Seinehochwasser 1910 - LinkFang.de





Seinehochwasser 1910


Seinehochwasser 1910
Der Gare Saint-Lazare in Paris am 28. Januar 1910
Unwetter Hochwasser
Daten
Entstehung 18. Januar 1910
Auflösung 8. März 1910
Wasserstand 8,62 m (Pont d’Austerlitz in Paris, ‎28. Januar 1910)
Abfluss 2400 m³/s (Paris)
Folgen
Opfer 0[1]
Schadenssumme 400 Millionen Goldfranken

Das Seinehochwasser 1910 war – nach dem Hochwasser von 1658[2] – das größte bekannte Hochwasser an der Seine. Es betraf den größten Teil des Seinetals und verursachte, obwohl es keine Todesopfer forderte, hohe wirtschaftliche Schäden, insbesondere in Paris. Die Seine erreichte ihren Höchststand von 8,62 Metern am Pegel Pont d’Austerlitz am 28. Januar.[3] Viele Viertel der Hauptstadt und zahlreiche Städte waren jedoch mehrere Wochen davor und danach überschwemmt. Der Anstieg des Hochwassers dauerte etwa zehn Tage, das Abfließen ungefähr 35 Tage.

Die Zuflüsse waren wegen der Unabhängigkeit verschiedener hydrologischer Systeme in unterschiedlichem Ausmaß betroffen.

Während des großen Hochwassers von 1910 trafen sich die Abgeordneten der Assemblée nationale in Booten um ihre Arbeit wieder aufnehmen zu können. Dem Zuaven an der Pont de l’Alma, einer Skulptur von Georges Diebolt, an dem die Pariser den Seinepegel messen, stand das Wasser bis zu den Schultern.

Verlauf

Ursachen

Die Ursachen des Hochwassers liegen in der Verbindung mehrerer Faktoren:

Chronologie

  • Am 20. Januar wird die Schifffahrt auf der Seine in Paris eingestellt, da unter den Brücken nicht mehr genug Platz zum Passieren ist.[1]
  • Am 21. Januar stoppt die Druckluftfabrik im XIII. Arrondissement die Produktion, was den Stopp von Aufzügen und öffentlichen Uhren mit sich bringt.[1]
  • Am 23. Januar erreicht die Seine die Höhe der Kaimauern, die für Hochwasser der Höhe von 1876 ausgelegt sind: ein Teil von Paris wird überflutet.[1]
  • Am 28. Januar 1910 sind 22.000 Keller und hunderte Straßen mit Wasser und Eis überschwemmt und werden immer weiter mit Abwasser verschmutzt. Es wurden nämlich zehntausende unterirdische Abwassergruben, die nicht an die gemeindliche Kanalisation angeschlossen waren geflutet. Die Tanker, die außerhalb von Paris noch Verbliebene evakuieren müssen, können nicht mehr unter den Brücken hindurchfahren. Die sanitäre Lage wird Besorgnis erregend, es werden Fälle von Typhus und Scharlach gemeldet.
  • Es dauert bis Mitte März bis das Hochwasser vollständig zurückgegangen ist.

Schäden

Das Hochwasser verursachte direkte Schäden in Höhe von 400 Millionen Goldfranken (≙ mehr als 1,6 Milliarden Euro). Hinzu kommen 50 Millionen Goldfranken für die Hilfskräfte.[4]

Buchhandlungen und Verlage erlitten große Verluste, all ihre Bestände wurden vernichtet.

Ivry-sur-Seine

Nach der Überschwemmung explodierte die Essigfabrik Pagès Camus, es folgte ein vernichtender Brand. Ivry-sur-Seine, teilweise komplett zerstört, wurde von vielen Persönlichkeiten, wie z.B. Armand FallièresAristide BriandAlexandre Millerand und Louis Lépine besucht.[5]

Paris

In Paris wurden 20.000 Gebäude überschwemmt. Die Hälfte des damals bestehenden Métro-Netzes wurde geflutet.

In der Banlieue war die Situation flussaufwärts wie flussabwärts mit 30.000 überschwemmten Häusern ebenfalls dramatisch.

Gennevilliers

In Gennevilliers wurden die Deiche komplett überflutet und das Ausströmen von Abwasser verschlimmerte die Lage. Besonders die gemeindlichen Gebäude waren betroffen. Mehr als 1000 Wohnungen wurden überflutet, 150 evakuiert und 13 stürzten sogar ein.

