Tchoukball - LinkFang.de





Tchoukball


Tchoukball ist eine Ballsportart, bei der sich zwei Mannschaften mit je 5–7 Spielern gegenüberstehen. Ziel des Spiels ist es, einen handballähnlichen Ball so auf eine Frame genannte Prallwand zu werfen, dass die gegnerische Mannschaft den Abpraller nicht fangen kann, und so Punkte zu erzielen.

Das Wort „Tchouk“ leitet sich von dem Geräusch des Balls ab, wenn er das Frame berührt.

Dadurch, dass beide Teams auf beide Frames spielen dürfen, die sich auf den beiden kürzeren Seiten des rechteckigen Feldes gegenüberstehen, ist Tchoukball extrem schnell und intensiv. Beide Mannschaften müssen ständig zwischen Angriff und Verteidigung umschalten, was zu einem sehr abwechslungsreichen Spielverlauf führt. Gleichzeitig liegt beim Tchoukball der Fokus auf Fair-Play – jeglicher Angriff auf den Gegner oder sein Spiel ist untersagt.

Tchoukball ist eine Hallensportart, prinzipiell kann man es aber überall spielen. Am weitesten verbreitet sind Hallen- und Beachtchoukball, in einigen Ländern wird es aber auch auf Rasen gespielt.

Entstehung und Verbreitung

Tchoukball wurde in den 1970er Jahren von Hermann Brandt, einem Schweizer Sportmediziner, erfunden. Bei seiner Arbeit erkannte er, dass selbst die physisch stärksten Sportler aufgrund unphysiologischer Bewegungsabläufe dauerhafte Verletzungen bei der Ausübung ihres Sportes davontrugen.

In der Folge entwickelte er einen eigenen Sport, Tchoukball. Neben dem geringeren Verletzungsrisiko hatte Brandt eine weitere Überlegung mit einfließen lassen: Tchoukball als eine Sportart, in der in seinen Augen „eine gültige menschliche Gemeinschaft“ geübt wird.

Für die Entwicklung des Tchoukballs erhielt Brandt 1970 in Barcelona den Thulin-Preis der Federation Internationale D'Education Phisique (FIEP). Deren damaliger Vorsitzender John Andrews war es auch, der Tchoukball in vielen Ländern bekannt machte.

Besonders großen Anklang fand dieser neue Sport vor allem in Taiwan, wo es rasch zu einem Schul- und Universitätssport wurde, was Taiwans besondere Rolle in der heutigen Tchoukballwelt erklärt – Teams aus Taiwan sind bis heute die großen Favoriten auf jedem Turnier.

Mittlerweile wird Tchoukball auf der ganzen Welt gespielt. Die große Verbreitung Tchoukballs wird vor allem an der Teilnehmerliste der World Tchoukball Championship 2011 in Ferrara, Italien, offensichtlich: Neben den europäischen Teams aus Italien, der Schweiz, Großbritannien, Österreich, Deutschland, Tschechien, Frankreich und Spanien nahmen Mannschaften aus Taiwan, Singapur, Hongkong, den Philippinen und Brasilien teil, viele davon auch mit Damenmannschaften.

Fair-Play

Hermann Brandt hatte mit Tchoukball nicht nur im Sinn, die Zahl der Sportverletzungen zu verringern. Er wollte eine Institution schaffen, in der vor allem Kinder und Jugendliche üben können, mit ihren Mitmenschen umzugehen. Für ihn sollte der ideale Sport nicht nur ein Wettkampf sein, sondern in erster Linie Spaß bringen und in einer Umgebung des Respekts und der Toleranz stattfinden. Tchoukball soll dazu beitragen, genau diese Werte weiterzugeben. Deswegen schuf Brandt gleichzeitig ein Dokument, in dem die Grundhaltung der Sportart und der Spieler umrissen werden sollten, die Tchoukball-Charta.

