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Seifhennersdorf


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: GörlitzVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Höhe: 360 m ü. NHN
Fläche: 19,13 km²
Einwohner: 3817 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 200 Einwohner je km²
Postleitzahl: 02782
Vorwahl: 03586
Kfz-Kennzeichen: GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI
Gemeindeschlüssel: 14 6 26 530
Adresse der
Stadtverwaltung:
Rathausplatz 01
02782 Seifhennersdorf
Webpräsenz: www.seifhennersdorf.de
Bürgermeisterin: Karin Berndt (UBS)
}

Seifhennersdorf (obersorbisch Wodowe Hendrichecy) ist eine sächsische Landstadt im Landkreis Görlitz. Sie liegt im Südosten von Sachsen in den Tälern der Mandau und des Leutersdorfer Wassers, direkt an der Grenze zu Tschechien.

Ortslagen

Neben dem sich entlang der Mandau erstreckenden Niederhennersdorf sind die im Tale des Leutersdorfer Wassers gelegenen Ansiedlungen Seifen und Scheibe zu einem Ort zusammengewachsen, ebenso wie die unterhalb der Einmündung des Baches im Mandautal befindlichen Häuser der Läuterau. Unmittelbar an der böhmischen Grenze bei Varnsdorf (deutsch Warnsdorf) liegt die Ortslage Halbendorf.

Geschichte

Der Ort Seifhennersdorf entstand nach 1250 und wurde vermutlich von mainfränkischen Bauern als Waldhufendorf gegründet. Das Dorf, das im 14. Jahrhundert als „Henrych“, „Heinrichstorph“ bzw. „Henricivilla“ bezeichnet wurde, war Teil der Herrschaft Tollenstein. 1584 wurde das Niederdorf („Niederhennersdorf sammt den Seiffen“) durch den Stadtrat der Stadt Zittau für 16.000 Taler und 100 ungarische Gulden aufgekauft,[2] während das Oberdorf („Oberhennersdorf“, heute Horní Jindřichov) im Besitz der Tollensteiner verblieb. Das reine Bauerndorf entwickelte sich zu einem Weberdorf. In der Umgebung entstanden seit dem 17. Jahrhundert kleinere Ansiedlungen böhmischer Exulanten. Zwischen 1780 und 1800 entstand der heutige Ortsname Seifhennersdorf. Im Nordosten des Ortes befand sich der „Große Teich“, in dem bis zu seinem Bruch im Jahr 1803 das Leutersdorfer Wasser gestaut wurde und der eine Fläche von 22,7 ha hatte.

Besonders ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die ortstypischen Umgebindehäuser gebaut, die heute zum Teil unter Denkmalschutz stehen.

Zwischen 1796 und 1798 entstand nach Plänen des Baumeisters Carl Christian Eschke an Stelle der alten Dorfkirche ein neuer Kirchenbau. Die im klassizistischen Stil errichtete Kreuzkirche bot 2450 Menschen Platz, der Kirchensaal war mit drei umlaufenden Emporen umbaut.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden bekannte Webereien, die Konfektionsbetriebe und die „Große Schneiderei“, die Maschinenfabrik, die Holzschuh- und Pantoffelfabrik sowie andere Industriezweige. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden kleinere Braunkohlenlagerstätten erschlossen. Neben dem „Schwarzkohlenwerk am großen Teich“ befand sich in der Läuterau die „Einigkeitszeche“ und bei Halbendorf die „Heilige Dreifaltigkeit Zeche“. Letztere beide wurden von den Kaufleuten Gebr. Wehnert aus Warnsdorf betrieben. Am Richterberg begann zum Ende des 19. Jahrhunderts der Abbau von Polierschiefer. 1874 erhielt Seifhennersdorf einen Eisenbahnanschluss nach Eibau, der Streckenschluss nach Zittau erfolgte erst 1876.

Der Bau der genannten Fabriken, des Bahnhofs, des 190 m langen Viadukts, neuer Schulen und Straßen sowie des Gas- und Wasserwerks veränderte das Ortsbild nach 1870 merklich. Im Jahre 1900 existierten 78 Bauerngüter in Seifhennersdorf. 1903 erfolgte die endgültige Einstellung des Kohlenabbaus.

1911 baute die Leipziger Pianoforte-Fabrik Gebr. Zimmermann AG ein Zweigwerk in Seifhennersdorf, das 1992 von der C. Bechstein Pianofortefabrik übernommen wurde. Bechstein hat seine deutsche Produktion dorthin verlagert.

1925 wurde in Nachbarschaft der Kreuzkirche ein neues Rathaus errichtet. In der Nacht vom 22. zum 23. März 1935 brannte die Kreuzkirche aus. Der Wiederaufbau konnte bereits 1936 abgeschlossen werden. An Stelle der vernichteten Innenausstattung gestaltete Richard Schiffner aus Zittau das Kircheninnere neu.

