: The American Journal of Sports Medicine. 34, 2006, S. 1977–1983, doi:10.1177/0363546506290185 .
  2. M. I. Boyer, H. Hastings: Lateral tennis elbow: “Is there any science out there?” In: Journal of Shoulder and Elbow Surgery. Band 8, Nummer 5, 1999 Sep-Oct, S. 481–491, ISSN 1058-2746 . PMID 10543604 . (Review).
  3. Pia Nilsson, Eivor Thom, Amir Baigi, Bertil Marklund, Joergen M nsson: A prospective pilot study of a multidisciplinary home training programme for lateral epicondylitis. In: Musculoskeletal Care. 5, 2007, S. 36–50, doi:10.1002/msc.97 .
  4. BMJ, 333, 21. November 2006, 939 zitiert nach Ärzte Zeitung: Erfolg für Physiotherapie bei Tennisellbogen
  5. A. B. Imhoff und R. Baumgartner: Checkliste Orthopädie, Thieme, 2006, ISBN 3-13-142281-5.
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Kategorien: Krankheitsbild in der Sportmedizin

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Epicondylitis (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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