Organisation

Verband Präsident Datum
FITB Chris Huang 2013-xx
ETBF Chiara Volonté 2014-xx
DTBV Thomas Langescheid 2013-xx
ATBF Gernot Türk xx
FSTB David Sandoz xx

Tchoukball ist international in der Federation Internationale de Tchoukball (FITB) organisiert. Diese wurde 1971 durch Vertreter aus der Schweiz und Frankreich gegründet. Erster Präsident war bis zu seinem Ableben Hermann Brandt. Als Mitglieder der FITB sind aktuell 36 nationale Verbände von 4 Kontinenten gemeldet.

Seit März 2014 existiert ein europäischer Dachverband, der die nationalen Verbände in sich vereint und von nun an für europäische Belange zuständig ist. Die European Tchoukball Federation (ETF) ist Mitglied des FITB.

Aufgrund der geographischen Größe Deutschlands bildeten sich hier bereits erste Landesverbände. Mit dem TTBV wurde 2012 der Thüringer Landesverband gegründet.

Eine Besonderheit stellt der European Winners Cup (EWC) dar. Hier werden vom jeweiligen Organisationskomitee die Landesmeister aus den europäischen Ligen eingeladen, um bei einem Turnier die beste Tchoukball-Mannschaft auf Clubebene zu ermitteln. Die Vergabe des Austragungsortes für das Folgejahr wird üblicherweise unter den teilnehmenden Teams vereinbart. Der Turniermodus und die Zulassungskriterien sind vollständig in Händen des jeweiligen Organisationskomitees.

Jahr Austragungsort Sieger
2008 Ferrara (Italien) TBC Lausanne (SUI)
2009 Lausanne (Schweiz) TBC Lausanne (SUI)
2010 Saronno (Italien) Saronno Comets (ITA)
2011 Wels (Österreich) Saronno Comets (ITA)
2012 Lazne Belohrad (Tschechien) Saronno Castor (ITA)
2013 Leeds (England) RuckTchouk Traiskirchen (AUT)
2014 Neuchâtel/Neuenburg (Schweiz) RuckTchouk Traiskirchen (AUT)
2015 Saronno (Italien) RuckTchouk Traiskirchen (AUT)
2016 Rybnik (Polen) RuckTchouk Traiskirchen (AUT)

Regelgrundlagen

Spielfeld

Laut offiziellen Spielregeln des FITB (internationaler Tchoukballverband) ist das Feld rechteckig und misst im Hallenbereich 26 bis 29 m Länge und 15 bis 17 m Breite. Auch das kann in offenen Turnieren variieren. Das Frame steht in der Mitte der kürzeren Seite außerhalb des Spielfelds, ist um 55° geneigt und ist 1 m breit und lang. Seine Vorderseite berührt die Grundlinie. Um das Frame der Grundlinie ist ein Halbkreis mit einem Radius von 3 m gezogen – die sogenannte „verbotene Zone“.

Punkte

Ein Spieler erzielt einen Punkt für seine Mannschaft, wenn

  • er den Ball auf den Rahmen wirft, so dass ihn kein Spieler auffangen kann, bevor er den Boden außerhalb der verbotenen Zone berührt.

Ein Spieler erzielt einen Punkt für die gegnerische Mannschaft, wenn

  • er den Rahmen beim Wurf verfehlt.
  • der Ball, nach Abwurf, außerhalb des Feldes aufprallt.
  • der Ball nach dem Aufprall ihn wieder berührt.
  • er den Ball in die verbotene Zone wirft, vor oder nach dem Aufprall.

Spielzeit

Die Dauer eines offiziellen Tchoukballspiels ist 3 x 15 Minuten. Bei offenen Turnieren wird die Spieldauer meist verringert, ein Spielabschnitt dauert jedoch meist maximal 15 Minuten.

Mannschaften

Eine Tchoukballmannschaft besteht aus maximal 12 Spielern, von denen in offiziellen Hallenspielen 7 auf dem Platz stehen, und 5 eingewechselt werden dürfen. Auswechselungen dürfen nur unmittelbar nach einem Punkt stattfinden, es gibt jedoch keine Begrenzungen für die Häufigkeit.

