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Stein an der Traun


Stein an der Traun
Stadt Traunreut
Höhe: 507 m
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 83371
Vorwahl: 08621

Stein an der Traun (amtlich Stein a.d.Traun) ist ein Ortsteil der Stadt Traunreut und war früher eine eigenständige Gemeinde im Landkreis Traunstein. Das Dorf liegt an der B 304 zwischen Traunstein und Altenmarkt an der Alz. Pfarrort der ehemaligen Gemeinde ist St. Georgen.

Geschichte

Stein an der Traun hatte bereits früh eine große Bedeutung: Die, in einer etwa vierzig Meter hohen senkrechten Konglomeratwand, nahe dem Ufer der Traun entstandenen großen Höhlen wurden schon von den Kelten als Zufluchtsort genutzt. Eine Siedlung wurde noch nicht entdeckt, doch ein großes Gräberfeld im Bereich der Allee zur Kapelle des Heiligen Johannes von Nepomuk gibt Hinweise darüber [1].

Diese Höhle nutzte im Mittelalter ein Adelsgeschlecht und baute sie zu der größten Höhlenburg Deutschlands aus. Sie errichteten sowohl am Fuße, als auch am oberen Rand der Wand eine stark befestigte Burg, genannt Schloss Stein und Hochschloss. Die Ursprünge des Hochschlosses sind nicht vollständig geklärt, möglicherweise stammt es bereits aus römischer oder keltischer Zeit. Das Schloss Stein wurde 1135 erstmals urkundlich erwähnt und war seit dem 13. Jahrhundert bis 1633 im Besitz der Familie Toerring. Graf Carl Fugger von Kirchberg erwarb den Besitz, später kamen durch Einheirat die Freiherren von Lösch in den Besitz des Schlosses,[2] das sie bis 1829 behielten.

Bereits Anfang des 13. Jahrhunderts soll die Burg das Refugium des Raubritters „Heinz vom Stein“ gewesen sein. Dieser wird zwar landläufig als der berühmteste Bewohner wahrgenommen, jedoch existieren keine stichhaltigen Belege, dass er tatsächlich existierte.[2] Trotzdem veröffentlichte Carl Oskar Renner 1979 die „Chronik vom abenteuerlichen Leben des Ritters Heinz vom Stein, genannt der Wilde“, und auch heute dient der legendäre Raubritter als touristische Attraktion.[3]

Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts bis zum Jahr 1936 wurden einige etwas nördlich der Höhlenburg gelegene Kavernen in der Nagelfluhwand von Eremiten bewohnt, die auch die Schüler des Ortes unterrichteten.[4]

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Hofmark Stein gebildet, die urkundlich erstmals 1558 erwähnt wird.[5] Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert gehörten zur Hofmark Stein folgende Orte:[5]

Die Hofmark Stein war die größte Grundherrschaft im Landgericht Trostberg, die zweitgrößte war bis zur Säkularisation um 1803 das Kloster Baumburg gewesen.

Im Zuge der Steuervermessung von 1808 wurde in Stein aus der Hofmark ein patrimonialgerichtlicher Steuerdistrikt gebildet, dem ein Patrimonialgericht mit Gerichtshalter zur Gerichtsausübung zugeordnet war; 1818 wurde dann die ehemalige Hofmark Stein in die Gemeinde Stein umgewandelt.[5] 1820 befand sich der Steuerdistrikt Stein in den Händen des königlichen Kämmerers und Hofrats Emanuel von Lösch. 1845 kaufte Amélie von Leuchtenberg, Witwe des Kaisers von Brasilien, Schloss Stein sowie Seeon für sich und ihre Tochter. 1848 trat sie das Gericht Stein gegen eine Entschädigung an den Staat ab. Die Gemeinde Stein hatte damit ihre volle Selbständigkeit erlangt.

Am 1. Mai 1926 wurden die bis dahin selbständige Gemeinde

der Gemeinder Stein angegliedert; sie hatte sich seit 1818 aus dem Steuerdistrikt Pattenham entwickelt.[6][5]

Das Schloss und Gut Stein war in der Region über Jahrhunderte ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sicherte zahlreichen Menschen der Umgebung ein Einkommen. 1928 musste der Graf von Arco-Zinneberg, dessen Familie das Schloss seit 1890 besaß, den großen St.-Georgi–Forst schlagen, um mit dem Holzverkauf seine Schulden zu tilgen. Er musste trotzdem verkaufen, der Wald ging in Staatsbesitz über und wurde sofort wieder aufgeforstet.

