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Seiche


Dieser Artikel befasst sich mit der Seiche als stehende Welle; zu anderen Bedeutungen siehe Seiche (Begriffsklärung).

Als Seiches (frz. /sɛʃ/) bezeichnet man stehende Wellen des Wassers in Seen, Buchten oder Hafenbecken. Sie entstehen, wenn Beckenränder Wellen reflektieren, deren Wellenlänge in Resonanz mit dem Becken liegt. Der Begriff Seiche wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch François-Alphonse Forel vom gezeitenähnlichen Trockenfallen der Uferbereiche hergeleitet, das er wiederholt am Genfersee beobachtet hatte. Auffällig sind die Seiches der Großen Seen Nordamerikas, wo bis zu drei Meter hohe Schwankungen des Wasserstandes beobachtet werden.

Beschreibung

Vereinfacht lassen sich Seiches mit dem Schwappen des Wassers in einer Riesenschüssel vergleichen. Dabei treten aber auch Standwellen mit mehreren Wellenknoten auf sowie komplexe Wellensysteme (längs und quer überlagert) entsprechend der unterschiedlichen Länge und Breite der Seebecken oder aufgrund noch komplizierterer Beckenformen.

Die Perioden der Schwingungen liegen zwischen Sekunden und Tagen (in der Ostsee rund einen Tag, in Fjorden Norwegens drei Tage, in Schwimmbecken Sekunden). Treibende Kraft sind in Seen meistens wechselnde Windeinwirkungen. In marinen Becken kommen auch Erdbeben oder Tsunamis als Auslöser in Frage. (Die extremen Auswirkungen des Tsunamis von 1946 in Hilo/Hawaii sind seiner Verstärkung durch die Seiche der Bucht von Hilo zuzuschreiben: Periode des Tsunamis 15 Minuten, Periode der Seiche 30 Minuten; dadurch verstärkte sich jede zweite Welle durch die Eigenbewegung der Hilobucht und erzeugte eine viel größere Zerstörung als an den anderen Küstenabschnitten von Hawaii.)

Da in Seen Wassermassen unterschiedlicher Dichte übereinander geschichtet sind, kommen regelmäßig interne Seiches vor, die erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt wurden.[1] Dabei bewegen sich die Wassermassen der verschiedenen Schichten gegeneinander, so dass die Schichten zu einem Zeitpunkt in verschiedenen Bereichen des Sees unterschiedliche Dicken aufweisen und diese Verteilung sich periodisch ändert. Solche internen Wellensysteme sind beispielsweise im Bodensee ausführlich erforscht worden.

Siehe auch

Literatur

  • Anton Endrös: Seeschwankungen (Seiches), beobachtet am Chiemsee, Dissertation an der Kgl. Technischen Hochschule zu München, Traunstein, 1903
  • Anton Endrös: Die Seiches des Waginger-Tachingersees, Sitzungsberichte der Mathematisch-Physikalischen Klasse der K. B. Akademie der Wissenschaften zu München, Band XXXV, Jahrgang 1905, Seite 447 - 476
  • Anton Endrös: Der Sims-See und seine Seeschwankungen (Seiches), Verlag: Datterer, Freising, 1913
  • Matthias Tomczak, J. Stuart Godfrey: Regional Oceanography. An Introduction. 2. Auflage. Daya, Delhi 2003, ISBN 81-7035-307-6 (englisch).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Sylvin H. Müller-Navarra: Ein vergessenes Kapitel aus der Seenforschung - Wilhelm Halbfaß (1868-1938), interne Seiches und der Madüsee (Jezioro Miedwie). In: Forum Wissenschaftsgeschichte Band 1, m-press / Martin Meidenbauer Verlagsbuchhandlung, München 2005, ISBN 978-3-89975-540-4 (Zugleich Dissertation an der Universität Hamburg, 2005).

Kategorien: Küsteningenieurwesen | Meereskunde | Limnologie

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Seiche (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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