Während des Zweiten Weltkrieges blieb Seifhennersdorf weitgehend von Kampfhandlungen und damit einhergehenden Zerstörungen verschont. Von Januar 1944 bis 16. März 1945 existierte im Ort ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 30 Häftlinge Zwangsarbeit für die SS verrichten mussten.[3] Zum Kriegsende am 8. Mai 1945 befanden sich die sowjetischen Streitkräfte im Neugersdorfer Wald und konnten somit am darauf folgenden Tag den Ort kampflos besetzen.

1950 wurde nahe dem Waldbad Silberteich das Zentrale PionierzeltlagerRosa Luxemburg“, das heutige KiEZ „Querxenland“, errichtet.[4]

Im Jahr 1974 erhielt Seifhennersdorf das Stadtrecht. Am 30. August 2009 lehnten die Bewohner der Stadt die für 2011 vorgesehene Gründung einer Stadt Oberland als Zusammenschluss mit Neugersdorf und Ebersbach/Sa. mit einer Mehrheit von 65 % ab.

Seit dem Mauerfall (Ende 1989) hat der Ort etwa 40 Prozent seiner Einwohner verloren. Eine Kleider- und eine Schuhfabrik stellten ihre Produktion ein; größter Arbeitgeber ist (Stand 2012) die C. Bechstein Pianofortefabrik, ein Klavierbauer.[5] Der ehem. Kretscham wurde 2011 abgerissen.

Ortsnamenformen

  • Seifhennersdorf: 1352: Henrici villa apud Romberch, 1358: Heinrichstorf, 1384: Henricivilla prope Romberg, 1402: im Seiffen, in den Seyffen zu Heinrichsdorff, 1447: Heynerstorff am Seyffe, 1483: Hennersdorff im Seiffenn, 1584: Niederhennersdorf sammt den Seiffen, 1657: Hennersdorf in Seiffen, 1836: Seifhennersdorf
  • Ortsteil Halbendorf: 1566: Klein Hennerßdorf, 1696: Halbendorf, 1719: das halbe Dorf, 1805: das Halbedorf, 1899: Halbendorf

Verwaltungszugehörigkeit

1777: Bautzener Kreis, 1843: Landgerichtsbezirk Löbau, 1856: Gerichtsamt Großschönau, 1952: Landkreis Zittau, 1994: Landkreis Löbau-Zittau, 2008: Landkreis Görlitz

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner[6]
1777 71 besessene Mann,
124 Gärtner,
309 Häusler,
5 Wüstungen
1834 5107
1871 6309
1890 6998
1910 8116
1925 8143
1939 7850
1946 9181
1950 9508
1964 8670
1990 6874
2000 5241
2009 4300
2012 3935
2013 3883

Politik

Gemeinderatswahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 49,2 % (2009: 53,4 %)
 %
50
40
30
20
10
0
30,4 %
44,3 %
25,3 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-25
-30
-35
-32,7 %p
+20,4 %p
+12,3 %p
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Bürgermeister

  • 1994 -: Norbert Pientka (parteilos)
  • seit 2002: Karin Berndt (UBS)

Stadtrat

Stadtratswahl
Partei 1994 1999 2004 2009 2014
 % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze  % Sitze
CDU 42,5 7 46,2 8 33,3 5 23,9 3 44,3 7
PDS/Linke 11,9 2 15,1 2 14,3 2 13,0 2 25,3 3
SPD 6,3 1 10,3 2 7,2 1
FDP 8,2 1 4,1 0
UBS 31,1 5 24,4 4 45,1 6 63,1 9 30,4 4

Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgender Verteilung der 14 Sitze im Stadtrat:[8] UBS: 5 Sitze, CDU: 6 Sitze und LINKE: 3 Sitze. Die Wahl vom 25. Mai 2014 wurde vom Landratsamt für ungültig erklärt.[9] Die am 9. November 2014 durchgeführte Wahl ergab dann schließlich folgende Sitzverteilung: UBS 4 Sitze, CDU 7 Sitze und LINKE 3 Sitze.[10]

Wappen

Der Adler heraldisch rechts oben weist auf die ehemalige Zugehörigkeit Seifhennersdorf zu Zittau hin. Die Waage links oben steht als Symbol für die Gerechtigkeit. Die Spindel rechts unten bezeugt die ansässige Textilindustrie und die Eichenknüppel links unten erinnern an den ehemaligen böhmischen Grundherrn Hronovice. Das S im Zentrum steht für den Ortsnamen.

