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Sozialverband Deutschland


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Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD) –
ehemals Reichsbund, gegründet 1917
Rechtsform gemeinnütziger eingetragener Verein
Gründung 1917
Personen Adolf Bauer
Schwerpunkt Sozialpolitik, Sozialrecht
Mitglieder 560.000
Website www.sovd.de [1]

Der Sozialverband Deutschland e. V. (SoVD) ist ein sozialpolitischer Interessenverband, der sich für die Stärkung der sozialen Rechte einsetzt. Präsident des SoVD ist Adolf Bauer. Er hat das Amt seit 2003 inne und wurde am 7. November 2015 von den Delegierten der Bundesverbandstagung mit großer Mehrheit für weitere vier Jahre an die Spitze des Verbands gewählt. Zur Vize-Präsidentin gewählt wurde Renate Falk (Landesverband NRW). Vize-Präsident ist Wolfgang Schneider (Landesverband Schleswig-Holstein).

Aufgabe und Ziel

Der Verband vertritt die Interessen der gesetzlich Rentenversicherten, der gesetzlich Krankenversicherten sowie der pflegebedürftigen und behinderten Menschen gegenüber der Politik. Der Verband setzt sich für soziale Gerechtigkeit und für den Erhalt und den Ausbau der sozialen Sicherungssysteme ein. Der SoVD ist gemeinnützig und parteipolitisch unabhängig.

Seinen Mitgliedern bietet der Verband sozialrechtliche Beratung in Fragen der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung sowie in Fragen des Behindertenrechts, der Grundsicherung, des Arbeitslosengeldes II und der Sozialhilfe. Der SoVD vertritt Mitglieder in Klageverfahren vor den Sozialgerichten und führt in grundsätzlichen Fragen Musterklagen vor den Sozialgerichten.

Zahlen

Sitz des Verbandes ist seit 2003 Berlin. Präsident ist seit 2003 Adolf Bauer. Für den SoVD sind bundesweit 20.000 ehrenamtliche Kräfte und rund 700 hauptamtliche Mitarbeiter tätig. Der SoVD ist in rund 3.000 Landes-, Kreis- und Ortsverbände gegliedert. Die Gesamt-Mitgliederzahl beträgt derzeit 560.000.

Geschichte

Der Verband wurde 1917 unter dem Namen Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten gegründet, um erstmals die Versorgungsansprüche der Kriegsopfer des Ersten Weltkriegs und ihrer Hinterbliebenen durchzusetzen. 1918 erfolgte die Umbenennung in Reichsbund der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer. Mitbegründer und Vorsitzender war bis 1919 der sozialdemokratische Politiker Erich Kuttner. Viele der Gründerväter, unter anderem Hugo Mengel, kamen aus der Arbeiterbewegung und gehörten sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften an. Der Reichsbund war aber parteipolitisch neutral. 1922 gehörten 830.000 Mitglieder dem Reichsbund an.

Im Jahr der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten beschloss der Reichsbund die Auflösung seiner Organisation, weil ein aktiver Widerstand gegen die Diktatur Hitlers aussichtslos war. Mit diesem Schritt entzog sich der Reichsbund der weitgehenden Gleichschaltung von Politik, Wirtschaft, Kultur, Verwaltung und Verbänden. Diese Entscheidung ermöglichte 1946 einen von der Vergangenheit unbelasteten und glaubwürdigen Neubeginn.

1964 wurde die Bundesgeschäftsstelle von Hamburg nach Bonn verlegt.

1988 geriet der Verband in finanzielle Probleme u. a. auch wegen gefälschter Mitgliederzahlen. Von den 769.000 Mitgliedern laut dem Bundesanzeiger soll tatsächlich nur rund die Hälfte vorhanden gewesen sein. Hohe Mitgliederzahlen wirkten sich beispielsweise auch bei der Besetzung von ehrenamtlichen Richtern beim Bundessozialgericht und beim Rundfunkrat des WDR aus, die jeweils von einem Mitglied des Reichsbundes besetzt waren. Der langjährige Vorsitzende Hermann Meyer trat „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück, sein Nachfolger wurde Hermann Salomonson. Die Vorstandswahlen wurden kurzzeitig gerichtlich blockiert, da die Gemeinnützigkeit überprüft werden musste. Der Reichsbund hatte satzungswidrig Mittel für den Bau des verbandseigenen Hotels Mondial in West-Berlin zur Verfügung gestellt, das im Dezember 1982 eröffnet wurde. Deren Finanzierung war vom Land Berlin und der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin mit 15,3 Millionen DM unterstützt worden. Diese stellten Regressansprüche, da sie über die Liquidität des Verbandes getäuscht wurden.[2]

