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St. Aegidius (Berne)


Die evangelisch-lutherische Kirche St. Aegidius in Berne, dem Hauptort des Stedingerlandes, ist ein gotischer Bau nach dem Vorbild westfälischer Hallenkirchen mit einer Ausstattung vor allem des 17. Jahrhunderts.

Baugeschichte

An einer Stelle, die schon mindestens seit der vorrömischen Eisenzeit bis ins 6. Jahrhundert nachweislich besiedelt war und seit dem 11. Jahrhundert den Stedingern als Kirchenort diente, ließ der Bremer Erzbischof Gerhard II. nach seinem Sieg über die aufständischen Bauern (1234) den bestehenden frühromanischen, einschiffigen Bau auf die doppelte Größe erweitern. Der aus Portasandstein errichtete Turm und die Nordwand des Altbaus blieben bestehen. Aus der Breite des Vorchorjochs hat man geschlossen, dass ursprünglich eine Basilika geplant war, aber um die Mitte des 13. Jahrhunderts doch nach dem Vorbild westfälischer Kirchenbauten (Große Marienkirche in Lippstadt, der Heimat des Bremer Erzbischofs), vermittelt durch die Bauleute, die für Gerhard auch an der Bremer Liebfrauenkirche gearbeitet hatten, eine dreischiffige Hallenkirche mit querstehenden Dächern errichtet wurde. Diese Dachform vermindert die seitlichen Schubkräfte und könnte bewirkt haben, dass die Konstruktion noch hält, denn im Inneren sieht man, dass der weiche Grund die Pfeiler sich unterschiedlich neigen und absacken ließ.[1] Ein deswegen höher gelegter Fußboden wurde bei den Restaurierungs- und Sicherungsarbeiten 1985–1986 wieder entfernt. Das Chorpolygon wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts, die Gewölbe vermutlich 1577 (Inschrift) erneuert.

Architektur

Der mächtige Westturm, seit dem Umbau im 13. Jahrhundert asymmetrisch vor der Fassade stehend, zeigt mit der Lisenengliederung im Untergeschoss und dem Stufenportal mit seinen eingestellten Säulchen deutlich seine romanische Entstehungszeit, während das Portal in der gleichzeitigen Nordwand nach dem Muster der Bremer Liebfrauenkirche gotisch umgestaltet wurde, wie Blattkapitelle und kleeblattförmiges Tympanon nahelegen.

Das Innere zeigt eine quadratische, in 3 × 3 gewölbte Joche gegliederte Halle. Den westfälischen Einfluss erkennt man auch hier an den kreuzförmigen Pfeilergrundrissen mit vorgelegten Halbsäulen und eingestellten Diensten (sog. Marienfelder Pfeiler). Die gemalte Distelornamentik im Chor, erst vor wenigen Jahrzehnten wieder freigelegt, stammt aus spätgotischer Zeit.

Ausstattung

An der Wand hoch hinter dem Altar ist auch ein 1980 aufgedeckter, gemalter Schattenriss der Altarbekrönung erkennbar, vermutlich „weniger als Entwurf gedacht als vielmehr zur Veranschaulichung für die Auftraggeber, wie hoch der Altar einmal werden würde.“[2] Dass hier noch die Hand des 1637/38 gestorbenen Ludwig Münstermann erkannt werden kann, ist vermutet worden,[3] sicherlich ist aber die Ausführung des Altars entweder seiner Hamburger Werkstatt[4] oder einem regionalen Nachfolger[5] zuzuschreiben. Das 1637 inschriftlich datierte Retabel folgt im Aufbau demjenigen in Rodenkirchen von 1629. In mehreren Geschossen übereinander entwickelt sich das christologische Thema, entlang der Mittelachse von der Anbetung der Hirten in der Predella über Abendmahl und Passion bis zur Kreuzigungsgruppe in der Bekrönung. Der Bühnenraum des Hauptbildes ist durchbrochen, so dass das Licht des Mittelfensters auch von hinten auf die Szene fällt.

An der 1658 datierten Kanzel ist stilistisch die Hand eines auch am Altar tätigen Bildschnitzers zu erkennen. An Treppenwange und Brüstung befinden sich Figuren des Alten Testamentes, unten am Kanzelkorb ein Relief der Hochzeit zu Kana, oben ein prächtiger Schalldeckel.

Ein hölzernes Epitaph von 1649 an der Nordwand des Chors, angeblich für den Berner Vogt Encke Stadtlander, ist signiert „WAF“ und zeigt die Himmelfahrt Christi über der Kreuzigung.

Die ältesten Teile der Orgel wurden 1593 bis 1596 von R. Lampeler aus Brabant gebaut, doch sind vielfache Veränderungen darüber hinweggegangen: 1750 entstanden die biblischen Szenen nach Kupferstichen von Matthäus Merian an der Orgelempore, 1778 wurde der Orgelprospekt unter Verwendung älterer Knorpelwerk-Ornamente des 17. Jahrhunderts neu gestaltet und bemalt. Von 1643 stammt die ideale Innenansicht eines Kirchenraums unter der Orgel.

Über dem modernen Taufbecken in der nördlichen Seitenschiffskapelle hängt ein vorzüglich modellierter, nahezu unbekleideter Taufengel mit Datierung "1653" und einer Stifterinschrift auf der nackten Brust, die diese nach Typus und Qualität bemerkenswerte Skulptur zugleich als ein für den in diesem Jahr im Alter von 18 Jahren verstorbenen Organisten Gerhard Vollers gestiftetes Epitaph interpretieren lässt.

Ein lebensgroßer Gekreuzigter aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts diente wohl als Triumphkreuz.

Literatur

  • Die Bau- und Kunstdenkmäler des Herzogtums Oldenburg. Heft 4, Oldenburg 1907, S. 143–152.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bremen Niedersachsen. München 1992, S. 214–216
  • Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land, Bd. 1, 1983, S.219-250.

Einzelnachweise

  1. so Hoffmann, S. 354
  2. Hoffmann, S. 345
  3. Wolfgang Runge: Kirchen im Oldenburger Land. Bd. 1, Oldenburg 1983, S. 231
  4. Hoffmann, S. 354; Dietmar Jürgen Ponert: Werkverzeichnis. In: Wilhelm Knollmann u. a.: Ludwig Münstermann. Oldenburg 1992, S. 237 f.
  5. Holger Reimers: Ludwig Münstermann. Jonas, Marburg 1993, S. 282–285

Weblinks

 Commons: St. Aegidius (Berne)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/St. Aegidius (Berne) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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