Schiedsrichter

Für offizielle Wettkämpfe werden am Feld 3 Schiedsrichter benötigt. Je einer, der an seinem jeweiligen Frame steht, und einer, der an der langen Seite des Feldes dem Spiel folgt. Letzterer hat das Recht, die anderen beiden Schiedsrichter zu überstimmen.

Ballführung

Wenn ein Spieler den Ball hält, ist sein Bewegungsspielraum begrenzt. Er darf ab dem Moment des ersten Ballkontaktes drei Mal den Boden berühren, den Ball nicht fallen lassen, und er hat für seine Aktion maximal 3 Sekunden Zeit. Innerhalb der Mannschaft darf der Ball nach dem Anwurf von der Grundlinie höchstens drei Mal zugespielt werden, bis ein Abschluss auf das Frame erfolgt. In einer ununterbrochenen Spielsituation darf der Abschluss außerdem maximal drei Mal nacheinander auf dasselbe Frame erfolgen.

Tchoukball im deutschsprachigen Raum

Deutschland

Seit 2010 gibt es eine offizielle Deutsche Tchoukball-Meisterschaft. Die Tchoukball-Abteilung des TuS Oeckinghausen in Halver dominiert momentan die deutsche Liga, da hier diese Sportart wiederentdeckt wurde. Weitere Mannschaften entwickelten sich zeitgleich oder etwas später.

Jahr Deutscher Meister [1] Platz 2 Platz 3 Platz 4
2010 TB Halver M 1 TB Halver W TB Halver M 2 SG Urbich I
2011 TB Halver M TB Halver W SG Pädagogik Jena ASC Weimar I
2012 TB Halver I TB Halver II TSV Zorneding I ASC Weimar I
2013 Tchoukball Halver I Tchoukball Halver II ASC Weimar TSV Zorneding
2014 TuS Oeckinghausen I TuS Oeckinghausen II ASC Weimar TSV Zorneding
2015 BTV Aachen TuS Oeckinghausen TSV Zorneding TuS Oeckinghausen U18

Schweiz

Tchoukball wurde in der Schweiz entwickelt. Sie ist das Land mit der größten Tradition und der am besten organisierten Vereins- und Verbandsstruktur. Ebenso ist die Schweiz in der Ausbildung vorbildlich, denn Tchoukball ist im offiziellen Sportprogramm von „Jugend und Sport“ dabei und kann somit vorhandene Strukturen für die Trainerausbildung und für Kadertrainings der Nationalteams nutzen, aber auch für die Abhaltung zahlreicher internationaler Turniere. So fand auch das erste internationale Tchoukballspiel in der Schweiz statt. Genf war seit der Gründung 1970 bis zum Jahr 2009 Sitz des Internationalen Tchoukballverbandes.

Hier finden sich die meisten Tchoukball-Mannschaften innerhalb eines europäischen Landes. Dennoch wird Tchoukball vorwiegend in der Romandie gespielt, jedoch gibt es inzwischen auch wieder Teams in der Deutschschweiz, das erste Deutschschweizer Team waren dabei die Wizards Sports aus Winterthur. Eine Meisterschaft gibt es im Land seit 1993 und wird vom Schweizerischen Tchoukball-Verband organisiert. Sie ist zurzeit in zwei Stärkeklassen unterteilt. Seit einigen Jahren gibt es auch den Schweizer Cup. Die Auslosung dazu erfolgte zuletzt im Rahmen des größten Tchoukball-Hallenturniers Europas, den „Geneva Indoors“. Die Geneva Indoors fanden mittlerweile bereits zum 17. Male statt.