Partnergemeinden

Verkehr

Seifhennersdorf liegt an der Bahnstrecke Mittelherwigsdorf–Varnsdorf–Eibau und besitzt einen Bahnhofsbau aus der Zeit der Inbetriebnahme der Strecke, welcher jedoch nicht mehr genutzt wird. Die Strecke nach Eibau ist stillgelegt, der Bahnübergang wurde abgebaut. Vor der Bahnhofseinfahrt wurde ein „provisorischer“ Haltepunkt errichtet, der seit dem 12. Dezember 2010 von der Vogtlandbahn unter dem Markennamen Trilex bedient wird.

Durch die KVG Dreiländereck bestehen Busverbindungen nach Eibau, Neugersdorf, Zittau und Olbersdorf.

Außerdem gibt es zwei Grenzübergänge zu den Nachbarstädten Rumburk (Rumburg) und Varnsdorf (Warnsdorf).

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Seifhennersdorf weist viele Umgebindehäuser auf.

Auf dem 429 m hohen Burgsberg (Hrádek) direkt hinter der Landesgrenze in Warnsdorf errichtete der Architekt Möller 1904 ein luxuriöses Ausflugsrestaurant. Dieses markante Objekt auf dem Hausberg von Seifhennersdorf und Warnsdorf verfiel nach 1945 immer mehr. In den letzten Jahren erfolgte durch einen grenzüberschreitenden Förderverein eine Sanierung des zur Ruine verkommenen Bauwerkes, das bereits zu einem großen Teil in seiner alten Schönheit wieder hergestellt werden konnte.

Im Stadtgebiet befindet sich neben dem Kindererholungszentrum „KiEZ Querxenland“ das Wald- und Erlebnisbad „Silberteich“.

Museen

Das Karasek-Museum befindet sich neben dem Rathaus und ist bekannt für eine original eingerichtete Oberlausitzer Heimatstube sowie die Darstellung des Räuber- und Schmugglerunwesens am Ende des 18. Jahrhunderts mit besonderer Erwähnung des Räuberhauptmanns Johannes Karasek.

Das private Eisenbahnmuseum der Familie Frey auf der Arno-Förster-Straße wurde am 9. Juni 2001 eröffnet. Neben einer H0-Modellbahnanlage, die eine Fläche von 22 m² aufweist, umfasst die Ausstellung des Fleischermeisters Frey weitere Modelleisenbahnen sowie Blechspielzeug.

In der Ortslage Läuterau kann die Puppensammlung der Familie Büttrich besichtigt werden. Das Puppenmuseum beherbergt mit 1700 Exemplaren die größte Puppensammlung Sachsens. Auf einer Ausstellungsfläche von 90 m² sind Puppen, Teddys sowie 30 Puppenstuben zu sehen.

Gedenkstätten

Ein Gedenkstein aus dem Jahre 1949 vor dem Rathaus erinnert an alle Opfer des Faschismus. Ein Gedenkstein direkt vor dem Rathaus erinnert an alle Opfer von Krieg und Gewalt. Zwei Gedenksteine in Seifhennersdorf, im Kindererholungszentrum und im Naturheilpark, erinnern an Ernst Thälmann.

Unternehmen

Seifhennersdorf ist Standort des vormaligen VEB Seifhennersdorf für Fallschirme, heute Spekon Sächsische Spezialkonfektion.[11]

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Ehrenbürger

  • 2000 Max-Heinz Farke (1913–2003), evangelischer Pfarrer
  • 2001 Senol Yegin, türkischer Unternehmer, Firma SPEKON[12]
  • 2008 Herbert Vogt, Maler

Siehe auch

Literatur

  • Cornelius Gurlitt: Seifhennersdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 29. Heft: Amtshauptmannschaft Zittau (Land). C. C. Meinhold, Dresden 1906, S. 226.
  • Otto Moritz Kind: Geschichte von Seifhennersdorf. Seifhennersdorf 1892 (Digitalisat )
  • August Friedrich Richter: Einige Nachrichten von Seifhennersdorf in der Oberlausitz. Müller, Seifhennersdorf 1802 (Digitalisat )

Weblinks

 Commons: Seifhennersdorf  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. seifhennersdorf.de
  3. [1] , Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Abgerufen am 6. Juli 2016
  4. Waldbad Silberteich. In: Die südöstliche Oberlausitz mit Zittau und dem Zittauer Gebirge (= Werte der deutschen Heimat. Band 16). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1970, S. 64.
  5. Piano statt forte. FAZ.net
  6. Seifhennersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  8. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014 in Seifhennersdorf. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, abgerufen am 28. Mai 2014.
  9. Landratsamt Görlitz erklärt Stadtratswahl in Seifhennersdorf für ungültig.
  10. Seifhennersdorfer Amtsblatt, 12. November 2014
  11. http://www.spekon.de heute Sächsische Spezialkonfektion GmbH
  12. Der Boss vom Bosporus. In: Berliner Zeitung, 30. Oktober 2001.

Kategorien: Seifhennersdorf | Ort im Landkreis Görlitz | Ort in der Oberlausitz | Gemeinde in Sachsen

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