2012 schloss sich der SoVD dem Bündnis Umfairteilen an.[3]

Verbandsname im Wandel

Die sozialpolitischen und politischen Veränderungen spiegeln sich in den Änderungen des Verbandsnamens. Von 1933 bis 1945 war der Verband verboten. Der Verband führt ein umfangreiches Archiv, auch über die Vorgänger-Organisationen.

  • 1917 wurde der Verband als Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten in Berlin gegründet.
  • 1919 wurde er in Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinterbliebenen umbenannt.
  • 1946 gründete sich der Reichsbund der Körperbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen. Da die Besatzungsmächte eine Organisation ehemaliger Soldaten in größerem Maße ablehnten, wurde ein neuer Name für den Verband gewählt.
  • 1949 nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland benannte er sich in Reichsbund der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen um.
  • 1974 nahm der Reichsbund die aktuellen sozialpolitischen Begriffe in seinen Namen auf und bezeichnete sich nun als Reichsbund der Kriegsopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen.
  • 1987 vervollständigte man im Namen den vertretenen Personenkreis und nannte sich nun Reichsbund der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten, Sozialrentner und Hinterbliebenen.
  • 1995 erfolgte die Umbenennung in Sozialverband Reichsbund.
  • 1999 wählte man als neuen Namen Sozialverband Deutschland (SoVD) mit dem Zusatz ehemals Reichsbund, gegründet 1917.

Einrichtungen

Der SoVD betreibt Erholungszentren und Hotels, die behindertengerecht ausgestattet sind.

Darüber hinaus unterhält der SoVD zwei Berufsbildungswerke für behinderte Menschen das Berufsbildungswerk Bremen und in Stendal und trägt auf diese Weise dazu bei, dass junge Menschen mit Behinderung eine qualifizierte berufliche Erstausbildung erhalten. Der SoVD ist zudem Träger einer Werkstatt für behinderte Menschen in Witten.

Der SoVD ist Träger von Patientenberatungsstellen im Rahmen der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Die Patientenberatung ist ein Modellprojekt und steht allen Bürgerinnen und Bürgern kostenlos zur Verfügung.

meravis

Zum Verband gehörte auch die Tochtergesellschaft meravis („mensch • raum • vision“) Wohnungsbau- und Immobilien GmbH mit Sitz in der Krausenstraße 46 in Hannover. Diese Gesellschaft hieß zuvor Reichsbund-Wohnungsbau-GmbH und davor Gemeinnützige Reichsbund Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft mbH (Wohnbau). 1987 erwirtschaftete sie einen Gewinn von 8 Millionen DM.

Die Wohnungsbaugesellschaft erfüllt mit der Schaffung von behinderten- und altengerechtem Wohnraum und dem Bau von Wohnungen für kinderreiche Familien sowie Sozialeinrichtungen auch einen sozialen Auftrag.

Im April 2009 übernahm meravis die Beteiligung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) an der DAWAG (Deutsche Angestellten-Wohnungsbaugesellschaft) mit einem Immobilienbestand von etwa 6.000 Einheiten.

Weblinks

 Commons: Sozialverband Deutschland  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bekanntmachung der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern. (Memento vom 29. Dezember 2009 im Internet Archive) (PDF; 4,6 MB) Verbandseintrag Nr. 1636
  2. Offensichtlich getürkt. In: Der Spiegel. Nr. 2, 1989, S. 46 (online ).
  3. Christian Weßling (Redaktion): Wir. umverteilen.de; zuletzt abgerufen 30. September 2012

Kategorien: Seniorenvereinigung | Gegründet 1917 | Mitglied der Europäischen Bewegung Deutschland | Verein (Berlin) | Wohlfahrtsorganisation

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialverband Deutschland (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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