Villeneuve-la-Garenne

In Villeneuve-la-Garenne erreichte das Hochwasser katastrophale Ausmaße. Trotz Deichen stand das Wasser an vielen Stellen 1,20 m hoch. Landwirtschaftlichen Flächen wurden verwüstet, Häuser stürzten ein, viele Tiere ertranken. In Teilen der Gemeinde kann man die Häuser durch die Fenster des ersten Stocks betreten. Ab dem 21. Januar stehen die Straßen nach Gennevilliers und Asnières unter Wasser. Am 26. Januar werden die Schulen evakuiert. In der Nacht vom 27. auf den 28. Januar werden die Deiche überspült. Die am schlimmsten betroffenen Familien werden mittels Booten oder Behelfsboote evakuiert. Es dauert lediglich bis Anfang Februar bis die Pegel wieder fallen, jedoch nehmen die Aufräumarbeiten mehrere Wochen in Anspruch.

L’Île-Saint-Denis, Saint-Denis et Épinay-sur-Seine

Das Hochwasser richtet ebenso große Schäden in den westlichen Gebieten an, wo heute das Département Seine-Saint-Denis (L’Île-Saint-DenisSaint-DenisÉpinay-sur-Seine) liegt.

Seinetal

Während sechs Säuberungs- und Müllverbrennungsfabriken am Seineufer unzugänglich sind, ruft der Präfekt Louis Lépine die Operation Ordures au fil de l’eau („Müll im Wasserlauf“) aus, um Epidemien zu vermeiden: 500 Hippomobile-Wagen sammeln jeden Morgen 1500 Tonnen Abfälle und kippen diese von der Pont de Tolbiac und dem Viaduc d’Auteuil in die Seine um sie in den Ärmelkanal zu verfrachten. Wegen des Rückgangs des Wassers, sammelt sich der Müll bald auf den Kais und den Bäumen der Auwälder flussabwärts in den Gemeinden des Seinetals, was Proteste dieser hervorruft.[6]

Fotogalerie

In Paris

In der Pariser Umgebung

Hochwassermarken

Literatur

  • Philippe Mellot: Paris inondé photographies janvier 1910. Ed. de Lodi, Paris 2003, ISBN 2-84690-037-X (französisch).
  • Jean-Michel Lecat, Michel Toulet: Paris sous les eaux: de Choisy-le-Roi à Asnières. Chronique d’une inondation, janvier-février 1910. Ouest France, Rennes 2009, ISBN 978-2-7373-4824-2 (französisch).
  • Paris inondé: la grande crue de 1910. In: Journal des débats. Ed. du Mécène, Paris 2009, ISBN 978-2-907970-93-8 (französisch).
  • Jeffrey H. Jackson: Paris under water: how the city of light survived the great flood of 1910. Palgrave Macmillan, New York 2009, ISBN 978-0-230-61706-3 (englisch).
  • Die Hochwasser-Katastrophe im Jahr 1910 in Paris. In: Die Welt. 24. Januar 2014. (welt.de ).

Videos

Weblinks

 Commons: Seinehochwasser 1910  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Goede: Crue de la Seine à Paris en 1910. In: Aquadoc France. 30. April 2004, abgerufen am 9. März 2016 (français).
  2. 18 janvier 1910: Crue historique de la Seine. In: pluiesextremes.meteo.fr. Abgerufen am 9. März 2016 (français, Der Höchststand der Seine an der Pont de la Tournelle lag am 29. Januar 1910 bei 8,50 m; der absolute Höchststand war 1658 (8,81 m).).
  3. Michaela Wiegel: Hochwasser-Szenario für Paris Eine Flut träfe fünf Millionen Menschen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung 24. Januar 2014, ISSN 0174-4909 , (faz.net ).
  4. Philippe Mellet: Paris au temps des fiacres. Borée, Romagnat 2006, ISBN 2-84494-432-9, S. 101 (français).
  5. Ivry-sur-Seine (94) - Inondation 1910. In: inondation1910.free.fr. Abgerufen am 10. März 2016 (français).
  6. Ausstellung Paris inondé 1910 in der Galerie des Bibliothèques, 2010.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Seinehochwasser 1910 (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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