Während des Zweiten Weltkriegs baute die Wehrmacht 1938 in den Jungwald eine getarnte Munitionsanstalt, die Heeres-Munitionsanstalt (Muna) St. Georgen, in der Giftgas hergestellt und Munition gebunkert wurde. Da das Areal der Muna St. Georgen von den Luftangriffen der US Air Force verschont geblieben war, wurden in die intakten Gebäude gleich nach Kriegsende zahlreiche Heimatvertriebene einquartiert, die leerstehende Hallen auch für gewerbliche Zwecke nutzten. Am 1. Oktober 1950 wurde durch die Regierung von Oberbayern aus der Neusiedlung, die in dem Forst auf Gebietsanteilen der Gemeinden Palling, Pierling, Stein an der Traun und Traunwalchen entstanden war, eine neue Gemeinde mit dem Namen Traunreut geschaffen.[6] Die neue Gemeinde entwickelte sich bald zur heutigen Stadt Traunreut, inzwischen die größte Stadt im Landkreis Traunstein.[7][5]

Die Gemeinde Stein an der Traun trat am 1. Januar 1978 kleine Gebiete an die Nachbargemeinde Altenmarkt an der Alz ab. Am 1. Mai 1978 wurde das übrig gebliebene Gemeindegebiet nach Traunreut eingemeindet.[8]

Am 25. Januar 2010 ereignete sich gegen 20 Uhr im Ort an der Pallinger Straße ein Felssturz. Der aus Nagelfluh bestehende Gesteinsbrocken von der Größe eines Busses zerstörte ein etwa hundert Jahre altes Wohnhaus. Zwei der vier Bewohner fanden hierbei den Tod.[9]

Sehenswürdigkeiten

Die Höhlenburg Schloss Stein ist die bedeutendste Höhlenburg Deutschlands. Die Burganlage besteht aus drei Teilen:

  • Dem Hochschloss an der fast 50 m steil abfallenden Nagelfluhwand.
  • Der Höhlenburg darunter, die verborgen im Fels eine Verbindung ins Trauntal schafft.
  • Dem Unterschloss in Stein selbst, es beherbergt heute ein Internat (Schule Schloss Stein).

Veranstaltungen

  • Alle vier bzw. drei Jahre fanden auf dem Hochschloss die Steiner Spiele statt, ein Freilichttheater mit der Burg als Kulisse. Hierzu wurde eigens ein Stück geschrieben, das von Laien, Amateuren und professionellen Schauspielern mit musikalischer Untermalung aufgeführt wurde.
  • Seit 2009 findet in Stein jährlich das Steiner Burg Festival statt, bei dem Bands aus der Mittelalterszene auftreten[10]

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Unternehmen

  • Schlossbrauerei Stein

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. M. Hell: Frühlatènegräber in Stein a.d. Traun (Oberbayern) und ihre Stellung zur Frühlatènezeit in Salzburg-Hallstatt. In: Wiener Prähistorische Zeitschrift. Band 29, 1942, S. 57–65.
  2. 2,0 2,1 Website der Freunde der Burg Stein e.V. (abgerufen 13. Juli 2008)
  3. „Die Burg Stein und ihr berühmter Bewohner Heinz“ , Traunsteiner Tagblatt 36/2001 (abgerufen 13. Juli 2008)
  4. „Die Höhlenburg Stein an der Traun, Bayern“
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 5,4 Meinrad Scholl: St. Georgen besteht seit 1050 Jahren. In: Chiemgau-Blätter. Beilage zum Traunsteiner Wochenblatt. Nr. 16, Samstag, 21 April 1979, S. 1–6.
  6. 6,0 6,1 Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 581 und 582.
  7. Website der Stadt Traunreut
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 593.
  9. Bericht über den Felssturz in Stein an der Traun auf www.Süddeutsche.de
  10. http://www.steiner-burgfestival.de/index.php?PageID=1

Literatur

  • Hans-Jürgen Schubert und Joachim Zeune: Stein an der Traun in Geschichte und Gegenwart. Herausgegeben vom Verein Freunde der Burg Stein e. V.; 8. Auflage, Stein an der Traun 2006.
  • Ernest Geiß: Heinz von Stein. Nebst einer Geschichte des Schlosses und seiner Besitzer. In: Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, Band 3, Zweites Heft, München 1841, S. 147–209 (online )

Weblinks

 Commons: Schloss Stein an der Traun  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort im Chiemgau | Ort im Landkreis Traunstein | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Traunstein) | Traunreut

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Stein an der Traun (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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