Österreich

Die österreichische Tchoukball-Tradition geht auf die Mitte der 1970er Jahre zurück. Damals wurden Sporterzieher auf Sommerkursen an der Universität Graz von John Andrews und Heinz Rekla in den Sport eingeführt. Viele damalige Studenten haben Tchoukball in ihr Programm als Sportlehrer eingebaut, allerdings Spielidee, Spielregeln und sogar den Namen verändert. In den 1980er Jahren wurde Tchoukball in seiner richtigen Form in Vorarlberg gespielt. Erst im tropischen Sommer 2003 wurde Tchoukball, diesmal in der Nähe von Wien, zum dritten Mal entdeckt. Die Sportunion Traiskirchen bildete dann ab Herbst 2003 eine Sektion Tchoukball. 2004 wurde daraus der Verein RuckTchouk Traiskirchen als eigenständige Organisation. 2009 führte die Initiative eines Sporterziehers zur Gründung des Vereins Tchoukdevils Wels. Seither werden Meisterschaften ausgetragen. Die Hochburg ist RT Traiskirchen, als Serienmeister. 2007 wurde das Team von TB04 Möllersdorf gegründet. 2011 kamen TB Phoenix Baden/Traiskirchen und CowTchouk Wels dazu. Mit den Teams Tchoukangels Oberwaltersdorf und TB Wombats OBW ist die aktuelle Teilnehmerliste an Bundesmeisterschaften komplett.

Tchoukball International

Weltweite Meisterschaften

1984 wurden in Taiwan die ersten World Tchoukball Championships (WTC) ausgetragen. Damals nahmen sechs Nationen aus zwei Kontinenten teil. Mittlerweile kommen zum WTC Mannschaften von vier Kontinenten zusammen, um sich zu messen.

Jahr Wettbewerb Gastgeberland Sieger der Männer Sieger der Frauen Sieger M U-18 Sieger F U-18
1989 World Game Tchoukball Championships Deutschland Deutschland Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
1984 World Tchoukball Championships Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Schweiz Schweiz
1987 World Tchoukball Championships Schweiz Schweiz Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
1990 World Tchoukball Championships Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2000 World Tchoukball Championships Schweiz Schweiz Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2002 World Tchoukball Championships Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2004 World Tchoukball Championships Taiwan Taiwan Schweiz Schweiz Taiwan Taiwan
2005 World Beach Tchoukball Championships Schweiz Schweiz Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Schweiz Schweiz
2009 World Games Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2011 World Youth Tchoukball Championships Osterreich Österreich Italien Italien Taiwan Taiwan
2011 World Tchoukball Championships Italien Italien Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2013 World Youth Tchoukball Championships Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan

Europameisterschaften

2003 wurden in Italien die ersten European Tchoukball Championships (ETC) ausgetragen. Damals nahmen acht Mannschaften aus fünf Nationen teil. 2014 waren es in Radevormwald (Deutschland) 19 Mannschaften aus elf Nationen.

Wettbewerb Gastgeber Sieger der Männer Sieger der Frauen Sieger M U-18 Sieger F U-18
Tchoukball-Europameisterschaften 2003 Italien Rimini Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz
Tchoukball-Europameisterschaften 2006 Schweiz Macolin Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich Schweiz Schweiz Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Tchoukball-Europameisterschaften 2008 Tschechien Usti nad Labem Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz
Tchoukball-Europameisterschaften 2010 Vereinigtes Konigreich Hereford Schweiz Schweiz Schweiz Schweiz
Tchoukball-Europameisterschaften 2014 Deutschland Radevormwald Osterreich Österreich Schweiz Schweiz

Weitere Meisterschaften

Jahr Wettbewerb Gastgeberland Sieger der Männer Sieger der Frauen Sieger M U-18 Sieger F U-18
2003 Asian Tchoukball Championships Indien Indien Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2006 Asian Tchoukball Championships Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2006 South American Tchoukball Championships Argentinien Argentinien Brasilien Brasilien Brasilien Brasilien
2008 Asian Tchoukball Championships Hongkong Hongkong Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2008 South American Tchoukball Championships Argentinien Argentinien Brasilien Brasilien Brasilien Brasilien
2010 Asia-Pacific Tchoukball Championships Singapur Singapur Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan Taiwan
2010 African Tchoukball Championships Ghana Ghana Togo Togo Senegal Senegal Senegal Senegal
2010 South American Tchoukball Championships Brasilien Brasilien Brasilien Brasilien Brasilien Brasilien

Weblinks

 Commons: Tchoukball  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Liste auf tchoukball.de

Kategorien: Ballsportart | Torspiel | Tchoukball

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