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Tambour (Architektur)


Als Tambour (frz. ‚Trommel‘) wird ein vertikales Architekturelement mit einem meist runden, seltener auch polygonalen oder ovalen Querschnitt bezeichnet, das als verbindendes Zwischenglied oberhalb eines meist quadratischen Baukörpers und dessen aus einer Kuppel oder einem Klostergewölbe bestehenden Dach fungiert.

Funktion

Ein Tambour dient der Erhöhung, oft auch der Belichtung der Kuppel über der Vierung eines Bauwerks. Bei Kirchen konnte dieser ehemals − sowohl architektonisch wie liturgisch − bedeutsame Bereich durch einen Tambour stärker hervorgehoben und gesondert belichtet werden.

Geschichte

Europa

Obwohl keine Beispiele erhalten sind, befanden sich die frühesten Tamboure möglicherweise über den runden Warmwasserbecken (Caldarien) römischer Thermen, wo ihre Öffnungen sowohl Belichtungs- als auch Lüftungsaufgaben erfüllten.

In der byzantinisch geprägten Architektur der Spätantike erscheinen sie an Kirchen- und Grabbauten (San Vitale und Baptisterium der Arianer in Ravenna), dann an der Hagia Sophia in Konstantinopel, und nur wenig später an byzantinischen Kreuzkuppelkirchen sowie in der armenischen Architektur. Von den ravennatischen Bauten ist der Tambour des Aachener Doms abzuleiten − der früheste seiner Art nördlich der Alpen (vgl. Abteikirche Ottmarsheim).

Seit dem Mittelalter spielen die oft belichteten Tamboure in der Architektur Südeuropas als Architekturelement eine wichtige Rolle (Kathedrale von Florenz, Petersdom). Seit der Spätrenaissance und vor allem im Barock tauchen sie – nach der Unterbrechung durch die gotische Architektur – auch wieder an Sakralbauten in Mitteleuropa auf (St Paul’s Cathedral, London; Frauenkirche, Dresden).

In der säkularen Architektur treten Tamboure erst sehr spät auf und bleiben äußerst selten (Radcliffe Camera in Oxford, Kapitol in Washington).

Islam

Schon im 7. und 8. Jahrhundert finden sich Tamboure in den Kuppelmoscheen der − noch in hohem Maße byzantinisch geprägten − islamischen Architektur, bleiben dort aber Einzelfälle (Felsendom, Jerusalem; Umayyaden-Moschee, Damaskus).

Im 15. Jahrhundert wurden die Mausoleen (qubbas) der Mamluken-Sultane in Ägypten mit hohen Tambour-Kuppeln versehen.

Im 16. Jahrhundert belichten umlaufende Fensterkränze die allesamt vom Vorbild der Hagia Sophia inspirierten osmanischen Kuppelmoscheen Sinans in Istanbul, Edirne und andernorts. Wie bei ihrem großen Vorgängerbau treten sie jedoch nur nach außen als echte Tamboure in Erscheinung, im Innern dagegen beginnt der Kuppelansatz unmittelbar über den Pendentifs. Eine Erhöhung des Bauwerks durch den Tambour ist im Innern somit nicht festzustellen.

Möglicherweise durch armenische Baumeister des 12. und 13. Jahrhunderts vermittelt, wurden Tamboure auch in Teilen des islamischen Orients (Persien, Zentralasien) bekannt. In der frühen Architektur Indiens treten sie noch nicht auf; dagegen gehören sie in der Mogul-Architektur zu den charakteristischen Bestandteilen der zweischaligen, meist gebauchten Kuppelkonstruktionen, deren Innenschale jedoch weder erhöht noch belichtet ist.

Siehe auch

Andere Möglichkeiten der Erhöhung und/oder Belichtung des Vierungsbereichs eines Bauwerks sind:

Literatur

  • Hans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Kröner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X
  • Patrick Donabédian, Jean-Michel Thierry: Armenische Kunst. Herder Verlag, Freiburg 1988, ISBN 3-451-21141-6
  • Rolf Toman (Hrsg.), Achim Bednorz (Fotos): Die Kunst der Romanik. Könemann-Verlag, Köln 1996, ISBN 3-89508-213-9
  • Rolf Toman (Hrsg.), Achim Bednorz (Fotos): Die Kunst des Barock. Könemann-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-89508-991-5
  • Markus Hattstein, Peter Delius (Hrsg.): Islam. Kunst und Architektur. Könemann-Verlag, Köln 2000, ISBN 3-89508-846-3

Weblinks


Kategorien: Bauteil (Bauwesen) | Belichtung (Architektur) | Kirche (Architektur)

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